Wide Canvas Country

Broken Hill Australia – No artificial additives (keine künstlichen Zusatzstoffe)- heißt es in einer der schönen Broschüren und leicht verschämt rechts unten das Logo der australischen Regierung mit dem Zusatz: An Australian Government Initiative. Dass Broken Hill immer wieder als Künstlerhochburg erwähnt wird (neben der Minenfunktion) rechtfertigt die Canvas (Leinwand) Erwähnung, in der Tat finde ich das sehr clever.
Irgendwo soll ich später auch im Nirgendwo ein anderes Schild sehen: Die größte Leinwand mmmh war es der Welt oder war es doch nur Australien – was für manche sicher gleichbedeutend ist … es ist nicht ganz so wichtig. Nichts ist so wichtig, wenn du da draußen bist, wie es Zuhause wichtig wäre. Als würde die Zeit still stehen und wenn sie das nicht tut, dann vergeht sie langsamer, als gewohnt. Es kann einem durchaus der Gedanke kommen, sie ginge rückwärts, aber das ist ein Irrtum.

Die ausgedruckte Google Map und mein Mann auf der Rückbank lotsen mich am Rande von Broken Hill durch leere, weite Straßen, es geht eine steile Anhöhe hinauf, kurz danach sind wir an unserem Motel, das eine ehemalige Familienresidenz, später eine Arztpraxis war. Irgendwann Mitte 18 Hundert noch wat erbaut und der Anblick stimmt mich – wenn nicht direkt fröhlich – so doch gnädig. Ich liebe alte Häuser. Ich liebe Giebel und Verzierungen und die Geschichte von Häusern. Leider ist unser Familienzimmer im Haus und hat keinen direkten Zugang zur Veranda. Was mich deswegen etwas stört, weil man sich nur auf ein Zimmer beschränkt fühlt – was man ja auch ist – ohne mal eben draußen einen Kaffee am frühen Morgen in Schlafanzughose zu trinken oder am Abend noch die laue Luft genießen kann – jedenfalls nicht halb ausgezogen. Der Holzfußboden sieht original aus, aber sicher bei der Renovierung poliert. Im Gang liegt ein bunter Läufer – ein Perser wird’s nicht gerade sein – an der Decke hängen zwei überhaupt nicht kitschige Kristalllüster. Das Türschloss ist sehr hoch angebracht, die Türklinke auch – typisch alt, wobei ich mich immer frage, warum sie so hoch angebracht worden sind, wenn die Menschen doch im Schnitt viel kleiner waren, als heute. Das Zimmer ist liebevoll eingerichtet – einer Lodge eher angemessen, als einem Motel, unser Bett ist groß und hoch – man muss beinahe hinauf kriechen. Zwei Einzelbetten – auf eines laden wir unser gesamtes Gepäck ab. Der Deckenventilator ist auf alt getrimmt – Lampen hat er auch – nur die Sparglühlampen darin stören das yesterday Gefühl. Die stuckverzierte hohe Decke reißt mich von den Sparlampen los – mintgrün ist sie – der ehemalige Kamin als Einbauschränkchen umfunktioniert – aaah da steckt das Bügeleisen – nicht das ich den Drang verspüre zu bügeln. Die Küchenzeile mit Mikrowelle, sogar ein coffee plunger, da kann ich meinen albernen Filter gleich im Koffer lassen. Ich kann zur Not ein warmes Frühstück einnehmen, ich kann zur Not auf Frühstück verzichten. Was ich nicht kann, ist Instantkaffee trinken, der mit Tee- und Zuckerbeutel in Motels samt Wasserkocher umsonst angeboten wird. Den letzten Instantkaffee habe ich auf einem rural trip vor sieben Jahren an einer schäbigen Bude getrunken – als Cappuccino verkleidet. Einfach aufgeschäumte Milch drauf – schon wird Stroh zu Gold. Den Geschmack habe ich heute noch auf der Zunge.

Ich komme später mit der Lodgelady ins Gespräch – auf der Veranda – ich kann ihr Alter nicht schätzen. Sie ist entweder wirklich wesentlich älter, als ich – irgendwo im Rentenalter – oder hat gut gelebt. Die Stimme so tief, wie ihre Falten, ihr Rock so lang wie ihre Haare. Sie erzählt mir, dass sie als 8-Jährige mit ihren Eltern nach Neuseeland gezogen ist und vor sechs Jahren mit ihrem Sohn zurück nach Australien gegangen ist. Sie war stellvertretende Rektorin an einer Schule – was sie mir am zweiten Tag erzählt. Natürlich fragt auch sie mich, woher ich komme und so kommen wir ins Gespräch übers Reisen. Sie ist nach der Rückkehr an mehreren Orten ins Australien gewesen, hat festgestellt, dass sie sich niemals ein Haus in Sydney leisten kann und hat ihren erwachsenen Sohn und dessen Kind geschnappt und ist drei Wochen lang durch Europa gereist – inkl. Deutschland. Was ich viel lieber tun würde, als dieses Familienprojekt (sie haben die Lodge mit mehreren Familienmitgliedern zusammen gekauft) – ist reisen, sagt sie irgendwann. Ich auch. I-C-H A-U-C-H. Die Frau ist mir sympathisch. Und da haben wir es wieder, das typisch australische Phänomen, dass nichts so ist, wie es zu sein scheint. Menschen, die im eigenen Land herumziehen, für kurze oder längere Zeit sesshaft werden – das ist typisch für dieses Land.

Wir machen uns zu Fuß zur Hauptstraße auf, das lange autofahren rechtfertigt einen Spaziergang. Sehr weit ist es nicht, sehr heiß auch nicht. Angenehm warm. Broken Hill ist eine ehemalige booming miningtown und so lesen sich auch die Straßennamen im Ortskern … Chlor, Schwefel, Kobalt, Wolfram, Silber, Kristall … unterwegs sehe ich mindestens zwei historische Pubgebäude – hier grundsätzlich Hotel genannt (don’t ask) – die geschlossen wirken. So gar nicht einladend, kein Schild vor der Tür, alle Fenster geschlossen – vielleicht sind sie wirklich mittags geschlossen – vielleicht einfach dicht oder als Hotel – das, was wir darunter verstehen, umfunktioniert, so wie der (das?) alte Pub gegenüber unseres Domizils. Für uns gestaltet sich Essen gehen immer etwas schwierig, besonders, wenn es sich um einen schnellen Lunch handelt – mein Mann muss glutenfrei leben, das Kind mag nur zwei Lebensmittel und Madam möchte weder Pommes ohne wat, noch ein überteuerten Cafelunch. Ein richtiges Restaurant muss also her und wir finden uns an der Ecke einer Kreuzung wieder. Die großen Pferde wiehern ungeduldig an der roten Ampel, eins stößt eine stinkige schwarze Wolke aus. Aber irgendwie reiten fahren alle gemütlich. Die Bürgersteige sind doppelt so hoch wie normal – in früheren Zeiten war die Hauptstraße bei längeren Regenfällen gerne mal überflutet. Was sie natürlich immer noch sein wird, nur kann man wenigstens trockenen Fußes auf dem Bürgersteig flanieren. Schwer vorzustellen in dieser rual community, das es auch mal regnet. Auch typisch für Australien sind die mangelnden Abflüsse – das viele Regenwasser kann nicht abfließen und staut sich in den Straßen – Melbourne kann ein Lied davon singen.

Es dauert eine halbe Stunde, bis wir unser Essen bekommen – okay drinnen sitzen ein paar Gäste – draußen weniger, eine halbe Stunde kommt mir eher länger hier in der Ödnis vor oder ich habe erst nach zehn Minuten warten auf die Turmuhr am Ende der Hauptstraße gesehen. Ich habe mir Spinat-Ricotta-Canelloni bestellt, Pommes können sie eigentlich behalten, aber hier geht nix ohne Kartoffelgold. Das Gericht kommt auf einem rechteckigen geschwungenem Teller mit Salatbeilage – es sieht appetitlich aus, es schmeckt ausgezeichnet – nur ist es schwierig das Essen beim essen nicht vom Teller zu schaufeln. So esse ich geziert, auch wenn mein Magen mir etwas anderes vorschreibt. Lächeln darf ich jetzt nicht – der Spinat! Jaime isst nur die Pommes, nicht das Hühnerschnitzel und obwohl ich satt bin, kann ich es nicht ausstehen so viel Essen zu verschwenden – schließlich steht unser Hund als Resteverwerter nicht zur Verfügung. Ich säbel quer über dem Tisch am Schnitzel herum, quetsche rein, was geht und muss mehr als die Hälfte zurücklassen. Wenn man, so wie wir, spontan auf Reisen geht, muss man essen, was man kriegen kann, was wiederum idealer Weise fünf Tage den Magen füllt – bei den Preisen. Oder es liegt mit daran, dass wir für drei Personen bezahlen müssen – so oder so – es ist nicht billig.

Wir laden unseren Sohn in der Lodge ab – freies Wi-Fi – und fahren durch die Straßen. Zufällig kommen wir an der Pro Hart Galerie (Fotogalerie von neulich) vorbei. Ich gehe nicht hinein, kann mir Pro Hart Preise eh nicht leisten und schieße aus dem Autofenster heraus das Foto. Im vorbeifahren sehe ich drei Luxusautos, zwei davon Rolls Royce, einer bunt bemalt – ein Pro Hart Markenzeichen  – in der Galerieeinfahrt. Wir fahren ein Stück ins Outback, sehen Emus, Kängurus, Pferde – die zwar keine Wildpferde sind – aber in der uneingezäunten Prärie grasen. Das Schild mit der Trophäenunterhose – links vom Trek und rechts vom ausgetrocknetem Flussbett kommt ins Blickfeld – ich habe Lust in dieser wunderschönen Landschaft, in dieser Wärme und Einöde im Auto zu tun, was unsere Vorbesucher scheinbar unter Alkoholeinfluss getan haben. Ich weiß nicht, wie einsam der Trek wirklich ist … oder ich bin zu lange Mutter, statt Frau (was sollen wir morgen bloß essen?) oder verdammt verwöhnt und bequem. Mein Mann kann keine Gedanken lesen – vermutlich auch zu lange Vater. Die untergehende Sonne färbt Wolken und Himmel rosarot.

To be continued …

Weite Stille, stille Weite

Knappe 1900 km in fünf Tagen gefahren, statt wie ursprünglich geplant ein paar Tage ans Meer. In einem kleinen, alten Wohnwagen umsonst zu übernachten war für uns schon nicht der Kracher (umsonst schon, klein nicht), die Wettervorhersage hatte uns die Entscheidung dann zum Glück abgenommen. Regen und knappe 21 Grad und das im Sommer? Nö. Wären wir in dieser Enge zum Kindermörder geworden oder hätten uns hinterher scheiden lassen. „Broken Hill“, habe ich also gesagt. „Outback“, hinzugefügt, just in case he doesn’t know his country. “I always wanted to go there and see Silverton.” “Outback it is”, meinte mein Mann und fuhr den Hund noch am Abend eine Stunde lang zu seiner Schwester, während ich uns Motels gebucht habe. Am nächsten Morgen einige Sachen in den Koffer geworfen, Hasenfütterer organisiert und off we went.

Um die fünf Stunden Fahrt nach Mildura (Inland Victoria, Richtung NSW Grenze, Wein-, Obst- und Gemüseanbaugebiet), dort zwei Übernachtungen gebucht, weil klar war (wir waren schon mindestens 2x vorher dort), dass es dort noch einiges an Unterhaltung für Jaime geben würde. Mildura ist eine absolut geplante Stadt mit weiten Schachbrettmusterstraßen, am Murray River.

Das Motelzimmer war wie alle Motelzimmer – irgendwie grad genug, man will ja nicht auf Dauer einziehen. Keine Mikrowelle, aber der übliche Wasserkocher, bescheidene Anzahl an Tassen, freies Wi-Fi, Flachbildschirm und ein eingesprühter Teppich, der die Nase zwischendurch laufen ließ und/oder uns Niesanfälle bescherte. Das Zimmer direkt am Pool, schade nur, dass der nicht geheizt war. Absolutes Highlight waren natürlich die Sanddünen in Wenthworth – dieses Örtchen liegt gleich hinter der Grenze zu New South Wales und sieht noch genau so aus, wie vor sieben Jahren. Wie man in der Fotogalerie sehen kann, ist der Knastbesuch dort unglaublich deprimierend gewesen, wenngleich ich historische Gebäude liebe. Der Baum, mit den abgesägten Ästen – weil er zu dicht an der Gefängnismauer steht – sagt eigentlich alles, was man über den Aufenthalt dort wissen muss. Man kann nur ahnen, wie grausam die Menschen in der Hitze in den Zellen zusammengepfercht worden sind – auf hauchdünnen Matten auf dem Boden geschlafen haben – für irgendwelche Vergehen ausgepeitscht oder an den Stein im Innenhof unter sengender Sonne am Hals angekettet worden sind. Nix wie weg! Aber vorher noch das Mördermagazin kaufen, das muss sein.

Weiter geht’s. Die erste Raststätte, die wir nach 1.5 Stunden ansteuern, hat ein Blechtoilettenhäuschen. Ein Blick hinein, die Toilette ist viel zu hoch angebracht – nee danke – im Stehen ging‘s grad noch, doch dafür fehlt mir etwas Entscheidenes, ich verzichte. Die Frau, die mit ihrem Mann auch dort angehalten hat, benutzt sie scheinbar – später soll ich sie wiedersehen, obwohl ich sie in ihrem Kleinwagen überhole, sie kurz darauf nicht mehr im Rückspiegel sehe. Wir fahren ohne Klimaanlage, mindestens zwei Fenster sind geöffnet, der warme Wind rauscht durchs Auto, mein Haar ist per Haarband gesichert, sonst würde mir eine Haarsträhne glatt das Auge auspeitschen. Mir geht das deutsche Zug-Gejammer (es ziiiieht, mach mal das Fenster zu völlig ab). Das Leben ist warm, das Leben ist weit und es ist vor allem unglaublich entspannend dort draußen zu sein und an nichts zu denken, als das Auto zu lenken und selbst das funktioniert auf Autopilot. Schon erstaunlich, was das Hirn alles so gleichzeitig leisten kann und Hunger meldet es auch. „Gib mal Chips!”, nur um kurz danach zu sagen: „Gib mal Wasserflasche.“ „Jetzt gib mal Lippenbalsam!“

Irgendwann kommt die einzige Outbacktankstelle in Sicht, 25 $ Maximum und das per Barzahlung, mehr Sprit wird nicht pro Auto ausgegeben. Wirklich brauchen würden wir den nicht für die letzen knappen zwei Stunden, aber Jaime besteht drauf, er hat Angst, dass wir in der Öde mit leerem Tank liegen bleiben. Was auf keinen Fall fatal wäre, nur ärgerlich. Die Strecke ist nicht überlaufen, aber es fahren regelmäßig Autos und Trucks, ich fahre ab der Tankstelle weiter, habe zuvor der Frau von der anderen Raststätte den Toilettenschlüssel gereicht, weil, was soll man sagen, wenn dir jemand sagt und gleichzeitig die Hand ausstreckt: I‘ll take that, luv und man eigentlich weiß, dass der Tankwart total angepisst ist, wenn die nix kaufen. Hängt ja ein Schild dort: Nix kaufen, nix Toilettenbenutzung. Klar steuert er direkt auf mich zu, als ich ins Auto steigen will und fragt mich nach dem gehüteten Schatz … ehm Schlüssel.

Ich genieße nicht nur die Geschwindigkeitsbegrenzung von 110 km/h frech zu überschreiten, sondern vor allem, kein Auto vor oder hinter mir zu haben. Das ist ein Gefühl von Weite. Hin und wieder taucht eine Einfahrt zu einer Farm auf, die man von der Straße aus nicht sieht, trotz niedriger Vegetation – Himmel diese Leute wohnen so einsam, sie müssen per Auto zum Briefkasten fahren. Der grundsätzlich groß genug ist, dass ein kleiner Kühlschrank drin Platz finden könnte. Später lese ich, das der Farmer durchaus eine Stunde Auto oder Motorradfahrt benötigt, um die Post einzusammeln. Was mich gleich an eine Doku erinnert hat, die ich mal im TV gesehen habe, da fuhr der Postbote täglich 500 km. What a job! Warum ich nicht schneller, als 130 fahre, liegt daran, dass Kühe, Schafe und Ziegen streckenweise nicht hinterm Zaun grasen, sondern gar kein Zaun vorhanden ist. So möchte ich nicht Gefahr laufen wegen eines Nutztieres mein Leben und das meiner Lieben zu riskieren. Außerdem – aber das bleibt jetzt unter uns – habe ich total Schiss einen Strafzettel zu bekommen, der würde ungefähr so hoch sein, wie unsere fünf Tage Motel kosten und so frage ich meinen Mann, ob er denkt, dass auch hier im Outback hinter einem höheren Busch ein Cop mit Radarpistole lauert? Früher, meint er, haben sie tatsächlich Temposünder aus der Luft heraus erwischt. Kein Wunder denke ich, dass die Strafen so enorm sind, bei den Flugbenzinpreisen! Man kann es aber auch übertreiben. Meine Güte, die Straße ist überschaubar – von hier nach Melbourne – und völlig frei, nun hört doch mal auf mit diesen blöden 110 km/h, man fühlt sich ja verarscht.

Ein Fuchs rennt wenige Meter vor meinem Wagen über die Straße und ich bin froh, dass er es geschafft hat. Die vielen toten Kängurus am Straßenrand reichen mir als Anblick und einer meiner Albträume wäre ein Tier anzufahren, was dann doch noch nicht tot ist. Mir ist das zum Glück nie passiert und sollte mir ein Känguru ans Auto springen, wäre mein Auto vermutlich hinüber. Tagsüber sieht man eher keine Roos, die kommen nur in der Morgen- oder Abenddämmerung hervor. Wir sehen Adler kreisen. Wo sieht man die heutzutage noch? Genau!

Ich fahre uns nach Broken Hill rein und sehe kleine, alte Häuschen, einen riesigen Schutthaufen – ausgehobene Erde aus den Minen – vor mir fährt ein Auto 38 km/h, obwohl 60 erlaubt sind und ich denke und sage gleichzeitig laut: „Ach du Scheiße, wo sind wir denn hier gelandet?“ Ich bin so enttäuscht, wie schon lange nicht mehr und schaue mich nervös nach rechts und nach links um, während ich das Auto in einer Schiebgeschwindigkeit fahre. „Are they going to shoot at us?“, frage ich nervös …

to be continued …

Baumabenteuer

bei 37 Grad (und steigend) – roter Kopf inklusive. Jochen musste vom Seil gerettet werden, konnte die Plattform per flying fox nicht erreichen, baumelte in 10 oder 12 Meter Höhe und hatte scheinbar keine Kraft sich voran zu hangeln. Jochens Frau gab hinterher gute Ratschläge, ich habe mir Jochens Rettung aus einer Hängematte aus angesehen – unverhohlen – weil ich eh wissen wollte, wie jemand dort oben gerettet werden kann. Danke Jochen!

Ich stellte fest, dass ich immer noch eine ekelige Höhenangst habe, das ständige Karabiner ein- und aushaken nervte auch ein wenig, wenn ich aber gewusst hätte, dass die das brilliante German Bornack locking system benutzen, wäre das alles ein Klacks gewesen. Ich habe nicht viel Vertrauen zu Drahtseilen und an Baumstämmen angeschlagene Treppen, die auf mich wirkten, als hätte ich sie selbst mit einem (1) Nagel eingeschlagen.

Trees Adventure Belgrave – The ultimate eco-adventure – 2010 Victorian Tourism Awards.

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Kopfschmerzlos ins neue Jahr

Hört sich an wie eine Ratgeberüberschrift … 10 kg weniger in drei Tagen … werd reich in einer Woche … das geheime Geheimnis einen Bestseller zu schreiben …  oder so.

Bei Temperaturen über 30 Grad schmeckt der Alkohol – Silvester hin oder her – eben nicht wirklich und so blieb es bei mir bei einem halben Glas Rotwein, an dem ich ca. 2 Stunden genuckelt habe und einer 0.33 Flasche Bier, mein Mann hat gar keinen Alkohol getrunken. Haben wir mit Freunden in ihrem Haus – gefeiert kann man gar nicht sagen – zusammen gesessen. Draußen, was sehr angenehm war. Im Dezember draußen essen zu können ist ein Luxuslotterleben. Heute verkriecht man sich wegen der Wärme eher im Haus und schade, dass Hausarbeiten sich nicht von alleine erledigen und der Kühlschrank schon wieder verdächtig leer ist.

Marco fliegt in drei Tagen auf eine thailändische Insel – Koh Samui – und später weiter nach Kambodscha, wir machen erstmal einige Tagesausflüge (Bäume klettern, Segeln, Parasailing (ich nicht, ich hab Angst an einem Seil und einem Stück Stoff hinter einem Boot hergezogen zu werden), bis es irgendwann nach dem 10. ein paar Tage ans Meer geht und hoffentlich fragen wir uns nicht alle zwei Stunden gegenseitig: Tee? Kaffee? – weil wir Campingplätze arschlangweilig finden. Nun haben wir aber ein Angebot bekommen uns umsonst dort aufzuhalten, was hoffentlich wenigstens Jaime begeistern wird. Ich wäre ja nicht ich, wenn ich nicht trotzdem Flüge in diverse Urlaubsgegenden angesehen hätte, aber wenn ich auch hier und da mal Anflüge von Verschwenderitis habe, kann ich doch auch manchmal geizig sein. Ich möchte nicht für nur 10 Tage zigtausend Dollar ausgeben, wenn ich zu einem späteren Zeitpunkt viel länger Urlaub machen kann. Sowieso ist mir grade mal nicht nach Flugzeug.

Vor drei Tagen hat Jaime ein elektronisches Schlagzeug gekauft, das steht jetzt in seinem alten Kinderzimmer und ich bin begeistert davon, was technisch alles möglich ist. Die Nachbarn vermutlich auch. Obwohl er zwischendurch doch noch das andere Schlagzeug spielt und ich das ganz gerne höre, kann er so länger spielen, ohne sich immer gleich Blasen an den Fingern zu holen.

Unser Aprikosenbaum hing voller Früchte, mit denen wir nichts anfangen konnten, nicht nur, weil sämtliche Papageien der Nachbarschaft ein Fest im Baum feierten, sondern auch, weil wir vergessen hatten zu spritzen – sind alle lecker lecker Aprikosen mit einer blöden Obstbaumkrankheit überzogen. Die Pfirsiche und Nektarien sind noch nicht reif, sehen wunderbar glatt und rund aus und heute Morgen habe ich schon einen Vogel als Späher im Pfirsichbaum gesichtet und stelle mich schon darauf ein, dass die blöden Federviecher eher bemerken, wenn MEIN Obst reif ist, als ich.

Mein Großer ist groß und will 2013 heiraten, mein Kleiner wird auch immer unabhängiger und plant schon seinen Auszug. Mein Mann ist gestern total schlecht gelaunt von der Arbeit gekommen und musste heute auch wieder hin. Als ich ihn anrief, war er gerade bei Ikea. Anschließend musste er zum Casino. Der wird ne Saulaune haben, wenn er nach Hause kommt. Die können doch mal wieder rückwärts gehen und an Feiertagen die Geschäfte geschlossen lassen. Rennen die Leute um 10 Uhr schon nach Ikea. Was wollen die da? Anyway, da heute Sonntag ist, ist der Neujahrsfeiertag kurzerhand auf morgen verschoben worden. Was mal wieder bedeutet, dass diejenigen, die heute arbeiten weniger Zulagen bekommen, als diejenigen, die morgen (2.5 x Stundenlohn) arbeiten. Da ich noch dringend ein paar Lebensmittel besorgen muss, ändere ich gleich wieder meine Meinung und sage: Wie gut, dass die Geschäfte auch an Feiertagen geöffnet sind.

Ein angenehmes 2012 wünsche ich euch.

Sunday
Mostly sunny
Min: 19°C Max: 35°C
UV: Extreme

Mostly sunny Monday
Mostly sunny
Min: 22°C Max: 40°C
UV: Extreme
Mostly sunny Tuesday
Mostly sunny
Min: 23°C Max: 35°C
UV: Extreme

Clearing shower Wednesday
Clearing shower
Min: 20°C Max: 24°C
UV: Extreme

Ewige Nörgeleien

der immer gleichen Einzelhändler in good old Oz. Erst versuchten die drei-fünf großen Namen in diesem wunderbaren Land mit den bescheidenen Konsumenten (überall die gleichen Geschäfte – egal in welchem Bundesland, in welcher Stadt du dich befindest) den Staat dazu zu bewegen auf online Einkäufe Mehrwertsteuer zu erheben, bzw. den Einkaufswert herabzusetzen haha, weil sie meinten, sie wären durch den Internetwettbewerb benachteiligt. Unser Dollar war lange Zeit gleich bzw. einen Cent oder so höher, als der US-Dollar, was mündige Konsumenten ins Internet getrieben hat, weil sie es Leid waren 3x so viel für die gleiche Ware hier in Oz zu zahlen, als Menschen anderswo. Dafür nahmen sie oder nehmen sie hohe Lieferkosten in Kauf, denn selbst diese eingerechnet, ist es immer noch wesentlich preisgünstiger, als bei den Dicks und Meyers und Harveys und Jones.

Das hat nicht funktioniert.

Dann haben sie auch das Internet entdeckt und schauen mal, wie weit sie damit kommen. Gleichzeitig nörgeln sie über ein schleppendes Jahr, einen schleppenden Schlussverkauf, der gestern eingeläutet worden ist – zwei in den Köpfen der ersten Siedler hier große Einzelhändler – öffnen ihre Türen am 2. Weihnachtstag um 5 Uhr morgens. Die Schlangen der Wartenden hielt sich dieses Jahr in Grenzen. Für manche Aussies ist es einfach immer noch Weihnachtstradition die Nacht auf dem Bürgersteig vor einem geschlossenen Geschäft zu verbringen. Naja – vielleicht wollen sie unbedingt einmal ins Fernsehen, vielleicht glauben sie wirklich ein Schnäppchen zu ergattern. Mir ja egal, um 5 Uhr morgens drehe ich mich noch mal auf die andere Seite und schlafe mindestens noch drei weitere Stunden.

Wenn jahrzehntelang ein Volk dermaßen preislich über den Tisch gezogen wird, dann nehme ich einem Volk nicht übel endlich das Konsumenten-Weite zu suchen. Auch hier verdient niemand sein Geld im Schlaf und nachdem man jahrelang auf “Made in Australia” getrimmt wurde, sich jetzt aber (mal wieder) herausgestellt hat, dass dieses Label auch dann gilt, wenn Zutaten gar nicht aus Australien kommen, Waren ins Ausland verschifft werden, dort ein- oder umgepackt werden, um nach Australien re-importiert zu werden, dann scheiße ich persönlich auf die heimische Industrie und entscheide mich demnächst wieder nach Preis für eine Ware im Supermarkt.

Vor allem auch, weil unser Dick (Dick Smith – proudly Australian – mittlerweile Firma verkauft) – zwar immer auf die Aussie-Drüse gedrückt hat, jetzt aber herausgekommen ist, dass dieser u. a. Elektronikhändler – gebrauchte Ware als Neuware verkauft hat. Und wie ist das herausgekommen? Ein Filmproduzent hatte eine externe Festplatte gekauft und dort einige Filme gespeichert vorgefunden. Nebenbei hat dieses nicht als second hand deklarierte Produkt seinen Laptop, den er für ein Filmprojekt benutzt (und nie damit im Internet gewesen war) auch noch lahmgelegt. Offensichtlich ist diese Praxis auch bei anderen Firmen nicht unüblich – so kann es sein, dass jemand ein Produkt einfach wieder umtauscht und schwupp wird es neu verpackt und als neu verkauft. Normalerweise werden diese Produkte überprüft, scheinbar hat das Prüfungsverfahren dieses Mal aber versagt. Gut so. Jetzt wissen wir alle, wie man als Konsument verarscht wird. Was mich angeht, wenn neu drauf steht, will ich auch neu, besonders wenn ich zwar mit alten Scheinen, aber vollem Wert bezahlen soll.

Unverschämtheit. Meinetwegen können sie alle pleite gehen.

Ach ja … war ich heute im Einkaufszentrum, weil ich a) dringend aus dem Haus musste und b) Geld zu verbraten hatte – und habe einen Badeanzug anprobiert. Normalerweise trage ich Badeshorts mit passendem Oberteil, wollte aber endlich mal seit Jahren nur fürs Schwimmbad einen Badeanzug. Gefunden, auf dem Weg zur Umkleidekabine noch ein Negligé gesehen – 130 $, welch Zufall, haben die nen Arsch offen für so wenig Stoff? – Badeanzug anprobiert, saß oben nicht so doll … mmmh … keine Verkäuferin weit und breit, wo die sonst nach dreißig Sekunden in der Umkleidekabine fragen: Everything all right? Nö. Ich mich also wieder komplett angezogen, Badeanzug wurde mir auf halben Weg zur “Stange” abgenommen, die Türen waren schon geschlossen. Aha! Daher wehte der Wind, die wollten Feierabend haben. Jetzt habe ich zwar keinen neuen Badeanzug, der Inhaber aber auch nicht meine 130 $ für das schöne Stück.

So macht man keine Geschäfte mit mir. Oder anderen Leuten.

Streiche ich noch ein wenig durch die Geschäfte – unmöglich hässliche Mode, unmögliche Farben. Könnt ihr alle behalten, ist mir scheißpiep ob 40 % reduziert oder hinterher geworfen. War ich im Elektronikladen, weil ich ein Ladegerät für meinen Sony E-Reader kaufen wollte, nö, die hatten nur einen hässlichen Kindle – können sie auch behalten und sowieso kein Verkäufer weit und breit.

Megakohle einfahren wollen, aber kaum etwas dafür tun.

So laufe ich weiterhin in Sack und Asche herum – mein Geld schmiegt sich immer noch an die Portemonnaiewand und ich erfreue mich an dem Anblick.