wenn man diesen rosa Traum auch selbst stricken kann?
Archiv für den Monat März 2009
Wenn ich mit John Gassi gehe
dann machen wir das so unauffällig wie möglich. Halsband und Leine sollten auf keinen Fall mit Stacheln oder Nieten besetzt sein. Springt doch jedem zufällig vorbeikommenden Passanten sofort ins Auge. Beim ersten Mal wollte er seinen Borat-String-Tanga anziehen, als ich vorhatte mit ihm tagsüber über die Wiesen zu tollen und Stöckchen zu werfen. “Schon mal einen Hund im Tanga gesehen?”, fragte ich ihn und hab ihn richtig – und ich meine – richtig streng angesehen. Hat gleich den Schwanz eingezogen. Er weiß mittlerweile, nur eine gewisse Strenge bringt schnelle Erfolge. Ich habe das ja immer schon gewusst. Anfangs wollte er vor der Haustür auf dem Grünstreifen sein Geschäft erledigen. Das habe ich ihm ganz flott abgewöhnt. Was sollen denn die Nachbarn denken? Einmal den Stock, den ich gerne benutze, um ihn zu trainieren, übers Hinterteil gezischt. Zack! Was glaubt ihr, wie schnell der jetzt bei Fuß krabbelt, wenn ich ihn rufe. Es gibt wirklich nichts ärgerlicheres, als unerzogene Johns.
Packt das Internet ein
Leute. Jetzt werden schon – zumindest hier in unserem glücklichen Land – Menschen strafrechtlich verfolgt, die ein Video, das sie nicht selbst gedreht haben und mit dem sie auch in keiner Weise etwas anderes zu tun haben, als dass es ihnen von irgendjemandem zugeschickt wurde (oder hatte er es selbst auf irgendeiner Seite gefunden?). Yep. Kindesmissbrauch. So. Das ist ein Video – ich habs mir nicht angesehen und es bleibt auch noch die Frage offen, ob das Ding überhaupt echt ist – in dem ein Vater ein moppeliges Baby spielerisch “herumschleudert”. Baby lacht. Nun bin ich nie dafür gewesen, Babies “zu schleudern”, selbstverständlich könnten sie davon Verletzungen davontragen – aber aus einer Mücke einen Elefanten zu machen, indem man diesen armen Kerl, der das Video auf einer anderen Seite ins Netz gestellt hat, das Leben schwer macht, ihn anzeigt, sein Haus und sein Computer durchsucht (nix gefunden) geht zu weit. 10 Jahre Gefängnisstrafe steht laut Gesetzbuch drauf. Also egal, ob man das Video selbst gedreht hat oder nicht, alleine schon die Verbreitung von Material, das als Kindesmissbrauch angesehen werden könnte, ist strafbar. Ich weiß nicht, wie das in Deutschland ist, hier müssen ja die Gefängnisse mit lauter Pädophilen überfüllt sein, wenn man so eifrig sucht und findet.
Ich weiß jetzt auch, warum es so viel Kriminelle gibt, die in Ruhe ihren Machenschaften nachgehen können. Die Polizei ist voll ausgelastet mit der Jagd auf imaginäre Terroristen und der Hinter-jeder-Ecke-lauert-ein-potentieller-Kinderschänder-Spezialeinheit. Mahlzeit!
Kleine Clare
aus Taiwan liegt mit 89488 Stimmen auf dem ersten Platz als Wild Card für den Hamilton Island Caretaker Job. Auf dem dritten Platz Mitchell aus Canada, der ein lustiges Video gedreht hat.
Mittlerweile sind ja Stimmen laut geworden, die sich darüber beklagen, dass offensichtlich nur junge Leute – bis auf 2 oder so Ausnahmen, die evtl. um die Dreißig oder drüber sein könnten – als Wild Card ausgewählt wurden. Angeblich wird ja nicht gegen das Alter diskriminiert und wenn Nasen vom lügen länger werden könnten, könnte ich deren Nasen vermutlich in Victoria sehen. Hab ich mir eh schon gedacht, war auch mein erster Eindruck, als ich die 50 Leute gesehen habe, deren Videos jetzt online stehen.
Victorians verlieren 2.6 Milliarden $
in einem Jahr an diesen duseligen Glücksspielautomaten. Victoria ist ein kleiner Staat. Tatsächlich weiß ich nicht, ohne nachzulesen, ob Tasmania kleiner ist. Alle anderen Staaten sind jedenfalls riesig. Diese Summe muss man sich mal klarmachen. 2.6 Milliarden! Darin enthalten sind keine Wetten, kein Lottospiel, keine Casinospiele – nur Glückspielautomaten. Dass der Staat ordentlich an Steuern dabei verdient ist klar. Was man daran finden kann, Münzen in blinkende Spielautomaten zu werfen, ist mir nicht klar. Gut. Ich rauche. Können viele Leute auch nicht nachvollziehen. Und so ist es sicher mit jeder Art von Sucht. Die machen das hier ja auch ganz schlau. Es gibt diese TABs, Kneipe, Restaurant, Pokies in einem Gebäude (das sind diese Automaten). Das ist hier nicht so, wie ich es aus meiner kleinen Heimatstadt kenne. Spielothek und das wars. Nee nee, hier wird das richtig schick aufgezogen.
Auch wir waren kürzlich mit Freunden essen. Wer geht an die Automaten (die sich in einem Nebenraum befinden) ? Raelene. Verspielt innerhalb weniger Minuten 20 $. Mir ist das zu doof. Zum Glück. Einmal in Melbourne durchs Casino laufen und man hat noch Stunden später blinken auf der Retina und klimpern im Ohr. Grässlich. Dass viele offizielle Veranstaltungen, die auch im Fernsehen übertragen werden, aus den Räumlichkeiten des Crown Casinos kommen, finde ich mehr als peinlich. Wie kann man als Staat so etwas unterstützen? Aber uns Raucher mit Antiraucher-Werbung totnörgeln.
Gleich drei Beben gestern
Aha. Ich hab nur eins gespürt und das war laut Nachrichtenseite 4.6 auf der Richterskala. Interessante Erfahrung. Mehr brauch ich davon nicht.
Nachbarschaft
Bringt mir meine deutsche Nachbarin eine Tüte voll selbstgezüchtete Tomaten. Habe ich mich richtig drüber gefreut. Sagt sie: ” Der Kleine ist besser geworden mit seinem Schlagzeugspiel.” Ja, das ist er auch. Lustig, dass sie und ihr Mann es auch bemerkt haben. Nein, das war keine Anspielung von ihr auf die Lautstärke. Sie können es zwar hören, aber er spielt weder täglich, noch stundenlang und außerdem haben sie mehrere Male gesagt, es würde sie überhaupt nicht stören. Sind ohnehin beide etwas schwerhörig. Schätze mal weit in den siebzigern, die beiden. Und dann guckt sie mich an und sagt aus heiterem Himmel: ” Gut siehst du aus.” Worüber ich sehr überrascht war, mich aber dennoch gefreut habe. Vor allem, weil ich das Gefühl habe ich trage ewig die selben Klamotten, meine Haut über Nacht schlaffer wird und von den Haaren red ich jetzt mal gar nicht.
Was mich zu Marcos Erlebnis bringt. Der musste zu Centrelink und meinen alten Reisepass mitnehmen, weil darin noch unser Visa war. Der Pass ist inzwischen ungültig, das Foto darin schwarzweiß und ich mit langen wallewalle Haaren und ca. 28 Jahre alt. Sagt der Shri Lankan Typ, der ihn bedient hat, zu ihm: “Your mum is really pretty.” Marco war sprachlos, ich hab herzhaft gelacht (und mich natürlich diebisch gefreut, weil ich ja sonst wenig Freude habe und wenn man so wie ich unters älterwerden leidet, dann nimmt man die Komplimente schamlos, wie sie kommen – ja ich weiß – ich bin richtig shallow). Meinte Marco zu mir, er hätte sich nur gedacht…eye dude, du sprichst hier von meiner Mutter! Ist das nicht typisch für “Kinder”? Für Marco und natürlich für Jaime, bin ich nicht Frau, ich bin MUTTER. Geschlechtslos, anspruchslos, allzeit bereit alles stehen und liegen zu lassen und beim suchen zur Hilfe zu eilen und so ein bla.
Ich dachte mir nur, mmh ziemlich unangemessen von dem Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes so eine Bemerkung zu machen, das gehört sich so einfach nicht. Kommt wieder die Deutsche in mir hoch. Aber egal. Tatsache ist, mein Hintern scheint auch über Nacht breiter zu werden, der Rest meines Körper lässt nach, ich finde mich nicht pretty. Und mein Zahnarzt kann sich vermutlich bald ein neues Auto von meiner nächsten Behandlung leisten. Ach so ja…mmh…vielleicht findet der Typ mich beinahe 15 Jahre später – also in Echtzeit – auch nicht mehr so prickelnd. Was mir herzlich egal ist.
Manchmal stehe ich vor dem Spiegel und denk mir…unter der Haut ist nix anderes als Knochen, Muskeln und Nerven. Dir guckt jetzt ein Skelett entgegen. Komisches Gefühl. Das sind oft die Momente, in denen sich alles relativiert. Mit anderen Worten – nix wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. In diesem Sinne schicke ich euch mit ein bisschen human touch ins Wochenende. Und denkt einfach dran, mal wieder nett zu euren Mitmenschen zu sein. Oft ist es so – obwohl ich mich seit Jahren wirklich bemühe, wenn ich Kritik üben muss, zunächst etwas freundliches zu sagen, dass einem negatives schneller, leichter, fließender über die Lippen kommt. Aber ganz ehrlich, ein Lob, ein Kompliment auszusprechen, ist so schwer nicht und erhellt den Tag des Empfängers. Ende der Predigt. Schönes Wochenende.