Totenkopfwangen

Mit Entsetzen stelle ich heute fest, dass älter werden und abnehmen eher nicht zum Gesicht passt. Wie ich so Halbprofil von mir sehe (ist ne ganz schöne Arbeit die Spiegel dementsprechend auszurichten), graute es mir vor meinen im Ansatz vorhandenen Totenkopf-Wangen. Ach du scheiße!

Was tun? Hamsterbacken (nein spellcheck ich meine nicht Hinterbacken!) anfuttern? Karl um Rat fragen? Nicht mehr Halbprofil gucken? Mich hypnotisieren lassen? Mir Bilder mit dünnen alten berühmten Frauen ausdrucken und mich dran hochziehen, dass es so schlimm bei mir noch nicht ist?

Fragen über Fragen über Klagen …

Instinkte

Auf der Hartschalenabdeckung des Whirlpools steht ein Karton mit diversen Putzmitteln aus der immer noch zu renovierenden Waschküche. Hundeschmackos haben sich auch darin verirrt. Hat der Hund geschlagene drei Tage benötigt, den Geruch zu orten und heute verzweifelt versucht an die Schmackos zu kommen. Stand sie auf zitternden altersschwachen Hinterläufen und schnüffelte am Karton.

Während ich gestern den Brandgeruch im Arbeitszimmer sofort geortet habe. Ab mit dem nigelnagelneuen PC – schön mit einer schwarzen Mülltüte abgedeckt wegen des Dauerregens – zum PC-Fritzen. Lief natürlich noch unter Garantie. Sagt er mir, die neuen power supplies würden nie lange halten. Ja. Supa!

Ortungsschwierigkeiten hatte ich Freitagabend. Komme ich von einem meiner abendlichen 4x die Woche Terminen auf den Hintereingangparkplatz des Supermarktes gebraust, stürme durch den Plastikvorhang, der vor der Stahlsicherheitstür hängt und stürme beim hinausgehen mit typischem Rechtsdrall und rechtem Arm angewinkelt voraus, weil ich Einkaufstaschen getragen habe und ramme den Arm volle Elle gegen die Türkante. Die rechte Seite war geschlossen. Schön bunt sind die zwei runden blauen Flecken am Arm anzusehen – der längliche Bluterguss entlang des Ellenbogens macht aber auch viel Freude.

Erinnerungslücken haben mich heimgesucht. Es ist merklich kühler, abends kriecht die Kälte durchs Schlafzimmerfenster. Der Kälte rücke ich mit Wolldecke und Wärmflasche zu Leibe. Männer eignen sich nur bedingt zum Aufwärmen und nur, wenn sie mindestens eine halbe Stunde vor einem ins Bett gehen. Obwohl ich auch da festgestellt habe, dass ich Nullkommanix mit meinem kalten Körper den Mann förmlich aussauge, die Wärme aber nicht speichern kann. Irgendwie hält Männerwärme nie so lange an wie Wärmflaschenwärme. Erst vorgestern habe ich mich daran erinnert, dass ich in den Tiefen meiner Holzkiste eine Heizdecke deponiert habe.  Nichts wie Laken ab- und Heizdecke aufziehen. Einstöpseln und auf höchste Stufe jubeln!  Mir doch egal, ob der Stromzähler durchdreht. Die Stromrechnung schaue ich erst wieder im Frühling an!

Heimwerkerhorror

Tag 2 meines Heimwerkerhorrors – die Waschküche bekommt ein make-over.    Einen neuen Einbauschrank, eine neue Spüle mit Schrank drunter, eine schwarz gesprenkelte Küchenarbeitsplatte, neue Wasseranschlüsse und keinen Hängeschrank, wie ursprünglich geplant.

Und das alles nur, weil meine Schwägerin und ihr Mann sich eine neue Küche gekauft haben und wir jetzt deren zwei Pantrytüren bekommen haben. Dass ich zwischendurch mal wieder halb taub vom fluchen werde und mir auch das Radiodauergeplärre gehörig – nicht mehr auf den Senkel, sondern ordinär auf den Piss geht – soll nicht unerwähnt bleiben.

Wie das mit Renovierungsmaßnahmen dieses Ausmaßes – und zum Ausmaß komme ich später – ist, Dreck schleppt sich quer durchs Haus. Die Dinge, die in der Waschküche untergebracht waren, verteilen sich auf die Veranda, Wohnzimmer und das Bügelbrett samt Bügeleisen schmiegt sich unelegant an die an der Wand stehenden zwei Matratzen in meinem Arbeitszimmer. Gut bewacht vom Staubsauger. Die kleine Matratze ist eine Campingmatratze, die eigentlich unterm Bett deponiert wird, die große Matratze hat Marco uns wieder ins Haus geschleppt, als er umgezogen ist, und wartet jetzt auf Hochzeitsgäste aus Deutschland. Meinetwegen kann die Hochzeit übermorgen stattfinden, dann kann das riesige Ding endlich entsorgt werden! Ja, langsam stört mich das Zumüllen meines Zimmers gewaltig. Leider wird erst im März geheiratet.

Vor vielen Jahren wollte ich mal aus meiner Innenstadtwohnung in Dland ausziehen und schaute mir eine abgewohnte unglaublich alte Wohnung an, in der ein junges kinderloses Paar wohnte, sie suchten einen Nachmieter. Und wie das mit Nachmietern so ist, wollen sie einem auch gleich alles Mögliche verkaufen. In Dland herrscht ja die Unsitte, dass Küchen nicht vorhanden sein müssen – so werkelt sich jeder Mieter was zurecht.  Diese Mieter zeigten mir voller Stolz ihre weiße unglaublich öde „Küche“ – Schränke aus dem Baumarkt – und der Mann erzählte mir noch begeistert, dass er jeden Karton aufbewahrt hat, den sie jemals mit diversen Inhalten versehen, gekauft haben. Macht das Umziehen einfacher, meinte er, wenn man die Originalpackungen noch hat. Mich hat das an Hoppenstedts und den Weihnachtspapiermüll im Hausflur erinnert und ob dieses langweilige Paar jemals aus der Wohnung ausgezogen ist oder heute unter leeren Kartons begraben irgendwo in Dland herumliegt – war und ist mir immer noch herzlich piep – ich blieb in meiner Innenstadtwohnung.

Wenn wir jemals verkaufen wollen und der Makler potenziellen Käufern das Haus wärmstens empfehlen wird, so wird er ganz besonders auf die Tatsache hinweisen, dass man seinen Minikooper im neuen Einbauschrank parken kann – was ja auch den Vorteil hat, dass man sein Eingekauftes auch im Regen trocken in die Küche transportieren kann.  Warum ich einen Partner habe, der grundsätzlich überdimensionale Sachen baut und nie etwas so wird, wie ich es mir vorstelle, weiß ich nicht. Vielleicht ist es Karma – wegen dieses unsäglich langweiligen Paares in der unsäglich öden alten dunklen Wohnung, mit keinem einzigen Farbtupfer in der Küche, über die ich mich noch heute lustig mache.

Das hab ich jetzt davon!

Unverschämtheit

mir so ein Hardcover zu schicken (verkaufen!). Das ist jetzt auch das letzte Hardcover, das ich kaufe. Fertig. Die Buchseiten sind dermaßen beschissen und unregelmäßig geschnitten, ich krieg nen halben Anfall.

Hinten ist der Preis mit 28 US Dollar angegeben, ich habe 23.11 australische Dollar bezahlt. Würden die Portokosten zurück nach UK nicht ca. so viel kosten, wie das Buch, es würde umgehend zurück geschickt werden.

Unverschämtheit!

Und was ist mit manchen Leuten los? Schaue ich kurz bei Amazon dot com rein und lese die eine 1 Stern “Rezension”. Ein Stern deshalb, weil sich ein Christ vom Cover, Inhalt und Amazons Werbung im eigenen Haus dafür persönlich beleidigt fühlt. Guess what christian? Everybody knew that book is about SEX. That’s why you bought it, didn’t ya?

Wie man Mädchen an Land zieht

wurde Jaime von anderen Jungs um Rat gefragt. Und das zwei Monate vor dem 13. Geburtstag!

Saubere Ohren und geputzte Zähne war seine Antwort. Man sollte sich auch in sauberer, ordentlicher Kleidung präsentieren, mindestens einmal täglich duschen und gut riechen. Aber diese Tipps hat er dann für sich behalten – man muss ja nicht all seine Geheimnisse offenbaren.

Fahre ich ihn morgens zur Schule. Erzählt er mir unterwegs, dass gestern ein Mann (Junge … Abiturient?) im Mankini (man muss nur an Borat denken) übers Schulgelände geflitzt ist. Scheinbar eine Wette. Der Hintern sei wirklich arg behaart gewesen. Lehrer haben natürlich versucht ihn zu stoppen, den Kids hat’s gefallen, nicht wenige Handys sind gezückt worden. Heute vermutlich schon bei youtube.

Veröffentlicht unter Leben

Drei Exe, ein Clownanzug und zu viele Tote

Mühsam versuche ich alte VHS Cassetten zu digitalisieren und ich frage mich, warum nicht auch nur ein einziges Mal etwas auf Anhieb funktioniert. Zwar kann ich bei der Übertragung im kleinen Fenster die Aufnahmen sehen, aber wenn es ans speichern gehen soll, geht mal wieder nichts. Darf ich mich die nächste Tage dann ausgiebig mit mehreren Cassetten aus meinem Leben – aus dem Leben meiner Familie – auseinander setzen, dabei hatte ich gehofft, das in einem Abwasch erledigen zu können.

Kommt zu viel Wehmut auf, wenn ich während der Übertragung ins Zimmer komme, um zu schauen, ob die Cassette noch läuft. Allein auf dem ersten Video, das ich ausprobiere, sind drei Ex-Männer – nee nee nicht alle meine – bin ich berühmt oder was? Von mir ist nur einer dabei. Lässt mich aber kalt. Die bereits verstorbenen Familienmitglieder allerdings nicht. Klar, an manchen hing ich mehr, als an andere Menschen im Video .. trotzdem. Gezählt habe ich bereits 11 und das nur in den kurzen Ausschnitten. Schlägt doch ein wenig aufs Gemüt muss ich sagen. Ich könnte es ja sein lassen, aber mmmh ich möchte schon das alte junge Leben erhalten und wenn es nur auf Heimvideos ist.

Meine Mutter so jung-alt, wie ich heute bin. Wahnsinn! Madam statt im schicken Kleid oder Rock, im Clownskostüm. Was hab ich mir denn dabei gedacht? Gottohgott – das war die Goldhochzeit meiner Großeltern und in dem Monat war ich noch 23. Ich habe im zarten Alter von phewww öhm ca. 15 Monaten oder was ein Minikleid getragen, während den ersten beiden Schuljahren öfter mal einen Minirock – war halt Mode – den letzten Minirock habe ich getragen, als Marco ein Baby war und meine Schwester geheiratet hat, also vor 24 Jahren. Dabei hatte ich viele Jahre eine Figur zum Rock, Kleid, Mini tragen, ich wollte es nur nie. Je weniger man anzieht, je mehr wird man beäugt und das war mir immer zuwider. Aber muss man deshalb einen figurverschleiernden Clownanzug tragen … tsetsetse. Und diese Armbanduhr! Über die Frisur schweige ich mich lieber gleich aus.

So. Ich bin jetzt drei Tage alleine. Mein Mann vergnügt sich mit Freunden an der Goldcoast in Queensland. Themenparks abgrasen und so. Ich hoffe er hat Spaß, eigentlich wollte er gar nicht rüberfliegen. Wetter ist dort jedenfalls besser, als hier. Ich muss jetzt alles alleine machen, das heißt auch für Jaime parat stehen, was wir uns sonst teilen. Einen Versuch mit der Digitalisierung mache ich noch, wenn das wieder nicht speicherbar ist, dann … dann … muss ich mal bei youtube gucken, ob jemand ein How to .. Video abgeladen hat. Alles so zeitintensiv, wo ich doch nur Spaßiges machen wollte an meinen Allein-Tagen. Doof das.

Dritter Versuch heute. Es ist noch alles eingestöpselt, ich lade das Programm, schalte den Videorekorder ein, nach wenigen Sekunden erscheint auch das VHS Video im kleinen Fenster und ich traue meinen Augen nicht: die Zeit läuft dieses Mal. Juhu. Ich klatsche 3x wie ein aufgeregter schwuler Modedesigner in die Hände – sieht mich ja niemand. Es läuft. Ich stelle die Waschmaschine an, staubsauge im Muskelshirt. Ach schade, dass niemand meine trainierten Oberarme sehen kann, wische. Wärme mir in der Mikrowelle – oder war das Colin? – eine Dessertschüssel grüner Bohnen auf. Was für ein blöder Lunch! Ich gehe zurück an den Computer, das kleine Fenster ist schwarz, die Cassette läuft noch. Kein Bild. No Signal zeigt es mir an. What fucking signal? Es hat doch niemand etwas verändert. COLIN?

Bei 16:58.20 Minuten ist alles schwarz, der Ton ist aber noch weiter aufgezeichnet worden – die Cassette ist über eine Stunde lang. Ich schalte den Rekorder aus, will wenigstens die paar Minuten speichern und sehen, wie die Qualität ist. Save as … Goldhochzeit. Save as (not responding). Alles hängt. Meine Mundwinkel tiefer, als das Programm. Da nützt der Blick auf meine Oberarme auch nix, um mich aufzuheitern. Hysterisch reiße ich den USB Stick raus, presse meinen Finger auf den Powerknopf. So jetzt gucken, ob nicht doch was gespeichert ist. Jucheee, die 16:58.20 Minuten sind gespeichert. Scheiß Qualität, aber immerhin.

Bis zum 1. Juni muss alles fertig sein. Ich habe wirklich keine Lust mir jetzt zum vierten Mal Grottenfrisuren, entsetzliche Mode und peinliche Lidschatten geschminkte Augen anzusehen! Ich will einen Mann (kann auch ne Frau sein), der den ganzen Tag lang mit dem Programm fummelt, bis es flutscht! Ich hasse diese doofe Arbeit.

 

Colin an Jupiter

The further we slip into this rabbit hole the harder we look for a new place to go.

So. Das wäre gesagt und hat nichts mit dem zu tun was jetzt folgt – musste aber raus.

Jetzt zu Othello. Die Tage habe ich mir eine dreistündige Aufführung des Shakespeare’s  Globe Theatre London auf DVD gemütlich auf dem Sofa angesehen. Hatte genug von ewigen Krimis und was kriege ich zu sehen? Einen Krimi: Üble Intrige, übler Eifersuchtsanfall, drei Morde und ein Selbstmord. Mach das mal nach!

Performed for the first time at Shakespeare’s Globe Theatre, with its racing concentrated plot and intense dramatic detail, Othello is one of Shakespeare’s most exciting, atmospheric and heartbreaking plays. This is a tale of uncontrollable jealousy, deception and murder driven by one of theatre’s greatest villains. Frech vom DVD Text geklaut.

Hast du das nicht vorher gewusst, madam? Doch. Hat dir die alte Sprache nix ausgemacht? Doch, die erste halbe Stunde, dann hatte sich mein feines deutsches Öhrchen dran gewöhnt. Und John? Hat fluchtartig den Raum verlassen. “Bleib hier. Thou shalt not be ignorant, als Muttersprachler musst du vielleicht was für mich übersetzen!” “Versteh kein Wort, geh jetzt Squash spielen.” “Thou shalt clean my car boot thou hath mess-ed up!”

And off he goes und mein Kofferraum ist noch voller kleiner Gipsbröckelchen – mmh.

Grad sehe ich aus dem Fenster und starre auf den neuen ähm Funkturm (?) meiner Nachbarn Colin und Sue. Der ist bestimmt zehn Meter hoch – der Turm – und ich bin davon überzeugt, dass Colin damit mit Outer Space kommuniziert. An seinem fetten Range Rover hat er jetzt auch eine noch längere Antenne, als vorher, die schwenkt affig beim fahren hin und her. What the ….? Ich bin schrecklich neugierig. Wozu braucht er so einen Turm in einer Wohngegend und hat der überhaupt eine Genehmigung dafür? Wieso kann der Mensch nicht zum Telefon greifen wie jeder Normalbürger und was genau hat das mit seinem Job zu tun? Kriegen wir jetzt etwa alle Funk-Krebs? Fragen über Fragen …

Und weil das so ein langweiliges Foto ist, hier noch something orange von heute …