Kommt doch mal nach Oz

Australien hat ein Abkommen mit Deutschland, welches jungen Leuten ab 18 Jahren und bis zum 30. Geburtstag erlaubt ein Jahr lang in Australien zu leben, reisen und zu arbeiten. Mittlerweile darf man dieses Visum ein zweites Mal beantragen, wenn man beim ersten Mal wenigstens 3 Monate lang als Erntehelfer nachweislich gearbeitet hat. Allerdings muss man hier aufpassen, dass die Regionen in denen man sich den Buckel krumm arbeitet auch in der Liste von der Regierung genannten Postleitzahlenbereichen liegen. Die Liste kann man auf der www.immi.gov.au Webseite einsehen. Dort sind natürlich u. a. auch sämtliche Visakategorien gelistet, man kann es auch online beantragen und bezahlen. Ferner findet man dort eine Liste mit Berufen, die in Australien dringend benötigt werden und mit denen man, sofern man noch unter 45 Jahre alt ist, auf jeden Fall ein Arbeitsvisum und eine Aufenthaltsgenehmigung bekommt.

Persönlich finde ich es für junge Leute interessant Working Holiday zu machen. Andere Menschen und andere Sitten kennen zu lernen erweitert den Horizont und vielleicht weiß man nach der Rückkehr in die Heimat diese auch wieder mehr zu schätzen. Oder man kommt doch noch einmal wieder, will womöglich bleiben. Australien macht doch irgendwie süchtig, so blöd wie es klingt. Dabei gibt es ausreichend Dinge, die mir doch irgendwie immer mal wieder auf die Nerven gehen. Die ekeligen Buschfliegen, die dir den Sommer vermiesen, die an dir kleben, als hättest du Honig am Arsch. Die es einem vermiesen sein Grillfleisch im Freien zu essen, einen nötigen beim spazierengehen möglichst gar nicht mit seinem Partner zu reden, weil man keine Fliegen im Mund haben will. Fliegen die einem auf dem T-Shirt bekleideten Rücken hängen, um die Ohren, Nase und Mund schwirren und die man am liebsten mit einem Flammenwerfer für immer ins Nirwana schicken möchte. Mutierte Riesenmücken, die vorzugsweise in der Abenddämmerung an dir saugen, wenn du eigentlich nur mit einem Glas Wein oder einem kalten Bier im Sommer auf der Terrasse den Tag ausklingen lassen willst.

Geschwindigkeitsbegrenzungen von 110 kmh auf Highways, die vom Verkehrsaufkommen her doch ein wenig mehr speed zu lassen würden. Die unverschämt hohen Strafzettel für ein paar Stundenkilometer über dem Limit, die Regulierungswut der Regierung, teilweise auch aus versicherungstechnischen Gründen, das sich wichtig tun der Security Guards, die Lahmarschigkeit mit der sich manche Geschäftsleute und Mechaniker beim Kunden zurückmelden. Rassismus, der doch immer wieder mal aufkommt, obwohl sich die Regierung seit Jahren besser um ihre Einwanderer kümmert, als ich es von Deutschland aus gewöhnt bin.

Man muss den Kontinent einmal besucht haben, um zu begreifen, wie groß, trocken und extrem er ist. Wie wunderschön die Landschaft ist, auch wenn man sich im Sommer halb doof schwitzt. Wie Parkranger mit einer Hingabe ihren Beruf ausüben, sich um den Natur- und Tierschutz bemühen. Groß ist die Chance Menschen aus sämtlichen Ländern der Erde zu treffen, teilweise angepasst, teilweise doch in ihren eigenen Kulturen verbleibend. Auch das Schicksal der Aborigines ist nur annähernd zu begreifen, wenn man sich langsam die australische Mentalität und Kultur erarbeitet. Wobei, das weiß man ja, die Briten die ersten Einwanderer waren und dementsprechend viel Einfluss genommen haben. Zum Glück ist aber das Leben in Australien mittlerweile durch sehr viel andere Kulturen, als die britisch-steife durchzogen, sodass man durchaus glücklich und zufrieden dort leben kann.

Schade ist nur, dass Australien so weit wech ist.

Es gab ja auch eine Weile einen Fernsehspot für den Tourismus. Da hieß es dann, nachdem tolle Bilder vom Kontinent gezeigt wurde, am Ende Where the bloody hell are you? Das fanden einige Leute nicht gut und angeblich hat man sich auch im Mutterland über das Wort “bloody” aufgeregt. Auch komisch, denn genau von dort kommt es :-) Persönlich übersetze ich es immer mit Wo zum Teufel bleibst du, was ich nicht wirklich schlimm finde, eher lustig. Warum muss Werbung steif sein? Wer sich Klopapier- und Prostatabeschwerden- Werbung ansehen muss, darf auch mal “bloody” hören.

What are you waiting for – get out there – see Australia! Kommt meine Lieben und schaut euch mal meine Wahlheimat an. Und stört euch bitte nicht an den Kakerlaken, die schon mal ins Haus kommen oder den mehr oder wenigen gefährlichen Spinnen :-)

Aber ich glaube, das habe ich alles irgendwie doch schon mal geschrieben…macht aber nix…ich scheine mich im Moment doch nach meinen Männern, meinem Haus, schlicht nach meinem Leben zu sehnen. Und ist es nicht besonders bescheuert, dass ich mich, bin ich dort, nach Deutschland sehne?

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