will ich nicht wirklich hören und sprechen schon gar nicht. Mir tut es unendlich gut, meine Muttersprache zu sprechen, auch wenn ich hin und wieder mal nach einem treffenden Ausdruck suchen muss. Macht nix, kennen meine Leute von mir und so schlimm, wie es am Anfang meiner Auswanderung einmal war, ist es schon lange nicht mehr. Kommt man sich ja auch deppenhaft vor, wenn man herum stammelt. Mit Jaime spreche ich einen Mischmasch aus Deutsch und Englisch, wobei er sich sehr anstrengt Deutsch zu sprechen. Wenn uns jemand im Geschäft reden hört, denkt man sich vermutlich, boh ey haben die eine Macke. Andererseits weiß ich natürlich nicht, was in den Köpfen fremder Menschen vor sich geht und da sag ich mal ganz salopp – geht mir auch am Arsch vorbei.
Archiv für den Tag 12 April, 2008
Wenn man nichts zu sagen hat
schreibt man übers Wetter. Wetter geht immer. Auch in Oz. Da war es gestern, obwohl schon Herbst 30 Grad, wie John mir heute morgen am Telefon erzählte. Macht irgendwie auch Angst – Herbst soll verdammt noch mal Herbst bleiben – und sich nicht zum Spätsommer entwickeln. Mag sein, dass es eine Ausnahme ist, solls ja geben, mal ist es heißer, mal kälter im Sommer/Winter. Das Schlagwort der Weltbevölkerung will ich jetzt einfach nicht dafür benutzen.
John war mit unserem Hund im Park gelaufen, dort wo immer jede Menge Kakadus in den Bäumen hocken. Auf einem Baumast saßen dicht gedrängt wahnsinnig viele Cockies. Ein einzelner kam angeflogen, wollte sich auch noch auf diesem Ast niederlassen, es wurde jedoch kein Platz gemacht oder vielleicht gab es auch keinen. Der Vogel flog dann noch einige Ehrenrunden, kam wieder angeflogen und wollte sich unter dem Ast niederlassen. John hätte gerne gesehen, ob er sich wirklich kopfüber drangehängt hätte, aber da brach der gesamte Ast vom Baum und der riesige Schwarm Kakadus flog aufgeregt kreischend durch den Park. Sah bestimmt lustig aus.
In meiner ersten Woche in Deutschland ist nicht viel passiert. Die ersten Tage bin ich relativ früh ins Bett gegangen, weil mir spätestens gegen 22 Uhr die Augen zufielen. Inzwischen gehts etwas besser. Leider ist es kälter, als ich für April gedacht hatte, was nicht unbedingt meine Stimmung trübt, aber deswegen lästig ist, weil ich nicht ausreichend warme Kleidung dabei habe. Hätte auch nichts einpacken können, sämtliche Winterpullis hatte ich vor einigen Monaten aussortiert und müsste mir neue kaufen. So trage ich mal mehr, mal weniger T-Shirt Schichten unter meiner Sommerjacke. Oder ich ziehe die geliehene Jacke meiner Schwester an. Was meine Stimmung auf jeden Fall hebt ist der Sonnenschein, von dem wir recht viel in den letzten Tagen hatten. Sonnenschein geht auch immer.
Schwimmen waren wir am Donnerstag in einem kleinen Bad in Holland. Die haben dort eine Strömung im Wasser, sodass man durchs Wasser flitzt. Macht richtig Spaß und Jaime kann jetzt auch endlich schwimmen. Es gibt dort auch ein Dampfbad, da sind wir dann rein und haben versucht entspannt im Dampf zu hocken. Leider saß dort auch eine Horde deutscher Frauen, die sich kurz vorher beim Bewegungsbad auf Rezept ausgeturnt hatte und laberte. Quer von hinten rechts nach vorne Mitte und so. Eine solche Unterhaltung ist natürlich schwierig, insbesondere, wenn zwei Gruppen verschiedene Themen drauf haben, aber trotzdem überall mitquatschen will. Sie wurden lauter und lauter und am liebsten hätte ich Party Pooper gespielt und um etwas mehr Ruhe gebeten. Ich mein, wir waren zwar nicht in der Kirche ja, aber erstens interessierten mich deren Gespräche einen Scheiß und zweitens konnte ich noch nie laute Frauenstimmen ab. Können sich ja gerne unterhalten und Spaß haben, aber bitte – muss das in einer solchen Lautstärke sein?
Gestern war ich auch noch beim Friseur und habs schon bereut, dass ich mich nicht einfach dazu entschieden hatte, die Seiten wieder stufig schneiden zu lassen, fertig. Aber wenn ich es recht bedenke, habe ich schon gesagt, dass ich es stufiger haben möchte und auch etwas ausgedünnt. Ich habe nämlich eine ziemliche Wolle auf dem Kopf und noch dazu Naturwellen. Wenn das Haar länger wird, der Schnitt also raus ist, ist es einfach zu schwer und zuviel Haar. Was soll ich sagen, ich habs jetzt super durchgestuft, kürzer als ich beabsichtigt hatte und ärgere mich. Genau so wollte ich nicht aussehen! Es sieht jetzt nicht besonders schlimm aus, aber ich bin nicht zufrieden damit. Auch nicht, wenn meine Mutter solche Sachen sagt wie…”Ach das steht dir doch so gut, wenn deine Natur rauskommt. Ich mag das gerne bei dir leiden.” Oder was Mütter so sagen. Meistens mögen sie ja genau das Gegenteil von dem, was man für sich selbst leiden mag. Seltsames Phänomen.
Uuaahh – man bleibt für immer und ewig jemandes Kind