Nannystaat – Viva Australia

Mir reicht’s. Ich hab einen dicken Hals. Der Tropfen, der mein persönliches Fass zum Überlaufen gebracht hat, ist der erzwungene Internetfilter, den die Regierung jetzt allen ISPs zunächst über einen Versuchszeitraum von 6 Wochen aufdrückt. Gefiltert werden sollen illegale Webseiteninhalte. Von bislang ca. 1300 Webseiten, die ohnehin schon auf der blacklist stehen, sollen jetzt ca. 10000 Webseiten betroffen sein. Unter dem Deckmantel des Schutzes für Familien, besonders Kindern, wird uns Internetusern jetzt gesagt, was wir gucken dürfen und was nicht. Ich muss ja jetzt nicht extra sagen, dass es sich hier hauptsächlich um Inhalte dreht, die das Wort mit den drei Buchstaben beinhaltet. Aber auch um völlig andere Seiten, die damit überhaupt nichts zu tun haben. Meine Kinder muss der Staat nicht beim Internetsurfen beschützen, dafür bin ich als Elternteil zuständig.

Abgesehen davon, dass alle IT-Fachleute sagen, geht so gar nicht wirklich und es Wege gibt (die auch in einschlägigen Foren gerne dem unkundigen Computerbenutzer zugänglich gemacht werden), ist das nicht nur eine diktarorische Maßnahme in einer Demokratie, sondern auch eine Millionenverschwendung von Steuergeldern. Die kann man besser in das healthcare system investieren.

Die große Mehrheit der Australier ist dagegen. Klar. Interessiert nur eine christliche Regierung nicht. Viele Leute beschweren sich ohnehin über das lahmste Internet der gesamten westlichen Welt, jetzt kann es sich durch den erzwungenen Filter bis zu 87 % verlangsamen. Dafür zahle ich nicht monatlich ein Schweingeld. Angeblich sollen Internetbenutzer freiwill mitmachen können. Da warte ich ja gespannt auf eine Nachricht meines ISPs.

Im übrigen wurde nicht eindeutig gesagt, welche Inhalte als “unerwünscht” bezeichnet werden. Großes Geheimnis. Natürlich ist die Befürchtung groß, dass sich das alles schneller ausweitet und wir in Kürze in “1984″ leben. Natürlich wehren die Australier sich dagegen. Und natürlich kann man gar nichts dagegen unternehmen, außer bei der nächsten Wahl diese Partei nicht mehr zu wählen. Die anderen sind aber auch nicht besser und Johnny Boy Howard hatte diesen Mist ins Gespräch gebracht, der blasse Kevin geht jetzt nur einen Schritt weiter.

Ich bin diese Doppelmoral und diesen Nannystaat leid. Wer uns noch mal in Oz besuchen will, muss sich beeilen. Viel älter werde ich hier nicht mehr. In den deutschen Winter werde ich jedoch nicht ziehen.

Hat jemand einen Job für mich ab Frühjahr 09 in Deutschland?

Unterwegs – In einer anderen Welt

 

Sie geht nicht, sie läuft nicht. Ihre Schritte sind nicht ausladend, nicht trippelnd. Sie hat alle Zeit der Welt. Graziös folgt sie ihrem eigenen Rhythmus, wiegt ihre Hüften beim Durchschreiten des Flughafens Dubai. Das farbenfrohe Kleid komplimentiert ihre schwarze Haut, wie es kein Kleidungsstück jemals für meine weiße Haut tun wird. Das Tuch, das sie sich um den Kopf gebunden hat – würde ich es tragen, sähe ich bestenfalls exzentrisch, schlimmstenfalls dämlich aus – ebenfalls kräftig bunt. Diese afrikanische Frau mit traditioneller Figur ist sich ihrer selbst so sicher, wie ich es mir mit meiner Frau-in-den-Vierzigern-Figur niemals sein werde. Ich sitze auf dem Fußboden, mein Blick folgt ihr fasziniert.

Mir gegenüber sitzt eine Gruppe junger Mädchen mit verzierten Kopftüchern. Schöne Tücher. Auch sie würden mir nicht stehen. Sie kichern, unterhalten sich, haben Spaß. Ein Mädchen will Fotos von der Gruppe machen, geht langsam rückwärts, stolpert über abgestelltes Gepäck. Kichernd dreht sie sich um, blickt ihre Gruppe an. Bemerkt den Blick des einen Mädchens, das mich verschmitzt anschaut. Sie dreht sich zu mir um. Sie kichern immer noch, ich grinse mit den Augen. Mutter und Tochter mit Dreadlocks und bunten Perlen im Haar laufen vorbei. Dürftig bekleidete Weiße. Die Vielfalt der Nationen, die sich in Transit in Dubai befinden, ist beeindruckend. Die Mode auch.

Düsseldorf erwartet mich. Wie farblos plötzlich alles wirkt. Bis meine Familie mir gegenübersteht.