Outback Impressionen

Reisebericht folgt in den nächsten Tagen. Enjoy.

RFDS – Alice II

Hier ist ja irgendwie vieles royal – königlich – und deshalb heißt  der fliegende Ärzte Service hier Royal Flying Doctor Service. Übrigens übernimmt der Staat 80 % der Betriebskosten, der Rest muss und wird durch Spenden finanziert. Wie viele Millionen die modernen Flieger pro Stück kosten, habe ich gleich wieder vergessen. Technisch und medizinisch vom Feinsten ausgerüstet fliegen grundsätzlich nur 3 Personen mit. Der Pilot ist nur fürs Fliegen zuständig, der Arzt nur fürs Arzten und die Krankenschwestern fürs Schwestern. Oft fliegt aber auch gar kein Arzt mit, sondern nur die Schwester. Kommt sicher auf die Umstände drauf an. Die Geschichte der RFDS spare ich mir, nachzulesen im Link – leider nur in Englisch. Wer sich aber für Zahlen interessiert, kann dennoch draufklicken.

Die Krankenschwestern müssen mindestens 5 Jahre Praxisarbeit nachweisen können, bevor sie sich überhaupt für den Service bewerben können. Gibt es Kranke abzuholen, liegt es laut Vortrag im Zentrum der RFDS, in der Verantwortung derjenigen, die einen Kranken oder Verletzten begleiten, ihn zum Airstrip (Landeplätze irgendwo im Outback) zu transportieren. Die RFDS ist eben kein Rettungskommando, das sich auf die Suche macht, sondern ein “normaler” Fliegerservice.

Auf den Fotos unten kann man sehen, wie die medical boxes ausgesehen haben und heute aussehen. Jeder der will (denke nicht, dass ein Muss dahinter steckt), kauft sich so eine Box, wenn er im Outback lebt. Mit Medikamenten und Erste Hilfe Objekten ausgerüstet, sind alle Sachen darin nummeriert und die Nummern am Deckel mit passender Beschreibung wiederholt. Wenn also jemand nicht unbedingt ernsthaft verletzt ist, sondern nur so ein bisschen krank ist, kann er über Funk mit einen der Ärzte sprechen, die verklickern dann welche Nummer aus dem Kasten benutzt bzw. eingenommen werden soll. Die Nummerncharts auf dem Foto sind von einer Krankenschwester “erfunden” worden und dient Patient wie Arzt zur besseren Diagnose. Ob sie so tatsächlich noch benutzt werden – muss ich gestehen – weiß ich auch nicht. Der Service wurde 1928 gegründet und wenn ich mich recht erinnere um 1930 aufgenommen.

Man, man, man was die Leute im Outback alles auf sich genommen haben…und immer noch auf sich nehmen. Wären alle Menschen solche Langweiler wie ich, ach herrje, wir hätten bis heute noch keine Weltkarte und wären immer noch überzeugt die Welt würd am Horizont enden. Klick Fotos für größere Ansicht.

Ischias – nicht Ischias?

Einfach  nur Ich habe Rücken zu sagen wäre nicht zutreffend. Ich glaube die brettharten Matratzen haben meinen Knochen den Rest gegeben. Seit Tagen habe ich einen fiesen Schmerz Mitte linke Arschbacke, der sich bis ins Bein runterzieht. Ganz klasse. Ich hab Schmerzen und dope mich mit Schmerzmitteln. Jedenfalls, und ich weiß, das interessiert meine LeserInnen brennend, ist es sehr unangenehm, wenn ich aufstehe oder laufe, sprich mein Gewicht zwangsläufig aufs linke Bein verlagere.

So. Chiropraktikerbesuch angesagt? Gibt sich das wieder von alleine, nachdem ich auf meiner sauteurern, saugemütlichen heimatlichen Matratze schlafe? Habe ich es tatsächlich mit dem Ischiasnerv? Gott..muss ich erstmal nachlesen was das auf Englisch heißt (andererseits mögen Ärzte es gar nicht, wenn man gleich mit Internet geschädigter  Selbstdiagnose angeeiert kommt) und was dieser Nerv so macht und vor allem warum. Oder gibt es – immer an meinen ehemaligen wehleidigen Arbeitskollegen denkend – tatsächlich Hintern-Krebs? Fragen über Fragen…

Also der Ralf, der hatte nämlich immer gleich das Schlimmste vom Schlimmsten angenommen, wenn er ein Wehwehchen hatte. Haben wir uns gerne drüber lustig gemacht. Ralf “Oh man, mein Fuß tut mir so weh, ist bestimmt was Ernstes.” Wir “Eindeutig Fußkrebs, Ralfi, nix wie zum Arzt…wenns mal nicht schon zu spät ist…”

Alice I

Erste Ladung unspektakulärer Fotos von Alice Springs. Berichte folgen . Es ist grad so 3  Uhr nachts, bin zwar nicht müde, aber nicht in Stimmung viel zu schreiben. Außer, dass das Town Centre von Alice leider nicht auf Fotos verewigt wurde und das, wo es teilweise so schön bunt bemalt war. An vielen Ecken gabs Aboriginemalerei. Alice ist klein, bunt, liegt in einem Tal – umrahmt von einigen Hügeln, grüner, als ich mir den Ort vorgestellt hatte, ist aber vor allem heiß. Wenn die 1 Millionen Buschfliegen nicht wären, beinahe lebenswert. Aber gut, die ekeligen Fliegen haben wir auch in Victoria, nur im Outback treten sie noch geballter auf, was einem schon mal das Laufen vermiesen kann. Aber Alice ist  irgendwie gemütlich. Zeitdruck schien mir dort niemand zu haben. Dass es dort viele Ureinwohner gibt, ist müßig zu erwähnen, auch wenn Jaime anfangs flüsterte…”Ich hab nen Aborigine gesehen” und ich zurückflüsterte…”Ja, ich auch, liegt bestimmt daran, dass wir uns hier im Aborigineland bewegen”..zwinker zwinker. Tatsache ist, bei uns sieht man eher selten Ureinwohner und wenn, dann eher hellhäutigere First Australians. Ich kann Jaime schon verstehen. In der Theorie etwas zu wissen oder in der Schule zu lernen, ist eben nicht mit der eigenen Erfahrung vergleichbar. Und als Kind sieht man die Welt einfach noch mit anderen Augen. Wir haben regelmäßig Aborigines am Motel vorbeilaufen sehen. Was sage ich…vorbeischlendern sehen. Diese Menschen liefen mit einer Gemächlichkeit, die ich zwar irgendwie bewundert habe, aber dennoch nicht nachahmen kann. Es war so heiß, dass ich schnellen Schrittes von A nach B laufen wollte, schlendern kam da so gar nicht für mich in Frage. Vorm Motel gab es den Todd River, der seit über 20 Jahren ein völlig ausgetrocknetes Flußbett hat, in dem all die Leute vor unserem Motelhinterfenster vorbeiliefen. Grad heute Morgen haben wir noch gesehen, wie ein Dingowelpe einen Vogel jagte und auch tatsächlich gefangen hatte. Hätte ich nicht unbedingt sehen müssen. Der Dingo war übrigens kein wilder, sondern ein Hausdingo. Kurze Zeit später kam der Besitzer mit ihm an der Leine wieder vorbeigelaufen. Drei Falken kreisten schon über dem trockenem Tatort – sollten wohl auf den Vogel warten, der bestimmt nicht vom Dingo verspeist worden war.

Der schwere Vorhang im Motelzimmer war natürlich zugezogen, als wir reinkamen und ich – Tageslicht liebend (kann man auch nur sein, wenn man von Hitze keine Ahnung hat) – gleich hin und Vorhang aufgezogen. Mädchenhaft kreischend wieder zurückgesprungen, als ich nur drei Zentimeter geöffnet hatte, weil ein dunkles Etwas in Windeseile am Vorhang davon flitzte. Ein kleiner Lizard. Ach, wie niedlich. Und noch einer. Naja, dachte mir die waren vor uns da und kümmern sich um eventuelle Insekten im Zimmer. Was soll ich sagen…sie sind unserem Zimmer treu geblieben. Mückenstiche hatte ich auch nicht. Die Außenwand war von der Nachmittagshitze dermaßen aufgeheizt, dass sie immer noch enorme Wärme ausstrahlte, wenn wir zu Bett gingen. Ein Hoch auf Klimaanlagen. Wenn sie doch nur leiser wären. Hundertmal nachts aufgewacht und von einer Seite auf die andere gewälzt. Zwischendurch ausgeschaltet, dann aber wegen enormer Hitze im Raum aufgewacht. Wie man es macht…John und ich fühlen uns überhaupt nicht erholt, irgendwie sind wir der Meinung, wir sind jetzt erst recht urlaubsreif. Die knorkeharten Matratzen haben ihr übriges getan.

Die hügeligen Landschaftsfotos sind der An- bzw. Ausblick in der Motelanlage. Schön, oder? Das kleine graue Tier ist ein Rock Wallabie. Wenn mich nicht alles täuscht, die kleinste Känguruart. Sie kamen immer in der Abenddämmerung zum Motel.