Mein Sohn und ich

haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander. Manchmal unterhalten wir uns auch ganz toll und nicht nur zwischen Tür und Angel, obwohl Tür und Angelgespräche inhaltlich eh zu den Wo ist….? Kannste mal… Ich bin am verhungern… Ich bin dann mal weg… Genuschel gehören und nicht zu der Ganz-Toll-Unterhaltung zählen.

Wie dem auch sei, heute wäre es mir lieber gewesen, er hätte mir nicht von seinen Plänen erzählt, sich ein Tattoo machen zu lassen – entweder hier oder hier – knapp oberhalb des Handgelenks und des Fußgelenks zeigend. Gespannt guckte er mich an und wusste wohl im voraus meine Reaktion. Blablabla war sie, das Übliche. Da ich mit “vernünftigen” Argumenten nicht weiter kam rief ich ihm mit einem lachenden und einem ernsten Auge zu Das verbiete ich dir. Woraufhin er mich gnädigst darauf hin gewiesen hatte, dass er 19 Jahre alt ist. Bist du nicht, habe ich gesagt, du bist erst 6 Jahre alt und hörst gefälligst auf deine Mama. Lachen habe ich zur Antwort bekommen. Das petze ich gleich an Oma – drohender Ton. Noch mehr lachen.

Da ich leider nichts ausrichten kann, habe ich ihm mit auf den Weg gegeben, er möge sich sehr viel Zeit bei der Motivauswahl lassen und auf keinen Fall überstürzt aussuchen. Und jetzt muss ich mal die Telefonnummer seiner Freundin herausfinden, vielleicht kann die Einfluss auf ihn ausüben.

Deutschland – mein Land

Klingt ja irgendwie pathetisch, sogar in meinen Ohren. Ich erinnere mich gerade – weiß gar nicht wieso – an den Anblick des Bundesadlers im Bundestag, bei meinem letzten Berlinurlaub. Der Adler, der so grimmig guckt, mit dem ich aufgewachsen bin. Fasziniert war ich beim Anblick des riesigen Adlers. Ein offizielles Symbol, in gedruckter Form bei mir Zuhause auf diversen hochoffiziellen Papieren, die man gut aufbewahren sollte. Und wie schön, dass er auch dem besten Freund meines Sohnes bekannt ist. Denn der meinte zu Marco vor seiner Vollnarkose Wenn du nicht wieder aufwachst, Marco, dann lasse ich mir den Adler auf den Arm tätowieren. Ausgesprochen von einem Südafrikaner, der schon seit Jahren in Australien lebt. Was ich lustig und rührend fand (liegt das am Alter, dass ich schon zum zweiten Mal etwas rührend finde?), was aber nur dazu diente Marco aufzuheitern und ihm auf diese Art und Weise Freundschaft zu versichern. Sag noch einer Männer können so was nicht – rührend.

Herzerfrischend

und lustig wie immer, der Dieter Nuhr. Ich dachte immer, falls ich zurück nach Deutschland ziehen sollte, dass ich der Helmpflicht beim fahrradfahren und den Nichtrauchergesetzen entkommen könnte, aber nein, Deutschland strengt sich mächtig an, das nachzuholen, was andere Länder schon vor Jahrzehnten per Gesetz beschlossen haben. Es gibt kein Entkommen – wie ärgerlich.

Schreiben für die Schublade

Manchmal bekomme ich Stichwörter per Mail zugeschickt, zu denen ich oder andere angeschriebene Autoren einen Text, der in der Zeichenanzahl sehr begrenzt ist, schreiben “soll”. Die Chance, dass er gekauft wird ist, wie ich finde, gering. Vor einigen Monaten bekam ich den Aufruf und ein Bildausschnitt zugeschickt. Ob das Bild nun tatsächlich Prometheus hieß oder nicht, wer weiß das schon… es ging jedenfalls um ein Museum und einen deutschen Maler, Max Beckmann (1884-1950).

Und hier ist der Text, den ich (mal) wieder für die Schublade geschrieben habe:

Ich sehe was, was du nicht siehst

Wir schauen uns ein Gemälde im Museum an, versuchen zu verstehen. Maler sind wie Schriftsteller, man muss ihre Werke nur entschlüsseln können, zwischen den Pinselstrichen lesen sozusagen. Was willst du mir sagen?, flüstere ich. „Kennst du nicht die Geschichte des Prometheus?“, fragt mich das Bild in einem selbstgefälligen Ton. „Sicher“, antworte ich, „aber die sehe ich in meinem Gemütszustand heute nicht.“ „Du weißt gar nichts, du verstehst nichts“, antwortet das Bild. Ich könnte jetzt sagen, dass ich sehr wohl verstehe und auch wiederum nicht, aber das würde das Bild nicht verstehen, deshalb schweige ich und betrachte es noch intensiver „Ich gebe dir einen Hinweis“, sagt es in einem schnippischen Ton. Ich will keinen Hinweis und kneife die Lippen zusammen. „NS-Zeit“, brüllt es mir ungeduldig entgegen. Ich beachte weder die Aussage, noch in welchem Tonfall sie daher gekommen ist. Mein Herz wird schwer, meine Augen werden feucht. Verstohlen wische ich mir mit dem Handrücken eine Träne von der Wange.

Ich denke an den Künstler  - wie furchtbar seine Heimat verlassen zu müssen. „Na endlich“, sagt das Bild. „Bist du nun doch in der NS-Zeit gelandet,“ den Triumph in der Stimme dünn verschleiernd. „Du verstehst nicht“, herrsche ich das Bild an. „Ich korrespondiere mit dir entsprechend meiner Entwicklungsgeschichte, also sag mir bitte nicht, was ich zu denken habe, das war schließlich auch nicht das Anliegen deines Schöpfers.“ Das Bild schnaubt verächtlich, setzt zum Sprechen an. Seine Antwort wird von der Stimme meines kleinen Sohnes übertönt. „Schau Mama, der Vogel isst die Marmelade vom Hemd des Mannes.“ Er kichert dabei. „Das ist keine…“, setze ich an und halte erschrocken inne. Habe ich nicht gerade dem Bild eine Lektion erteilt?

Veröffentlicht unter Allgemein

Rühriges Punkpärchen

durfte ich heute beim Tierarzt im Wartezimmer bewundern. Schwarze Kleidung, ist klar ja, das Mädel hatte schwarze Doc Martens anne Füße, die sahen sogar noch besser aus, als meine, aber die sind ja auch schon 8 Jahre alt. Halten immer noch! Ich sag mal, die 200 $ dafür hatten sich wirklich gelohnt. Der junge Mann hatte seine schwarzen Haare zum Pferdeschwanz gebunden, die Oberkopfhaare waren in einem komischen Rot gefärbt. Mmh schwarzlackierte lange Fingernägel und Pierchings. Er trug einen Minikäfig und ich konnte nicht sehen, was für ein Tier drin war. Gekko denke ich, Lizzard, ganz sicher kein Hase, dafür war der Käfig zu klein. Auch kein Hamster, die gibt es hier nicht. Meerschweinchen? Nä! Mir fiel ja nix mehr ein, dafür hörte ich aber das Gespräch zwischen ihnen und der Arzthelferin…Auge muss vermutlich entfernt werden, kann man noch nicht genau sagen…blabla. Großes Ah und Weh und auch ich hatte Mitleid. Kurze Zeit später stellte sich heraus, dass sie ihre Haustier-Ratte angeschleppt hatten.

Zwar habe ich mich ein bisschen geekelt, was an einer Ratte als Haustier so toll sein soll, kann ich rein gar nicht nachvollziehen, aber ich fands einfach rührend, dass sie offensichtlich keine Kosten scheuen, um dem Pet zu helfen. Wenn doch nur manche Eltern sich so rührend um ihre Kinder kümmern würden!