Überdruss Englisch zu sprechen

Heute ist mir so richtig klar geworden, wie leid ich es bin mich permanent in einer Fremdsprache ausdrücken zu müssen. Erst recht, wenn ich müde bin. Bin nämlich gestern erst um 3 Uhr nachts ins Bett gegangen. Wenn man aus unserer Straße rausfährt, kommt man auf eine Durchgangstraße, links führt sie zum Highway, rechts Richtung Jaimes Schule. Genau dort wollten wir heute Nachmittag hin, er zum Fußball spielen und wir, um mit dem Hund zu laufen. An der Ecke unserer Straße ist kürzlich erst ein sehr großer Eukalyptusbaum von der Gemeinde abgesägt worden. Ich fuhr also aus unserer Straße raus und weil der Baum nun nicht mehr die Sicht versperrt, brauchte ich auch nicht unnötig abzubremsen. Jedenfalls meinte ich zu John, It’s really good jetzt, dass der Baum weg ist. Und wenn ich mich auch nicht mehr an den nächsten Satz erinnere, so weiß ich doch, dass ich ihn komplett auf Deutsch gesprochen habe. Da hat es mich wirklich unbewusst erwischt – diese Müdigkeit gepaart mit Überdruss – lässt mein Gehirn dann doch blitzschnell Wörter bilden, die ich Jahrzehnte lang gehört und gesprochen habe. 

Gerade eben hatte ich mich kurz hingelegt, aber wie das hier so ist, ist mal wieder irgendjemand am Rasen mähen. Wenn es nicht der Gärtner von gegenüber ist, ist es unser direkter Nachbar Bill. Nervig! Aber was noch viel nerviger ist, ist die Tatsache, dass John sich mal wieder nicht an unsere Absprache gehalten hat. Heute wollten wir nur leicht essen, ich habe einen Kartoffelsalat gemacht und ein Huhn ist im Backofen. Schaue ich gerade rein, hatte er schon wieder Kartoffeln mit dazu gelegt und war schon wieder dabei Möhren zu schnippeln, die auch noch mitgebacken werden sollen. Frage mich was das soll, da wir genau für morgen einen Braten plus Backkartoffeln plus Gemüse geplant haben. Der Mann und sein ewiges Gemüse essen regt mich auf. An Skorbut wird der nicht erkranken.

Hier ist noch der Text, den ich in meinem Überdruss über die Webcams in meiner Heimatstadt zum Ausdruck bringen musste. Erst hatte ich überlegt, ob ich den Text direkt an die Stadtverwaltung schicke, habe mich aber dann doch an die Tageszeitung gewand. Die haben den Text dann leider nicht als eigenständige Kolumne am Samstag abgedruckt, sondern einen Bericht drumherum geschrieben. Was ich ein bisschen blöd fand, aber immerhin muss man ja dankbar sein, wenn einem eine Zeitung einen Text abnimmt, auch wenn man keine Journalistin ist.