Volles Haus – Machete gewetzt – Abwaschlappen an Hand gewachsen

Einen Tag nach uns sind Katharina und Thomas aus dem Outback zu uns gekommen. Der Unterhaltungsfaktor ist enorm. Einer sucht immer irgendwas. Meistens das Portemonnaie oder diverse Kabel, Charger, Stecker für diverse technische Geräte plus diverse technische Geräte, die man sich hier angeschafft hat. Ich könnte mir vorstellen, dass sich locker dieser gesamte Kabelsalat zu einer Bombe verarbeiten lässt. Warum jeder Hersteller ein eigenes Netzteil herstellt und nichts wirklich in ein anderes Gerät passt, ist mir ein Rätsel. Voll bekloppt.

Ab und zu muss ich mir einen Zugang zu meinem Schlafzimmer – aus einem mir unerfindlichen Grund hatte Thomas 2 Kissen und eine Decke direkt vor meiner Tür gelegt – oder zu meinem Computer,  mit der Machete freischlagen. Nachdem ich Katharina fragte, warum vor meiner Tür schon den ganzen Tag diese Sachen liegen und ich mehrere Male drüber wegsteigen musste und sie die Antwort auch nicht wusste, wurden die Sachen aufs Sofa gelegt. Und weil Oz-Madam zwar auch nur 2 Hände und 2 Arme hat, aber dennoch Mengen an Kram zur gleichen Zeit transportieren kann, sind ihre Arme jetzt etwas länger und die Handflächen breiter.

Nachdem Marco einige Tage bei seiner Freundin geblieben war und unser Besuch sein Zimmer benutzen konnte – musste Marco sein Zimmer gestern doch wieder für sich beanspruchen. Folglich zogen Katharina und Thomas in mein Arbeitszimmer. Marco hatte Mühe sich einen Weg zum Bett zu bahnen (Thomas rief: ” Das meiste Zeugs gehört Katharina!” Katharina rief: “Ich weiß auch nicht wohin damit!” Und ich rief: “So gehts mir auch immer, wenn ich nach Deutschland komme!”), was wiederum seine Freundin nicht davon abhielt sich auch noch mit ins Haus zu quetschen.

Jetzt hoffe ich nur noch, dass ich den angewachsenen orangen Abwaschlappen, mit dem ich constantly die Fingerabdrücke (warum hier kein Schwein den großen Griff benutzt ist mir auch ein Rätsel), vom Stahlkühlschrank wische und Krümel von der Küchentheke, wieder abbekomme. Dass mit dem Kühschrank  ist übrigens auch ohne Besuch im Haus immer so – Marco:  Ich war das nicht, John: Ich auch  nicht, Jaime: Ich erst recht nicht. Mittlerweile bin ich Finger- und Handabdruckexpertin, was, wenn ich ehrlich bin, bei Jaimes Abdrücken keine wirkliche Expertise erfordert – nur Kombinationsgabe :-)

Outback Impressionen II

Was bleibt ist die Erinnerung, man lebt auf einem riesigen Kontinent und nicht in einem kleinen Land. Und ich glaube ernsthaft man muss im Outback geboren sein, um es zu genießen und es zu verstehen. Es. Das ”out back” – draußen…hinten…irgendwo und nirgendwo. Zeit verliert ihre Bedeutung. Man fährt und fährt. Und fährt noch ein bisschen mehr. Hügelige Landschaft wechselt sich mit Flachland ab, grüner, als ich vermutet hatte – die Flora im Land hat sich in den Millionen von Jahren an die harschen Bedingungen angepasst. Die Tiere auch. Man sieht sie eher nicht auf bestimmten Strecken  und dennoch weiß man, es gibt so viele interessante oder auch hässliche Tiere und Tierchen dort draußen. Einige sind nachtaktiv, die Tagestiere sind schlauer als die Menschen, sie verkrümeln sich irgendwo wenn es zu heiß ist. Nur wir – wir setzen uns der Hitze aus – tank top, shorts, Badelatschen – je weniger Kleidung desto besser, denn dann schwitzt man nicht so. Ist das so? Eher nicht, beobachtet man die Ranger. Slip, slop, slap – schütze dich mit Kopfbedeckung, creme dich mit hohem Sonnenschutzfaktor ein und zieh dir verdammt noch mal Kleidung an. Oberteile, die die Oberarme bedecken – also nicht die, die kaum die Brust bedecken -  Shorts, die kurz vorm Knie enden – und nicht an den Arschbacken. Und dann kommen wir Touristen. In unseren Badelatschen oder sonstigen Latschen, vielleicht tragen wir einen Hut, vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall schleppen wir schweres Gepäck und haben doch nicht das Richtige dabei. Man grast die Stätten ab, die man unbedingt sehen muss – Tausende schon vor einem gesehen haben – und ist zugleich fasziniert und abgestoßen. Letzteres von der Tourismusmaschinerie. Man muss sich vorstellen, da reist man um die 3000 oder 4000 oder wie viele Kilometer auch immer von hier nach dort. Dabei ist Uluru gar nicht der größte Fels  in Australien. Uluru gehört zu einem Felsmassiv, dass sich unterirdisch um die hundert Kilometer erstreckt und zwar bis zu den Olgas (neue Bezeichnung Kata Tjuta) und dem Mt. Connor, den wir lange vor Uluru vom Highway aus sehen konnten und der in etwa die gleiche Größe wie Uluru besitzt, jedoch oben abgeflacht ist.  Wie kommt es dann, das zu Uluru gepilgert wird, als gäbs kein morgen? Liegt es daran, dass der “Stein” für die Aborigines heilig ist? Dass wir das Mystische lieben - das, was wir nicht verstehen? Muss wohl so sein. Dass Mt. Connor sich auf Privatgrundstück befindet (oder befand, so genau weiß ich es jetzt auch nicht), mag auch ein Grund sein.

Da ist ein riesiger Stein in the middle of nowhere und alles rast hin. Ich auch. Und bin froh drum. Ich wollte ihn sehen, ich wollte das Outback sehen, ich wollte Urlaub, Ablenkung, Recherche betreiben, deren Ergebnisse sich vielleicht, vielleicht auch nicht, in mein Manuskript einarbeiten lassen, was anderes sehen und erleben. Und ich merke, wie es mich nicht loslässt und ich weiß genau, dort und so, könnt ich nicht leben. Ich komme aber gerne noch einmal wieder.

Der Rock ist eingezäunt, Zugang gibt es nur durch den Eingang am Nationalpark, wo man auch bezahlen muss. Es gibt immer mal wieder kleinere Parkbuchten, da darf man parken und auf den Fels starren. Wenn ich das richtig gesehen habe, gibt es nur an der Stelle Zugang direkt zum Stein, an der man auch hochklettern kann und von dort kann man auch etliche Meter am Stein entlanglaufen, sofern es einem nicht zu heiß und zu anstrengend ist. Obwohl ich es nicht gewusst habe, dass alles eingezäunt ist und ich irgendwie doch auch enttäuscht darüber war – so kann ich dennoch verstehen, dass es so gehandhabt wird. Was glaubt ihr, wie die Landschaft drumherum aussehen würde, wenn jeder Hans und Franz dort mit Campervan, 4×4 und was nicht noch angeschissen kommt – vom Müll ganz zu schweigen.

Und hier noch sehr unromantische Fotos von random strangers, die neben uns geparkt hatten (extra Parkplatz zum Sonnenuntergang gucken, sowie es auch einen Parkplatz zum Sonnenaufgang gucken gibt). Da das Outback so viel mehr ist, als Uluru, freue ich mich darauf in den kommenden Jahren doch hin und wieder mal das Land zu erkunden.

Ein kleines Plädoyer für meine Wahlheimat: What are you waiting for – get out there – see Australia. Worauf wartest du, komm her und sehe dir Australien an.