hat diesen Text produziert. Enjoy.
Archiv für den Monat Juni 2008
Nachts um 2.30 Uhr
ist es auch in Australien kalt und dunkel. In wenigen Tagen wird sich mein Körper wieder an die andere Jahreszeit und die Zeitumstellung gewöhnt haben und ich darf wieder länger im Bett bleiben.
Nachdem ich gestern unsere Lebensmittelvorräte überprüft habe, habe ich festgestellt, dass ich vermutlich bis zum Ende des Jahres nicht mehr einkaufen gehen muss. Sofern wir uns nur von Erdnussbutter, Chips, Minikeksen, Fertigsaucen und 1250 Gramm Kaffee ernähren wollen.
Ich sehe schon, dass Besorgen von Nahrung muss ich wieder übernehmen. John scheint vor lauter Langeweile einkaufen gewesen zu sein, hatte sich hin- und wieder auf einen Einkaufszettel aufgeschrieben, was er auf keinen Fall (Ernussbutter, Chips, Minikekse, Fertigsaucen, Kaffee) mitbringen muss, den Zettel jedoch regelmäßig zu Hause vergessen. Wäre ja nicht so tragisch, wenn ich Erdnussbutter essen würde, den Fettgehalt von Chips nicht kennen würde und Fertigsaucen nur in Notfällen (Einfallslosigkeit und Desinteresse beim kochen) benutzen würde. Nur den Kaffee kann ich gut gebrauchen – besonders um diese ungöttliche Uhrzeit.
Er hat aber noch ein paar nützliche Einkäufe getätigt. Wir sind jetzt stolze Besitzer eines Riesen-Grills und eines mexikanischen Ofens. Oder wie die Dinger heißen…diese Dinger aus Ton, die man sich auf die Terrasse stellen kann und in denen man Holzkohle oder Holz verbrennen kann. Ich denke zum Wochenende hin ist grillen und ins Feuer gucken angesagt.
Ein bisschen habe ich das Gefühl einige meiner Moleküle befinden sich noch zwischen Dubai und Singapur, die Gedanken kreisen – um das, was ich zurück gelassen habe und um das, was die Zukunft bringt.
Goodbye Deutschland
Meine Zeit hier ist abgelaufen, schneller als mir am Ende lieb war. Mittlerweile hätte ich nichts dagegen einfach hier hocken zu bleiben, Sprache, Natur und Familienbande genießen. Zum Friedhof werde ich wohl nicht mehr kommen, Jaime meinte, nö da sind ja nur lauter Tote. Dabei ist es ein wunderschöner parkähnlicher Friedhof…tja aber egal, was soll man da auch immer rumkriechen. Konzentriere ich mich auf die Lebenden.
Zwischendurch bin ich immer wieder aufgeregt, geht soweit, dass mir leicht übel wird. Geht mir aber immer so vor dem Marathonflug, ein schlechtes Omen ist es deshalb nicht. Soeben habe ich mich online eingecheckt und einen Fensterplatz ergattert. Aber auch nur bis nach Dubai, für den Rest des Fluges konnte ich mich noch nicht einchecken. Koffer sind zum Teil gepackt und wie immer zittere ich vor dem Abwiegen des Gepäcks am Schalter. Bislang hatte ich immer tüchtig Übergepäck, musste aber nie dafür zahlen.
Zum letzten Mal heute ne Pommes Mayo gegessen, langsam kommt mir das Zeug aus den Ohren raus. Dafür haben wir aber am Samstag lecker italienisch gefuttert und anschließend noch ordentlich einen gepichelt. Nicht so schlimm wie die deutsch-russischen Mitbürger, die stundenlang auf der Straße ihren Sieg über Holland gefeiert hatten. Ein Russe war so betrunken, dass es zwei erwachsene Kerle benötigt hatte, ihn ins Auto zu verfrachten. Vorher hatte er sich noch – klong – kräftig die Birne an einem fremden Auto auf dem Parkplatz gestoßen – was auch irgendwie lustig für uns war. Unterhaltsamer, als das besoffene hin- und her schwanken, das er uns vorher geboten hatte – zwei Schritte nach vorne, einen zur Seite, rechtes Bein schnell-langsam nach hinten setzen, damit man doch nicht den Boden küsst, Oberkörperschwanken zum Ausgleich, drei schnelle Trippelschritte nach vorne, schwankender Oberkörper, rechte Hand zieht Handy aus der Tasche, um das Ganze noch einige Male zu wiederholen.
Ich frage mich ja immer, wie ein Mensch so viel Alkohol intus haben kann und nicht im Koma liegt. Ich wäre schon fünf Mal tot gewesen, vertrage einfach nichts mehr.
Ich freue mich auf meine Männer, mein eigenes Bett, mein Auto, Computer und vor allem auf meinen Kleiderschrank. Ganz besonders freue ich mich aber darauf den Jaime endlich mal von den Hacken zu haben – hallelujah – ich glaube ich schließe mich für eine Woche in meinem Arbeitszimmer ein. Das Kind ist anstrengend.
Herzlichen Dank an meine Familie, besonders an meine Mutter, die mir erst den langen Aufenthalt hier ermöglicht hat, an John, der der großzügigste Mann ist mit dem ich jemals Tisch und Bett geteilt habe. Schwester und Schwager, die mich immer vom Flughafen abholen und wieder weg bringen. An Kerstin, die mir ein paar tolle Wintersocken gestrickt hat. Hab mich riesig darüber gefreut. Tante, Onkel und Cousine. Dank dir Andrea für die vielen schönen Ketten. An Gabi, mit der ich keinen regelmäßigen Kontakt habe, aber immer wenn ich hier bin wieder dort anknüpfen kann, wo wir aufgehört haben. Dafür bin ich dankbar – man verliert so viele Kontakte, wenn man geht.
So, ich hoffe ich komme hier trockenen Auges wech. Es ist ja nichts gegen Abschiedstränen zu sagen, aber wenn ich anfange, kann ich nicht wieder aufhören zu weinen und das gibt dann eine schrecklich unschöne rote Nase und dicke Augen
Rakne äh
Falls mir jemand sagen kann, was Rakne äh bedeutet, wäre ich sehr dankbar. Jedes Mal, wenn ich in Dubai auf dem Flughafen herumlungere, kommt diese Durchsage. Ich habe die Qual der Wahl…mmh Flugsteig, Flug, Nummer, Achtung, Abflug…aber ich würd’s gerne ganz genau wissen – inshallah.
Was dort ja auch nervt, sind die vielen Leute, die sich vor den Sitzplätzen auf den Fußboden legen, um ein wenig zu schlafen. Supa – da findet man keinen freien Sitzplatz, weil man nicht über fremde Menschen hinweg steigen will und ich glaube die wollen ihre Körper auch gar nicht so gerne als Ablage für meine müden Füße zur Verfügung stellen.
Noch vier Tage übrig
und ausgerechnet einen dieser wertvollen Nachmittage habe ich in Holland im Schwimmbad verbracht. Zu viele holländische Schulkinder können auf die Nerven gehen. Andererseits können die auch nix dafür, dass ich heute extrem schlechte Laune habe. Die holländische Sprache, das ist mir heute wieder aufgefallen, ist keine, die ich jemals erlernen möchte – also nee echt nicht.
Martha hat’s so gut gefallen
hieß es immer im Kreise der Familie meines Onkels, wenn seine Mutter darüber nachdachte doch eines Tages ins Altenheim zu gehen.
“Mutter! Was redest du denn da? Martha war noch keine 24 Stunden in dem Heim, da ist sie gestorben.”
Wenn ich für die Bedienung einer Küchenmaschine
ein Ingenieurstudium absolviert haben muss, dann macht mich das fuchsteufelswild. Besonders, wenn mein Magen durchhängt und ich mich doof und dämlich fummeln muss und das Ding dann trotzdem nicht funktioniert. Und gereinigt werden muss, obwohl es nicht seine Pflicht getan hat. Ich war mal mit einem Ingenieur verheiratet, aber das nützt mir auch nix. War ohnehin so eine überflüssige Ehe. Dass ausgerechnet dieses Wunderwerk einer Küchenmaschine mich daran erinnern muss, wo ich das doch in all den Jahren so erfolgreich aus meinem Gedächtnis gestrichen hatte, ist bitter.