… last night mum’s partner died … everything changes … life sucks, is fucked, is sun and rain and storm … day and night … forces you to think about mortality … the last thing on your mind.
Archiv der Kategorie: Familienkram
Feuerabend
Wie es sich begab, dass mein Mann ein Zimmer im Hause meiner Verwandtschaft renovierte, hörte er Radio. An dieser Stelle ist es durchaus angebracht anzumerken, dass das Radioprogramm zum Gähnen ist. Was die für olle Kamellen spielen – man ist wenig begeistert. Jedenfalls fragte er mich, nachdem er stundenlang Radio gehört hatte, WTF is Feuerabend. Abend kannte er, Feier aber nicht und so hat das englischsprachige Hirn selbstverständlich Fire daraus gemacht. Was ich persönlich sehr amüsant fand und irgendwie auch längst verschüttete Erinnerungen wachgerufen hat. Wie oft und wie viele Monate ist mir das umgekehrt als frische Auswanderin so gegangen.
Am Wochenende bin ich in den Genuss gekommen auf einem alten signalroten Trecker – Mathilde heißt sie – mitzufahren. Ich fand es ja doch ein wenig unheimlich so frei auf einem Gefährt zu sitzen und weil es auf dem Hof noch eine Unebenheit gab und man doch etwas zackig auf Straßen abbiegt, ist mir der zuvor gestopfte Kuchen und auch der Kaffee beinahe wieder hochgekommen. Unappetitlich – ich weiß – aber ich teile mich nun mal gerne mit. Bei der Gelegenheit kann ich auch erwähnen, wie viel mehr und fettiger man doch im Urlaub isst. Nach dem Mittagessen im Restaurant brauchte ich zum Beispiel für den Rest des Tages keine Nahrung mehr aufzunehmen. Tortellinikäsesoßenspeckfalten will ich nicht mehr sehen. Mentale Notiz: Dringend Zuhause abspecken oder nie wieder von hinten betrachten!!!
Die Tage habe ich einen gaaaanz langweiligen Film, dessen Titel ich jetzt vergessen habe, gesehen. Spannung kam etwas durch die Dialoge auf, wobei man wirklich keinen Satz verpassen durfte. Es gab im gesamten Film nicht eine einzige Person, die sich schnell(er) bewegt hätte, als eine Seidenraupe, was ich als unglaublich anstrengend empfunden habe. Fritz Wepper hatte mitgespielt, den ich irgendwie ganz gerne mal sehe, seitdem er sein Derrick-Abo gekündigt hat.
Ganz früh bin ich heute zum Hautarzt gefahren und trage jetzt ein Pflaster über dem Augenlid. Eigentlich verbietet mir meine Eitelkeit Pflaster im Gesicht zu tragen, aber da muss ich mal durch. Ich hatte mir überlegt, ob ich mir nicht ein buntes Kinderpflaster besorge, hellbraun sieht arg langweilig aus. Die gute Nachricht ist, ich habe für den Eingriff nur 28 Euro bezahlt – ist das ein Angebot oder was? Ich könnte ständig Geld ausgeben. Mache ich auch. Kaum ist ein Fuffziger angebrochen, isser schon weg. Im Grunde genauso wie Zuhause.
An dieser Stelle möchte ich noch eine Leseempfehlung abgeben: Jonathan Tropper Der Stadtfeind Nr. 1. Es geht um einen Erstautor, der seit 17 Jahren nicht mehr in seiner Heimatstadt war und dessen Bewohner er gnadenlos durch den Kakao gezogen hat. Das Buch ist ein Bestseller geworden und er ist reich geworden. Jetzt hat sein Vater einen schweren Schlaganfall erlitten und er muss in die Heimatstadt, wo er nicht gerade freundlich empfangen wird. Ich bin noch lange nicht durch mit dem Buch, aber der wunderbare Schreibstil ist ein Genuss zu lesen, ebenso sein Humor und seine Menschenkenntnis. Tragisch, komisch, nachdenklich: Lesen!
Deutscher geht’s nicht
Damit meine ich nicht alle Deutschen, auch nicht die DeutschDeutschen im Urlaub oder die mit Lederhosen/Dirndl bekleideten Sauerkraut und Eisbein vertilgende breite Masse der Deutschen – wie alle Ausländer von uns denken – sondern mich.
Wenn ich organisieren muss laufe ich zur Höchstform auf. Ist etwas weniger wichtig, bleibe ich gerne aufm Sofa sitzen und denk mir: Kann ja noch, später, morgen, die Tage mal, nächste Woche, irgendwann, wenn ich groß bin, wenn … dann … ich glaube, da unterscheide ich mich nicht allzusehr von anderen Leuten.
Nachdem wir gestern im Laufe des Tages 2x darüber nachgedacht haben unseren Flug umzubuchen und Jaime nicht über Nacht wundersamer Weise genesen ist, habe ich das heute nicht länger aufschieben können, denn sonst wäre ich schon längst am Flughafen. Das Kind ist einfach zu krank, um eine Reise anzutreten, also heute wieder zum Arzt, anschließend zum Röntgen ins Krankenhaus – Ergebnis steht noch aus und wird nicht vor Freitag erwartet. Als halbe Ärztin diagnostiziere ich eine (schwere) Bronchitis oder Lungenentzündung. Im Grunde hustet er on and off seit Juli. Mein Mann hustet übrigens auch schon lange (Nichtraucher) und ist davon überzeugt, dass er ihn aus Vietnam mitgebracht hat. Ich sach da nix mehr zu. Männer sind ja manchmal echt komisch. Fantasievoll eigensinnig.
Ich hatte jedenfalls das Vergnügen alles umzuorganisieren and in order to do so hatte ich – und hier kommen wir jetzt nach langem Gerede zum Titel dieses Artikels – alle Unterlagen fein geordnet vor mir liegen. Buchungsnummern? Kein Thema. Versicherungspolicenummer? Aber hallo! Emailadressen diverser Flughafenhotels plus Reservierungsnummer? Sicher doch. Konditionen der Zugtickets erforscht – kein Thema. Drucker beschäftigt? Hätt das Ding eben kein Drucker werden sollen, wenn ihm das zu viel war. Angefangen das Versicherungsformular auszufüllen und musste dann feststellen, dass ich noch eine Bescheinigung vom Arzt benötige, diversen Familienmitgliedern Bescheid gegeben, selbst immer wieder gehustet (Raucher), zwei Jacken wieder aus dem halb gepackten Gepäck gefriemelt. Trotz dieser ganzen Rennerei – für solche Sachen bin ich bei uns zuständig – bin ich unglaublich erleichtert gewesen, dass wir die einzig richtige Entscheidung getroffen haben. Auch dem Kleinen konnte man die Erleichterung anmerken. Ich bin selbst einmal mit einer Mandelentzündung losgeflogen und hatte keine Medikamente – am Tag meiner Auswanderung. Und das war ganz ganz fies.
Ach ich schweife schon wieder leicht ab … wo war ich? … Organisiert sein. Ich kannte mal eine Frau, die darüber erstaunt war, wie schnell ich ihr Geschirr abgewaschen habe. Laut eigener Aussage war sie unendlich lahmarschig. Ich habe damals nicht verstanden wie man Abwasch lahmarschig erledigen kann – es gibt so Dinge im Haushalt, mit denen möchte ich schnell fertig werden, wenn ich sie schon erledigen muss and let’s face it: Abwaschen ist nun nicht gerade rocket science.
Kürzlich ist mein Mann von einem Versicherungsagenten gelobt worden. Haha. Ich hatte gedacht, er will mich veräppeln, aber nä. Und das war so: Ich (organisiert wie ich bin) hatte festgestellt, dass die neue Hausversicherung nicht zum vereinbarten Zeitpunkt die Prämie vom Konto eingezogen hatte. Woraufhin ich schwer Panik bekommen hatte … ohmegod Haus nicht versichert, das brennt jetzt sofort ab und so etwas Ungerechtes, wir haben immer unser Haus versichert und zahlen brav seit Jahren – typisch Deutsch oder was? Innerhalb kürzester Zeit hatte ich den Vertrag aus dem Computer gepult, mich durch den ganzen Quark gelesen und den fetten Fehler gefunden. Falsche Kontonummer angegeben. War mein Mann – vermutlich hatte er gerade halb Vietnam ausgehustet beim ausfüllen. Was mich total gewundert hatte – typisch deutschdeutsch – hätte doch die Versicherung uns ratzfatz benachrichtigen müssen: Hör mal, jetzt aber mal her mit der Prämie und außerdem kostet das Gebühr xy. Stattdessen haben wir online den Fehler korrigiert und zusätzlich (auf mein germanisches Drängen hin … und wenn das Haus abbrennt???!!!) angerufen. Und was haben die sich gefreut. Denn – so wurde uns gesagt – ist es für die meisten Leute überhaupt nicht selbstverständlich Fehler zu korrigieren, Adressen, Emailadressen oder seine Konto- bzw. Kreditkartendaten auf den neusten Stand zu bringen, auch nicht nach mehrmaliger Aufforderung.
Wenn uns das nicht selbst passiert wäre, dass man fürs organisiert sein gelobt wird, wie ein Kleinkind, das zum ersten Mal eine Toilette benutzt, es würde mir schwerfallen so etwas Doofes zu glauben. Oft haben Leute die Einstellung hier: Wieso? Die wollen doch was von mir. Sollen sie doch zusehen, wie sie an ihr Geld kommen. Solche Leute schlafen nachts richtig gut. Ich nicht. Die stehen drei Tage später in einer saublöden Boulevardsendung vor der Fernsehkamera, hinter ihnen ihre kokelnde Hausruine und beklagen sich über gierige Versicherungen und wo sie jetzt bittschön wohnen sollen und überhaupt hätten sie grad kein Geld gehabt die Versicherung zu zahlen. Was mir natürlich schon längst die fehlenden Zähne verraten haben. Puh! Bin ich ja grad noch mal davon gekommen mit meiner Organisiereritis.
Proudly German
Jaime goes Hollywood
Erfolgserlebnisse muss man ja auch mal haben, wenn man in einer political correct primary school Schüler ist. Im letzten Schuljahr an dieser Schule machen die 6. Klässler Filmprojekte. Jaimes Kurzfilmskript ist ausgewählt worden, die nächsten Tage wird also an Locations gefilmt. Als er mir das Skript gezeigt hat, war ich super stolz. Das kann er ja nur von mir haben. Ich habe mich schwer zurückgehalten Vorschläge zu machen, ist ja nicht mein Projekt.
Mein Sohn. Ich höre deutlich Hollywood rufen. Und wenn das nicht klappt wird er halt Rockstar – will er ja ohnehin werden.
Der Große war gestern bei einer After Party des Internationalen Filmfestivals in Melbourne. Man glaubt gar nicht wie viele freie Tickets ständig verteilt werden, wenn man in der Werbebranche tätig ist.
Auch mal was umsonst bekommen möchte. Konzerttickets zum Beispiel. Ich bekomme ja noch nicht einmal ein Papierbuch umsonst. Wann habe ich überhaupt das letzte Mal etwas geschenkt bekommen? Mmmh … Blumen kürzlich … vor sechs Wochen oder so. Waren schön, hab mich gefreut.
Man ist schon so daran gewöhnt für alles zu bezahlen, dass mir erst jetzt auffällt, wie teuer es ist weder reich noch berühmt zu sein.
Von Zimmer zu Zimmer
Chatprotokoll: How is it going in your room Jaime? Yeah good. Can I have a Kakao? Make it yourself. Oh come on it’s my birthday. I know I was there … ok I put it in the microwave for you and when you hear the beep you come and get it. Ok. Beeeep! Not funny!
Pappenheimer
Wir sind spät aufgestanden, Mann war weg. Irgendwann fragt Jaime mich: Where’s dad? Sage ich, ich hätte keine Ahnung, vermutlich für Steve arbeiten. Meint Jaime, er würde ständig arbeiten. Sage ich: Ja und wenn er sich frei nimmt, dann um nach X zu fahren und mit der Band zu üben. Yeah, sagt Jaime. Was machen wir mit ihm bloß in Dland? Der sagt dann allen Leuten: I can fix that for you, meint Jaime.
Mein Mann findet das nicht so witzig. Ich schon. Jaime und Marco auch.
If it smells
like shit it most likely is shit. Sorry about that shitty subject.
Der Hund meines Mannes (merkste, ich sag nicht mehr mein Hund) scheißt wo sie geht, liegt und steht. Ich kann das nicht mehr haben. Habe ich gerade (wörtlich gemeint) Hinterlassenschaften auf der Veranda und aus ihrem Korb entfernt, fülle das Vogeltrinkbecken mit frischem Wasser auf, die Wasserschüssel des Hundes, komme wieder zurück auf die Veranda und sehe lauter Hinterlassenschaften im Korb und daneben. Ich glaub mich tritt ein Pferd.
Mittlerweile bin ich borderline obsessive compulsive am Hände waschen, wenn ich nur die Schaufel, die ich zum wegschaufeln der Hinterlassenschaften benutze, sehe. Man kann hier nur noch mit auf dem Boden geheftetem Blick im Garten laufen und auch die Garage wird nicht verschont. So geht das nicht weiter.
Das große Kaninchen hat gestern permanent das kleinere Kaninchen angegriffen, dass es ständig quikte … quuiiik … quuiiik und hinten oberhalb des Popos schon Fell weggebissen hatte. Da ich mir keinen zweiten Käfig aus dem Ärmel schütteln kann und es häufig regnet, sodass ich das Außengelände für die Viecher nicht über Nacht nutzen konnte, musste Kaninchen Klein über Nacht im Zimmer hoppeln. Heute morgen durfte ich auch dort sauber machen. Irgendwie widerlich! Andererseits entzückend winzig, verglichen mit dem. was der Hund meines Mannes produziert.
Moment! Habe ich mir die Hände gewaschen, bevor ich die Tastatur angefasst habe? Ohmegod! Bin gleich wieder da, muss eben Hände waschen, Tastatur und Zimmer desinfizieren und anschließend wieder Hände waschen.