Auswandern – ach nicht alles so wie Zuhause?

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, kann mir einer erzählen was er will. Man wächst jahrelang in einer Kultur auf, saugt sie auf wie ein Schwamm, man denkt über Jahre, im Rest der Welt wirds genauso gehandhabt und zack, eines Tages kommt man dahinter, das dem nicht so ist. Man fliegt in den Urlaub, ach wie toll die Menschen sind, wie freundlich – ganz anders wie Zuhause. Die Sonne mag auch häufiger scheinen, das Meer mag schneller erreichbar sein, als in Deutschland – zack- wir wandern aus! Das ist so klar wie Klärchen, weil woanders ist alles besser und scheiß auf die miesepetrigen unhöflichen Deutschen, die Regierung, das Arbeitsamt, den Arbeitsmarkt und die verdammt hohen Lebenshaltungskosten in D. Man kann sich nicht mehr aufraffen für ein paar Euro fuffzig die Stunde arbeiten zu gehen, weil man davon seinen Traum von einem besseren Leben nicht realisieren kann.

Kann man hier auch nicht. Auch hier muss man mittlerweile Abitur haben, um einen einigermaßen anständigen Job zu bekommen. Auch hier sind die Lebenshaltungskosten dermaßen hoch – bedingt durch die jahrelange Dürre – das es kein Spaß mehr macht, in den Supermarkt zu gehen. Ich erinnere mich noch zu gut an den Wirbelsturm in Queensland, der die gesamte Bananenernte zerstörte. Anschließend kosteten die Bananen pro Kilo über 14 $! Ratet mal in wessen Haushalt es beinahe ein Jahr lang keine Bananen gab.

Man kann sich nur bedingt vorbereiten auf das Leben woanders. Es gehört eine ganze Menge Neugierde, Offenheit, Lebens- und Abenteuerlust, ja manchmal sogar Mut – aber nicht Blauäugigkeit dazu - es woanders zu versuchen.

Was mich an all den Auswandersendungen, die ich mir bislang im Netz angesehen habe, stört, ist die mangelnde Vorbereitung, wenn man nicht so wie ich, einen Partner vor Ort hat. Die mangelnden Sprachkenntnisse finde ich haarsträubend. Extrem frustrierend fand ich meine Sprachkenntnisse, die aus gut fundiertem Englisch bestanden – aber eben nur in der Theorie. Sich plötzlich in einer Fremdsprache, die man zwar seit der 5. Klasse gelernt hatte, verständigen zu müssen, hatte meinen Kopf damals beinahe zum Platzen gebracht. Abgesehen davon, dass man sich anfangs nie so ausdrücken kann, wie man es in der eigenen Sprache gewöhnt ist. Das ist frustrierend. Sätze wie ein Zweitklässler bilden zu müssen, nur weil einem das Vokabular fehlt. Nicht wissen, wie Überweisungen getätigt werden, nicht wissen, wie Rechnungen auch bezahlt werden können. In ein Geschäft zu gehen, Gardinen kaufen zu wollen und noch nicht einmal wissen, was Vorhänge auf Englisch heißt, geschweige denn Gardinenstange.

Ich erinnere mich, dass ich in den ersten Monaten eine Rechung bezahlen sollte. John sagte mir, ich müsste zur Post gehen und eine Money Order kaufen. Aha…ich also zur Post mit den nötigen Angaben, um die Rechnung zu begleichen. Die Money Order entpuppte sich als eine Art Scheck, man sagt, dass man eine Money Order an den und den ausstellen bzw. kaufen will. Die Postbeamten tragen die nötigen Angaben ein, man reicht das Geld über die Theke und bekommt diese Art Scheck zurück. Kein Schwein hat mir gesagt, dass ich dieses Ding an den Rechnungssteller per Post, also im Briefumschlag, abschicken muss. Nach zwei Wochen rief mich die Firma, bei der wir etwas gekauft hatten an und erinnerte mich daran, dass die Rechnung noch offen ist. Ich “Wieso, hab ich doch bezahlt – per Money Order – kann ihnen auch das Datum nennen (auf Money Order Zettel geguckt).”

Ach?! Die hätte ich Ihnen schicken müssen? Ja, das muss einem ja auch gesagt werden, nicht wahr – sorry.  Woher sollte ich wissen, dass jetzt nicht elektronisch Kohle überwiesen wird? Und das ist nur ein klitzekleines Beispiel.

Ebenso ist mir aufgefallen, dass in den Auswandersendungen über Australien grundsätzlich so getan wird, als würde jeder Arsch vom Makler den Schlüssel überreicht bekommen, wenn er sich ein Haus angucken will. Ich lebe in Victoria und hier ist das garantiert nicht so. Da wird mit Makler geguckt und kein Schlüssel an Wildfremde herausgegeben.

Ich könnte noch endlos weiter schreiben. Aber um auf den Punkt zu bringen, wozu ich jetzt etliche Sätze gebraucht habe…für mich waren es immer nur die alltäglichen Kleinigkeiten, die mich aus der Bahn geworfen haben. Man ist eben ein Gewohnheitstier.

PS Wäre schön, wenn in den Schulen ein praxisbezogenes Englisch gelehrt werden würde. Was nützt einem die perfekte Grammatik, wenn man nicht weiß, was Oberbett auf Englisch heißt?

Oberbett…australisches Englisch doona, britisches und irisches Englisch duvet, amerikanisches Englisch comforter – und woher weiß ich das? Aus Büchern und Fernsehserien.

Toastbrot IQ

Kann ja niemand etwas dafür, ob er nun dumm wie ein Stück Brot ist oder mittelprächtig intelligent (ich) oder gar super intelligent – hochbegabt (bis zu einem gewissen Grad beneidenswert) ist. Aber einfache Formen von Höflichkeiten dürfen Eltern ihren Kindern immer noch mit auf dem Weg ins Leben geben. Dazu gehören für mich auch Anreden in einem Email. Egal, ich stelle mir gerade Werners Gesicht vor, wenn er meine Antwort im nächsten Blogupdate liest. Aber vielleicht tut er das ja gar nicht. Vielleicht hat er sich ein neues “Opfer” gesucht, denn meine Kollegin hat mir erzählt, dass er ihr auch ein Mail geschrieben hatte. Zu ihrem Bericht über das Wahlergebnis ! Seinerseits im November. Da unterstellte er ihr Werbung für Kevin Rudd zu machen – öhm – nach der Wahl wohlgemerkt. Zu wenig IQ, zuviel Sonne – aber ich bin mir sicher, he can lift heavy things.

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