Unter uns

Spontan bin ich ins Shoppingcentre, weil ich dachte, dass ich schon mal was für den Sommer oder für den Urlaub finden könnte. Ich war schon dran vorbei, an diesem Laden, der auch noch damit angibt nix über 10 Dollar zu verkaufen. Allergiker sollten tunlichst solche Schuppen vermeiden – selbst mir wird schwummrig drin und ich habe nur Heuschnupfen. Außerdem werde ich dann nie das Image von fleißigen, verarbeitenden asiatischen Händen los. Spätestens dann flüchte ich aus dem Geschäft.

Jedes Jahr der gleiche Spießrutenlauf für mich. Wenn ich schon verspielt, romantisch, ge- und verblümt sehe – dieses Jahr in wirklich ätzenden Farben (fies orange-apriko, noch fieser hellgrün) – krieg ich Krise. Tuschkasten-Lila gab es auch noch. So was steht mir nicht. Wirke ich matronenhaft drin. Also in geblümten Oberteilen oder Kleidern. Das kann doch nicht nur in meinem Kopf stattfinden?

Ich hatte mir ja gestern noch gedacht, dass ich in Asien kaufen werde, nur dann ist mir eingefallen, die werden für meine deutsche Bauart auch nicht unbedingt das Richtige habe. Wo sie dort doch alle so zierlich sind. Die Schmach möchte ich mir dann doch ersparen. Eigentlich wollte ich sowieso nichts besonderes, nichts schickes. Ich hatte an einfache T-Shirts gedacht, die man nach dem Urlaub ohne groß hinterher zu weinen evtl. wegwerfen könnte. Bin ich dann in ein Kaufhaus, habe aber auch dort nur diese fürchterlichen Farben gesehen. Griff dann nach einem Badeanzug – ist ja auch nie weg. Hat mir dann einen platten Busen gemacht, das Ding, welches ich gar nicht mal schlecht fand, bis ich mich umdrehte. Ein wenig Schinken hing raus – ich war begeistert. Aber jetzt nicht weitersagen, nich.

Irgendwann also noch mal gucken, kommt ja immer was rein, auch wenn die Farben sich nicht wesentlich ändern werden.

Hunger habe ich dann gehabt und weil ich faul war und mir nicht erst zuhause etwas machen wollte, bin ich zu Mc Donalds. Da gab es nur eine leicht kopflose Bedienung. Eigentlich sind immer mehrere da, die Bestellungen annehmen, weiß nicht, was heute los war. Ich bin dann ohne Burger wieder weggegangen. Gar nicht mal sauer, weil ich schon beim hereinkommen an 56.000 Kalorien habe denken müssen. Hätte mir ein bisschen den Burger vermiest. Zuhause habe ich mir dann winzige Brötchen für den Backofen mit 108.000 kalorienhaltigen toppings belegt. Immerhin haben sie besser geschmeckt, als ein Cheeseburger.

Reiseführer habe ich noch schnell vorher aus der Bücherei ausgeliehen. Die Luft drinnen war so abgestanden-vermieft, dass ich wirklich eiligst wieder geflüchtet bin. Die üblichen Verdächtigen: Babies und Kleinkinder in vollen Windeln waren da, aber an denen alleine wird es wohl auch nicht gelegen haben. Bäh.

Heutiger Tagtraum

Lady across the road sold her house. So, jetzt verkaufen wir unser Haus für 100.000 Dollar mehr, legen noch was drauf und kaufen dieses hübsche Ding.

Angeblich soll das Haus gegenüber – also das verkaufte Haus – jetzt eine Investment-Immobilie sein. Was mir mit leichtem Unterton geflüstert wurde. Ja und? Nur, weil dort Mieter einziehen werden, heißt das ja nicht, dass die jetzt dauernd Party machen, die Straße mit verrosteten Autos zuparken oder ständig die Mieter wechseln. Aber so ist das hier manchmal. Dieser Unterton. Als ob jeder ein Haus besitzen möchte. Und wenn man sich grade keins leisten kann, dann ist das eben so.

Auf ähnlicher Stufe stehen übrigens die single mums. Die werden auch mit Unterton erwähnt. Is klar, alles Schlampen, außer Mutti. Gibt auch nur Alleinerziehende, die mindestens fünf Kinder von sechs verschiedenen Männern haben, die wiederum Kondome alle bäh finden. Komisch altmodisch sind sie hier manchmal.

Schwarz, schwarz oder schwarz

Aha, dachte ich mir neulich, ich gehe mal nach einer Kameratasche für meine shinyshinybrandnew Digitalkamera gucken und dann sag ich meinem Mann welche ich zum Geburtstag haben möchte. Nicht, dass ich darauf stehe mir solche Sachen zum Geburtstag schenken zu lassen, aber alle meine Wünsche waren dann doch eher in der several hundred – über tausend Dollar Kategorie angesiedelt und noch wächst auch in unserem Garten kein money tree. Anyway, wie ich so am Kamerataschenregal stehe fällt mir als erstes auf wie langweilig diese Taschen sind. Praktisch ja, groß, mittel, klein. Von Links bis zur Mitte des Regals dominierten schwarze Taschen. Und dann fiel mein Blick auf eine signalrote Tasche und ich dachte mir: Schade, viel zu klein.

Und ich stand und guckte, ließ meine Augen das Meer von schwarzen äußerst gewöhnlichen Kamerataschen noch einmal scannen – nein, sie waren immer noch langweilig und schwarz. Zögernd nahm ich die signalrote Tasche vom Ständer – zu klein, zu klein – nein, ich gucke jetzt einfach mal rein. Guckte rein und hängte sie wieder weg. Griff nach einer beige-weißen Tasche, die Größe optimal, weniger langweilig, dennoch enttäuschend öde. Ich griff zum zweiten Mal zur Signalroten. Öffnete sie noch einmal. Nein, sie war nicht geräumiger geworden – schade. Ich notierte mir die Marke und Webseite, ging mit Mundwinkeln zum Auto.

Zeigte meinem Mann die Tasche online, vergaß auch nicht zuerst die Rote zu zeigen, bestand dann aber auf der beige-weißen, wegen der Größe. Alles eben, nur nicht schwarz.

Gestern packte ich die Signalrote aus. Auch jetzt war sie nicht größer, aber witziger. Steht sie geschlossen im Haus herum, könnte man denken, es wäre ein Hilton-Tusse-Täschchen in dem man Miniaturhunde züchten kann. Um jetzt also nicht als völlig geschmacksneutral zu gelten, steht die Tasche in meinem Arbeitszimmer. Es passt die Kamera nur mit kleinem Objektiv hinein, USB-Kabel und Ladegerät nicht. Macht aber nichts, wenn ich per Flugzeug verreise, kommt eh alles in den Koffer und auch eine größere Tasche macht mich nicht zur super Fotografin. Das Angebot der Firma (siehe Link) ist jetzt für Frauen auch nicht riesig – grad mal drei Taschen, die für mich in Frage gekommen wären. Das schreit nach fetter Marktlücke. Nicht in jedem Haushalt ist Mann für solche Sachen zuständig. Bei uns bin ich für Computer, Zubehör, fotografieren zuständig und daran wird sich auch nichts ändern.

PS Ich habe auch sonst sehr schöne und wohl durchdachte Geschenke bekommen – wie lieb man mich hat …  :-)

Ausgelutscht

ist ja inzwischen der Spruch: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil, wird aber in diesem Fall von mir gerne noch einmal aus der Mottenkiste geholt. Im Juli oder war es im Juni? habe ich ein selbstverlegtes Buch von einem australischen Satiriker bestellt. Der Mann ist extrem funny, das nur am Rande erwähnt. Was ich bei der Bestellung nicht gewusst habe war, dass sie nach Amerika geht, das Buch tatsächlich dort gedruckt und von dort offensichtlich auch verschickt wird. Nachdem ich die ersten vier Wochen vergeblich gewartet hatte, habe ich bei dem Satiriker nachgefragt, der mir zügig und freundlich erklärt hatte, was ich gerade geschrieben habe. Damit habe ich mich dann erstmal zufrieden gegeben, wollte ich doch das Buch und ach herrje, wenn es denn länger dauert, um so größer ist die Vorfreude blablabla.

Nachdem wir mittlerweile September haben, habe ich gestern bei der Firma in Amerika nachgefragt und auch sämtliche relevanten Daten angegeben. Ich bekam auch ein zügiges Mail zurück, meinen Auftrag könne man nicht finden, ich möchte bitte die Email-Adresse angeben, die ich benutzt habe, die Auftragsnummer und den Namen.

Da hat es mich doch leicht gepackt – hatte ich doch gestern schon erwähnt, dass ich nie nich mehr Informationen bekommen habe, als die, die ich gestern schon mitgeschickt hatte. Plus den leicht zickigen (ja, ich gebe es zu) Hinweis, dass sich auch mein Name seit gestern nicht geändert hat.

Ich kann mich über so was leicht aufregen. Ich hatte schon einmal einen dämlichen Schriftverkehr mit jemandem von der australischen Post. Die hatten auch Dinge gefordert, die ich nur einen Tag vorher ausführlich beschrieben und erklärt hatte.

What’s wrong with Büromenschen? Einfach mal lesen, dann klappt das auch mit dem Verständnis.

Und wo bitte ist dann mein Geld verbucht worden? Wieder haben will, wenn schon kein Buch im Briefkasten! Ich ahne allerdings, dass ich morgen ein Mail aus Amerika bekomme, das man auch jetzt nicht meinen Auftrag finden konnte und mir nichts anderes übrig bleibt, als den Satiriker zu kontaktieren. Or I just kiss my money good-bye und habe wieder etwas dazu gelernt.

Veröffentlicht unter Kaufen

Auch schon gemerkt?

Gehste inne Buchhandlung, guckste dir den Büchertisch an – was siehste da? Immer die gleichen Autorennamen.

Der NDR hat ein nettes kurzes Video, das uns erklärt, warum Kleinverlage und somit eben auch (viele) unbekannte bzw. weniger bekannte Autoren, keine Chance haben,  auf dem Büchertisch einer Buchhandlung zu landen und warum Buchhandelsketten so viel Macht haben.

PS Wer findet, dass der Mann am Schluss des Videos dringend eine ordentliche Frisur benötigt, bitte Hand heben.

Gutes aus Dland

Dr. Martens Schuhe sind ja kürzlich 50 Jahre alt geworden. Zwei deutsche Orthopäden oder waren es orthopädische Schuhmacher? haben diesen wunderbar bequemen Schuh erfunden. Zunächst für somewhat fussgeschädigte Frauen über vierzig haha. Er hat sich dann aber schnell als der Boot für Arbeiter, Punks, Rockstars und Leute wie mich etabliert.

Meine stinknormalen schwarzen Docs sind die halbhohen Boots, die mich schon seit ca. 8 Jahren durch Wald und über Wiesen begleiten. Sie werden auch noch weitere acht Jahre halten, in den Dingern kann man meilenweit laufen, ohne zu spüren, dass man Boots trägt – ich weiß, glaubt mir kein Mensch, der sie nur vom sehen kennt.

Anyway …  dieses Paar ist doch wirklich entzückend weiblich, aber leider kein Leder  :-)

Schweden haben kurze Füße

Heute bei Ikea gestöbert, Kramiges tolle Sachen gekauft, die man immer gebrauchen kann. Auch eine Personenwaage, die leider so klein ist, dass die Füße drüber hängen, wenn man drauf steht. Ja sach ma … Wenn sie jetzt noch weniger Kilos anzeigen würde, statt – Verdacht, Verdacht – mehr, würd ich ja nicht meckern …

Eine Stehlampe für den Flur gekauft, die jetzt darauf wartet, dass der hauseigene Elektriker eine Steckdose im Flur installiert. Dazu muss er ein Loch in die Gipswand sägen, auf den Dachboden klettern und irgendwas verkabeln, dann mich mit einspannen – die ich dann vor dem Loch hocken muss und das neue Kabel durch den Schacht vom Dachboden aus herunterziehen muss. Zwischendurch darf man sich dann noch im wahrsten Sinne des Wortes anschreien lassen, weil anders die Verständigung über die Entfernung nicht funktioniert. Ich hasse diese popeligen Verkabelungen durch hohle Wände.

Zum Glück für meinen Mann hat sich das Gerenne wegen jeden Glühbirnenwechsel zum Hause seiner Mutter – 1 Autostunde entfernt – ja jetzt erledigt. Der neue Schnasi ist Elektriker. Da kann man nur Allzeit gut Strom wünschen.

Später noch im Ort hier wehmütig an Grundstücke vorbeigefahren, die ich mir nicht leisten kann.  Ein 4000 Quadratmeter Grundstück in Berwicks Hügeln für 750.000 $ – ohne Haus – versteht sich. Ich muss nicht so ein riesiges Grundstück haben, aber die Gegend ist traumhaft. Wie viele Jahre fahre ich immer mal wieder durch diese Straße und gräme mich über unseren Geldbeutel … *seufz