Hast du den Goldbarren eingepackt?

“Nä, ich dachte du hättest ihn im Koffer.” “Mensch noch mal, wenn man aber auch nicht an alles selbst denkt.” Kennt ihr diese Kurzunterhaltung zwischen Partnern? Besonders, wenn sie im Urlaub sind?

Als Tourist muss man ja  ein bodenloses Portemonnaie mitbringen und in purem Gold kann man auch in Australien längst nicht mehr bezahlen. Von daher war das Vergessen unseres Goldklumpens doch nicht so tragisch, wie ich in der ersten Panik gedacht hatte. Opale sind übrigens auch kein legales Zahlungsmittel. Die gängigsten Kreditkarten werden zwar in der Regel angenommen, aber wie wir alle wissen, gibt es immer Ausnahmen von irgendwelchen Regeln (z. B. die, dass Promis  Kinder aus armen Ländern sammeln dürfen, auch wenn sie längst das Verfalldatum überschritten haben. Die Promis, nicht die Kinder. Weniger bekannte Personen können sich mit  heruntergezogenen Mundwinkeln und womöglich Depressionen, den Traum Eltern zu werden an die Backe schmieren ) Was hat das mit Australien zu tun? Gar nichts, musste aber auch mal gesagt werden.

Die Kameltour (that’s 100 bucks, thanks) haben wir nicht gemacht. Und das hatte rein gar nichts mit dem Pisspott-Helm zu tun, sondern fand aus mehreren Gründen nicht statt. Die einstündigen Touren wurden nur um 12 Uhr mittags, 15 Uhr und 17 Uhr angeboten. Bei um die 36 Grad (gefühlte 41 in der prallen Sonne), war selbst ich nicht scharf darauf meine Haut wieselflink altern zu lassen. Mein Rücken-, Hintern-, Beinproblem hätte mir auch ziemlich zu schaffen gemacht – sofern ich überhaupt aufs Kamel damit hätte steigen können. Und zu guter Letzt hatte Jaime null Interesse daran und auch mein Mann zuckte nur die Achseln. “Ja…gut denn…wenn du unbedingt willst…” Jaime ging lieber in den Swimmingpool, ich habe mich so wenig wie möglich bewegt, die gesparten 100 $ haben wir für Eintrittsgelder im Reptilienhaus, Desert Park (that’s 50 $, thanks) und bei den Flying Doctors plus Souvenirs, ausgegeben). Wenn ich so drüber nachdenke, wäre die Kameltour wesentlich billiger geworden – insgesamt gesehen.

Mit dem  Eintrittsgeld  zum Nationalpark (Uluru und so) – that’s 50 $, thanks, Kinder unter 16 Jahren frei – erkauft man sich die Erlaubnis für 3 Tage, den Park zu erkunden. Wenn ich also die gesamten Urlaubskosten zusammenrechne, was ich tunlichst vermeide, könnte ich mir bestimmt für die Kohle einen Flammenwerfer auf dem Schwarzmarkt besorgen. Auf der anderen Seite, wenn all die Touristen in Australien aufschlagen und was sehen, was ich in einem Jahrzehnt hier leben noch nicht gesehen habe, hat man doch irgendwann das Gefühl, jetzt aber. Auch sehen will! Müßig zu erwähnen, dass wo wir auch gingen, wir auf deutsche Touristen gestoßen sind. Ich tu’s jetzt aber trotzdem.

Abends unterm Sternenhimmel im Pool paddeln – Deutsche schwimmen mit. Auf dem Flughafen in der Lounge warten, Deutsche warten mit. Im Flugzeug gelangweilt um sich gucken. Nasebohrendes deutsches Mädel  gesehen. Nach 5 Minuten Finger in der Nase, mit dem zum Werkzeug umfunktionierten Finger dem Vater ein Kaugummi anbieten. John hat’s gesehen. Ich nicht. Muss ich auch nicht. Kotztüten gab’s nämlich nicht im Billigflieger. Am Rock rumschleichen. Deutsche schleichen mit. Raststätte anfahren, Deutsche machen auch Pause…undsoweiterundsofort.

Was denkt ein Lizard?

Angeblich denkt er – laut Präsentation im Reptiliencenter (that’s 30 $ thanks) in Alice Springs – wenn man ihn so hält, er wäre auf einem Ast. Das glauben wir jetzt einfach mal, vor allem, wenn man bedenkt, wie schlau die Evolution mit Lizards und Gekkos und wie die Tierchen alle heißen, umgegangen ist. Das Viehchen, das Jaime sich traute festzuhalten, kann seine Beine um 180 Grad drehen, sodass der Hintern aussieht wie der Kopf und Angreifer dann im wahrsten Sinne des Wortes angeschissen sind. Geht’s noch praktischer? Ein anderes Minireptil kann seinen Schwanz abbeissen lassen und während der Angreifer noch am Stück Schwanz mümmelt, schnell das Weite suchen. Allerdings muss er dann die nächsten 5 oder 6 Jahre mit nur einem Drittel Schwanz auskommen, er wächst nach, aber sehr langsam.  Der bärtige Gekko bläht sich bei Gefahr auf – so wie manche kleine dicke Menschen, die gerne andere Menschen in der Öffentlichkeit herunterputzen (Typus – dem hab ich’s jetzt aber gegeben!) und bekommt diesen dunklen Schatten unterm Maul, was zur Folge hat, dass Gekko oft überlebt, wo andere Reptilien gefressen werden. Es gab auch Sam, den Alligator, aber einen einsamen Alligator in einem Wasserbecken anzustarren und zu fotografieren hat so gar keinen Reiz für mich. Muss ich deshalb ein Croc in der Wildnis sehen? Nicht unbedingt, wenn man bedenkt, dass sie sich schneller, als man denkt,  auch an Land bewegen können. Ob Madam Oz-Tusse bei der Hitze und nur mit Sandalen befusst  so schnell wegrennen könnte, bezweifel ich. Stark! Ich schwitz ja auch nicht so gerne. Wann bin ich das letzte Mal gesprintet? Bundesjugendspiele 6. Klasse?

Es gab auch jede Menge hochgiftige Schlangen in Glaskästen, wobei uns beim Vortrag erzählt wurde, sie würden nur angreifen, wenn sie sich in Gefahr wähnen. Taub und beinahe blind spüren Schlangen die Vibration eines laufenden Menschens erst, wenn sie sich ca. bis auf 3 m genähert haben. Kommt Schlange näher, muss man stocksteif stehenbleiben, Schlange denkt dann nicht – aha Mensch! Essen! Angreifer! – sondern:  Schon wieder ein Baum – und schlängelt davon. Erst wenn sie sich drei Meter von einem entfernt hat, darf man in Ohnmacht fallen oder davonrennen, als wäre der Leibhaftige hinter einem her. Das Prökeln mit Stöckern in Felsritzen und Unterholz sollte man tunlichst unterlassen. Wenn mich einer im Schlaf stören würde, wäre ich auch stinkig. Good luck!