Arabische Hochzeit

und den ganzen Abend lang nichts verstanden. Marcos Freund Dale war mit seinem Bruder auf besagter Hochzeit eingeladen. Die gesamten Stunden wurde arabisch gesprochen – müßig zu erwähnen, dass Dale Englisch und Afrikaans spricht. Ja gut, zwei drei Wörter Deutsch auch noch – er sagt gerne mal zu mir Auf Wiedesehen, aber keinen Piep arabisch. Wenn alle begeistert geklatscht haben, haben die beiden auch geklatscht. Tanzen haben sie sich dann doch nicht so getraut – Beine kräftig schwingen, Arme ausbreiten und Kehllaute auszustoßen lag ihnen nicht so. Die Musik war überlaut, die Hundertschaften  von Hochzeitsgästen sehr tanz- und singfreudig – alle Frauen bekopftucht – nur Dale und sein Bruder waren sich nie ganz sicher – klatschen? freundlich nicken? begeistert gucken? wie täusche ich über meine Langeweile hinweg,  ohne meine Gastgeber zu beleidigen?

Tja, so bin ich heute in den Genuss seiner Erzählung gekommen und wenn Dale erzählt, bleibt garantiert kein Auge trocken. Marco erzählte mir allerdings vorher noch, dass Dale sich überlegt hatte – das war vor der Hochzeitsfeier – sich eine Muslima als Freundin zu suchen. Die würde ja kein Alkohol trinken und könne ihn dann immer mit seinem Auto herum kutschieren. Gott hab ich gelacht. Good luck, Dale.

Uiii es brennt nur wenige Kilometer von hier

Grade eben zum Videoshop gefahren, dicke Rauchwolke gesehen. Lysterfield, nur 6 km von uns entfernt brennt und auch wo Marcos Freundin wohnt ist die Gefahr durch den starken Wind da. Man hat ihnen heute gesagt, Feuerplan jetzt aktivieren oder jetzt gehen. Die Familie hat sich zum Gehen entschlossen und ich glaube nach den Disasterbränden vor wenigen Tagen, reagieren viele eher mit Haus und Hof verlassen. Oft gibts ja nur eine Straße rein oder raus aus diesen kleinen Orten im Bush. Ich hoffe man bekommt das Feuer schnell unter Kontrolle.

LG

Life is good für meine Nichte in Westaustralien.

Bald schon ist die schöne Zeit rum und ich hab nicht viel von ihr gehabt. Schade.  Nur einen einzigen Tag für mich alleine. Sentimental werd…doof das!

Mit Toten schwimmen

Mal was anderes, als mit Delphinen zu schwimmen. Hausbesichtigung heute, weil wir alle dieses Haus vom jahrelangen vorbeifahren her kannten und John zufällig die Anzeige des Besichtigungstermins gelesen hatte.

schöner Ausblick

schöner Ausblick

Und jetzt möchte ich euch die ganzen Bilder zeigen, die auf der Maklerwebseite zur Verfügung stehen. Ja, es hat einen guten Grund, warum es keine Fotos von den 3 Badezimmern gibt, was ich mir schon vor der Besichtigung gedacht hatte. Und nein, ich will nicht 100000 $ in die Renovierung stecken müssen. Yep, jemand hat tüchtig das Pool-, das Hausfront- und das Foto mit der Rückansicht gephotoshoppt.  Die Küche auch, denn das Holz war in Wirklichkeit etliche Schattierungen dunkler. Zu dunkel anyway. Derjenige ist sein Geld wert.

Lage des Hauses, direkt neben dem Friedhof. John sagt, würden wir das Haus kaufen, würde er garantiert nach der 1 Jahr dauernden Renovierung tot umfallen. Ich sage, ach ja nun, dich zu besuchen ist ja dann wirklich ein Katzensprung. Ich verstehe nicht, wie manche Leute jahrzehntelang in einem Haus wohnen können und rein gar nichts an Instandsetzung investieren. Meine Herren, hat das darin gemufft. Was ich alles an renovierungsnotwendigen Arbeiten gesehen habe, hat mich halb blind und ehrlich gesagt auch sprachlos zurückgelassen. Es stand in der Anzeige, dass es renovierungsbedürftig ist, aber das war ein Understatement.

Unsere Terminplanung machte es notwendig, dass wir uns an dem Haus treffen und so sind Marco und ich zuerst dort gewesen. Nachdem ich das gesamte Haus besichtigt hatte und den Muff auch nicht länger ertragen konnte, bin ich nach draußen gegangen. Ich sach euch, es waren eine Menge Leute dort, wegen der Lage. An dieser Straße sind die Grundstücke recht groß usw. John kam also mit Jaime nach und erzählte mir später, er hätte seine Nase beinahe – wenn er seinen Kopf  nicht doch noch im letzten Moment zur Seite gedreht hätte – im enormen Hintern einer Frau gehabt, die vor ihm die Wendeltreppe hochlief. Und Jaime schob ihn von hinten an – geduldig wie immer – und hinter ihnen drängten sich andere Leute auf der Treppe. Das hätte ich gerne gesehen, ein Blick zu ihm hätte genügt und ich hätte gewusst, was er gedacht hat.

Man, man…was liebe ich unsere alte Hütte, in die wir viel Geld und Arbeit gesteckt haben.

John sagt

I’m just not happy anymore. Und ich weiß nicht, ob er das Ernst meinte oder es sich grade auf die Situation bezog (Marco und Jess hatten sich auf unserem Sofa im Wohnzimmer breit gemacht und Jaime hatte sich in Marcos Zimmer breit gemacht. Folglich konnten wir nicht ins Wohnzimmer – öhm wir haben da nur ein Sofa stehen – und hockten im kleinen Wohnzimmer. Da steht auch nur ein Sofa. Eigentlich haben wir noch Korbsessel aber die Sitzpolster liegen seit gestern in meinem Auto und wollen zum Neubezug nach Dollar Curtain gebracht werden. Die aber dürfen aus hygienischen Gründen – um ihre Mitarbeiter vor fiesen Infektionen und Krankheiten zu schützen, die sie sich zwangsläufig beim Anfassen unserer alten Sitzpolster zuziehen werden – die alten Kissen nicht als Vorlage nehmen. Fragte ich, wie ich bitte schön die genaue Passform bekommen solle, wenn das nicht geht. Meinte die Dame – die zugegeben, diese Reglung auch nur kopfschüttelnd weitergegeben hatte – ich könne nach Rubber Clark oder Clark Rubber gehen (ich verwechsel immer die Reihenfolge), die verkaufen nix anderes als Gummiprodukte und eben auch Schaumstoff. Jetzt frage ich mich natürlich, ob die meine alten Schaumstoffkissen mit Handschuhen anfassen werden und sich noch einen Mundschutz umbinden oder ob die völlig unfies davor einfach zugreifen und mir neue Stücke schneiden. Wir werden sehen.

Ich schweife ab. So. Nun mache ich mir natürlich Gedanken, ob John meinetwegen nicht glücklich ist. Ich meine, ich bin zwar nicht die beste (Haus)Frau auf Erden, aber es gibt durchaus Vorteile mit mir zusammen zu leben. Ich bügel sogar, auch wenn ich es hasse. Gut, bin auch nicht sonderlich gut darin, aber man bemüht sich. Wenn ich koche, koche ich meistens ganz gut.  You are still very attractive, sagt John, wenn ich meine Falten ganz genau im Vergrößerungsspiegel betrachte  -  mein Mann ist einer von der altmodischen Sorte und macht noch Komplimente. Wir haben beide viel Humor und leben ihn auch aus.  Wir freuen uns wie doof auf den Outbacktrip, machen sonst aber kaum noch was gemeinsam – mag auch daran liegen, dass er viel arbeitet. Er ist ja zusätzlich selbstständig und heute habe ich angeboten ihm zu helfen. Nächste Woche werde ich also lernen Kabel zu verlegen. Gott ja…ist ok,  meine Fingernägel sind völlig unmanikürt.

Nachdem ich meine Vorteile aufgelistet habe – sicher gibts noch mehr…da muss es doch noch welche geben?…mmh ach ja gut, die sind zu intim, um in die Welt gepixelt zu werden…kommen wir zu meinen Nachteilen.

Nachdem ich eine Denkpause einlegen musste, ist mir immer noch kein Nachteil eingefallen. Ich finde, ich bin ein richtig netter Mensch. Charmant, liebenswürdig, besorgt um meine Lieben und erwähnte ich schon intelligent? Kreativ, sehe grundsätzlich – also gut – oft, das Gesamtbild (holistic view), bin gastfreundlich, habe einen ausgezeichneten Farbsinn, kann mit Geld umgehen  und was mein größter Vorteil ist…ich weiß, wann ich mich zusammenreißen muss und mein Ego zurückstellen muss.

Mein Gott, ich bin perfekt. So why the fuck is John not happy anymore?