Ich bin Kunde, also bin ich…

unsichtbar? Ein Trottel, der Geld loswerden oder eine simple Auskunft möchte verdient keine professionelle Freundlichkeit. Der ist lästig der Mensch, der da vor einem steht. Was will der überhaupt hier? Hat der kein Zuhause?

Oberstes Oz-Tusse-Gesetz

  1. Der Kunde wird zuerst begrüßt – nicht umgekehrt. Stummes anglotzen des Kunden macht Kunden aggressiv.
  2. Spricht der Dienstleister mit einem Kunden am Telefon und ein neuer Kunde betritt das Büro, ist es oberstes Gebot dem Kunden entweder durch ein kurzes Lächeln, Nicken, Hand heben oder was einem sonst einfallen kann (am Kopf oder Hintern kratzen ist nicht vertrauenseinflössend), zu signalisieren Ich hab’ dich gesehen und kümmere mich gleich um dich. Blickkontakt herzustellen ist entgegen landläufiger Meinung der Dienstleister in Deutschland bei Kunden jedweder Altersklasse nicht verpönt.
  3. Man sollte in der Gegenwart von Kunden weder über Arbeitskollegen, noch über andere Kunden lästern. Da drängt sich mir jedes mal die Frage auf: Was sagen die über mich, sobald ich meinen Luxuskörper aus der Tür gedreht habe? Zweiter Gedanke – aber den verrate ich nicht – who the fuck cares, was Linda Dauerwelle über mich denkt?

Es ist schon ein Kreuz, was einem alles ins Auge springt, wenn man aus einem servicefreundlichem Land auf Visite in Deutschland ist.

Highlights des gestrigen Tages…

freundlich und professionelle Bedienung im italienischen Restaurant. Dito im Eiscafé. Dito bei der Bootstour. Nur die zwei anderen Paare waren nach über eine Stunde genervt, dass die einstündige Bootsfahrt eine halbe Stunde länger dauerte. Ich frage mich, wie kann man nur genervt sein, wenn man etwas umsonst bekommt? Meine Mutter, mit der ich die Bootstour gemacht hatte rollte auch nur genervt mit den Augen und meinte: “Hooch, dass es auch immer Leute gibt, die nicht zuhören!” Tatsache war, der Bootsführer hatte extra angekündigt, dass unsere Tour ca. eine halbe Stunde länger dauern würde, weil noch eine Horde Kinder dazusteigen würde, die Geburtstag feierten. Die halbe Stunde mehr kam dadurch zu Stande, dass er mit dem Boot und uns als Passagiere noch kurz zur “Insel” fahren musste, um dort den “Piratenschatz” zu vergraben, den die Kinder natürlich zum Ende der Tour hin ausgraben sollten. Dabei war uns freigestellt, am Steg zu warten, es wurde niemand gezwungen vorzeitig aufs Boot zu gehen.

Was total peinlich und für meinen Geschmack mal wieder typisch Deutsch war, war die Tatsache, dass der Bootsführer die wartenden Passagiere “vorgewarnt” hatte. “Es kommen noch 10 Kinder an Bord. Wem das etwas ausmacht, der sollte lieber ein anderes Mal Boot fahren.” Für mich hörte sich das so an wie “Entschuldigung, dieser Planet ist auch von Kindern bevölkert. Wer eine Aversion gegen seine kindlichen Mitbürger hat, sollte tunlichst das Weite suchen.” Ein Paar ist daraufhin tatsächlich gegangen. Zwei andere meinten, nö also wirklich… nö warum sollten denn die Kinder stören? Sind doch auch Menschen. Das waren dann die, die nicht richtig zugehört hatten hehe. Jaime hatte übrigens die Fahrt umsonst bekommen, wobei er eigentlich hätte bezahlen müssen. Zwar nur 3 €, aber ich fands richtig nett und hab mich gefreut.

Stimmungskiller kann es viele geben

Lust auf Sex kann einem zum Beispiel vergehen, bevor es überhaupt so richtig losgegangen ist, wenn der Unterhosenstil des Auserwählten so richtig peinlich ist, die Körperhygiene zu wünschen übrig lässt, dir in den Sinn kommt Size does doch matter oder du dich fragst, ob er jetzt deine Vagina mit seiner Heimwerkstatt verwechselt.

Beim lesen vergeht mir die Lust, wenn sich wenige Wörter zu Sätzen aneinander reihen, sich diese kurzen Sätze über 300 Seiten hinziehen und sich so überhaupt kein Lesevergnügen einstellen will. Spätestens wenn ich ab Seite 70 anfange zu überblättern und hier und dort noch einmal quer lese, immer noch nicht zufrieden bin und anfange rückwärts zu blättern, bis ich die Stelle finde, an der die Handlung erklärt wird, dann weiß ich, dass ich ein saulangweiliges Buch gekauft habe. Und dann ärgere ich mich. Und wie! Warum habe ich dieses blöde Buch gekauft? Weil ich im Land der Schafzüchter lebe und mir dachte Hey, nette Idee, so ein Buch aus der Sicht von Schafen? Das kann doch nur gut sein. Hat sogar auf der Spiegelbestsellerliste gestanden. Tief in meinem Innern habe ich allerdings sehr wohl gewusst, dass dies kein Indiz, keine Garantie dafür ist, dass auch mir das Buch gefällt.

Glennkill könnte genauso gut Joykill heißen und war für mich ein einziger Reinfall. Ob die einfachen kurzen Sätze ihr Dasein der Tatsache zu verdanken haben, dass der “Krimi” aus der Sicht der Schafe erzählt wird und es sich hiermit um eine absichtlich simple Wortwahl handelt, die einer talentierten Sechsklässlerin keine Konkurrenz ist oder es tatsächlich nicht anders ging, werde ich nie ergründen können. Eine zweite Chance bekommt diese Jungautorin bei mir nicht. Dennoch – es mag mir vielleicht niemand abnehmen – gönne ich ihr den Erfolg. Mein Geschmack, mein Urteil ist nicht Maß aller Dinge und da Geschmack und Anspruch bei den Menschen individuell ist, mag es durchaus für den einen oder anderen Leser das Buch des Jahres gewesen sein.