weil ich nicht zeichen kann und andere Menschen sehr wohl. Da sitze ich dann und staune darüber, wie talentiert manche Menschen sind und wie leicht es ihnen von der Hand zu gehen scheint. Sicher habe ich dafür andere Talente (das Talent souverän mit schwierigen MitbürgerInnen umzugehen geht mir leider völlig ab) – aber es geht mir gar nicht darum. Ich fühle mich deshalb nicht schlecht, ich hätte nur auch gerne dieses Talent. Ich stelle mir das sehr entspannend vor zu zeichnen. Mit Zeichentalent kann man so viele verschiedene Berufe ausüben – NeidNeidNeid – gut, mit Schreiben auch. Komischerweise fällt mir auf Anhieb mal wieder die Frau ein, die Schreiben zum Beruf gemacht hat, aber mich mit ihren Texten ins Koma befördert hat. Und das lag nicht daran, dass ich Frau Pingelig sein kann.
Das bedeutet jetzt leider nicht im Umkehrschluss, dass ich völlig zeichentalentfrei eine Anstellung als Zeichnerin bekommen könnte. Schwamm drüber. Ist auch gar nicht mein Streben. In Gegenwart meines Mannes vermeide ich tunlichst vom zeichnen zu reden und das kam so:
“Du, kannst du nicht ein Bett für Jaime bauen?” “Mmmh ja klar, warum nicht. Was stellste dir denn vor?” “Ja also, ein einfaches Bett und darunter will ich Schubladen haben.” “Ja, aber wie soll das denn aussehen?” “Wie, wie soll das aussehen?” Und dachte mir bissig, wie soll so ein Einzelbett für einen Zweijährigen schon aussehen? “Wenn ich jetzt anfange was zu bauen, dann meckerste hinterher rum … mach mal ne Zeichnung.” “Ich kann nicht zeichnen.” “Macht nichts, das kriegste schon hin. Ist ja nur ein Bett. Wirste dir ja wohl was vorgestellt haben.”
Das ist jetzt acht Jahre her. Er lacht immer noch über meine Zeichnung. Die ersten fünf Jahre konnte ich noch mitlachen, jetzt nicht mehr. Heute wird nur noch ein Auge verengt, die Nase kraus gezogen und das linke Ende meiner Oberlippe nach oben gezogen. Auch meine liebenswerte Eigenschaft schon mal in der Lage zu sein über mich selbst zu lachen, kennt Grenzen.
Ich frage mich auch, ob man Kinder eigentlich traumatisieren kann, indem man, wenn sie einem eine Zeichnung zeigen und gelobt werden wollen, nach langem betrachten irgendwann doch fragen muss, was denn das sei. Mir tut das ja manchmal in der Seele weh – weil für die Kleinen ist ja sonnenklar, was sie da gemalt haben – und wenn sie es erstmal erläutern, sieht man es plötzlich auch. Manchmal. Oder man tut so, als würd man es sehen. Oder ich suche jetzt verzweifelt eine Ablenkung von meiner traumatischen Erinnerung für meinen blöden Mann eine blöde Skizze hergestellt zu haben.
Woher soll ich denn wissen, warum mein Mann an einem Stück Papier erstickt ist, Euer Ehren?
Aber guckt euch doch mal dieses Talent an. Meine Haut hat jetzt den Ton einer reifen Avocado angenommen.
Oder diese begnadete Grafiksoftwarebeherrscherin