oder warum waren die Fotos plötzlich nicht mehr im Beitrag – Nicht verschollen – ?
Tagesarchiv: 28 Oktober, 2008
Kultur im Arsch – Dank Elke
Es muss wohl die einzige Kultursendung in Deutschland gewesen sein, wie sonst erklärt sich die Betroffenheit über den Rausschmiss der Frau die den unwissenden Leser mit lesenswerten Bücherempfehlungen versorgte? Die Nation ist gespalten – nur die Dummen wissen nicht worum es geht – sind ohnehin alles Leute, die das Wort Kultur noch nicht einmal buchstabieren können. Verlagsleute gucken betrübt – wie werden sie jetzt Literatur unters Volk bringen, ohne Pleite zu gehen? Schriftsteller werden scharenweise am Hungertuch nagen, Kritiker ne Sinnkrise kriegen, die Sonne über Deutschland wird nie wieder scheinen.
Denken geht ohne Hilfe – man muss das nur oft genug üben. Ist ganz schmerzlos für sich selbst zu denken und Entscheidungen zu treffen. Hat man erstmal die Scheu überwunden, kann man gar nicht mehr aufhören zu denken.
So ging’s mir gestern im Museum:
Ich sehe was, was du nicht siehst
Wir schauen uns ein Gemälde im Museum an, versuchen zu verstehen. Maler sind wie Schriftsteller, man muss ihre Werke nur entschlüsseln können, zwischen den Pinselstrichen lesen sozusagen.
Was willst du mir sagen?, flüstere ich.
„Kennst du nicht die Geschichte des Prometheus?“, fragt mich das Bild in einem selbstgefälligen Ton.
„Sicher, aber die sehe ich in meinem Gemütszustand heute nicht.“
„Du weißt gar nichts, du verstehst nichts.“
Ich könnte jetzt sagen, dass ich sehr wohl verstehe und auch wiederum nicht, aber das würde das Bild nicht verstehen, deshalb schweige ich und betrachte es noch intensiver
„Ich gebe dir einen Hinweis“, sagt es in einem schnippischen Ton.
Ich will keinen Hinweis und kneife die Lippen zusammen.
„NS-Zeit“, brüllt es mir ungeduldig entgegen.
Ich beachte weder die Aussage, noch in welchem Tonfall sie daher gekommen ist. Mein Herz wird schwer, meine Augen werden feucht. Verstohlen wische ich mir mit dem Handrücken eine Träne von der Wange.
Ich denke an den Künstler - wie furchtbar seine Heimat verlassen zu müssen.
„Na endlich“, sagt das Bild. „Bist du nun doch in der NS-Zeit gelandet,“ den Triumph in der Stimme dünn verschleiernd.
„Du verstehst nicht“, herrsche ich das Bild an. „Ich korrespondiere mit dir entsprechend meiner Entwicklungsgeschichte, also sag mir bitte nicht, was ich zu denken habe, das war schließlich auch nicht das Anliegen deines Schöpfers.“
Das Bild schnaubt verächtlich, setzt zum Sprechen an. Seine Antwort wird von der Stimme meines kleinen Sohnes übertönt.
„Schau Mama, der Vogel isst die Marmelade vom Hemd des Mannes.“
Er kichert dabei.
„Das ist keine…“, setze ich an und halte erschrocken inne. Habe ich nicht gerade dem Bild eine Lektion erteilt?