Pippi inne Augen

Ich habe gerade meinen Probedruck abgeholt. Oh was ist der Kalender schön geworden, even if I say so myself – can’t help it :-)

Die gute Prinshop-Lady hat leider vergessen den clearcoat auf den Titel und auf die Rückseite zu machen, aber das ist jetzt nicht so wichtig. Ich bin glücklich und zufrieden, was will man mehr?

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Immigration Museum

Heute Nachmittag waren wir im Immigration Museum. Ein wunderschönes ehemalige Zollgebäude aus dem Jahre 1840. Hohe Fenster, sehr hohe Decken, wunderschöne Säulen und fantastische Stuckarbeiten. Leider hatte ich meine Kamera vergessen, sonst hätte ich jetzt schöne Bilder zeigen können. In einem Raum hat man einen Schiffsbug gebaut und drinnen hat man nachgebaut, wie es auf den Schiffen in den Kabinen aussah. Eine Kabine war aus dem Jahr 1900, also noch zur Zeit der Dampfschiffe. Eine Holzkabine mit vier Betten, funktionell also, Null Luxus. Aus Lautsprechern kamen Geräusche aus dem Schiffsalltag, Holzplanken knarrten, ein Baby schrie, Stimmengewirr und in all dem Lärm eine Erzählstimme. Sehr interessant! Auf dem Gang ein Plumpsklo, bei dem Jaime sehr bedauerte, dass er nicht mal Probesitzen konnte. Dann ein Salon aus der zweiten Klasse, Tapeten an den Wänden eine gemütliche Ledersitzecke, dahinter dann die Ausstellung einer Kabine aus dem Jahr 1950, zwei Etagenbetten, eine Kommode, ein Waschbecken. Das war dann schon auf einem Ozeanriesen. Meine Güte und so haben Tausende von Menschen den Ozean wochenlang überquert, um in Australien ein neues Leben anzufangen.

Ein bewegendes Zeugnis, nostalgisch und interaktiv – die Einwandergeschichte der Immigranten im Bundesstaat Victoria. Ein Raum war der Frauenbewegung und der besonderen Schwierigkeiten mit denen Frauen konfrontiert wurden, gewidmet. Sie konnten die Sprache nicht, mussten mitarbeiten, um die Familie im neuen Land zu ernähren, hatten aber Kinder, Haushalt und Ehemänner zu versorgen und niemanden, der auf ihre Kinder aufpasste. Teilweise mussten sie sie alleine lassen. Kein Wunder, dass viele Einwanderer unter sich blieben, was blieb ihnen anderes übrig, wenn sie mal einen fließenden Satz sprechen wollten? Das Frauen überall auf der Welt die Arschkarte haben, wissen wir ja alle, aber wenn man dann mal in historischen Zeitungsartikeln nachlesen kann, wie es ihnen in Australien ergangen ist, dann stimmt das schon traurig. Im gleichen Raum war ein uralt Fernseher aufgestellt, was ich sehr passend fand. Da konnte man sich Filmaufnahmen und Interviews über die Probleme der Frauen ansehen. Wie sie sich tag ein tag aus in irgendeiner Fabrik die Finger für den geringsten Lohn wundarbeiteten. Ich sag nur, haben wir es heute gut. Ein Hoch auf die Frauenbewegung, die es uns ermöglicht hat, ein besseres Leben zu leben.

Das die eingewanderten Engländer die besten Jobs bekommen hatten, meist in der Verwaltung, lag daran, dass sie erstens die Sprache beherrschten und zweitens, weil Australien nun einmal eine britische Kolonie war. Es wundert daher nicht, dass man historische Gebäude hier sieht, die man vom Baustil her auch in England vorfindet. Es hat ja was, diese großzügige verzierte Bauweise, ich bin immer ganz hin und weg, wenn ich mich in so einem Gebäude befinde.

Es gibt viel zu viele Details im Museum über die man nicht schreiben kann, einfach mal vorbeischauen, wer in Melbourne ist – 400 Flinders Street, nicht weit von Flinders Street Station entfernt.

Als nächstes steht für uns das Parliament of Victoria (Landesparlament) auf dem Plan. Wir sind nämlich heute dran vorbeigefahren – eine riesige Steintreppe führt zu riesigen Säulen und davor stehen altmodische “Gas”-Lampen. Auf dem Bild sieht es leider nicht so pompös aus, wie es in Wirklichkeit ist. Man kann auch eine virtuelle Tour machen, ich habe mir jetzt aber nicht den blabla Spieler dafür herunterladen wollen. Stattdessen kann man auch auf die Kästchen im Lageplan klicken und es wird das passende Foto angezeigt. Ich will aber auf jeden Fall einmal eine Besichtigung machen. Ich liebe historische Gebäude.

Im übrigen finde ich, hat man sich hier sehr viel Mühe mit Museen gegeben. Überall gibt es was interaktives, Science Works z. B. (interaktives Museum zum ganz viel Anfassen für Kinder und Erwachsene, um zu erfahren, wie Wissenschaft funktioniert), ist sehr beliebt bei Familien mit Kindern. Unbedingt vorbeischauen und einen Tag dafür einplanen – es lohnt sich.

Wohnen in Casey

Cool – gerade will ich online die Hundesteuer bezahlen und gehe zu diesem Zweck auf die Webseite der Gemeinde und was sehe ich – man hat ein Video über unsere Wohngegend online gestellt. Hier könnt ihr mal gucken, wie die Häuser so aussehen, wo Jaime ab und zu Skateboarden geht oder wir schwimmen gehen. Irgendwann kommt ein Schild Wilson Botanic Garden und genau gegenüber davon wohnen wir. Im letzten Drittel des Videos sieht man noch kurz Marcos Uni. Akoonah Park hätte man ruhig länger filmen können, stattdessen hat man sich dazu entschlossen die Kirmes im Februar zu filmen, die jedes Jahr dort stattfindet und ganz kurz mal auf dem Markt, der jeden Sonntag dort geöffnet ist. Berwick Inn Pub ist auch anfangs mal drauf und wenn man links am Pub vorbei fährt, kommt man keine 100 Meter weiter zum Safeway Supermarkt, in dem wir meistens einkaufen.

Krasser geht’s nicht

Ich hätte nicht Nachrichten lesen sollen. Versaut einem total die Laune und lässt einen an der Menschheit zweifeln. Ich mach jetzt nicht mehr mit. Ich will nicht mehr hören oder lesen, ob sich jemand in einem muslimischen Land darüber aufregt, was in Dänemark oder Holland gesagt, gezeichnet oder gefilmt wird.

Ich stelle mir das manchmal so vor…

“Bist du sicher, dass das die dänische Flagge ist?”

“Ja, bin ich, die haben doch was rotes auf ihrer Flagge. Guck mal, da ist Rot.”

“Ich glaube aber die Schweizer haben auch Rot auf ihrer Flagge.”

“Ach?”

“Mmh.”

“Woher willst ausgerechnet du Bauernlümmel wissen, wie die schweizer Flagge aussieht?”

“Mein Bruder lebt dort.”

“Ach, ist doch pupsegal, wenn wir die vor laufender Fernsehkamera mit jöhlender Meute im Hintergrund verbrennen, dann sieht doch kein Mensch, ob dänisch oder schweizerische Flagge, Hauptsache die sehen rot.”

“Du, sag mal, wo liegt eigentlich Dänemark?”

“Keine Ahnung, halt mich nicht vom beleidigt sein von der Arbeit ab. Als Berufsdemonstrant ist mir das auch schnurz, ich hab ne Familie zu ernähren. Hier nimm mal, das ist die holländische Flagge, die nehmen wir schon mal auf Vorrat mit.”

Aber das wollte ich gar nicht schreiben. Ich wollte dieses Bild zeigen, ihr erinnert euch bestimmt an das Foto eines jungen afghanischen Flüchtlingsmädchens, aufgenommen 1984. Das Mädel mit den intensiven grünen Augen. Der Fotograf hatte sie jahrelang gesucht und tatsächlich wieder gefunden. Das Bild ging ja vor einigen Monaten durch die gesamte Presse. Und als ich das heute im National Geographic Magazin noch einmal sah, habe ich mich gefragt, ob diese Frau in ihrem Leben jemals gelacht hat.

Und dann macht doch tatsächlich Berufspartyhase P. H. Schlagzeilen, weil sich die Pressevertreter bei ihrer Ankunft in der Türkei gegenseitig die Schädel einschlagen, um ein Foto von ihr schießen zu können. Von einer Berufslächlerin! Das muss man sich mal vorstellen.

Krasser geht’s nicht.

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Männerhumor…

arrgh…gestern hatte ich laut überlegt, einen Trolley nur mit Schuhe zu packen. Meinte John, Ja und ausgerechnet dieser eine Trolley geht dann verloren, dann guckste dumm – haha, hat er gelacht. Das ist auch wieder diese typische Aussiementalität…was schief gehen kann, geht garantiert schief oder erstmal negativ denken, positiv kann jeder.

Da habe ich doch noch einen Tipp für die Damen. Neue Sandalen oder Latschen sollte man mit Imprägnierspray vor dem ersten Tragen einsprühen und über Nacht trocknen lassen. Das verhindert die Fußschweißabdrücke, die ja nicht wirklich schön aussehen, wenn die Schuhe irgendwo herumstehen.

Road Rage

Ich kenne keinen deutschen Ausdruck dafür, vielleicht gibt es den auch gar nicht. Road Rage ist, wenn sich Autofahrer gegenseitig anpöbeln, im schlimmsten Fall tätlich angreifen. Wir machen alle mal Fehler, aber es gibt immer Leute, die hinter einem fahren und einem bald in den Kofferraum kriechen, weil sie unbedingt schneller fahren wollen, aber gerade nicht überholen können. Das nicht überholen können, liegt in der Regel daran, dass schwerer Verkehr herrscht und man nicht schneller fahren kann, als derjenige, der vor einem fährt. Manche wissen das nicht, deshalb erwähne ich das hier extra.

Dann gibt es Leute, die anderen Leuten gerne die Vorfahrt nehmen und sich dann angegriffen fühlen, wenn man denen den Finger zeigt oder sich aufregt. Ich versuche mich so wenig wie möglich aufzuregen und wenn ich mal das Gefühl habe hinter oder neben mir fährt ein aufgemotztes halbes Autowrack gefüllt mit hormongesteuerten Bubis und eingebauter boom-boom Stereo, dann klicke ich auf die Zentralverriegelung und schon fühle ich mich an der Ampel sicherer. Man weiß nämlich leider nie, ob es nur das Testosteron ist, dass sie sich wie Idioten benehmen lässt oder ob sie nicht doch unter Einfluss diverser Substanzen stehen, legal oder illegal erworben.

Heute erfuhr ich, dass der Bruder von Johns Freund, den ich auch all die Jahre kenne, ein Road Rage Opfer geworden ist. Gebrochene Nase und blaues Auge, Striemen am Hals. Er fuhr in den Kreisverkehr, hatte Vorfahrt, von rechts kam ein Auto, wollte ihm die Vorfahrt nehmen. Er regte sich auf und hat bestimmt auch keine freundlichen Ausdrücke gebraucht, der Fahrer des anderen Wagens schnitt im den Weg ab und beide mussten anhalten. Er aus dem Auto ausgestiegen, was ein großer Fehler war, der andere Typ aus dem Auto gestiegen, dann haben sie sich angepöbelt und gekloppt und dann stieg der Beifahrer aus und packte ihn von hinten. Er hatte nicht gesehen, dass ein Beifahrer dabei war, ich denke sonst hätte er sich rechtzeitig vom Acker gemacht. Der eine von denen meinte noch zu ihm, wenn er ein Messer dabei hätte, hätte er es jetzt zwischen den Rippen sitzen. Und das glaube ich sofort. Es sind so viele Psychopathen unterwegs, dass man mit so etwas heutzutage immer rechnen muss.

Ich finde es überhaupt nicht lustig, sich gegenseitig die Rübe einzuschlagen. Ich frage mich immer, wo und wie die Leute aufgewachsen sind, die immer gleich draufhauen müssen. Oder treten – selbstverständlich immer an den Kopf – ist ja klar.

Manchmal macht mich diese Welt richtig krank.

Gudrun hat mir Arbeit abgenommen

Wie schön, denn ich hab den Kopf immer mal wieder voll mit Dingen, über die ich eigentlich schreiben will, dann kommt was anderes dazwischen und außerdem ist das hier eh kein reiner Australienblog. Gudrun Lahm hat eine schöne Zusammenfassung beim Stern hinterlegt. Durchaus lesenswert und informativ.

Soweit ich weiß ist sie schon wieder in D. oder bald auf dem Weg dorthin. Was mich ein wenig neidisch macht. Ich habe im Moment das Gefühl, dass ich wo festsitze, wo ich gar nicht mehr so richtig sein will.