Betroffenheitspolitisch korrekt

und alle Organisatoren können sich wichtig und gut fühlen. Oder gut und wichtig. Je nachdem, wo der Schwerpunkt des Einzelnen liegt. Wo Henrys liegt, weiß ich seit Jahren.

Sandra, das kleine Mädchen, das tödlich verunglückt ist, wird am Freitag beerdigt. Jaimes Schule – oder ich sollte wohl eher sagen – Henry der Rektor – hat eine kleine Trauerfeier an der Schule angeordnet. Kinder, deren Eltern schriftlich zustimmen, nehmen daran teil. Senior students halten Reden, es wird gesungen und anschließend heliumgefüllte Luftballons in die Atmosphäre entlassen. Klingt ja alles irgendwie noch normal. Wenn es diese kleine, aber feine Tatsache nicht gäbe, dass Sandra, die Verstorbene auch anwesend sein wird.

Im Leichenwagen auf dem Parkplatz. Das hat uns Henry in Absprache mit Sandras Eltern arrangiert, bevor es zum Friedhof geht.

Betroffenheitspolitischer overkill, correct oder einfach nur grotesk?

11 Gedanken zu “Betroffenheitspolitisch korrekt

  1. Ich bin entsetzt, in meinen Augen ist das einfach geschmacklos! Auf dem Parkplatz, hoffentlich nicht in unmittelbarer Nachbarschaft von Mültonnen! Mich wundert, daß die Eltern zugestimmt haben, aber vermutlich sind Eltern in einer solchen Situation überfordert.

  2. Nein, Mülltonnen gibt es auf dem Parkplatz nicht. Ich sehe Henry förmlich vor mir, wie er den Eltern diese groteske Idee als “Abschied nehmen und Trauerarbeit für die Schüler und auch Eltern” untergejubelt hat.

    Nie hätte ich gedacht, er könne sich noch selbst übertreffen.

    Nein, mit dutzen darf man das nicht verwechseln. Bis auf wenige Ausnahmen, wird man hier zwar mit Vornamen angesprochen, aber das lässt sich mit dem deutschen “Sie” und Vornamen vergleichen. Dieses Herr und Frau sowieso finde ich manches mal in D. arg lästig.

    Auch immer schön an Supermarktkassen zu hören, wenn eine Kassiererin der anderen zuruft: “Frau Grüner, weißt du wat die Bohnen kosten?”

  3. Hot…ich kenne jemanden, die gerade einige Praxiswochen an der Schule absolviert und im Lehrerzimmer gehört hat, dass der Leichenwagen mit aufs Basketballfeld – also da wo jeden Montag die Schulversammlung stattfindet – und die Kinder sich am Freitag auch versammeln werden (bis auf eins – ratet mal welches!) gefahren wird.
    Es bleibt pieätlos…Ende der Hotline…

  4. Was ich überhaupt nicht verstehe ist, warum die Eltern da mitspielen. Hätte es denn nicht auch eine Gedenkminute oder eine schlichte kleine Trauerfeier in der Aula getan?

  5. Ich weiß es auch nicht. Ich vermute wirklich, Henry war in seinem Element und die Eltern, tja…für sie kann ich natürlich nicht sprechen…ich nehme an, dass sie völlig “neben sich stehen”.
    Das Mädel hat laut Aussage des Vaters eine letzte Party in der Kirche heute bekommen. Mit Diskobällen und Luftballons. Weil sie halt so gerne Musik gehört hat und getanzt hat. Ich fand das ganz schön, dass man hier nicht so streng wie in D. ist.
    Kann sich jemand eine katholische Kirche vorstellen, die so was mitmacht in D.? Oder eine Friedhofskapelle?

  6. Letztens sass ein Beerdigungsunternehmer bei Günter Jauch, und Jauch fragte ihn wie Beerdigungen heut zu Tage so ablaufen. Und er antwortete: So wie der Tote oder dessen Angehörige es sich wünschen. Dahätte er schon allerhand erlebt. Selbst das das Lied: Highway to Hell gespielt wurde.

  7. So, jetzt weiss ich seit gestern, dass die Mutter darum gebeten hatte, den Leichenwagen noch mal an der Schule vorbeifahren zu lassen. Er wurde nicht irgendwo geparkt, wie ich urspruenglich geschrieben hatte.
    Dennoch bleibe ich bei meiner vorherigen Aussage, dass Henry mit Begeisterung die Gelegenheit genutzt hat und diese kleine Gedenkfeier organisiert hat. Der ist so.

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