Deutsche Welle

zeigt bei uns um 8 Uhr morgens auf SBS deutsche Nachrichten. Und um 16 Uhr deutsche Nachrichten in Englisch. Da ich mich um 8 Uhr morgens noch gemütlich im Bett von eine Seite auf die andere Seite wälze, ist klar, dass ich schon Jahre keine deutschsprachigen Nachrichten hier gehört habe. Heute Nachmittag gabs dann auch wieder eine Kostprobe eines grässlichen deutschen Akzents bei einem deutschen Korrespondenten, der von einem amerikanischen Nachrichtensprecher interviewt worden ist. Nun ist auch mir klar, dass man in den meisten Fällen einen Akzent haben wird als Nichtmuttersprachler. Aber bitte – th aussprechen und aus dem w kein englisches v machen, ist so schwer nicht. Das heißt nicht vot, das heißt what.

Erinnert mich an Arnie Schwarzenegger – den müsst ihr mal Englisch sprechen hören – rollen einem die Fußnägel hoch. Der spricht genauso kantig, wie er aussieht. Der macht gerne aus dem Wort back so was wie buck - I’ll be buck. Nee bleib bitte wo du bist.

Dennoch…ich habe ihn mal in der Oprah Show gesehen. Wurde ein Ausschnitt gezeigt, als er in einer amerikanischen Highschool den Kids einen Vortrag hielt. Erzählte er von seinen Anfängen in Amerika und dass sich alle über ihn lustig gemacht hätten. Weil er bodybuilder war und ich schätze wegen seines Akzents haha. Er lief dann durch die Klasse, zeigte mit beiden Zeigefingern auf sich und fragte im besten östereichischangehauchten Arnie-Englisch: “Who is laughing now, hä?”

Es ging halt darum, dass man Ziele haben sollte, an diese Ziele glauben sollte und sie durch eine gewisse Hartnäckigkeit auch erreichen kann. Und man solle sich um Gottes Willen von niemanden einschüchtern oder belächeln lassen. Das widerrum machte ihn mir dann doch etwas sympathischer. Seine Frau, Maria Shriver, ist eine ganz fleißige, sympathische Frau. Zumindest kommt sie im TV so rüber. Interessant fand ich in ihrem Interview ihre Aussage, dass in ihrer Familie alle Kinder dazu angehalten und erzogen wurden der Gesellschaft zu “dienen.” Also etwas sehr sinnvolles zu tun und nicht auf dem Hintern zu sitzen und zu jammern. Ihre priviligierte Herkunft nutzen, sich ihrer bewusst zu sein und nicht nur dankbar dafür zu sein, sondern auch tatsächlich Dinge bewegen.

Du schreibst so viel über Geld, das ist ja richtig öde

Nö, finde ich nicht. Wenn man woanders lebt, muss einem klar sein, man greift tüchtig in die Tasche, wenn man zum Arzt geht. Nun lebe ich 10 Jahre woanders und komme immer noch nicht drüber weg, wie viele Leute mit hässlichen Warzen und so herumlaufen. Meine Herren, denke ich mir dann immer, warum lassen die sich die nicht mal eben wegschnippeln oder vereisen?

Ich habe seit über einem Jahr zwar keine Warze, aber eine Hautwucherung an meinem Schienbein. Letztes Jahr bin ich deswegen zu meiner geliebten Hausärztin gegangen. Die schickte mich zum Hautarzt. Hautarzt! Facharzt! Minus Dollarzeichen in meinen Augen. Hautarzt sagte:”Kann nicht weggeschnippelt werden, zu dicht am Knochen.” Ich langes Gesicht gezogen. Monate später, wieder bei meiner geliebten Hausärztin. Sie gibt mir eine Überweisung zu einem Chirugen. Dem besten! Der hat wahnsinnig viel Erfahrung als Chirug für Kriegsverletzungen. Ich hin. Er guckt sich mein Problem an. “Ja, kann ich wegschneiden, kein Problem, aber ach herrje, das ist ja nicht schlimm, was du hast. Guck mal”, zieht sein Hosenbein hoch. “Ich hab das auch.” “Du bist ein Mann, du trägst lange Hosen.” Mit anderen Worten, ist mir doch egal, wie deine Beine aussehen. “Das kommt von Sandfliegen, was du da hast. Ist harmlos.” “Aber hässlich!” “Für 500 Schleifen schneide ich dir das weg. Du kriegst aber nix von der Krankenversicherung wieder. Auch nicht von der Privaten.”

Ich habe mir über ein Jahr Zeit gelassen. After all, ich gebe ungern 500 $ für Eitelkeit aus. Heute war ich wieder da. Sagt er was zu mir?  Jetzt sofort? Ja, damit habe ich ja gar nicht gerechnet.” “Kein Problem, komm mal mit.”

Und er zog die Spritze auf. Ich: “Mensch, wenn ich das geahnt hätte, hätte ich mir Musik mitgebracht.” “Kannst auch singen. Oder soll ich dir was vorsingen?” “Ha ha, ich doch nicht.” “Bist du nicht die Musiklehrerin?” “Nä, ich schreibe.” “Nein! Ich schreib auch ein Buch. Aber ach herrje, ich bin so undiszipliniert.” “Kenne ich.”

Blabla. Wir haben uns in den 15 Minuten blendend unterhalten. Tim ist ein sympathischer Brite und ich werde den Verdacht nicht los, Tim wollte noch schnell ein paar bucks before christmas machen. Dennoch. Auf meine bewundernde Aussage: “Mensch, das war aber fix”, meinte er nur: “Darauf habe ich Jahre lang hingearbeitet.”

Ja, glaube ich gerne. Der Mann kann was, ist sympathisch, kann mit Patienten umgehen. Was stören mich da die 500 $, die ich jetzt weniger auf dem Konto habe?

So ist das hier. Ich habe noch einiges, was mich an meinen Körper stört. Und wenn ich im TV Nachrichten Sprecher sehe, die Warzen haben oder extrem hängende Augenlider, obwohl sie garantiert noch jünger sind, als ich, krieg ich zuviel. Geht mal zum Arzt Leute! Aber nein, denke ich dann wenig später, es ist wirklich nicht zum ausshalten, dass man für solchen “Luxus” halb arm wird.

Vor vielen vielen Jahren war ich auf einer Fähre nach England. Ein alter Mann saß mir gegenüber – ohne Zähne, Jetzt weiß ich, warum.

Hat es sich heute Abend zufällig ergeben, dass ich im Einkaufszentrum war. Bin ich gleich zur Krankenkasse rein, um meine bescheidenen 65 $ und was wieder zu bekommen. Tims Rechung war nämlich über 620 Dollar – wovon 125 $ eben die Gebühren für den Besuch waren. Und davon bezahlt die Krankenkasse einen Anteil. Frage ich die Frau, die mich bedient hat, nach der finanziellen Grenze, wonach man Geld für medizinische Aufwendungen von der Steuer absetzen kann. Meinte sie, könne sie mir nicht sagen, sie würde für die Krankenkasse arbeiten, nicht fürs Finanzamt. Hab ich mir gedacht, wie kann man nur so uninformiert sein?

Und das erlebt man hier leider sehr häufig. Ich frage mich, wieso weiß die Frau nicht, dass wenn man mehr als 1500 $ für Arztkosten im Finanzjahr ausgibt, man alles was drüber hinausgeht mit 20 % von der Steuer absetzen kann? Es ist doch nicht ungewöhnlich, dass man hier stets  und ständig für medizinische Dienste tief in die Tasche greifen muss. Aber halt! Stopp! Klar weiß sie das nicht, weil die Leute sich aus Eitelkeits-Ops nix machen! Aha!

Das traurige ist, man muss sich alle Informationen mühsam zusammen suchen. Warum, frage ich mich. Warum kriegt man nie eine konkrete Antwort, auf eine konkrete Frage. Warum wird alles nach einer hochkomplizierten Formel errechnet?

Warum pocht meine Wunde jetzt, um kurz vor Mitternacht, wo mir heute Mittag ins Fleisch geschnitten wurde?

Warum wird kein Kindergeld für jedermann gezahlt? Warum muss man sein Einkommen schätzen, um Tax Benefit A oder B zu bekommen? Hat man mehr verdient, muss man zurückzahlen. Was ist überhaupt Benefit A oder B? Allein um das nachzulesen benötigt man eine schnelle Internetconnection, viel Geduld, viel Englisch und viel Zeit. Bekloppt!

Da liebe ich mir das deutsche Kindergeld und die popelige Praxisgebühr in Deutschland.

Jetzt muss ich noch vor dem 30. Juni – wenn das Finanzjahr bei uns endet – zum Zahnspezialisten und mir zwei Weisheitszähne rauspulen lassen. Ich meine, warum sollte ich damit länger, als Juni warten, wenn ich es noch zu meiner 1500 $ Liste hinzurechnen möchte. Und ganz ehrlich – das möchte ich.