Tag 2 meines Heimwerkerhorrors – die Waschküche bekommt ein make-over. Einen neuen Einbauschrank, eine neue Spüle mit Schrank drunter, eine schwarz gesprenkelte Küchenarbeitsplatte, neue Wasseranschlüsse und keinen Hängeschrank, wie ursprünglich geplant.
Und das alles nur, weil meine Schwägerin und ihr Mann sich eine neue Küche gekauft haben und wir jetzt deren zwei Pantrytüren bekommen haben. Dass ich zwischendurch mal wieder halb taub vom fluchen werde und mir auch das Radiodauergeplärre gehörig – nicht mehr auf den Senkel, sondern ordinär auf den Piss geht – soll nicht unerwähnt bleiben.
Wie das mit Renovierungsmaßnahmen dieses Ausmaßes – und zum Ausmaß komme ich später – ist, Dreck schleppt sich quer durchs Haus. Die Dinge, die in der Waschküche untergebracht waren, verteilen sich auf die Veranda, Wohnzimmer und das Bügelbrett samt Bügeleisen schmiegt sich unelegant an die an der Wand stehenden zwei Matratzen in meinem Arbeitszimmer. Gut bewacht vom Staubsauger. Die kleine Matratze ist eine Campingmatratze, die eigentlich unterm Bett deponiert wird, die große Matratze hat Marco uns wieder ins Haus geschleppt, als er umgezogen ist, und wartet jetzt auf Hochzeitsgäste aus Deutschland. Meinetwegen kann die Hochzeit übermorgen stattfinden, dann kann das riesige Ding endlich entsorgt werden! Ja, langsam stört mich das Zumüllen meines Zimmers gewaltig. Leider wird erst im März geheiratet.
Vor vielen Jahren wollte ich mal aus meiner Innenstadtwohnung in Dland ausziehen und schaute mir eine abgewohnte unglaublich alte Wohnung an, in der ein junges kinderloses Paar wohnte, sie suchten einen Nachmieter. Und wie das mit Nachmietern so ist, wollen sie einem auch gleich alles Mögliche verkaufen. In Dland herrscht ja die Unsitte, dass Küchen nicht vorhanden sein müssen – so werkelt sich jeder Mieter was zurecht. Diese Mieter zeigten mir voller Stolz ihre weiße unglaublich öde „Küche“ – Schränke aus dem Baumarkt – und der Mann erzählte mir noch begeistert, dass er jeden Karton aufbewahrt hat, den sie jemals mit diversen Inhalten versehen, gekauft haben. Macht das Umziehen einfacher, meinte er, wenn man die Originalpackungen noch hat. Mich hat das an Hoppenstedts und den Weihnachtspapiermüll im Hausflur erinnert und ob dieses langweilige Paar jemals aus der Wohnung ausgezogen ist oder heute unter leeren Kartons begraben irgendwo in Dland herumliegt – war und ist mir immer noch herzlich piep – ich blieb in meiner Innenstadtwohnung.
Wenn wir jemals verkaufen wollen und der Makler potenziellen Käufern das Haus wärmstens empfehlen wird, so wird er ganz besonders auf die Tatsache hinweisen, dass man seinen Minikooper im neuen Einbauschrank parken kann – was ja auch den Vorteil hat, dass man sein Eingekauftes auch im Regen trocken in die Küche transportieren kann. Warum ich einen Partner habe, der grundsätzlich überdimensionale Sachen baut und nie etwas so wird, wie ich es mir vorstelle, weiß ich nicht. Vielleicht ist es Karma – wegen dieses unsäglich langweiligen Paares in der unsäglich öden alten dunklen Wohnung, mit keinem einzigen Farbtupfer in der Küche, über die ich mich noch heute lustig mache.
Das hab ich jetzt davon!


