Es kommt immer anders

als man denkt. Meine Augen wurden immer größer, als ich den Sitzplatzplan aufgerufen habe. For fuck’s sake was wollen all die Leute an einem Samstag in Dubai? Nix mit Sitzplatz aussuchen. Es sind nur noch eine handvoll Plätze frei und die sind überall im Flugzeug verteilt und nicht nebeneinander. So nun sitzen wir weder in der Mitte und auch nicht direkt am Fenster. Da sitzt jemand anderer und darf dann immer über uns drüber weg klettern – bummer!

Und das ist jetzt auch das allerallerletztemal, dass ich über ein Reisebüro gebucht habe. Bridie-Tusse vom Flight Centre konnte uns am Tag der Buchung keine Sitzplätze zuweisen, warum weiß der Geier. Ab jetzt buche ich nur noch direkt bei der Fluggesellschaft.

Kopfschmerzen habe ich. Vor Anspannung und Ärger. Außerdem will ich  nicht ins Bett, denn das bedeutet einschlafen und dann wache ich auf und es ist plötzlich Morgen. Und das bedeutet noch mehr Kopfschmerzen und Streß. Und Angst. Und Übellaunigkeit unter der dann John zu leiden hat. Marco weniger, denn der muss den ganzen Tag arbeiten. Vielleicht sehe ich ihn gerade noch für ein Paar Minuten in seiner Pause, bevor wir zum Flughafen aufbrechen. 

Sturm hat es übrigens gestern gegeben. Mal wieder deswegen in weiten Teilen hier der Strom ausgefallen. Bei uns ausnahmsweise mal nicht. Haufenweise Boote sind in Mornington, da wo ich demnächst segeln gehen will, beschädigt worden. Viele Häuser verwüstet, umgestürzte Bäume, die den Verkehr lahmgelegt haben. Hier gibt es noch so viele Überlandstromleitungen, dass beim kleinsten Windpusten der Strom ausfällt. Bekloppt! Waren wir noch in einem Laden, der Bettwäsche, Handtücher und Stoffe verkauft und haben uns neue Bettwäsche ausgesucht. Als ich gerade ein Flanellbettlaken (Winter steht hier vor der Tür) vom Sondergrabbeltisch gefischt hatte, fiel der Strom im Laden aus. Sind wir Käufer alle rausgeschmissen worden – aus Sicherheitsgründen. Schlimmer darfs nicht werden mit den Sicherheitsgründen.  Musste ich meine Grabbeltischtrophäe wieder weglegen. Eine halbe Stunde später, als wir schöne Bettwäsche in einem anderen Laden in der Nähe gekauft hatten, fuhren wir zurück. Und ja – mein Bettlaken lag noch genau dort, wo ich es missmutig hatte fallen lassen :-)

Zum Friseur bin ich auch nicht mehr gekommen. Schwankte dauernd zwischen hier und dort. Jetzt ist es zu spät. Schade. Ich meine, wenn man schon so super geschlaucht vom reisen aussieht, sollte wenigstens die Frisur sitzen.

Was packt man

wenn man für 2.5 Monate auf Reisen geht und keine Millionärin ist, die vielleicht nur zu ihrem 2., 3. oder 4. Wohnsitz fliegt und es sich leisten kann überall Klamotten zu deponieren? Keine Ahnung! Ich stehe wie immer vor dem Dilemma nur 20 kg Gepäck pro Person einpacken zu können. Das nervt. Übel ist mir und leichte Kopfschmerzen habe ich auch – Stress.

Ich versuche bei Verstand zu bleiben, indem ich mich auf das Wiedersehen mit meiner Familie freue und mir vorstelle, wie ich meinen Schwager und ich schätze auch meine Schwester durch die riesige Stahltür sehen werde, die sich ständig öffnet und wieder schließt, sobald ein paar Leute durchgelaufen sind, während ich noch am Gepäckkarussel stehe und bange, dass auch alle Gepäckstücke vor meinen Augen kreisen. Auszublenden versuche ich die Erschöpfung, die mich ergreifen wird, das sich ungewaschen und schmutzig fühlen, das nicht aus dem Koffer leben wollen und das ständige Kofferpacken, weil wir hier und dort übernachten werden. Es soll ja schlimmeres geben. Hüfthosen fallen mir da auf Anhieb ein! Oder lauwarmes Bier.

Jasper Ffordes Buch Something rotten (welches durchaus unter dem deutschen Titel Es ist was faul laufen könnte) habe ich gerade noch geschafft zu Ende zu lesen. Ich habe noch eins von ihm hier, aber das muss morgen ungelesen zurück zur Bücherei. In wenigen Minuten kann ich mich online einchecken und unsere Plätze aussuchen. Ich schwanke zwischen Fensterplatz und Mittelreihe. Fensterplatz habe ich in den letzten Jahren nie gebucht, weil ich gerne am Gang sitze, dann kann ich aufspringen, wann ich will, ohne über jemand fremden drüberklettern zu müssen. Andererseits kann man nur an einem Fensterplatz mal den Kopf zum dösen anlehnen, auch wenn es etwas hart ist. Ja – mh – was denn nun? Doch lieber Mittelplatz, da wo die Viererrsitzreihen sind? Hat man manchmal die Chance, dass niemand neben einem sitzt und man sich ausbreiten kann. Ist mir auch schon 2x passiert, dass ich eine Sitzreihe für mich hatte. Gold wert, bei so einem langen Flug.

Gleich fängt auch die letzte Episode von Life on Mars an, die darf ich auf keinen Fall verpassen. Gestern Abend waren wir noch mit Freunden und auch Marco ist mit Freundin gekommen, im irischen Pub lecker essen. Jaime wollte überhaupt nichts, denn der hatte in der Nacht, in der er bei seiner Oma geschlafen hatte, auf ihren Teppich gekotzt. Ich hatte schon befürchtet, er würde krank werden, aber nö, dem gehts wieder gut. Dafür war mir heute Morgen übel und ich war nahe dran meinen Flug zu canceln aus Angst, ich würde innerhalb von 24 Stunden krank werden. Da fällt mir ein, an dem Tag, als ich vor 10 Jahren ausgewandert bin, bin ich mit einer Mandelentzündung, die wirklich aus heiterem Himmel in Düsseldorf ausbrach, geflogen. Meine Güte, habe ich gelitten. Keine Medikamente, das Schlucken fiel mir immer schwerer und ich wollte nur noch ärztliche Hilfe. Die ich nach der Ankunft Stunden später auch bekommen hatte. War kein schöner erster Tag im neuen Leben.

 Naja, ich könnte meine Nervosität immer weiter hier schreibend abarbeiten, aber nun will ich mich mal schnell einchecken, damit ich noch einen ordentlichen Sitzplatz für Jaime und für mich ergattere.

Während des Urlaubes bin ich nur über meine Hotmailadresse erreichbar, wollte ich nur noch mal gesagt haben. In ein paar Tagen werde ich mich aus Deutschland melden. Wenn nicht, sind wir abgestürzt.