Stimmungskiller kann es viele geben

Lust auf Sex kann einem zum Beispiel vergehen, bevor es überhaupt so richtig losgegangen ist, wenn der Unterhosenstil des Auserwählten so richtig peinlich ist, die Körperhygiene zu wünschen übrig lässt, dir in den Sinn kommt Size does doch matter oder du dich fragst, ob er jetzt deine Vagina mit seiner Heimwerkstatt verwechselt.

Beim lesen vergeht mir die Lust, wenn sich wenige Wörter zu Sätzen aneinander reihen, sich diese kurzen Sätze über 300 Seiten hinziehen und sich so überhaupt kein Lesevergnügen einstellen will. Spätestens wenn ich ab Seite 70 anfange zu überblättern und hier und dort noch einmal quer lese, immer noch nicht zufrieden bin und anfange rückwärts zu blättern, bis ich die Stelle finde, an der die Handlung erklärt wird, dann weiß ich, dass ich ein saulangweiliges Buch gekauft habe. Und dann ärgere ich mich. Und wie! Warum habe ich dieses blöde Buch gekauft? Weil ich im Land der Schafzüchter lebe und mir dachte Hey, nette Idee, so ein Buch aus der Sicht von Schafen? Das kann doch nur gut sein. Hat sogar auf der Spiegelbestsellerliste gestanden. Tief in meinem Innern habe ich allerdings sehr wohl gewusst, dass dies kein Indiz, keine Garantie dafür ist, dass auch mir das Buch gefällt.

Glennkill könnte genauso gut Joykill heißen und war für mich ein einziger Reinfall. Ob die einfachen kurzen Sätze ihr Dasein der Tatsache zu verdanken haben, dass der “Krimi” aus der Sicht der Schafe erzählt wird und es sich hiermit um eine absichtlich simple Wortwahl handelt, die einer talentierten Sechsklässlerin keine Konkurrenz ist oder es tatsächlich nicht anders ging, werde ich nie ergründen können. Eine zweite Chance bekommt diese Jungautorin bei mir nicht. Dennoch – es mag mir vielleicht niemand abnehmen – gönne ich ihr den Erfolg. Mein Geschmack, mein Urteil ist nicht Maß aller Dinge und da Geschmack und Anspruch bei den Menschen individuell ist, mag es durchaus für den einen oder anderen Leser das Buch des Jahres gewesen sein.

2 Antworten zu Stimmungskiller kann es viele geben

  1. Tja, du warst mutiger als ich. Habe mich nicht getraut, dem Buch diese Aufmerksamkeit zu widmen, nachdem ich in der Buchhandlung die beiden ersten Seiten gelesen habe. Da kommt einem der Job doch zugute. Anlesen, gut finden oder wegwerfen … Aber: die Idee an sich war nicht schlecht. Muss man der Fairness wegen sagen.

  2. Die Idee ist auch ok gewesen. Ich bin zwar ein Freund von einfacher Sprache, aber so einfach nun doch wieder nicht. Weißte was, FrauD, da hab ich für meine Schreibe doch auch noch Hoffnung.
    Was hälst du von der Idee ein Buch über eine Koalamama und ihre Erlebnisse auf einem Eukalyptusbaum zu schreiben? Die Viecher pennen zwar 20 Std. am Tag oder so, aber ach Gott, also ich mein, da lässt sich doch bestimmt was draus machen…?! ;-)