Grabbelfaktor

Ich finde eine berühmt berüchtigte Online-Auktionswebseite irgendwie doof. Verstehe den Hype nicht, brauche wenn ich schon Dinge kaufen möchte das Grabbel-Gefühl. Ich muss käuflich erwerbliche Dinge anfassen können. Ich nenne das für mich den Grabbelfaktor. Der ist durchaus manches Mal entscheidend – kaufen oder nicht kaufen.

Gerade eben las ich einen Artikel im Spiegel über den Ärger von Verkäufern über das neue Bewertungssystem bei dem Haus mit den bunten Buchstaben. Fragt mich nicht warum ich den überhaupt gelesen habe. Was interessiert es mich, die zwar tatsächlich noch ein uraltes Konto dort hat – weil mal ein paar lumpige Sachen gekauft und verkauft – aber ansonsten keine Zeit mehr dafür hat. Ich habe so rein gar keine Lust meine wertvolle Lebenszeit damit zu verbringen mir Dinge auf einer Webseite anzusehen, die ich unter Umständen im Geschäft für einen ähnlichen Preis bekommen kann – ganz ohne Versandtkosten. Überhaupt, was treibt Menschen dazu wildfremden Menschen ihr Geld zu überlassen, ohne das man ein Gesicht – irgendetwas menschliches zuordnen kann? Die vielen Sterne neben dem Usernamen?

Ist es der Spieltrieb im Menschen, der Leute gebannt eine Auktion verfolgen lässt? Ist es nicht eher so, dass man genau deshalb höher bietet? Ist mir passiert. Vor Jahren. Ich habe den Scheiß auch noch gewonnen und musste bezahlen. Na, das hat mich kuriert. Fast. Denn eines Tages wollte ich ein neues Paar Doc Martens verkaufen. Und bekam ein hässliches Mail von einem Bieter. Ich würde die Auktion manipulieren – jedes Mal, wenn er bietet, würde er überboten. Get fucked, dachte ich bei mir, ist mir schließlich auch schon passiert – bin aber sehr höflich geblieben.

Dann habe ich einmal einen Squashschläger für John in Amerika ersteigert. Nach ca. 2 Wochen fragte ich an, wann ich denn mit der Lieferung rechnen könnte. Bekam ich eine überaus pampige Antwort – sobald das Geld eingegangen wäre. Aha! Geld war noch am selbigen Tag, also zum Ende der Auktion per Internetbanking überwiesen worden. Entschuldigte man sich später bei mir – noch mal Aha! – plötzlich gehen doch ganze Sätze. Und diese Leute haben ein Geschäft! Gurkentruppen-Angestellte, Hobby-Möchtegern-Verkäufer. Kann man mal sehen, das Geld liegt auf der Straße. Nur ich bin zu doof. Kann meine Ellenbogen nicht benutzen und meine Höflichkeit steht mir scheinbar auch im Weg. Mir ist allein schon der Emailkontakt-Aufwand zu viel. Ich meine, hätte der Tag 30 Stunden anstatt nur 24, dann würd ich mir es vielleicht noch mal überlegen.

Will ich mein Konto kündigen – hab kein Bock mehr auf Internetkäufe, gehe lieber ins Geschäft, spreche mit Menschen, kann das Gekaufte zur Not am selben Tag zurück bringen, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Lieber ins Auto springen, als umständlich wieder zu verpacken und mir die Beine am Postschalter im Bauch zu stehen. Sagt das Haus mit den bunten Buchstaben, um mein Konto zu kündigen müsste ich was ganz nervig kompliziert zeitaufreibendes machen. Denk ich mir “leckt mich anne Füße!”, dümpelt mein Konto halt weiter vor sich hin.

Vielleicht bin ich einfach nur ignorant oder es ist ein Generationsproblem oder – gut, das glaube ich jetzt weniger – ich hab was am Gehirn – aber ich kann dem Haus einfach nichts mehr abgewinnen. Schon lange nicht mehr. Oder noch nie so richtig. Was auch immer. Obwohl ich auch gerne Post bekomme. Päckchen sind ja auch ganz spannend. Aber wenn man eh weiß was drin ist, schmälert das nicht das Spannungs- und Glücksgefühl?

Ich frage mich wie vielen Leuten es ähnlich wie mir geht und wer tatsächlich das Haus am Laufen hält.

Interessante Suchbegriffe

finde ich hin und wieder in meinem Dashboard dieses Blogs vor. “Wie komme ich zur Straße…? (auf Englisch)” steht heute dort.

Aha – nicht aufgepasst im Unterricht, was? Zunächst einmal sei der Deutsche gewarnt. Nicht alle deutsch formulierten Sätze lassen sich so ins Englische übersetzen, dass man eine für den englischsprachigen Gefragten sinnvolle Frage stellt. Nicht empfehlenswert ist eine wortwörtliche Übersetzung “How do I come (Fortgeschrittene mögen evtl. “get” benutzen) to the street “fuckinghelliamlost”?

Meine Empfehlung: Excuse me, please. I’m looking for “wherethefdoifindstreet”.

Mögliche Antwort eines Australiers: “Sorry mate, haven’t got a clue.”

Und an dieser Stelle sei ausdrücklich erwähnt, dass man in einem Restaurant nie nicht sagt: “I become the steak and my wife the chicken salad without the chicken. And for the tomatoes she likes some cucumber.”

Wundern Sie sich nicht, wenn der Kellner Sie scharf ansieht und nur Bahnhof versteht. Warum Sie plötzlich zu einem Steak mutieren ist ihm nämlich völlig schleierhaft. Und wenn er nicht so höflich wäre, wie er ist, würde er Ihnen raten Ihre Frau demnächst zu Hause zu lassen. Wer einen Chicken Salat ohne Chicken will und für die Tomaten noch Gurken bestellt sollte lieber im eigenen Land Urlaub machen.

Aber der wahre Australier wird einfach nur sagen: “No worries, mate.”

You’ve got to luv them.

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