Heute habe ich mich verkleidet. Ich habe mir ein Oberteil aus dem Schrank genommen, das dort schon 2 Monate ungenutzt hing. Ein Top, dessen Schnitt und Farben mir im Laden gut gefiel und ganz fabelhaft zu meiner dunkelbraunen Hose passt. Was mich jetzt völlig irritiert, ist die Tatsache, dass ich „übersehen“ habe, dass besagtes Top sechs verschiedenfarbige Blütenköpfe ziert. Das Material ist angenehm weich, die Farben trotz der Vielfalt nicht schrill und auch das Popel-Grün fügt sich dezent ins Farbgetümmel. Warum nur bin ich mit meinem matronenhaft-geblümten Anblick im Spiegel nicht zufrieden? Wie kommt es, dass mir so etwas überhaupt nicht steht und andere Frauen in ähnlichen Oberteilen ganz entzückend aussehen? Immer wieder stehe ich vor dem Spiegel und betrachte mich. Wenn ich einen anderen Kopf hätte? Jünger aussehen würde? Älter wäre? Dunkelhäutig? Mandeläugig? Schlitzäugig? Beim letzten Ausdruck höre ich förmlich den einen oder anderen Leser nach Luft schnappen. Das darf man doch nicht sagen! Doch – ich darf das. Mandeln sind Mandeln und Schlitze sind Schlitze.
Das hat man davon, wenn man von seinem Stil abweicht. Ich habe auch eine Erklärung für meinen Fehlkauf. Mutter! Ihre Stimme (Probier doch mal wenigstens an, angezogen sieht das immer gaaanz anders aus) muss sich im Laufe meines Lebens tief in mein Unterbewusstsein gegraben haben, dass ich, zwar nicht sehr häufig, aber hin und wieder doch mal einen Griff ins Klo mache und im Grunde schon beim Kauf weiß – das ist jetzt wirklich eine unkluge Entscheidung.
Klug dagegen war die Entscheidung vor Jahren unsere typisch angelsächsischen runden Türknaufe auszutauschen. Zwar war es mir im Grunde egal, ob ich nun drehen oder drücken muss, um eine Tür zu öffnen, aber irgendwann ging mir auf den Senkel, dass sich ein Türknauf nicht mit dem Hausfrauen-Ellenbogen öffnen lässt. Hausfrauen sind kluge und effiziente Wesen. Sie wollen, wenn sie Wäschekörbe oder Einkaufstaschen tragen, nicht erst das ganze Zeugs abstellen müssen, um Türen zu öffnen. Und auch nicht mit frisch eingecremten Händen ergebnislos an Türknaufe drehen (Hallo! Klopf, klopf – kann mich mal jemand aus dem Badezimmer lassen? Hallo. Hallooo?) Wozu sonst ist ein Ellenbogen da?
Einige Jahre später wollte ich dann auch an der Haustür den Griff ausgetauscht haben. Mir schwebte eine Türklinke vor, die sich von Außen nicht herunterdrücken lässt, auch wenn man nicht von Innen abgeschlossen hat. So wie ich das von den Schlössern in Deutschland gewöhnt bin und überaus praktisch finde. Was ich bekommen habe, ist ein Türschloss, das ich immer noch von innen abschließen muss (John hört auch nie richtig zu), wenn ich nicht will, dass man einfach hereinspazieren kann. Aus mir unerfindlichen Gründen hatte John damals den Türknauf so niedrig angebracht, dass sich auch Zwerge mühelos Zugang zu unserem Haus verschaffen können. Leider ließ sich das auch mit der neuen Klinke nicht ändern, da wir das bereits vorhandene Loch im Holz für die neue Klinke benutzen mussten. Egal – vielleicht ziehen hier mal Fünfjährige ohne ihre Eltern ein. Die werden uns dankbar sein. Jetzt habe ich eigentlich nur noch eines zu sagen: Mama, ich habe dir ein ganz entzückendes Oberteil gekauft.