Das sagt leider kein Arbeitgeber und auch kein Verlag. Knallhartes Geschäft funktioniert eben anders. Das stimmt mich Allerwelts-Suse natürlich nicht unsagbar traurig, aber doch irgendwie nachdenklich.
Was ist es denn nun, was den Unterschied macht zwischen Einstellung nach dem Bewerbungsgespräch oder dem Manuskript A oder B von Person X oder Y? Ich bin ja zu doof. Das gebe ich mal offen zu. Zu blöd, um aus dem Stehgreif heraus zu lügen, dass sich die Balken biegen, nicht kriecherisch genug und traurig aber wahr, hier und da auch nicht qualifiziert genug. Ich kann von vielen Dingen etwas, habe mich aber nie spezialisieren können bzw. wollen.
Mir hat ja glatt mal ein Arbeitgeber gesagt: ” Frau N. ich hab sie ja total falsch eingeschätzt.” Was er damit gemeint hatte war: Frau N. Sie lassen sich ja gar nicht von mir einschüchtern und sind ein harter Brocken.
Tatsache war, mein Chef war ein selbstverliebtes Arschloch hoch zehn, hatte von tuten und blasen keine Ahnung, versuchte mich aber ständig vor Kollegen und Kunden niederzumachen. Tatsache war auch, dass ich nach wenigen Wochen überlegte zu kündigen, abends nach der Arbeit völlig fertig war und mich bei meiner Freundin im wahrsten Sinne des Wortes ausgeheult hatte. Und was war dann passiert? Der gute Herr Sp. wurde gefeuert und alles war gut. Haha. Noch heute denke ich an die Genugtuung zurück, die ich damals empfunden habe, denn ich habe noch gut 1.5 Jahre weiter in dem Betrieb gearbeitet. Halbwegs zufrieden, wenn ich mal von der mangelnden Teamarbeit – die bei uns ja immer großgeschrieben wurde – absehe.
Was will ich mit diesem Beitrag sagen? Das weiß ich selbst nicht so genau. Ich beneide auf jeden Fall nicht die Generation meines Sohnes. Um nach dem Studium einen Job zu finden, müssen die armen Leute sich vermutlich nicht nur total verbiegen, sie müssen auch noch in der Lage sein einen flic-flac rückwärts hinzulegen. Alles für ein popeliges Grundgehalt von – ja was? – um die 45.000 $ oder so.
Lese ich also heute im Spiegel beispielhafte positive Absagen. Aha. Ja, das sind ganz nette Briefe, die kann man sich dann einrahmen oder sich für harte Zeiten aufbewahren. Jetzt muss man schon dankbar dafür sein, dass man keine Standardabsage bekommt. Prima. Es geht voran!
Mit dem Ruf mancher Firmen. “Hey du, haste auch so ne tolle Absage von VBCX bekommen?” “Klar man, echt du, fühl mich gleich besser.”
Erinnert mich ja irgendwie an Sir Richard Branson mit seiner Virgin Kreditkarte. Da war ja schon der Antrag auf Kreditkarte lustig auszufüllen. Und wenn man einen Auszug bekam und die Kreditkarte nicht benutzt hatte, stand dort: “Juhu Sie müssen nix bezahlen!” Änderte am Ende aber nichts daran, dass Branson ein Geschäftsmann ist oder daran, dass man den Job, auf den man sich beworben hat trotzdem nicht bekommen hat.
Ja, was denn nun? Dankbar für lustig menschliches sein, oder völlig angepisst, weil immer Leute am längeren Heben sitzen, als man selbst?