John sagt

I’m just not happy anymore. Und ich weiß nicht, ob er das Ernst meinte oder es sich grade auf die Situation bezog (Marco und Jess hatten sich auf unserem Sofa im Wohnzimmer breit gemacht und Jaime hatte sich in Marcos Zimmer breit gemacht. Folglich konnten wir nicht ins Wohnzimmer – öhm wir haben da nur ein Sofa stehen – und hockten im kleinen Wohnzimmer. Da steht auch nur ein Sofa. Eigentlich haben wir noch Korbsessel aber die Sitzpolster liegen seit gestern in meinem Auto und wollen zum Neubezug nach Dollar Curtain gebracht werden. Die aber dürfen aus hygienischen Gründen – um ihre Mitarbeiter vor fiesen Infektionen und Krankheiten zu schützen, die sie sich zwangsläufig beim Anfassen unserer alten Sitzpolster zuziehen werden – die alten Kissen nicht als Vorlage nehmen. Fragte ich, wie ich bitte schön die genaue Passform bekommen solle, wenn das nicht geht. Meinte die Dame – die zugegeben, diese Reglung auch nur kopfschüttelnd weitergegeben hatte – ich könne nach Rubber Clark oder Clark Rubber gehen (ich verwechsel immer die Reihenfolge), die verkaufen nix anderes als Gummiprodukte und eben auch Schaumstoff. Jetzt frage ich mich natürlich, ob die meine alten Schaumstoffkissen mit Handschuhen anfassen werden und sich noch einen Mundschutz umbinden oder ob die völlig unfies davor einfach zugreifen und mir neue Stücke schneiden. Wir werden sehen.

Ich schweife ab. So. Nun mache ich mir natürlich Gedanken, ob John meinetwegen nicht glücklich ist. Ich meine, ich bin zwar nicht die beste (Haus)Frau auf Erden, aber es gibt durchaus Vorteile mit mir zusammen zu leben. Ich bügel sogar, auch wenn ich es hasse. Gut, bin auch nicht sonderlich gut darin, aber man bemüht sich. Wenn ich koche, koche ich meistens ganz gut.  You are still very attractive, sagt John, wenn ich meine Falten ganz genau im Vergrößerungsspiegel betrachte  -  mein Mann ist einer von der altmodischen Sorte und macht noch Komplimente. Wir haben beide viel Humor und leben ihn auch aus.  Wir freuen uns wie doof auf den Outbacktrip, machen sonst aber kaum noch was gemeinsam – mag auch daran liegen, dass er viel arbeitet. Er ist ja zusätzlich selbstständig und heute habe ich angeboten ihm zu helfen. Nächste Woche werde ich also lernen Kabel zu verlegen. Gott ja…ist ok,  meine Fingernägel sind völlig unmanikürt.

Nachdem ich meine Vorteile aufgelistet habe – sicher gibts noch mehr…da muss es doch noch welche geben?…mmh ach ja gut, die sind zu intim, um in die Welt gepixelt zu werden…kommen wir zu meinen Nachteilen.

Nachdem ich eine Denkpause einlegen musste, ist mir immer noch kein Nachteil eingefallen. Ich finde, ich bin ein richtig netter Mensch. Charmant, liebenswürdig, besorgt um meine Lieben und erwähnte ich schon intelligent? Kreativ, sehe grundsätzlich – also gut – oft, das Gesamtbild (holistic view), bin gastfreundlich, habe einen ausgezeichneten Farbsinn, kann mit Geld umgehen  und was mein größter Vorteil ist…ich weiß, wann ich mich zusammenreißen muss und mein Ego zurückstellen muss.

Mein Gott, ich bin perfekt. So why the fuck is John not happy anymore?