Lachen oder weinen?

Die meisten meiner Lebensjahre habe ich als sehr geduldige, ruhige Frau zugebracht. Die wenigen Situationen, in denen ich ausgerastet bin, waren gerechtfertigt. Was das Zusammenleben mit John angeht, bin ich nur ein einziges Mal ausgerastet und das war, als Jaime noch sehr klein war. Plötzlich war er verschwunden. John vorne im Garten am Arbeiten, ich im Haus, der Kleine war die ganze Zeit über bei ihm, aber er hatte nicht weiter auf ihn geachtet. Selbstverständlich ist mir aufgefallen, dass Jaime nicht mehr da war. John haben daraufhin die Ohren geklingelt. Da wir nur 150 m vom alten Highway entfernt wohnen habe ich Sterne gesehen, als wir die Straße runterrannten und das Kind suchten. Glücklicherweise war er in eine Nebenstraße abgebogen, ein junges Paar hatte ihn angehalten und versucht auszufragen. Jedenfalls hielten sie ihn am Dreiradlenker fest und dafür bin ich heute noch dankbar.

Gerade eben war es das erste Mal seit langem, dass ich sehr direkt geworden bin.  Allerdings nicht laut. Ich habe nämlich heute endlich die Sonnenblumensamen eingepflanzt und da die Vögel sie gerne essen, mussten wir uns überlegen, wie wir die Stelle abdecken. Aha! John zum Baumarkt gefahren und ein Netz gekauft. Gute Idee. Ich habe eingepflanzt, gewässert und bin dann wieder ins Haus. Bis ich den Akkubohrer hörte. Akkubohrer? Ich ahnte etwas. Hatte ich nicht vorher noch Holzlatten im Garten liegen sehen? Ich wollte nicht raus, wollte nicht sehen, was der Bauherr in unserer Familie gebastelt hatte. Neugierde siegte.

Sehe ich John mit einem ominösen Gestell, bestimmt 3×3 Meter, auf dem er das Netz festgeakkuschraubt hatte, asten. Zu lang für die Stelle am Zaun und Rasenbegrenzung, zu breit für die Büsche rechts und links. Macht ja nichts, einfach mal plattmachen. Und das war der Moment, in dem ich fassungslos fragte, was er da mache. Wurde er ungehalten, was er denn sonst tun solle und ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Jedenfalls akkuschraubte er dann völlig beleidigt rückwärts, entsorgte die Holzlatten wieder während ich das Netz mit Zeltheringen befestigte.

Sofort fielen mir wieder all seine Projekte ein, die er gebastelt hatte. Als erstes war der Riesenvogelkäfig auf Rollen! für nur einen einzigen Vogel gebaut worden. Und hätte ich ihn bloß nie gefragt, ob er für Jaime eine Spielzeugkiste bauen könnte. Die war so riesig geworden, dass das arme Kleinkind überhaupt nicht an seine Spielsachen kam, ohne Gefahr zu laufen kopfüber in die Kiste zu fallen. Die Spielsachen, die ganz unten in der Kiste gelegen hatten, hatte das Kind jahrelang nicht zu Gesicht bekommen. Ich glaube danach war der Meerschweinchen- und Hasenkäfig dran. Ich möchte ja nicht immer die gleichen Wörter benutzten, aber er war riesig. Vor allem war er so hoch, dass kein Mensch die Tiere bequem füttern konnte, ganz zu schweigen vom Käfig saubermachen.

Als wir den Brunnen gebaut hatten, habe ich höllisch aufgepasst, dass er keine Dimensionen annimmt, die eher an ein Pool denken ließen. Aber der besteht ja aus alten Klinkersteinen und nicht aus Holz. Die Gefahr war von daher geringer.

Das Bett, das er Marco vor Jahren gebaut hatte, war…nein nicht riesig, aber um etliche Zentimeter länger, als die Matratze. Nicht nur rutschte die Matratze gerne hin und her, es sammelte sich auch immer Staub in der Lücke an. Jaimes selbstgebautes Bett hatte – Mann lernt ja dazu – vernünftige Maße, aber die Schubladen wollten nie so richtig funktionieren. Beide Kinder haben mittlerweile gekaufte! Betten.

Der Vogel ist kurz nach der Fertigstellung des Käfigs weggeflogen, Hasen und Meerschweinchen sind bei uns auch nicht alt geworden. Die Spielzeugkiste ist nach vielen Jahren zerlegt worden. Dass dieser Mann ein ganzes solides Haus selbst gebaut hatte, in dem wir anfangs wohnten, als ich nach Australien gezogen war, kann man fast nicht glauben.  Ich nehme John jetzt sämtliche Holzlatten, Bohrer und Akkuschrauber wech, ich finde ich bin all die Jahre sehr geduldig gewesen. Ich weiß ganz genau, dass ich noch die eine oder andere Episode vergessen habe. Und jetzt fällt mir auch wieder ein, warum ich niemals ein Haus mit ihm bauen werde.

PS Ein Segen, dass er nie auf die gloreiche Idee gekommen ist eine Hundehütte zu bauen – darin hätten wir garantiert ein Pferd unterbringen können.

PPS Nachdem vor einigen Jahren Jaimes Spielhaus gebaut wurde und ein richtiges Dach bekommen hatte, konnten wir nicht nur Richtfest feiern, sondern uns auch freuen, dass das Ding nach einem Erdbeben garantiert noch stehen wird. Dass wir keine Baugenehmigung dafür einholen mussten kommt mir heute noch seltsam vor.

Kultur im Arsch – Dank Elke

Es muss wohl die einzige Kultursendung in Deutschland gewesen sein, wie sonst erklärt sich die Betroffenheit über den Rausschmiss der Frau die den unwissenden Leser mit lesenswerten Bücherempfehlungen versorgte? Die Nation ist gespalten – nur die Dummen wissen nicht worum es geht – sind ohnehin alles Leute, die das Wort Kultur noch nicht einmal buchstabieren können. Verlagsleute gucken betrübt – wie werden sie jetzt Literatur unters Volk bringen, ohne Pleite zu gehen? Schriftsteller werden scharenweise am Hungertuch nagen, Kritiker ne Sinnkrise kriegen, die Sonne über Deutschland wird nie wieder scheinen.

Denken geht ohne Hilfe – man muss das nur oft genug üben. Ist ganz schmerzlos für sich selbst zu denken und Entscheidungen zu treffen. Hat man erstmal die Scheu überwunden, kann man gar nicht mehr aufhören zu denken.

So ging’s mir gestern im Museum:

Ich sehe was, was du nicht siehst

 

Wir schauen uns ein Gemälde im Museum an, versuchen zu verstehen. Maler sind wie Schriftsteller, man muss ihre Werke nur entschlüsseln können, zwischen den Pinselstrichen lesen sozusagen.

Was willst du mir sagen?, flüstere ich.

„Kennst du nicht die Geschichte des Prometheus?“, fragt mich das Bild in einem selbstgefälligen Ton.

„Sicher, aber die sehe ich in meinem Gemütszustand heute nicht.“

„Du weißt gar nichts, du verstehst nichts.“

Ich könnte jetzt sagen, dass ich sehr wohl verstehe und auch wiederum nicht, aber das würde das Bild nicht verstehen, deshalb schweige ich und betrachte es noch intensiver

„Ich gebe dir einen Hinweis“, sagt es in einem schnippischen Ton.

Ich will keinen Hinweis und kneife die Lippen zusammen.

„NS-Zeit“, brüllt es mir ungeduldig entgegen.

Ich beachte weder die Aussage, noch in welchem Tonfall sie daher gekommen ist. Mein Herz wird schwer, meine Augen werden feucht. Verstohlen wische ich mir mit dem Handrücken eine Träne von der Wange.

Ich denke an den Künstler  - wie furchtbar seine Heimat verlassen zu müssen.

„Na endlich“, sagt das Bild. „Bist du nun doch in der NS-Zeit gelandet,“ den Triumph in der Stimme dünn verschleiernd.

„Du verstehst nicht“, herrsche ich das Bild an. „Ich korrespondiere mit dir entsprechend meiner Entwicklungsgeschichte, also sag mir bitte nicht, was ich zu denken habe, das war schließlich auch nicht das Anliegen deines Schöpfers.“

Das Bild schnaubt verächtlich, setzt zum Sprechen an. Seine Antwort wird von der Stimme meines kleinen Sohnes übertönt.

„Schau Mama, der Vogel isst die Marmelade vom Hemd des Mannes.“

Er kichert dabei.

„Das ist keine…“, setze ich an und halte erschrocken inne. Habe ich nicht gerade dem Bild eine Lektion erteilt?

Nicht verschollen

Irgendwo im Outback

Irgendwo im Outback

ist meine Nichte im Outback. Gestern bekam ich drei Fotos – zwei von ihr, die ich ohne Rücksprache nicht veröffentlichen kann und s. o.  Es ist und bleibt ein spannender Kontinent, wenn man nicht gerade in den Southeastern Suburbs von Melbourne hockt. Vor zwei Tagen sind sie in Cairns angekommen und ich bin froh, dass sie sich gemeldet hatte. Mittlerweile ist sie seit gut 7 Wochen unterwegs, davon die gesamte Zeit im Outback. Jetzt geht’s die Ostküste runter, bis sie irgendwann – spätestens zu Weihnachten wieder bei uns aufschlagen. Ihrem Freund, der seit Anfang Oktober in Australien ist und auf einer Farm in Westaustralien für ein halbes Jahr arbeitet, geht’s auch gut. Auch er wird sich gegen Weihnachten Richtung uns bewegen und ich finde es richtig schön mal wieder deutschen Besuch zu haben. Bin auch sehr gespannt auf die ganzen Fotos, die Katharina gemacht hat. Handy aufladen gestaltet sich nach wie vor etwas schwierig, wenn man bedenkt, dass sie im Auto übernachten, aber Katharina hat bislang immer eine “öffentliche” Steckdose gefunden :-)
Der junge Deutsche, mit dem sie seit Darwin unterwegs sind, hat nur 13 km von hier eine Tante wohnen. Ich sach ja, die Welt ist ein Dorf.
So und weil ich neidisch bin krame ich jetzt Fotos von vor vier Jahren raus.

Reisewarnung für Australier – Indonesien

Die drei verurteilten Bali-Bomber von 2002 werden Anfang November, nachdem sie alle juristischen Wege erschöpft haben, durch erschießen hingerichtet. Sie wollten ja gerne enthauptet werden, aber die indonesische Regierung sagte Nö, bei uns wird grundsätzlich erschossen. Jetzt warnt die australische Regierung nicht nach Indonesien zu fliegen, es werden terroristische Anschläge erwartet. Der dauergrinsende Amrosi soll bereits vor Wochen gesagt haben, wenn sie hingerichtet werden, werden sie gerächt. Was ich nicht verstehe. Sie haben doch immer behauptet, sie würden sich auf den Tod freuen. Warum wiegelte er dann seit Monaten aus dem Gefängnis heraus auf?

Ich weiß ohnehin nicht, warum die Medien gerade ihn dauernd und dann auch noch lachend zeigen mussten. Der blanke Hohn für die vielen Opfer und deren Angehörigen. Überhaupt keine Berichterstattung wäre besser gewesen. Wen hätten sie dann etwas vorspielen können? Aber das ist leider Wunschdenken von mir, würde sicherlich auch an Zensur grenzen, nichts über diese feigen Typen zu bringen.

Was mich an diverse andere Videos von irgendwelchen zum Islam konvertierten Deutschen oder sonstwas für Nationalitäten denken lässt, deren Heimkino-Videos auch immer mal wieder im TV oder auf Nachrichtenseiten im Netz auftauchen. Ja, wer tut sich denn das an diesen Schmu anzugucken? Der Drang zur Selbstdarstellung jedes Dicks und Johns heutzutage ist schier unerträglich. Den sie gar nicht ausleben könnten, wenn sie die Produkte der ach so verhassten westlichen Welt nicht in Anspruch nehmen könnten. Konsequenterweise meine ich, sollten sie ihre Botschaften auf Steintafeln meißeln, per Kamel von Dorf zu Dorf ziehen, den Analphabeten vorlese und uns damit in Ruhe lassen.

First Australians II

Leider sprengt es den Rahmen hier ausführlich über die Serie First Australians zu berichten. In der The Age gibt es einen guten Artikel darüber und wer sich für die Geschichte der Aborigines interessiert, findet dort etliche Namen, die man sich ergoogeln kann.

Nur so viel zum Artikel…die Autorin bemängelt selbstverständlich zu Recht, dass anstatt die Geschichte der Aborigines in den Schulen gelehrt wird, man lieber irgendwelche Sportsmänner zum Nationalhelden lobt oder ein Rennpferd (Phar Lap - ich hab’s auch mal gesehen haha) ausstopft, das man im Museum bewundern kann. Selbstverständlich finden sich Fragen zu “Sportshelden” auch im Einbürgerungstest.

Was mich jetzt auch ein bisschen an einen Politiker erinnert, der tatsächlich einmal gefordert hatte, man solle doch die Geschichte ruhen lassen und sie nicht in den Schulen lehren. Das ist schon ein paar Jahre her. Wie peinlich. War es womöglich der gleiche Politiker, der vor Monaten forderte den SBS Fernsehsender, der internationale Filme in Originalfassung mit englischem Untertitel bringt und Nachrichten in zig verschiedenen Sprachen, abzuschaffen? Die Leute meinte er, sollten gefälligst Englisch lernen, wenn sie hierher kommen und nicht in ihrer Muttersprache sprechen. Mich würd’s nicht wundern, wenn er diesen charmanten Aufkleber auf seinem Auto spazieren fährt – If you don’t like it here – leave!

Aaahhh – lucky country – das solche Idioten hervorbringt. Fairerweise will ich aber noch zugeben, dass diese Menschen in der Minderheit sind und sie mit ihren lächerlichen Forderungen nur Häme ernten.

Ich nehme die komplette Serie auf, hoffe aber, wie viele Andere auch, dass sie als DVD-Serie demnächst käuflich zu erwerben ist. Ich mein – hallo? – jede Popelserie ist heutzutage auf DVD zu bekommen, da sollte man doch meinen, dass so etwas Wichtiges nicht lange auf sich warten lassen muss.