wenn man im Ausland lebt und nicht weiß wie bestimmte Dinge funktionieren, fiel mir wieder ein, als ich den Migrantenbeitrag geschrieben hatte.
Vor zehn Jahren begab es sich, dass ich gerade frisch eingewandert und völlig ahnungslos wie man Rechnungen begleicht, wenn man sie nicht gleich an Ort und Stelle bar bezahlt, genau dies tun musste.
“Du musst zur Post gehen und eine Money Order machen”, hatte John zu mir gesagt. “Ja…wie?”, fragte ich. “Du gehst zum Schalter bei der Post und sagst du brauchst ne Money Order. Nimm die Rechung mit, dann wissen die schon Bescheid.”
Oz-Tusse also genötigt zu flüstern, dass sie eine Money Order kaufen brauchen oder was auch immer wolle und schob die Rechnung über den Tresen. Die Postbeamtin füllte dann auch so eine Art Scheck aus, Geld wechselte den Besitzer, sie schob mir dieses Scheck-Ding wieder zurück, ich stiefelte davon. Ungefähr eine Woche später bekam ich einen Anruf besagter Firma. Wir hätten unsere Rechung noch nicht bezahlt. Sagte ich “Moment mal, ich hab die persönlich bezahlt und zwar am…” kramte das Ding aus der Schublade und während ich dem Mann am Telefon das Datum nannte, dämmerte es ein bisschen.
Es stellte sich heraus, dass ich diese Art “Scheck” an die Firma hätte schicken müssen. Das hatte mir weder John gesagt, noch die Postbeamtin, noch erschien es mir seinerzeit logisch. Ich war es gewohnt, das Überweisungen getätigt werden und sonst nix. Wozu hat man ein Bankkonto? Nun könnte man argumentieren, mir hätte dann ja auffallen müssen, dass kein Bankkonto der Firma irgendwo auf dem “Scheck” auftauchte. Theoretisch ja, praktisch nein, denn ich war schon beinahe mit dem Gang zur Post überfordert. Fremdsprache! Fremdes Land! Fremde Sitten! Jeder war irgendwie davon ausgegangen, dass ich wüsste was zu tun sei.
Nö, sag ich mal und übrigens hatte ich mich gebührend bei dem Mann am Telefon entschuldigt – sinngemäß sorry wusste nicht wie das hier läuft, kommt nicht wieder vor – tausend Bücklinge gemacht und mich wahnsinnig geärgert.
Ich kann mir vorstellen, dass Ausländer in Deutschland auch nicht wissen, wie der Hase läuft. Zufällig weiß ich auch von jemandem der zwar sein Abo gekündigt hatte, nicht aber seine Einzugsermächtigung. Ja und glaubt ihr vielleicht, bei der Bank hätte ihn jemand drauf aufmerksam gemacht (als er sich beschwerte, dass immer noch abgebucht wurde), dass er in einem Kündigungsschreiben erwähnen muss, er würde auch gleichzeitig die Einzugsermächtigung kündigen? ‘türlich nicht! Man ging halt davon aus, das müsse man doch gefälligst wissen.
Mir kam das damals sehr umständlich und altmodisch vor und heute auch noch. Langsam aber sicher gewöhnen sich einige Leute daran – einige natürlich immer noch nicht – dass man Geld tatsächlich übers Bankkonto überweisen kann. Manche tun heute noch so, als wäre ihre Kontonummer ein Staatsgeheimnis. Hallo? Wenn mir jemand Geld überweisen will, dann rücke ich mit Freude meine Bankverbindung heraus.
Und wann habt ihr einem Ausländer geholfen sich zurecht zu finden, statt genervt zu sein?