sind etwas, was ich unschön finde. Man kann Menschen zu ihren körperlichen Attributen Komplimente machen und wer hört nicht hin und wieder gerne ein Kompliment? Aber hat schon mal jemand gesagt (bekommen): Du hast ganz zauberhafte Füße? Wenn ich deine Füße sehe, denke ich an den Sonnenuntergang auf den Malediven 1993? Ich könnte in den Anblick deiner Füße versinken?
Ich mag meine Füße nicht und auch nicht die anderer Leute. Manchmal, wenn ich im Sommer an der Supermarktkasse stehe, gucke ich mir die Füße von Fremden an und erschaudere innerlich. Ungepflegte rissige Haut, aber Zehnägel lackiert – möglichst noch ein Ring auf dem zweiten Zeh. Macht ihn nicht schöner, den Zeh, den Fuß. Über alte Leute Füße schweige ich besser.
Ich muss ja nicht hingucken, kann man jetzt sagen. Das muss man sich so vorstellen, wie das Vorbeifahren an einer Unfallstelle. Man will gar nicht hingucken, tuts aber trotzdem. Hinterher regt man sich über all die Gaffer auf, die einen Stau auf der Gegenfahrbahn verursacht haben und fühlt sich besser. Weil man versucht hat den Hals zu recken, ohne vom Gas zu gehen. Hat ja niemand bemerkt.
Was hat das mit Kiemen zu tun? Nicht viel, außer, dass ich gestern im Aquarium in Melbourne war. Zwei Erwachsene, zwei Kinder, 85 $ thanks. Kein Wunder bei den Preisen, dass die Bevölkerung mit geringerem Einkommen und mehr Kindern nicht weiß, wie ein Pinguin aus der Nähe aussieht! Erzwungender Maßen dumm zu bleiben ist schon starker Tobak.
So. Ich habe jetzt mal so einen Königspinguin aus der Nähe sehen können. Leid taten sie mir. Standen herum und guckten blöd. Genauso wie wir Menschen. Die sind ja ziemlich groß, diese Pinguine und ich hatte große Lust mal einen hochzuheben. Ich kann mir nicht vorstellen, wie viel sie wohl wiegen mögen. Gelblichbraune Ausscheidungen auf dem Eis haben aber dann ein wenig meine Begeisterung für Pinguine gedämpft.
Weiter gings, das Gestarre durch dickes Glas und wenn ich mal näher an so ein Aquarium herangetreten war, wurde mir prompt dösig und schwindelig. Fragt man sich, wie die Meerestiere ihre Umwelt hinter Glas wahrnehmen. Es gibt schon funny looking creatures und obwohl ich den Eintrittspreis geradezu obszön finde, war ich doch froh, endlich mal dort gewesen zu sein.
Und jetzt sage ich die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. In Wirklichkeit wollte ich nur eins sehen und zwar das Tunnelaquarium. Und das befand sich ganz am Ende. Weil wir zwei Kinder dabei hatten, konnte ich mich zurückhalten – man soll, ja man wird geradezu genötigt, als Erwachsene mit gutem Beispiel voranzugehen. Wäre ich alleine gewesen, wäre ich schnurstracks bis zum Ende geeilt. Psst! Nicht weitersagen.
Ja und wie ich so stehe und staune und gucke und mich auch ein wenig ekle, schwimmt elegant ein Riesenrochen durchs Wasser. Gleitet scheinbar mühelos dahin – im Tunnel über mir. Und ich sehe seine weiße Unterseite, etwas, was aussieht wie ein Mund – irgendwie freundlich grinsend – und darunter in zwei Reihen Kiemen, die sich öffnen und schließen und mir wurd beinahe schlecht. Und trotzdem habe ich immer wieder hingucken müssen. Ich schätze, wenn ich meine Arme vollständig ausbreite, kommt es ungefähr mit der Länge dieser Kreatur hin – ohne den langen Stachel zu berücksichtigen.
Ich weiß nicht, warum ich mich vor Kiemen enorm ekel und Füße auch nicht wirklich sexy finde. Denk mir mal jeder hat so seine Abneigungen.
Was nun Melbourne im Winter angeht…tja…muss man nicht haben. Grau, windig, frierende Menschen in dünner Kleidung, Baustellen an jeder Ecke, die mich an Berlin erinnern.
Gegenüber des Aquariums ist Southbank. Im Sommer ganz schön am Yarra River entlangzulaufen. Sitze ich dort im Foodcourt - mit Sonnenbrille auf, weil die Sonne gerade in dem Moment durch die riesige Fensterfront scheint – und prompt startet ein Helikopter vom Helipad gegenüber. Empörend. Ein Helipad für die Reichen und Unschönen, direkt in der City. Abgesehen vom Lärm, finde ich die Gefahr eines Unfalls in einer so dichtbesiedelten Umgebung zu hoch. War trotzdem interessant – wie die Füße und die Kiemen – irgendwie.