Deutsche oder englische Gedanken?

Denken ist für mich wie Selbstgespräche führen. Man sollte doch meinen, da ich 32 Jahre lang in Deutschland gelebt habe, dass ich auch weiterhin auf Deutsch denke. Ist aber nicht so. Meine Umgangssprache ist seit 10 Jahren Englisch und das prägt.

Interessanterweise ändert sich die Sprache des Denkens, wenn ich am Skript oder an einer Kurzgeschichte arbeite. Wo ich auch gehe und stehe formen sich ganz unfreiwillig Sätze in meinem Kopf und die sind dann eindeutig Deutsch. Ich finde mein Gehirn vollbringt da eine enorme Leistung und hoffe, dass mich genau dieses hin- und her zwischen den Sprachen vor Alzheimer bewahrt. Und falls doch nicht, werd ich es irgendwann ohnehin nicht mehr merken. Also gehoppt wie gesprungen…

Sollte sich jemand über meine manches Mal verdrehte Satzstellung wundern, liegt es teilweise am Leben zwischen zwei Sprachen. Manchmal fällt es mir selbst auf, manchmal erst viel später, manchmal womöglich gar nicht. Damit muss ich leben, gibt bekanntlich Schlimmeres.

Ich bin immer schon gerne mit Sprache umgegangen, auch wenn ich sie nicht perfekt beherrsche. Zwischendurch werde ich müde Englisch sprechen zu müssen. Hängt mir manchmal zum Hals heraus. Warum ich mir selbst die Grundlage der Kommunikation in meiner Muttersprache geraubt habe, weiß der Geier. Dass es manchmal so unendlich mühsam, nervig, bedrückend sein kann zwischen zwei Kulturen zu leben, können nur diejenigen nachvollziehen, denen es ähnlich geht. Ich fühle mich an einem Scheideweg und zögere eine Entscheidung hinaus. Teilweise aus Angst, teilweise ist der Zeitpunkt nicht sehr passend. Nur wann ist er das? Es wird immer Umstände geben, die nicht 100 % passen.

Noch nie in meinem Leben habe ich vor einer Entscheidung gestanden, von der das Glück so vieler Menschen abhängt, die mir sehr nahe stehen. Ich kann nicht mehr, ich bin müde traurig zu sein. I am sick and tired to think the same thoughts again and again and again. Something got to give.

Cornflakesbox-Führerschein

Gestern habe ich was ganz doofes gesehen. Bin abends noch einkaufen gefahren und habe im underground Parkplatz vom Supermarkt geparkt. Da sind vorne weiter immer drei Parkplätze nebeneinander, dann kommt eine Säule und wieder Parkplätze usw. Ich hatte in der Mitte geparkt, links neben mir stand schon ein Auto und der Platz rechts neben mir, also da, wo die Säule dann wieder ist, war frei. Komme ich 45 Minuten später wieder nach unten ist rechts und links von meinem Auto bis auf zwei Autos gaaanz am Ende alles frei. Fährt aber in dem Moment eine Frau (und das ist wirklich schade, dass es sicher Vorurteile des einen oder anderen bestätigen wird), um mein Auto herum (an der Stelle sind praktisch zwei Reihen, wo  sich die Autos Kühler an Kühler gegenüber stehen können) und parkt direkt neben meinem Auto. Vielleicht kann die Frau nicht rückwärts aus einer Parklücke fahren und quetschte sich deshalb zwischen Säule und meinem Auto, sodass sie bequem später wieder vorwärts rausfahren konnte. Ist ja auch alles nicht so tragisch, muss ja jede selbst wissen, wie sie parken will. ABER, dass die Frau, obwohl alles frei war noch zweimal die Position ihres Autos korrigieren musste, bevor sie endgültig geparkt hatte, lässt die Vermutung zu, dass Madam gestern beim Öffnen der Cornflakespackung begeister: “Yeepee, da ist ein Führerschein drin” ausgerufen hatte.

Ich mein, ich bin nicht die weltbeste Einparkerin, aber wie schwer issn das geradeaus in eine Parklücke zu fahren?

Erinnert hat mich das Ganze an den Uli Stein Cartoon…sitzt eine Familie an einem völlig menschenleeren Strand. Kommt eine zweite Familie mit Sack und Pack, bleibt genau neben der ersten Familie stehen und fragt: “Ist hier noch frei?”

Kind seiner Mutter

ist der Jaime, denn den nervt der aufgesetzte Aussie-Akzent, genauso wie mich. “How ya goin mate?” (ausgesprochen meit) und alles schön langgezogen. Gerne auch mal in der Werbung benutzt, meistens wenn es um Farmer und Autos geht oder Bier. Vermutlich versteht die Zielgruppe sonst die Werbebotschaft nicht. Steve Irwin, der Croc-Hunter, hatte ihn ja trademark-mäßig perfektioniert, was ein Grund war, warum ich den Mann schlecht ertragen konnte.

Es gibt ja auch noch den “Oi!” Ruf (ausgesprochen wie die deutsche Vorsilbe eu), der so viel bedeutet wie “Ey” oder “Ey! Finger weg!” oder auch “Ey! Was machste da?” und klingt völlig primitiv. Auch in Jaimes Ohren und da frag ich mich doch, ob er, obwohl rein äußerlich Johns Clone ist, doch mehr von mir mitbekommen hat, als ich bislang gedacht hatte.

Das Wort “mate” wird meistens nur von Männern benutzt. Frauen beschränken sich auf das Wort Daaarrl (Darling) oder Luv – da fühlt man sich immer 30 Jahre jünger, wenn man so im Shop von der Verkäuferin angesprochen wird.  Und seit wann werden 11-Jährige im Geschäft ernst genommen?

Ich mag aber den normalen Aussie-Akzent, auch wenn sich das Ohr schwer dran gewöhnen muss, wenn man neu hier ist. Sowieso interessant, dass alle Englischsprachigen dieser Welt so viele verschiedene Akzente zu bieten haben. Was mich jetzt zu den verschiedenen Dialekten in Deutschland bringt. Da schrieb mir ein Bekannter gestern, er hasst sächsisch und fränkisch, wobei sächsisch total provinziell, primitiv und rückständig in seinen Ohren klingt. Und so gehts mir mit dem aufgesetzten Aussie-Akzent.

Ich glaube, ich hab darüber schon mal lamentiert…naja ist ja egal. Bin jetzt den 5. Tag hintereinander eingesperrt im Haus – es ist kalt, regnerisch und teilweise windig und weil wir immer nur kurze Strecken fahren und nur kurz draußen sind, lohnt sich die Winterjacke nicht. Dafür friert man sich aber den Hintern ab, wenn man mal kurz vom Parkplatz in die Geschäfte geht – richtig ungemütlich. Ich will es jetzt wärmer haben, auch die trockene Heizungsluft nervt langsam.

Mehr Penis-Werbung bitte

Mönsch, zwei Tage lang keine penisbezogene Werbung bekommen…und das wo ich mich doch immer so freue allein schon das Wort (und seine sämtlichen Ableger – gerne auch mal absichtlich falsch geschrieben) zu lesen…es mir genüßlich auf der Zunge zergehen lasse…wo ich schon ne Weile keinen Blick aufn echten Penis geworfen habe…

Ist nicht wahr oder?

Habe ich mich vor wenigen Tagen noch über Google ereifert, erfahre ich gestern Abend von Marco, dass das Kraken-Google-Mobil schon längst in unserer Straße war und ja…hallo…man unser Haus bewundern darf. Schön, dass nur wenige unsere Adresse kennen. Das Google-Mobil muss vor einigen Monaten durchgeeiert sein, Änderungen, die wir am Haus vorgenommen haben, sind nämlich nicht sichtbar und auch der Rasen vorne ist vertrocknet, was er jetzt im Winter nicht mehr ist. Ich wünschte mir ich hätte den Moment, in dem dieses ominöse Teil durch unsere Straße getuckert ist, mitbekommen. Dann wäre ich nämlich vors Auto gesprungen und hätte gleich verlangt, die Daten zu löschen. Denn ja, stellt euch vor, ich liebe es selbst bestimmen zu können, ob ich mein Haus im Internet anglotzen lassen möchte oder nicht. Das bisschen Privatsphäre, das einem bleibt, möchte man doch beschützen. Zumindest ich. Weiß nicht wie “man” darüber denkt. Klar, die Straße ist öffentlich – aber mein Haus nicht! Es geht mir ums Prinzip, das mag man bereits erkannt haben. Ja, ich kann Prinzipienreiterin sein, wenn ich will. Und warum auch nicht?

In diesem ach so schönen Land darf man aus politisch korrekten Gründen sein eigenes Kind nicht mehr bei Veranstaltungen fotografieren, es sei denn man stellt absolut sicher, dass sich kein anderes Kind mit auf dem Foto befindet…mmh kann man ja so schnell gar nicht…mmmh da darf dann von einem verlangt werden, die Fotos zu löschen. Oder es wird einem die Kamera abgenommen. Ja, ja so ist das hier seit Jahren an den Schulen, bei sportlichen Veranstaltungen oder bei Aufführungen in Kindergärten und Schulen. Weil, das muss ich jetzt sicher erst erklären..also das ist so…hier versteckt sich hinter jedem Busch und Eukalyptusbaum ein Pädophiler. Und der geht hin und fotografiert wahllos Kinder. Und dann geilt der sich im privaten an diesen angezogenen Kindern auf und vielleicht ist der auch Mitglied in so einer Tauschbörse, wo ganz viele andere Wichser und Kinderschänder vertreten sind. Leuchtet ein, oder?

Genauso wie…also das muss ich jetzt auch mal erklären…in diesem schönen freien Land…da gibts Videoshops. Nichts Ungewöhnliches, nee finde ich auch nicht. Also da geht man ahnungslos mit seinen Kindern rein und da reihen sich dann Horrormovie-Cover an Softporno-Titten-Cover und eine Reihe weiter sind dann “normale” Filme und noch ne Reihe weiter die Kinderfilme. Und es stört auch kein Schwein, dass man sein Kind mit in einen Kinofilm nimmt, der überhaupt nicht geeignet ist für Kinder in deren Alter. Weil…mmh ja…also das muss ich jetzt auch mal kurz erklären…man als Eltern schließlich am besten weiß, was gut für seine Kinder ist. Wo kommen wir denn da hin, wenn das Gesetz den Eltern vorschreibt, dies und jenes nicht zu dürfen? Mmh? Wohin? Das geht eben nicht, in diesem unserem freien Land.

Und deshalb darf man sein eigenes Kind nicht mehr in der obengenannten Öffentlichkeit fotografieren. Ist doch logisch, oder?

Schätzken – entweder du oder ich

Ich sag dir das jetzt mal unter vier Augen. Du wohnst nicht, wie du vielleicht irriger Weise annehmen magst, in einem Hotel. Es ist auch nicht dein Haus, ich gebe dir nur shelter. Und nein, ich hatte nicht einfach so grottenschlechte Laune, als ich dir heute Morgen mit abstehenden Haaren begegnet bin. Weißt du was ich in wenigen Minuten nach dem Aufstehen gesehen habe?

  • einen kleinen Wohnzimmertisch beladen mit Unibüchern und deinem Laptop oben drauf
  • ein Kopfhörer auf dem Sofa
  • ein Paar Schuhe gegenüber! unserer 4! Schuhregale im Flur
  • eine Plastiktrinkflasche, halb gefüllt mit Wasser auf der halben Mauer im Flur – gegenüber von deinem Zimmer. Solltest du sie suchen, die habe ich hysterisch in dein Zimmer geschleudert, genauso wie die “Skins”, die du unter deiner Sporthose trägst und gerne zum Trocknen, Lüften oder um mir den letzten Nerv zu rauben, auf eben diese Mauer legst. Viel Spaß beim suchen.
  • die angetrockneten Essensreste in der Pfanne und im Kochtopf sehen nicht sehr lecker aus so früh morgens und nein, die Pfanne darf nicht in die Spülmaschine. Verständlich, dass du das nicht weißt, ich habs ja nur 56 Mal gesagt.
  • die Küchentheke ist nicht dazu da, um schmutziges Geschirr drauf zu stapeln, guck mal ein bisschen tiefer, da siehst du eine Maschine, deren Tür sich öffnen lässt.
  • die Duschmatte vor der Dusche muss nicht triefendnass liegen bleiben
  • die ausgequetschte Zahnpastatube darfst du in den Mülleimer, der seit 8! Jahren im Bad steht werfen
  • beim Zähne putzen muss man sich nicht zwangsläufig im Spiegel betrachten
  • leere Shampoo- und Duschgelflaschen sammeln wir nicht in der Duschkabine
  • ich weiß, dass du täglich mehrere Male Deo benutzt, du darfst es trotzdem wieder in den Waschtischschrank stellen und nein wir anderen möchten keine Asthmaanfälle bekommen, wenn du sprühst.
  • ich brauche keine Golftaschen und Golftrolleys links und rechts von meinem Auto. Manchmal möchte ich auch aus dem Auto aussteigen, wenn ich es in die Garage gefahren habe.
  • genausowenig wie benutzte Tassen, Gläser und Taschentücher auf meinem Schreibtisch
  • nasse Teebeutel schleudern wir nicht ein paar Mal in der Spüle auf und ab, bevor wir sie in den Mülleimer werfen  und Abwaschlappen befreien wir von Essensresten und Krümel, bevor wir ihn wieder zurücklegen

Jetzt sag ich es mal mit deinen eigenen Worten, vielleicht verstehst du die einfach besser, als meine gepflegte Ausdrucksweise:

For fucks sake, nur Idioten gehen vor! dem Sport ausgiebig duschen oder diejenigen, die keine Rechnungen zu bezahlen haben.

Und wenn du dir eine eigene Bleibe suchst, nimm bitte deinen Bruder und seine Millionen Legosteine mit und John und seine schwarzen Arbeitssockenfusseln auf meinem hellen Fußboden. Und die Pullis und Jacken, die gerne über Esszimmerstühle oder Barhocker gelegt werden. Und wenn du schon am Packen bist, nimmste dann auch gleich die 500 Zettel mit, die auf der Küchentheke liegen? Und vergiss nicht die Stühle an den Tisch zu schieben, bevor du gehst. Sag John, die Kissen vom Sofa darf er mitnehmen, die lässt er ja so gerne wie aus dem Arsch gezogen auf dem Sofa zurück, aber nehmt mal ruhig mit.

“Was sagst du? Nein, das Buch, was immer auf der Sofalehne liegt, ist nicht meins. Ja genau, pack das auch mit ein, das gehört John. Viel Spaß miteinander!”

Come to think of it…vielleicht wäre es einfacher, wenn ich ausziehe?