Volles Haus – noch ein Schlafplatz

auf dem Sofa frei. Will noch jemand kommen? Seit Freitagfrüh ist unsere kleine Hütte voll. Unser kombiniertes Alter ist 173.

Dachte ich erst gestern würde mit 18 Grad und Sonne die erste Hitzewelle anrollen, zog es sich nach dem Mittag auch gleich wieder zu, wurde windig und kühl. Selbstverständlich hat es auch heute Morgen geregnet, die Mädels sind aber trotzdem mit dem Zug nach Melbourne gefahren. Wie ich das Wetter hier kenne, wird es immer mal wieder aufhören zu regnen, da kann man auch die Stadt erkunden - zusammen mit hunderten von Touristen.

Ich sehe mich schon jeden 2. Tag im Supermarkt, wo ich doch einkaufen hasse wie die Pest. Plötzlich essen alle außer mir nur noch Weißbrot. Warum ißt kein Schwein das andere Brot?

Dass mit dem duschen ist auch ein bisschen tricky. Das warme Wasser im Wassertank reicht gerade mal so weit, dass zwei Leute direkt hintereinander duschen können. Die Nächsten müssen etwas warten, bis sich das Wasser im Tank wieder ausreichend erhitzt hat. Dürft mal raten, wer um 11.39 Uhr noch im Schlafanzug hockt. Macht aber nix, heut ist Sonntag, da wird ausreichend geklüngelt.

Wenn ich mir anschaue, was alles im Badezimmer deponiert wurde, bin ich froh, dass ich mein eigenes Bad habe. Ich bin mir auch nicht sicher, ob es eine gute Idee ist, den Haartrockner direkt neben dem Waschbecken eingestöpselt zu lassen!? Also der liegt auf dem Waschtisch. Auch wenn man die Steckdosen hier ein- und ausschalten kann. Eigentlich kann man wegen des saftey switches am Stromkasten keinen tödlichen Stromschlag bekommen, sollte einmal ein elektrisches Gerät ins Wasser geraten. Denn dann müsste besagter safety switch augenblicklich den gesamten Strom abschalten. Sagt John, aber ausprobieren will weder er noch ich das, um die Theorie zu bestätigen :-)

Schade, dass man manchmal

in Geschäftspost nicht schreiben kann, was man eigentlich möchte. So hatte ein Kunde heute eine durchaus legitime Frage – auch wenn er sie selbst als DA (dumb ass) Frage bezeichnete. Besagter Kunde arbeitet für eine christliche Privatschule und ist selbstverständlich überzeugter Christ, der sich nicht scheut seinen Glauben auf den Lippen zu tragen. Am liebsten hätte ich das Antwortemail mit der Grußformel – May the force be with you – geschlossen, aber ich glaube der hätte keinen Spaß verstanden, obwohl es mir höllisch Spaß bereitet hätte ihn ein bisschen zu verhohnepipeln. Was man nicht macht, ist ja ein Kunde.

The Force is what gives a Jedi (Jedi Ritter) his power. Its an energy field created by all living things. It surrounds us, penetrates us, and binds the galaxy together. Obi-Wan Kenobi

Die “Kraft” gibt den Jedi Rittern ihre Macht/Kraft/Energie. Es ist ein Energiefeld, kreiert von allen lebendigen Dingen. Sie ist um uns, dringt in uns ein und hält die Galaxy zusammen. Oz-Tusse

Passt doch – auch für einen Christen, oder?

Serienkiller in the making?

Heißt es nicht immer, dass (Serien)Killer häufig schon wegen Tierquälerei in ihrer Kindheit oder Jugend aufgefallen sind? Ich habe gerade einen online Bericht über die Koalas in Queensland gefunden. Muttertier und Joey haben überlebt, ein Joey tot. Gefunden wurden die Tiere von einem Spaziergänger in einem Mülleimer. Das Koalababy hat nur 300 gr. gewogen – was für eine heroische Tat.

Magpies (schwarz-weiße Krähen) wurden in der selben Gegend mit den Flügeln ausgebreitet an Bäume genagelt – lebend. Kröten in Kreuzform an Bäume genagelt- lebend. Letzten Monat hat jemand die Flügel einer Krähe abgeschnitten und das Tier auf einem Shoppingcentreparkplatz hopsen lassen.

Letzte Woche wurden vier Opossums tot aufgefunden, 8 Krähen vergiftet. Zwei Katzen getötet und im Auto der Besitzer hinterlassen. Hunde wurden mit Messern angegriffen.

Man glaubt, dass eine Gang von jungen Männern Anfang 20 dahinter steckt.

Es ist unfassbar! Die Grausamkeit ist unfassbar, genauso wie das sich finden und abhängen in einer solchen Clique. Muss ich mir vorstellen, dass sich da zufällig Leute mit gleicher Gesinnung getroffen haben oder machen die anderen nur unter Druck mit? Fucking hell – das ist echt sick.

Die Höchststrafe gegen Tierquälerei ist 75.000 $ Geldstrafe oder 2 Jahre Gefängnis.

Bei Regen

fahren sie hier alle richtig doof. Heute wäre mir beinahe jemand in die Kiste gefahren und das, obwohl ich genau quer als Abbiegerin vor ihm stand. Ist auch ein Kunststück, wie ich finde. Kurze Zeit später will mir jemand in letzter Minute die Vorfahrt nehmen, hatte es sich dann aber zum Glück anders überlegt. Auf dem Highway schlichen sie mit 60, maximal 70 km/h herum und wenn ich nur Hände vor mir am Lenkrad sehe, aber keinen Kopf,  weiß ich in der Regel es ist Oma-Alarm und man sieht mich ungeduldig die Spur wechseln.

Rückwärts von der Auffahrt fahre ich nur noch sehr langsam, seitdem unsere Nachbarn beinahe einmal mit meinem Auto Bekanntschaft gemacht hätten. Da ich nicht sehr gut auf die Leute zu sprechen bin, hätte man mir das Übermangeln der Leute womöglich noch als böse Absicht ausgelegt. Zu meiner Entschuldigung kann ich sagen, es war dunkel und links und rechts sind Büsche. Wie ich heute so rückwärts runterrolle, halte ich an den Büschen an, um mich noch mal zu vergewissern, dass auch niemand kommt. Ich höre durch Grönemeyers gesinge keine 30 cm von mir entfernt Vögel in den Büschen zanken. Fliegt doch ein Vogel direkt an meine Scheibe, kreischt und flattert Sekunden lang aufgeregt davor herum, bis er endlich wegfliegt. Ich habe auch gekreischt vor lauter Schreck. Gott war das doof. Hoffentlich hat das keiner gesehen, wie ich mir auch noch reflexartig Mitte Brust gegriffen habe. Und was jetzt noch viel blöder ist, ich muss dann sofort an den Hitchcock Film Die Vögel denken.

Genauso dämlich wie ich vergessen hatte, dass ich die beiden Enden meines Schals über die Schulter geworfen hatte, weil ich sie nicht im Essen hängen haben wollte. Sitze ich kurze Zeit später kurz draußen, um eine Zigarette zu rauchen (und hab mir den Hintern abgefroren), fallen die Zipfel des Schals wieder nach Vorne und ich zucke halb hysterisch zusammen. Ich denke dann immer gleich an Riesenspinnen. Hatte ich schon mal erzählt, dass ich mal so einen fetten Huntsman auf meiner Schulter sitzen hatte? Kein Wunder, dass ich traumatisiert bin.

John erzählte mir heute, dass in Queensland nun schon der dritte Koala zu Tode geprügelt aufgefunden worden ist. Ich habe davon rein gar nichts gehört. Was sind das für Menschen, die so etwas machen?

Morgen ist Kostümparty – juhu.

Lesen – für mein Leben gern

und immer schon seitdem ich lesen kann. Neuerdings nerven mich aber ewig lange Bücher und ich erlaube mir Seiten-Hopping.

Die australische Schriftstellerin Monica McInerney hat u. a. Those Faraday girls geschrieben, erscheint in der deutschen Übersetzung in Kürze unter dem Titel Die Töchter der Familie Faraday. Eine wunderbar erzählte Familiengeschichte, die sich über 20 oder waren es doch 30(?) Jahre zieht.

Max Barrys Buch Company – deutscher Titel Chefsache – habe ich mir in der Bücherei zurücklegen lassen und Gregory David Roberts – ebenfalls australischer Autor – wird mir per Audiobuch erzählen, was er so alles als Verbrecher erlebt hat. Ich habe nämlich nicht die geringste Lust ein Buch mit knapp unter 1000 Seiten zu lesen. Shantaram heißt es und wird demnächst unter diesem Titel auch in der deutschen Übersetzung vorliegen.

Mal blind aus der Bücherei habe ich P. J. Tracys Live Bait – deutscher Titel Der Köder – gegriffen. Autoren sind Mutter und Tochter aus America. Schöner Schreibstil, gefällt mir, Schmunzelszenen, tolle Charaktere…wenn da bloß nicht alle paar Seiten in irgendeiner Form Bezug auf deren letztes Buch Monkeewrench – deutscher Titel ist glaube ich gleich – genommen werden würde. Das hat mir von Anfang an das Lesen wirklich vermiest, hab dann nur noch quergelesen. Ach was rede ich? Ich habe nur noch das Ende gelesen. Warum das Buch nicht Monkeewrench II heißt ist mir völlig schleierhaft.

Leben im Großraum Melbourne

Heute die Rechnung für Grundstückssteuer und Müllabfuhr bekommen. Selbstverständlich sind die Kosten gestiegen. Dafür hat sich der Wert unseres Besitzes innerhalb von 8.5 Jahren verdoppelt. Davon haben wir allerdings nichts, so lange wir nicht verkaufen. Und wenn wir verkaufen würden, dürften wir tief in die Tasche greifen, um ein neues Haus unser zu nennen. Also nicht wirklich was gewonnen, oder?

Die Wasserrestriktionen in unserem Einzugsgebiet sind jetzt bei Stage 3a. Ungerade Hausnummern dürfen sonntags und mittwochs ihren Garten wässern, gerade Hausnummern samstags und dienstags. Wer ein automatisches Sprenklersystem installiert hat darf an diesen Tagen zwischen Mitternacht und 2 Uhr morgens wässern. Alle anderen müssen an ihren Tagen zwischen 6 und 8 Uhr morgens mit Sprühdüse am Schlauch oder mit Gießkanne gießen. Lebt in einem Haushalt wenigstens eine Person über 70 Jahre, darf an diesen Tagen zwischen 6 und 10 Uhr morgens gegossen werden. Die anderen müssen halt früher aufstehen. Macht ja nix, dafür sind sie auch noch jünger. Dabei heißt es doch immer, alte Leute schlafen schlecht, stehen früh auf und so…

Mittlerweile besteht unser Garten fast nur noch aus native Pflanzen, die wenig Wasser benötigen. Die paar anderen, die wir haben, müssen hart um ihr Überleben kämpfen – ich gieße nämlich meinen Garten überhaupt nicht mehr. Habe ich anfangs noch fleißig im Frühling Sommerblumen gepflanzt und Jahr für Jahr viel Geld dafür ausgegeben, beschränke ich mich jetzt auf drei größere Pflanzenkübel – fertig.

Autos dürfen schon lange nicht mehr zu Hause mit Trinkwasser gewaschen werden und auch das Rasensprengen ist verboten. Ich erinnere mich daran, dass ich in unserer Nachbarschaft immer wieder vor einigen Jahren alte Leute gesehen habe, die mitten im heißen Sommer mit einem Gartenschlauch in der Hand auf dem Rasen standen und gewässert haben. Beinahe hätte man das Wasser verdampfen sehen können. Habe damals schon gedacht, wie bekloppt, bei der Hitze geht er ohnehin ein und kommt im Herbst, Winter und Frühling grün wieder.

In der Zeitung habe ich heute gelesen, dass vier private Krankenhäuser in Melbourne Frauen die ohne Komplikationen ein Kind bekommen haben, jetzt die Option geben zwei Tage nach der Geburt in ein 5 Sterne-Hotel zu ziehen. Und zwar für den Rest ihres normalen Krankenhausaufenthaltes. Das hat den Vorteil, das Bettenkapazitäten im Krankenhaus frei werden. Wenn der Arzt, der Geburtshelfer und die Mutter einverstanden sind. Sie werden dann weiterhin von Hebammen betreut. Ich denke es kann sich hier nur um ein oder zwei Tage in Luxus handeln, da man hier eigentlich mittlerweile nach drei Tagen nach der Geburt “rausgeworfen” wird.

Ein Undertaker (Angestellter eines Bestatterinstituts) ist durch Diebstahl im Hause von Verstorbenen böse aufgefallen und darf sich nun vor Gericht verantworten. Und dann hat er noch irgendwas sexuelles im Leichenwagen mit sich gemacht, was die weibliche Beifahrerin gar nicht lustig fand. Hätte ich auch nicht, wenn der womöglich seinen Willy rausgeholt hat. Meine Herren – Leute gibts.

Polizisten in der City sind jetzt dazu übergegangen Volltrunkene per Taxi nach Hause chauffieren zu lassen. Die Taxifahrer finden das gar nicht lustig und wehren sich. Denn die meinen, die Leute sollten in die Zellen gesperrt werden. Das geht aber nicht, weil es gar nicht so ganz viele davon gibt und die, die vorhanden sind, sind besetzt. Von den Leuten, die sie neulich wegen Drogenhandels hops genommen haben.

Nur 8.9 % des Melbourner Wohnungsmarktes gilt als erschwinglich für Menschen mit geringerem Einkommen. Beim Rest geht eine große Portion des wöchentlichen Einkommens für Mietkosten drauf. Es sollen jetzt möglichst schnell ca. 90000 Grundstücke in fünf Gegenden als Baugebiet deklariert werden, die sich durch stetiges Wachstum auszeichnen. Dazu gehört auch die Gegend, in der wir wohnen. Da unser Ort ja nun wirklich seit Jahren wächst, frage ich mich, wann der Punkt erreicht ist, an dem wir keine ausreichenden Grünflächen mehr um uns haben.

Ich bin jetzt schon seit etlichen Monaten ziemlich vom stetig wachsenden Verkehrslärm angenervt. 100 m hinter uns ist der alte Highway, der auch in den Ort führt. Vielleicht 1-1.5 km dahinter befindet sich der Monash Freeway, der nach Melbourne oder zur anderen Seite hin nach New South Wales führt. Nachts hören wir Güterzüge – die Gleise führen ca. 1 km von uns entfernt am Ort entlang. Wenn kein Helikopter oder ein Kleinflugzeug über unser Grundstück fliegt, ist es ein leise brummender Jumbojet Richtung Flughafen oder Asien. Und wenn das alles nicht ist, kommt der Nachbarbengel um 23 Uhr mit seiner alten Gurke angeröhrt.

Nun könnte man fragen, warum wir nicht umziehen. Ganz einfach. Wenn wir in unserem Ort wohnen bleiben wollen und das wollen wir, weil er alles aber auch alles zu bieten hat, dann ist es ganz egal in welcher Himmelsrichtung wir uns niederlassen wollten – der Verkehrslärm ist entweder schon da oder wird bald folgen.

Buchhaltung – so interessant wie

Farbe beim trocknen zuzusehen – aarrrgh! Da hat der John sich ein Buchhaltungsprogramm gekauft, obwohl er weder von Buchhaltung noch von Computern die geringste Ahnung hat. Und jetzt soll ich…darf ich…muss ich mich mit diesem drögen Kram beschäftigen. Ich kenne das Programm genauso wenig wie er, von Buchhaltung habe ich nur noch minimalste Kenntnisse im Langzeitgedächtnis gespeichert und den ganzen öden Kram noch auf Englisch?

Da er nur nebenher Selbstständig ist und der Hauptverdienst von den Finnen kommt, finde ich, hat er voll übertrieben. Das hätten wir auch anders regeln können. Tja, da hatte ich mir erlaubt mich aus dieser Sache rauszuhalten und was passiert? Doof das!