Haben 1960 noch 40 % der Abiturienten wenigstens eine Fremdsprache gelernt, fällt der Anteil heute rapide. Nur noch 13 % der Schüler machen sich die Mühe, eine Fremdsprache zu lernen. Angeblich wird von Berufsberatern und Lehrer abgeraten. Wozu soll man eine Fremdsprache lernen? Weiß nicht, ob bei denen die Betonung auf Fremd liegt. Seltsame Einstellung. Das ist jetzt der Regierung aufgefallen und nun wird geschaut, wie man das ändern kann. Australische Schüler und Studenten sollen jetzt globalisiert werden – sozusagen. Das hat aber lange gedauert, bis es jemandem aufgefallen ist, dass die meisten Aussies nur Englisch sprechen.
Es kann einem allerdings passieren, dass einem ein völlig Fremder, wenn er erfährt, dass man Deutsche ist plötzlich 99 Luuftballuuns ins Ohr trällert oder auch schon mal ein Ik liiiebe disch um die Ohren haut.
Die fünft meist gelehrten Fremdsprachen an öffentlichen Schulen hier sind japanisch, italienisch, indonesisch, französisch und deutsch.
Marco hatte in der Highschool bis zum Abitur Deutsch belegt. Einmal mussten sie einen Text übersetzen. Darin kam das Wort Kippe vor. Aus dem Zusammenhang ging ganz klar hervor, dass es sich hier um die Zigarettenkippe handelte. Seine Lehrerin bestand allerdings drauf, dass es sich um die Müllkippe handelt – was völlig kontextfrei gewesen wäre – sie hat nicht nachgegeben. Auch nicht, als ein serbischen Mädel, das noch nicht lange in Australien war, aber fünf Jahre in Deutschland gelebt hatte, meinte, dass Marco Recht hat. Da fragt man sich doch, wo die Lehrerin ihre Deutschkenntnisse her hatte
Beim Elternsprechtag stellte sich dann viel später heraus, dass sie zwar deutscher Abstammung war, aber in Australien aufgewachsen. Aha. Die wollte mit mir nämlich nicht Deutsch sprechen. Nein, das könne sie nicht so gut und laberte auf Englisch weiter.
Ich weiß bis heute nicht, ob die Frau tatsächlich die Sprache mal so ein klitzekleines bisschen studiert hat oder einfach nur ihre Deutschkenntnisse von Omma und Oppa hat. Sie fährt aber jedes Jahr auf Klassenfahrt nach Deutschland. Hoffen wir für die nächste Schülergeneration, dass sie auf einen ihrer vielen Trips mal den Unterschied zwischen Kippe und Kippe lernt