Damit meine ich nicht alle Deutschen, auch nicht die DeutschDeutschen im Urlaub oder die mit Lederhosen/Dirndl bekleideten Sauerkraut und Eisbein vertilgende breite Masse der Deutschen – wie alle Ausländer von uns denken – sondern mich.
Wenn ich organisieren muss laufe ich zur Höchstform auf. Ist etwas weniger wichtig, bleibe ich gerne aufm Sofa sitzen und denk mir: Kann ja noch, später, morgen, die Tage mal, nächste Woche, irgendwann, wenn ich groß bin, wenn … dann … ich glaube, da unterscheide ich mich nicht allzusehr von anderen Leuten.
Nachdem wir gestern im Laufe des Tages 2x darüber nachgedacht haben unseren Flug umzubuchen und Jaime nicht über Nacht wundersamer Weise genesen ist, habe ich das heute nicht länger aufschieben können, denn sonst wäre ich schon längst am Flughafen. Das Kind ist einfach zu krank, um eine Reise anzutreten, also heute wieder zum Arzt, anschließend zum Röntgen ins Krankenhaus – Ergebnis steht noch aus und wird nicht vor Freitag erwartet. Als halbe Ärztin diagnostiziere ich eine (schwere) Bronchitis oder Lungenentzündung. Im Grunde hustet er on and off seit Juli. Mein Mann hustet übrigens auch schon lange (Nichtraucher) und ist davon überzeugt, dass er ihn aus Vietnam mitgebracht hat. Ich sach da nix mehr zu. Männer sind ja manchmal echt komisch. Fantasievoll eigensinnig.
Ich hatte jedenfalls das Vergnügen alles umzuorganisieren and in order to do so hatte ich – und hier kommen wir jetzt nach langem Gerede zum Titel dieses Artikels – alle Unterlagen fein geordnet vor mir liegen. Buchungsnummern? Kein Thema. Versicherungspolicenummer? Aber hallo! Emailadressen diverser Flughafenhotels plus Reservierungsnummer? Sicher doch. Konditionen der Zugtickets erforscht – kein Thema. Drucker beschäftigt? Hätt das Ding eben kein Drucker werden sollen, wenn ihm das zu viel war. Angefangen das Versicherungsformular auszufüllen und musste dann feststellen, dass ich noch eine Bescheinigung vom Arzt benötige, diversen Familienmitgliedern Bescheid gegeben, selbst immer wieder gehustet (Raucher), zwei Jacken wieder aus dem halb gepackten Gepäck gefriemelt. Trotz dieser ganzen Rennerei – für solche Sachen bin ich bei uns zuständig – bin ich unglaublich erleichtert gewesen, dass wir die einzig richtige Entscheidung getroffen haben. Auch dem Kleinen konnte man die Erleichterung anmerken. Ich bin selbst einmal mit einer Mandelentzündung losgeflogen und hatte keine Medikamente – am Tag meiner Auswanderung. Und das war ganz ganz fies.
Ach ich schweife schon wieder leicht ab … wo war ich? … Organisiert sein. Ich kannte mal eine Frau, die darüber erstaunt war, wie schnell ich ihr Geschirr abgewaschen habe. Laut eigener Aussage war sie unendlich lahmarschig. Ich habe damals nicht verstanden wie man Abwasch lahmarschig erledigen kann – es gibt so Dinge im Haushalt, mit denen möchte ich schnell fertig werden, wenn ich sie schon erledigen muss and let’s face it: Abwaschen ist nun nicht gerade rocket science.
Kürzlich ist mein Mann von einem Versicherungsagenten gelobt worden. Haha. Ich hatte gedacht, er will mich veräppeln, aber nä. Und das war so: Ich (organisiert wie ich bin) hatte festgestellt, dass die neue Hausversicherung nicht zum vereinbarten Zeitpunkt die Prämie vom Konto eingezogen hatte. Woraufhin ich schwer Panik bekommen hatte … ohmegod Haus nicht versichert, das brennt jetzt sofort ab und so etwas Ungerechtes, wir haben immer unser Haus versichert und zahlen brav seit Jahren – typisch Deutsch oder was? Innerhalb kürzester Zeit hatte ich den Vertrag aus dem Computer gepult, mich durch den ganzen Quark gelesen und den fetten Fehler gefunden. Falsche Kontonummer angegeben. War mein Mann – vermutlich hatte er gerade halb Vietnam ausgehustet beim ausfüllen. Was mich total gewundert hatte – typisch deutschdeutsch – hätte doch die Versicherung uns ratzfatz benachrichtigen müssen: Hör mal, jetzt aber mal her mit der Prämie und außerdem kostet das Gebühr xy. Stattdessen haben wir online den Fehler korrigiert und zusätzlich (auf mein germanisches Drängen hin … und wenn das Haus abbrennt???!!!) angerufen. Und was haben die sich gefreut. Denn – so wurde uns gesagt – ist es für die meisten Leute überhaupt nicht selbstverständlich Fehler zu korrigieren, Adressen, Emailadressen oder seine Konto- bzw. Kreditkartendaten auf den neusten Stand zu bringen, auch nicht nach mehrmaliger Aufforderung.
Wenn uns das nicht selbst passiert wäre, dass man fürs organisiert sein gelobt wird, wie ein Kleinkind, das zum ersten Mal eine Toilette benutzt, es würde mir schwerfallen so etwas Doofes zu glauben. Oft haben Leute die Einstellung hier: Wieso? Die wollen doch was von mir. Sollen sie doch zusehen, wie sie an ihr Geld kommen. Solche Leute schlafen nachts richtig gut. Ich nicht. Die stehen drei Tage später in einer saublöden Boulevardsendung vor der Fernsehkamera, hinter ihnen ihre kokelnde Hausruine und beklagen sich über gierige Versicherungen und wo sie jetzt bittschön wohnen sollen und überhaupt hätten sie grad kein Geld gehabt die Versicherung zu zahlen. Was mir natürlich schon längst die fehlenden Zähne verraten haben. Puh! Bin ich ja grad noch mal davon gekommen mit meiner Organisiereritis.
Proudly German
