Empörend

50 Cafes in Melbourne haben sich dazu entschlossen an einem Versuch (bei dem es nicht bleiben wird – mark my words) in der ersten Dezemberwoche für Leitungswasser, was normalerweise umsonst für Gäste ist, Geld zu erwarten. Sozusagen als Spende für die Installierung von Wassersparmaßnahmen in ihren Cafes bzw. Restaurants. Welche eigentlich? Und warum erst jetzt? Der Kontinent ist nicht erst seit dem 19. November trocken. Wenn man sich bewusst macht, dass die nahrungsmittelverarbeitende Industrie Millionen Liter an Frischwasser während der Herstellung von Produkten verbraucht, also die großen Fabriken, schießt man hier mal wieder mit Kanonen auf Spatzen.

Cafe- und Restaurantbesitzer retten also demnächst diesen trockenen Kontinent.  Man, man dieses scheinheilige Umweltgetue geht mir auf den Senkel. Für die Herstellung von Softdrinks, die Australier sich kübelweise reinschütten, benötigt man ja kein Wasser. Oder für Bier.

Es wird mit Sicherheit früher oder später überall eingeführt werden. Im Prinzip finde ich es nicht super tragisch, dass man auch für Leitungswasser einen geringen Preis zahlen sollte – alle anderen Kosten werden ja auch grundsätzlich auf den Verbraucher umgelegt und auch Flaschen und Gläser müssen gereinigt werden – aber doch bitte nicht, um Wassersparmaßnahmen zu implementieren – das ist Sache des Geschäftsinhabers, der wiederrum solche Sachen von der Steuer absetzen kann.

Und dennoch, gerade in dieser Geste eines Cafe- oder Restaurantbesitzers Wasser für nix anzubieten liegt einer der großen Unterschiede zwischen deutschen und angelsächsischen Gepflogenheiten. Am Ende ist und bleibt es aber schnödes Leitungswasser. Persönlich habe ich auch noch niemanden gesehen, der sich literweise Leitungswasser hineinschüttet, nur weil’s umsonst ist.

Wie eine Bekannte von mir kürzlich noch sagte..ja ja man sortiert penibel den Müll und hat sein Umweltbewusstsein aus Deutschland mitgebracht, aber der Nachbar fährt ein Auto, das die halbe Stadt mit seinen schwarzen Abgaswolken lahmlegt und bei dem der TÜV nur die Hände über den Kopf zusammenschlagen würde. Genau diese krassen Gegensätze sind es, die mich hier gar nix mehr ernst nehmen lassen.

1 Liter Leitungswasser kostet in Melbourne zwischen 0.1 und 0.2 Cents.

Haribo macht Expats froh…

...nur diese mag ich nicht

...nur diese mag ich nicht

Meine Küchentheke ist übrigens nicht mörder-braun, sondern aubergine-schön.

Viele australische Expats around the world lechzen nach Vegemite. Ein kackbrauner Brotaufstrich aus Hefeextrakt – schmeckt beefy. Lecker – Rindfleischgeschmack auf Toast. Wohl bekommts. Marcos Freundin schwört auf Vegemite als Katerkiller und hat nun auch ihn angesteckt. Ich habe einen geschmacksneutraleren Vorschlag. Weniger saufen wirkt Wunder.

Gestern waren wir bei Aldi. Ich habe auch Toffeefees gekauft und die Packung zu Hause gierig aufgerissen noch bevor der Einkauf in die Schränke sortiert wurde. John wollte auch mal probieren. Meinte ich, du hast doch immer gesagt, die magst du nicht. Fragte er mich, was denn drin sei. Und da habe ich leider Tränentier-langsam reagiert und die Wahrheit gesprochen. Jetzt mag er sie auch, seitdem er weiß, dass sie nicht gefüllt sind. Dumm gelaufen.

Meine Lieblingskartoffelchips sind sourcreme-onion (Sauercreme und Zwiebelgschmack) und Cornchips, genauer Doritos. Was man sich alles an künstlichen Geschmack durch den Magen pfeifft – puh – merkt man auch nur, wenn man drüber schreibt. Trotzdem lecker :-)

Bringt mich jetzt zu gestern, als Jaime meinte, mein Kartoffelsalat würde gaaanz ekelig sein. Abgesehen davon, dass da nix künstliches drin ist, hat er noch nie probiert. Jedes Mal, wenn ich Kartoffelsalat mache – hin und wieder halt zum Sommer hin – muss ich an den Salat meiner Oma denken. Die hat den besten gemacht und immer einen großen Pott voll. Weil wir alle bei ihr aufschlugen und es niemanden von uns gab, der ihn nicht gemocht hätte. Überhaupt schmeckt das Abendbrot in großer Gesellschaft bzw. woanders immer besser, als zu Hause. Wie oft ich bei meinen Großeltern am Abendbrottisch saß…man könnte meinen, ich hätt mir kein Essen leisten können ;-)

 Marco, der 10 Jahre deutsche Kultur durchlaufen hat, mag zum Glück Kartoffelsalat und auch Rotkohl. Damit kann ich weder John, noch Jaime an den Tisch locken und dementsprechend selten gibt es das bei uns. Wo ich gerade über Essen schreibe – eine Nürnberger Bratwurst käme jetzt ganz gut oder ne Currywurst. Mir schmecken die Würstchen hier nicht, auch nicht, wenn auf deutsch Bratwurst draufsteht. Da ist niemals Deutsch drin.

Nach Hause telefonieren

As ich nach Oz gezogen bin, kostete mich eine halbe Stunde nach Deutschland telefonieren 15 Dollar. Und das war ein Angebot! Wenn das Gespräch nicht penibel von mir getimed wurde und wir 2 Minuten länger telefoniert haben, wurden noch mal 15 $ fällig. Was natürlich ärgerlich war, schließlich war das nicht nur sauteuer, man hätte auch noch 28 Minuten länger telefonieren können.

Seitdem hat sich sehr viel getan. Seit Jahren benutze ich eine Telefonkarte. Soweit ich informiert bin, funktionieren diese Art Karten nur im Metrobereich. Die Landeier sind vermutlich mit skype und dergleichen besser, aber auch teurer bedient. Die Karte kann man telefonisch oder übers Internet per Kreditkarte aufladen. Seit Jahren bezahle ich jetzt 0.05 Cents pro Minute. Mag sein, dass es inzwischen geringfügig teurer geworden ist, aber um ein paar Cents muss ich nicht feilschen. Das Lästige an der Karte ist, dass ich die Nummer, die ich wählen möchte nicht einspeichern kann. Man muss nämlich erst eine bestimmte Nummer wählen, dann bekommt man eine Ansage in Englisch und wenn man nicht schnell genug die 1 drückt, auch Ansagen in sämtlichen asiatischen Sprachen. Auch schön so eine Hörprobe zu bekommen. Danach gibt man seine PIN ein. Dann wählt man die Ländervorwahl, Vorwahl der Stadt und logisch – die Nummer, die man erreichen will. So hab gerade mal gezählt. Ich muss 33 Nummern wählen – stramme Leistung. Man benötigt beinahe ein Telefon-Diplom. Besonders ärgerlich ist es, wenn man sich verwählt hat.

Habe mal schnell nachgesehen. Nö, zahle immer noch diese geringe Summe. Würde ich nach East Timor anrufen wollen, müsste ich stolze 3.99 $ pro Minute bezahlen. Verstehe ich nicht. Deutschland ist ne Ecke weiter entfernt, als East Timor. Beim schnellen nachsehen stelle ich fest, Call Mama bietet ein Deutschlandgespräch für nur 0.02 Cents pro Minute an. East Timor kostet bei denen allerdings 7.41 $. Vergleichen lohnt sich also, auch wenn man niemanden in Timor kennt. Lustige Namen haben die Kartenanbieter…Happy Calling, INtouch, gotalk, day break blabla. Wer in Oz ist und ne Karte braucht, hier der Link zum Vergleichen.

Gestern bin ich angerufen worden. Das hat mir den Telefon-Daumen erspart. Die Leitung ist leider seit einigen Jahren dermaßen bescheiden geworden, dass ich manches Mal vom Lärm in der Leitung Gefahr laufe einen Hörsturz zu bekommen. Zunächst dachten wir, es könnte an unserem Telefon liegen, also kauften wir nach Jahren ein Luxus Bluetooth Modell. Aber nein, es hat sich nichts geändert. Am Filter liegts auch nicht. Vielleicht liegt es an den alten Leitungen. Die will die Telefongesellschaft aber nicht auf ihre Kosten erneuern. Ja, sollen wir jetzt dafür aufkommen? Die spinnen wohl. Ich wollte immer mal von anderen Leuten, die im Neubaugebiet wohnen, aus mit meiner Karte telefonieren. Nur um zu checken, ob ich diese Kreisch- und Piepgeräusche dann auch bekomme. Nicht immer sind sie zu hören, manchmal erst nach einer Stunde Telefonat, manchmal von Anfang an. Und auch nicht nur bei Auslandsgesprächen.

PS Störgeräusche hin oder her – ich bin immer dankbare Abnehmerin von Telefongesprächen aus Deutschland. Nur der Zeitunterschied nervt.

Paintball

auch Skirmish genannt, so weit ich informiert bin, wollten wir all die Jahre mal machen. Da muss mich erst Katharina anrufen und mich daran erinnern. Denn sie will das unbedingt machen. Flugs habe ich mich ins Internet gesetzt und nachgesehen. Yo – gar nicht weit von hier kann man spielen. George Harrison – der Ex-Beatle-Ex-Mensch – war ein großer Fan davon und hat regelmäßig mit Farbe geballert.

Hier kann man gucken, was das überhaupt ist und wie blöde man dabei aussehen wird. Macht bestimmt Spaß, wenn man erstmal seine Scheu überwunden hat :-)

Intelligenzpause und Nachrichtendiät

ist genau das, was ich jetzt brauche. Marcels Aufforderung ”intelligente Bücher und Zeitungen zu lesen” irritiert mich. Wer definiert “vernünftig und intelligent”? Die Literaturpolizei?

Lieber Marcel, so lange es eine deutsche Tugend zu sein scheint, auf die die “geistige Elite” stolz ist – nämlich komplizierte Sätze gespickt mit ganz tollen Fremdwörter zu bilden – weil man sich ja unbedingt von seinen “dummen” Mitmenschen abgrenzen muss - werden die “Dummen” im Land wenig Interesse an “vernünftige” Bücher und Zeitschriften haben. Wer sich zu schade ist in einfachen verständlichen Worten für jedermann auszudrücken, was er sagen will, wird immer nur einen geringen Kreis von Lesern erreichen. Aber vielleicht ist das ja auch gewollt. Sonst wäre man ja jederman und müsste sich eingestehen, wie unglaublich unwichtig man doch ist. Es sei denn man wird Sponsor. Das wäre doch mal eine Initiative, die auch das Bildungssystem tüchtig entlasten würde:

Sponsor einen Dummen.  Für umgerechnet einen Euro pro Tag kannst du dazu beitragen einem Dummen die Welt zu erklären. Was du dafür bekommst: ein schönes Foto deines Dummen im Kreise seiner Lieben und einen monatlichen Brief über seine Fortschritte. Sponsor noch heute einen Dummen und dein Leben macht wieder Sinn.

Das bringt mich jetzt zu dem Interview mit John le Carre in einer der “intelligenten” Zeitungen. In der Frankfurter Allgemeinen lese ich folgenden Abschnitt:

Würde Deutschland zu einem wahrscheinlicheren Ziel eines Anschlags werden, wenn Angela Merkel der absehbaren Forderung Barack Obamas nach einem größeren militärischen Engagement in Afghanistan nachkommen sollte?

Ich glaube, wenn Obama, wie wir ja alle hoffen, einen politischen Prozess in Gang setzt, der dem sogenannten „Krieg gegen den Terror“ einen Sinn verleiht, dann wird die Präsenz in Afghanistan nicht so gefährlich sein. Wenn Amerika mit den Taliban vernünftige, konstruktive Gespräche führt, seinen Kreuzzug beendet und sich von der Idee verabschiedet, dass es sich bei diesem Krieg um eine territoriale Angelegenheit handelt, dann können wir endlich aufhören, vom „Krieg gegen den Terror“ zu sprechen, und damit beginnen, über die Eliminierung von Terroristen zu reden und über eine neue Weltordnung. Das ist jedenfalls der Traum, den wir in den gegenwärtigen fünf Minuten der Weltgeschichte träumen dürfen.

Ach so!

Irgendwo in den afghanischen Bergen, 9:03 Uhr lokale Zeit. ”Schon gehört? Die Amis sind hier und wollen vernünftig mit uns reden.” “Ich will nicht mit den Amis reden, die wollen uns nur die Unterdrückung unserer Frauen vermiesen.” “Wir gehen jetzt zur Steinigung einer Ehebrecherin. Kommste mit?” “Leider keine Zeit, ich geh mal Osama suchen. Wenn wir denen Osama geben, geben die bestimmt Ruhe und wir können weiterhin Frauen quälen.” “Keine schlechte Idee. Osaaamaaa, leg mal deine Videokamera weg, wir müssen mit dir reden.”

4 Tage Red Centre

werden uns an arm and a leg kosten. Jetzt weiß ich auch wieder, warum wir noch nicht Uluru-gucken waren. Die letzten Jahre hatte ich mir wohl eher eingeredet, weil Jaime noch zu klein war. Aber nee, weil es sauteuer ist und die Unterkünfte im Uluru-Resort – wenn man jetzt nicht gerade als Backpacker in einem Schlafsaal schläft – über 300 Schleifen pro Nacht kosten. Die Unterkünfte dort gehören alle zu derselben Firma – Lizenz zum Geld drucken fällt mir dazu ein – und deshalb habe ich gestern nur eine Nacht dort gebucht. Die restlichen Nächte werden wir zu einem Drittel des Preises pro Nacht in einem Hotel in Alice Springs verbringen.

Gerne hätte ich mir einen dicken fetten 4×4 gemietet, aber die Preise sind ja empörend. Wenn jemand einen viertürigen Kleinwagen Ende März dort sieht, dann könnten wir das sein. Hoffentlich passt unser Gepäck in den Kofferraum. Männer klemmen sich ja nur eine Kulturtasche unter den Arm und gehen auf Weltreise, aber bei Frauen – zumindest bei mir – verhält es sich etwas anders. Ich muss immer für alle Eventualitäten gewappnet sein. Obwohl ich denke, dass auch ich mich dieses Mal einschränken kann und muss. Vor allem kann ich nur 15 kg Gepäck mitnehmen und Billigairlines sind nicht dafür bekannt, dass sie bei Übergewicht großzügig sind. Die lassen sich jedes Kilogramm drüber tüchtig bezahlen.

Mich erinnert das jetzt daran, dass ich wie immer tierisch Übergewicht (Übergepäck?) hatte, als ich von Deutschland nach Hause fliegen wollte. Der ältere Herr beim Check-in in Düsseldorf rollte dann auch nur mit den Augen (Frauen! – sollte das heißen), als ich fragte, ob er mein Handgepäck nicht auch noch wiegen wollte. Er konnte sich gerade so das Grinsen verkneifen und meinte: “Als ob Sie nicht schon genug dabei hätten.” Ich  habe dann ganz schnell drei Bücklinge gemacht und mich super schnell vom Schalter verkrümmelt. Sylvia und ich lachen da heute noch drüber, denn der Gesichtsausdruck des Mannes sprach wirklich Bände. Außerdem fand ich das richtig nett und großzügig von ihm und wenn er wüsste, dass ich heute noch manches Mal an ihn denken muss, würde er sich vielleicht freuen. Vielleicht erzählt er auch in einem Weblog oder beim Stammtisch von seinen “unmöglichen” Kunden und wie einmal diese Frau mit enorm vielen Gepäckstücken ankam und dann auch noch doof fragte… 

Diese Nebenkosten fürs Auto mieten ärgern mich. Zum Beispiel die Premium Location Fee – klar, weil’s Outback ist, aber wenn keiner hinfahren würde, hätten sie auch kein Geschäft zu machen. Dann noch die Verwaltungsgebühr. Hallo? Jetzt muss man schon dafür bezahlen, dass man einen Auftrag erteilt. Und selbstverständlich werden auch die Vehicle Licence Fees auf den Kunden umgelegt und auch eine Versicherung sollte man abschließen. Dennoch bekommen wir 400 km frei und für jeden weiteren km müssen wir 0.25 Cents bezahlen. Da die Entfernungen recht groß sind, die wir abgrasen werden, könnten wir das Autochen doch am besten gleich kaufen. Naja, wir werdens überstehen, denn ganz ehrlich, die Streck von hier aus zu fahren – mit einem 9-jährigen (are we there yet?) ist der Albtraum jeder Mutter.

Entfernung Melbourne – Alice Springs 2262 km, Alice – Uluru ca. 452 km. Wie ich es drehe und wende, würden wir mit dem eigenen Auto fahren, müssten wir unterwegs noch einige Unterkünfte buchen, demnach würde es nun auch nicht billiger werden. Ist gut so wie es ist.

Wir freuen  uns riesig, auch wenn es noch so lange dauert, bis es losgeht. Bis dahin hat die Kreditkarte aufgehört zu qualmen ;-)

Spritkosten, Essen und Eintrittsgelder bzw. evtl. geführte Touren, die wir buchen werden, werden sie dann wieder zum qualmen bringen. Übrigens muss man, da es Aboriginal Land ist, sich die Erlaubnis  “erkaufen” überhaupt dorthin bzw. dort durchzufahren. Ich habe kein Problem damit, wird so pro Person um die 25 $ kosten, Jaime noch frei. Da John unbedingt den Ayers Rock hochklettern will, wird er dafür noch mal extra in die Tasche greifen müssen.

Und nein, wir machen nicht “auf Kredit” diesen Urlaub, aber solche Sachen im Internet oder per Telefon zu buchen, erfordert nun mal eine Kreditkarte. Man kann in diesem Land an jeder popeligen Ecke mit Karte bezahlen und das ist gut so. Schleppt man weniger Bargeld mit sich rum.

Also, Anfang April (drei A’s auf einmal – das geht nun wirklich nicht) – doch das geht sogar ohne überteuerte Schokolade – mein Gott, man merkt ich bin werbungsgeschädigt…wo war ich…? Ach ja, ich wollte sagen, im Frühling gibt’s dann hier die Millionsten Fotos von Uluru und Outback und so im Internet zu gucken. Als Frau braucht man schließlich was Eigenes.