in Australien, 685 Arbeiter verlieren ihre Jobs. Ich schätze mal, dass die meisten der Arbeiter ohnehin nur als Aushilfen beschäftigt sind und ansonsten zur Schule oder zur Uni gehen. Oder in der Schule hätten besser aufpassen sollen. Ich wünschte mir gut die Hälfte der McDonald und KFC Franchises würden auch geschlossen werden. Hätten die Teenager Arbeiter wieder Zeit was für ihre Bildung zu tun. Dann müssten allerdings all die Jogginbuxen bekleideten Dicken für ihr Labber-Essen zwei Kilometer fahren, statt wie bisher nur einen Kilometer und das wäre eine echte Zumutung bei den Spritpreisen.
Monatsarchiv: Juli 2008
Fast zwei Tage krank
im Bett gelegen. Geschlafen, gedöst, bei jeder Bewegung gestöhnt wie blöd, weil jede einzelne Haarwurzel und Körperzelle gestochen und gepiekst hatte. Ab und zu, wenn meine dauertränenden Froschaugen es zuließen ein bisschen gelesen – und was für ein fürchterlich langweiliges Buch – mich mit Tabletten und Mittelchen vollgepumpt, bei jedem Hustenanfall gedacht – jetzt platzt er mir – der Schädel. Meine Herren ist das öde, wenn man die meiste Zeit des Tages vor sich hinstiert, weil man einfach nichts anderes machen kann. Und wie ich so dachte, jetzt könnte die Schwellung meiner Klüsen endlich mal nachlassen, kam mir doch die geniale Idee, mir Gurkenscheiben drauf zu legen. Als sie zunächst noch mehr tränten, wollte ich sie mir schon hysterisch runterreißen und aufmampfen, was ich dann kurze Zeit später auch tat, aber scheinbar hatte es geholfen. Dämonenrot sind sie zwar immer noch, aber nicht mehr so unansehlich dick.
Wenn ich wenigstens noch Halluzinationen gehabt hätte, die ich später ein paar gläubigen Anhängern als das Wort hätte verkünden können, hätte sich das ganze krank sein doch noch irgendwie gelohnt. Auch finanziell sach ich mal, es gibt ja immer Menschen, die nach der Wahrheit suchen und willens sind dafür zu bezahlen.
Ich hoffe morgen sehe ich schon menschlicher aus, die Dösigkeit und der Schmerz im Kopf lässt immer mehr nach und wenn ich mir nicht fast meine gesamten Wimpern weggewischt hätte, könnte ich morgen fast zufrieden sein.
Wie doof ist der denn?
ABC-Korrespondent Peter Lloyd ist in Singapur wegen einer Minimenge Drogenbesitzes verhaftet worden. Gestern hat man ihn noch mit drei zusätzlichen Anklagen beworfen, im Moment ist er auf Kaution draußen. Man darf gespannt sein, ob er 10 oder 20 Jahre Knast bekommt, mit oder ohne Stockschläge. Meine Herren, der Mann ist 41 Jahre alt und weiß es nicht besser???
Du kannst mich mal…
du Selbstzweifel. Schleichst dich immer von hinten an, wie jemand, der nichts Gutes im Schilde führt. Kaum hab ich was geschaffen, stehst du schon wieder da , machst es dir bequem, schlägst die Beine lässig übereinander. Deine Tentakel streckst du aus und willst mich erdrücken. Ich muss besser auf der Hut sein, wenn ich dir nicht mehr begegnen will. In Zukunft werde ich dir schon an der Haustür ein herzhaftes Piss off zurufen, merk dir das. Wollen doch mal sehen, wer den längeren Atem hat!
Montessori für Jaime?
Mein Kind kommt immer unglücklicher nach der Schule nach Hause und ich gräme mich. Ich glaube, dass glücklichste Schuljahr war das Prep-Jahr für ihn, von da an gings nur noch abwärts. In der ersten Klasse kam er in eine Klasse, die 1. und 2. Klasse in einem unterrichtete. Jetzt in der 3. Klasse hat sein Klassenlehrer im Halbjahr das Land gewechselt und ist nach Asien zum Unterrichten gegangen. Nun hat er 2! Lehrerinnen, die abwechselnd seine Klasse unterrichten. Er hatte sich so gefreut endlich mal einen Lehrer zu haben, statt eine Lehrerin.
Das Schulsystem hier ist dem britischen System angelehnt. Schuluniform, den Mund halten und alles schlucken, was einem eingetrichtert wird und wenn man mal sein eigenes Gehirn anstrengt und etwas hinterfragt, wird man als undiszipliniert und frech abgestempelt. In der Ecke stehen soll auch vorkommen. Eine gute Strategie auch das letzte bisschen eigenes Denken zu unterdrücken und die nächste Generation Fußsoldaten heranzuzüchten. Montags wird die Aussieflagge am hauseigenen Fahnenmast gehisst und die Nationalhymne gesungen. Dank unserem letzten Premierminister – John Howard – muss jede Schule einen Fahnenmast haben, sonst wird Geld gestrichen.
Es gibt zwar ausreichend Privatschulen, aber die sind fest in religiösen Händen. Die Schuluniformen kosten 5x so viel und sind 10x so hässlich. Mädchen dürfen nur in schicken Faltenröcken und hochgezogenen weißen Kniestrümpfen zur Schule strumpeln und den Jungen werden Anzugshosen, Krawatte und Blazer aufs Auge gedrückt. Der Drogenhandel an Privatschulen ist übrigens höher als an staatlichen Schulen – schätze mal die Kids haben mehr Kohle zur Verfügung, als die anderen oder sie können diese straff organisierte Schulzeit ohne sich zu dopen nicht anders überstehen. Oder beides.
Es gibt eine Montessori Grundschule (Grundschule geht hier bis zur 6. Klasse) im Bush. Genauer gesagt in Cockatoo, die will ich mir mal näher ansehen. Vielleicht ist es genau das, was Jaime braucht, der übrigens als ultimativer Freigeist geboren wurde. Ich habe einfach Angst, dass Schule mein Kind “kaputt” macht. Die Schulgebühren betragen 1300 $ pro Quartal, das ist nicht wenig. Ich will mich mal mit meiner Freundin Gaby unterhalten, deren Tochter auf einer Montessorigrundschule in Deutschland war, gleichzeitig einen Termin mit der Schule vereinbaren, an dem Jaime vielleicht mal Probeunterricht mitmachen kann und wenn es ihm und mir gefällt, hoffe ich, es gibt keine lange Warteliste und er kann spätestens im neuen Schuljahr dort hingehen.
Die Schulgebühren sind wir bereit ohne zu meckern zu tragen, aber Cockatoo ist eine halbe Stunde Fahrtzeit von uns entfernt. Das bedeutet für mich täglich 2 Stunden fahren. Flugs habe ich mir dieses tolle Haus im Netz angesehen – wenn man mal von der Farbwahl absieht (Farbenblind oder total blinder Anstreicher) – gefällt es uns beiden sehr gut. Das Haus ist ein Zedernhaus und vermutlich ganz schlecht isoliert. Und weil alles so offen ist, was nichts Ungewöhnliches ist für australische Verhältnisse, wird man sich trotz Zentralheizung und zusätzlichem Holzofen im Winter den Arsch abfrieren.
Eigentlich wollte ich nie im Bush leben wegen der Brandgefahr im Sommer. Und ob es dort schon schnelle Internetverbindungen gibt, ist auch so eine Frage…
Lechzen nach menschlichem Kontakt
Nachdem ich tagelang rumgetippt habe, mich mal wieder die üblichen Zweifel quälen – wie viel typisch australische Kultur lässt sich ohne Erklärungen verständlich rüberbringen und wird mein Schreibstil den Ansprüchen von Verlagen genügen – fühle ich mich einsam. Brauche dringend Kontakt zu atmenden Wesen, meine Familie hier mal ausgeschlossen, aber alle interessanten Leute, die ich gerne treffen würde, leben in Deutschland.
Ich hätte große Lust ein Albtraum Australien Buch zu schreiben, aber das wird sich wohl nicht verkaufen lassen.
Trübe mittwöchentliche Grüße
Oz-Tusse
PS Langsam glaube ich wirklich mein Name steht auf einer ominösen schwarzen Liste. Letzte Woche Montag Expresspost nach Sydney abgeschickt, gestern erfahren, dass die Post noch nicht angekommen war. Mein Gott, Postkutschen werden doch selbst hier nicht mehr eingesetzt! Erinnert mich an die verschwundene Post, die ich an Marco geschickt hatte. Und daran, dass einige Briefe hier grundsätzlich zwei bis drei Wochen später ankommen, als früher. Normalerweise dauert eine Briefsendung max. 5-7 Tage. Dass Päckchen aus dem Ausland grundsätzlich vom Zoll geöffnet werden, nervt auch allmählich. Verdammt noch mal, sollen sich um Drogendealer kümmern!
Arm schmerzt
Schulter- und Nackenmuskulatur hoffnungslos verspannt. Drei Tage lang von morgens bis abends geschrieben – Seite 114 erreicht – und brauche dringend eine Pause. Struktur für den zweiten Teil ausarbeiten, neues Programm dafür ausprobieren, Gags ausdenken (was mir am meisten Spaß macht – aber leider auch viel Arbeit ist), wünschte mir die Story würde sich durch reine Gedankenkraft niederschreiben lassen, aber nein, man muss mühselig jeden Buchstaben und jedes Zeichen tippen. Aber eigentlich habe ich gar nichts zu jammern, wenn ich dran denke, dass man früher mit Federkiel oder später dann mit Schreibmaschinen, in denen bestimmt der eine oder andere sich öfter mal die Finger zwischen den Tasten eingeklemmt hatte, schreiben musste. Ich erinne mich, dass ich mal im Charles Dickens Haus in England war. Der hatte sein Schreibpult am Fenster stehen und konnte hinaus auf die Nordsee schauen.
Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich drei Mülltonnen, ein Trampolin, einen Teil vom Nachbarhaus, wenig Bäume und Büsche an dieser Seite und ab und zu glotzt der Hund mal durchs Fenster. Naja gut, im Sommer sehe ich dann noch Mandarinen und Nektarien, aber jetzt ist leider Winter, nur die Geranie blüht hellrot.