Hitzerekord in Melbourne

und ich durfte dieses  historische  Ereignis  miterleben – 46.4 Grad. Damals, als die Mauer gefallen ist und meine Klassenkameraden gerade zufällig in Berlin auf Klassenfahrt waren, war ich leider nicht dabei gewesen. Da bin ich jetzt froh, dass ich auch mal Geschichte miterleben darf.

Ich war heute Mittag nur kurz unterwegs, da waren es erst Mitte Dreißig Grad.  Den Rest des Tages habe ich auf dem Bett unterm Ventilator zugebracht. Halb nackig – war nämlich alleine. Geschwitzt habe ich trotzdem, das Einzige, was mich wirklich aufrecht gehalten und getröstet hatte, war die Tatsache, dass es am frühen Abend gleich um 16 Grad und das innerhalb von einer Stunde, abkühlen sollte. Hat es auch getan, ist aber dennoch warm im Haus.

Außerdem riecht es nach Feuer, am Himmel sind viele Rauchwolken – um uns herum brennts. Für uns besteht so keine Gefahr. Öhm – bis jetzt – so wie ich das sehe. Den ganzen Tag über war es extrem windig, was natürlich die Bushfeuer angetrieben hat. Das gefährlich daran ist dann immer, wenn sich der Wind dreht. Dann hat man plötzlich eine zig Meter hohe Feuerwand.

Hier kann man sehen, wie so ein Feuer aussieht.

Falls überhaupt noch möglich, ist unser Garten noch trockener geworden. Ich weiß, ich habs schon erwähnt, aber es sieht aus wie im Herbst. Überall braune Blätter und auch meine Magnolie, die sich bislang reichlich tapfer ohne Wasser geschlagen hatte, hat heute verbrannte Blätter.

Was gehts mir hier auf die Nerven

Die Hitzewelle ist unerträglich. Gestern Abend sind Jaime und ich zum Supermarkt gefahren, in der Hoffnung, dass es dort kühler ist. Naja, kühler wars, aber nicht so kühl wie erhofft. Auch nicht im größeren Supermarkt. Ich stand dann noch scheinheilig an der geöffneten Gefrierschranktür – boh tat das gut – und hab so getan, als könnte ich mich gar nicht richtig entscheiden. Jaime hat das natürlich sofort durchschaut und wenn ich nicht typisch ängstlich deutsch wäre, wäre ich halb reingekrochen. Die Klimaanlage im Auto hat auch wahnsinnig lange gebraucht, um überhaupt die Luft im Auto auf Atmungstemperatur herunterzukühlen, obwohl sie wirklich 1a funktioniert.

Da ich heute die Schnauze voll hatte den dritten, vierten oder fünften Tag – ich habe aufgehört zu zählen – in einem Backofenhaus zu sitzen, sind wir heute Mittag ins Kino gefahren. Beinahe 2 Stunden früher, als der Film anfing, sind noch durchs Einkaufszentrum geschlendert, was zwar nicht kühl, aber wesentlich kühler war, als unser Zuhause. Die Scheiß Kinokarten sind offensichtlich auch von 14.50 $ auf 16.50 angehoben worden. Vermutlich pünktlich zum neuen Jahr. Der Film – Bedtime Stories mit Adam Sandler – war so lala. Es gab wenige Momente, die ich lachen konnte, aber meinetwegen hätten die auch ein Heino Konzert zeigen können, ich wäre sitzen geblieben. So tat die beinahe vierstündige Abkühlung wirklich ganz gut. Nur als wir wieder ins Auto mussten, was in der prallen Sonne stand, bin ich beinahe ohnmächtig geworden. Als wir eine Straße überquerten, dachte ich, meine Schuhsohlen bleiben kleben. Es war eine Hitze, man kanns nicht beschreiben. Obwohl ich ein Tuch fürs Lenkrad mitgenommen hatte, konnte man es nicht anfassen. Auch nicht die Gangschaltung oder die Handbremse. Also Klimaanlage auf volle Pulle und wieder ausgestiegen. Das wünscht man seinem ärgsten Feind nicht.

Auf dem Weg zum Kino haben wir schon eine große Rauchwolke gesehen. Im Nachbarort brennts. Der Ort ist nur um die 8 km entfernt. Das Feuer ist durch einen Autounfall gestartet. In der Nähe wo Jura wohnt, etwas über eine Stunde entfernt von uns, brennt es so stark, dass Menschen evakuiert werden mussten und schon einige Häuser abgebrannt sind. Brandstiftung! Alle Jahre wieder. Man fasst es nicht, in einem Land wie diesem.

Marco ist gerade von der Arbeit gekommen und fährt jetzt um 18.30 Uhr mit Jaime zum Strand. Es ist inzwischen abgekühlt, um die 33 Grad. Schlappe 10 Grad weniger, als noch vor 2 Stunden. Hallelujah.

Meinem Hund habe ich gerade einen Eimer voll kaltes Wasser übers Fell gegossen, die Arme ist seit Tagen am hecheln und das im Haus. Büsche, Pflanzen und Bäume im Garten haben vertrocknete, teils verbrannte Blätter. Ob die sich wieder erholen, weiß der Geier. Ich habe noch mal nachgesehen. Mit den jetzigen water restrictions dürfen wir ganze zwei Tage in der Woche unseren Garten wässern. Und zwar von 6 Uhr bis 8 Uhr morgens. Ungerade Hausnummern wie wir, donnerstags und sonntags.

Ich habe seit Jahren kaum noch was neues gepflanzt, eben darum. Meine Pflanzen im Blumenkübel sind auch mittlerweile verblüht und wässern tun wir so gut wie gar nicht. Aber meine einzige  Kletterrose halb verdorrt zu sehen, unseren kleinen Pfirsichbaum schlapp herumstehen zu sehen, meine große Magnolie, die auch schon Blätter hängen lässt, man echt wahr, es tut weh. Der große Baum, an dem ich früher meine Hängematte festgemacht hatte, hat auch reihenweise vertrocknete Blätter. Und das, wo ein so großer Baum tiefe Wurzeln hat.

Jedenfalls habe ich gestern Abend auf die water restrictions geschissen und ein paar Eimer Wasser auf meine ausgetrockneten Kanditaten gegossen. Leider nicht so viel, wie sie gebraucht hättten, aber hier ist das so…wer weiß, wer einen bei der Gemeinde anscheißt. Gießen geht ja leider nicht lautlos von statten, den Schlauch konnte ich schon gar nicht nehmen. So, ich werde mir glatt den Wecker am Sonntag stellen, damit ich ausgiebig frühmorgens das wenige Grün retten kann, was noch da ist.

PS Über der Hintertür hockt ein fetter huntsman – leider von innen – es reicht, es reicht, es reicht – ich bin kein Star, holt mich trotzdem hier raus!

Niemand will mich nackig sehen

ich mich auch nicht. Die Hitze ist unerträglich, gestern 42.9, heute solls auch nicht besser werden. Nachts gabs auch keine Abkühlung und so haben unsere Deckenventilatoren Überstunden machen müssen. Nervig ist nur, dass der Ventilator  in unserem Schlafzimmer, wenn er auf höchste Stufe gestellt wird, klackernde Geräusche macht. An Schlaf war nicht wirklich zu denken. Heute Morgen waren es im Haus schon 31 Grad. Am liebsten wäre ich splitternackt herumgeschlichen, aber den Anblick möchte  ich niemandem zumuten. Schon gar nicht meinen beiden Söhnen.  

Ich warte darauf, dass bei uns der Strom ausfällt. In einigen Städten war dies schon der Fall. Stromnetz total überlastet. Das würd ich nicht überleben, ohne Ventilatoren. Züge fahren zum größten Teil nicht mehr, die Gleise haben sich durch die Hitze verbogen. Die armen Menschen, die zum arbeiten in die City pendeln.

Unser Hund hängt auch ziemlich schlaff im Haus rum. Wenn ich in der Hitze einen Pelzmantel tragen müsste, wäre ich auch nur am hecheln. Vögel sitzen im Garten mit geöffnetem Schnabel, die armen Dinger.

Gestern habe ich ein paar Pfirsiche gepflückt. Endlich bekommen wir auch mal welche und nicht nur die Vögel. Die waren so warm in meiner Hand, als wären sie gekocht worden. Dennoch – blöd wie ich manchmal sein kann – stehe ich in der Küche und beiße herzhaft in einen Pfirsich. Auch ein Erlebnis einen warmen, beinahe heißen Pfirsich zu essen. Bäh! Süß war er aber. Der Rest liegt jetzt im Kühlschrank und will heute verspeist werden.

Selbst der Türknauf unserer Hintertür ist warm. Ich hasse diese Hitze. Südaustralien hat es noch schlimmer getroffen. Die haben seit einer Woche oder was Temperaturen um die 44 Grad.

Man darf gespannt sein, wann es die ersten Buschfeuer gibt. Kann eigentlich nicht lange auf sich warten lassen.

Ich habe das Gefühl, ich kann nicht richtig atmen. Haare föhnen war heute auch ein Erlebnis. Duschen lohnt sich nicht wirklich. Man ist noch nicht ganz fertig mit dem abtrocknen, schon steht einem der Schweiß auf der Stirn. Ekelhaft! Wie ich den heutigen Tag umkriegen soll, weiß der Geier. Es ist erst 11 Uhr morgens und noch so viel Tag übrig.

Perth brennt

Die Rekordtemperatur von 44.2 Grad lässt Perth (Hauptstadt von Westaustralien) und das Umland brennen. Über 100 Feuer sind ausgebrochen und ratet mal warum…da haben mal wieder Brandstifter ihre Finger im Spiel – wie jedes Jahr im Sommer in ganz Australien.

Mit unseren 23.6 Grad in Melbourne beklage ich mich nicht. Ich hasse schwitzen. Frieren aber auch, in Tasmanien sind es nur 17 Grad.