Colin an Jupiter

The further we slip into this rabbit hole the harder we look for a new place to go.

So. Das wäre gesagt und hat nichts mit dem zu tun was jetzt folgt – musste aber raus.

Jetzt zu Othello. Die Tage habe ich mir eine dreistündige Aufführung des Shakespeare’s  Globe Theatre London auf DVD gemütlich auf dem Sofa angesehen. Hatte genug von ewigen Krimis und was kriege ich zu sehen? Einen Krimi: Üble Intrige, übler Eifersuchtsanfall, drei Morde und ein Selbstmord. Mach das mal nach!

Performed for the first time at Shakespeare’s Globe Theatre, with its racing concentrated plot and intense dramatic detail, Othello is one of Shakespeare’s most exciting, atmospheric and heartbreaking plays. This is a tale of uncontrollable jealousy, deception and murder driven by one of theatre’s greatest villains. Frech vom DVD Text geklaut.

Hast du das nicht vorher gewusst, madam? Doch. Hat dir die alte Sprache nix ausgemacht? Doch, die erste halbe Stunde, dann hatte sich mein feines deutsches Öhrchen dran gewöhnt. Und John? Hat fluchtartig den Raum verlassen. “Bleib hier. Thou shalt not be ignorant, als Muttersprachler musst du vielleicht was für mich übersetzen!” “Versteh kein Wort, geh jetzt Squash spielen.” “Thou shalt clean my car boot thou hath mess-ed up!”

And off he goes und mein Kofferraum ist noch voller kleiner Gipsbröckelchen – mmh.

Grad sehe ich aus dem Fenster und starre auf den neuen ähm Funkturm (?) meiner Nachbarn Colin und Sue. Der ist bestimmt zehn Meter hoch – der Turm – und ich bin davon überzeugt, dass Colin damit mit Outer Space kommuniziert. An seinem fetten Range Rover hat er jetzt auch eine noch längere Antenne, als vorher, die schwenkt affig beim fahren hin und her. What the ….? Ich bin schrecklich neugierig. Wozu braucht er so einen Turm in einer Wohngegend und hat der überhaupt eine Genehmigung dafür? Wieso kann der Mensch nicht zum Telefon greifen wie jeder Normalbürger und was genau hat das mit seinem Job zu tun? Kriegen wir jetzt etwa alle Funk-Krebs? Fragen über Fragen …

Und weil das so ein langweiliges Foto ist, hier noch something orange von heute …

Mythbusterei

In Australien schein immer die Sonne. Auch nachts. In Australien ist es immer heiß. Auch nachts.

Genau!

Was man auf dem Foto nicht sehen kann, sind meine sich selbst freilaufen lassenden Hasen, die im Rettungsboot an der Veranda vorbei paddeln.

Die Australier sind total freundlich.

Genau!

Besonders auf Schulparkplätzen, wenn sie mit hausgroßen Autos angerollt kommen und wegen der Größe ihrer Autos eingebautes Drängeln mit Scheuklappenblick haben und ihre Kinder als Learner fahren lassen und ihnen entzückende Beispiele fürs Leben sind. Fick dich selbst!

Die Schuluniformen sind eine tolle Sache und kosten weniger, als Zivilkleidung.

Genau!

Eine dünne (Regen)jacke in Schulfarben mit Schulemblem für 86.50 $. Come again?

Samstagabend beim Mexikaner. Essen für drei Personen mit Getränken: 60 $

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul

Ich wäre ja nicht ich, wenn ich nicht ein wenig widersprechen würde und zunächst ein typisch Deutsches: “Doch”, vom Stapel lasse. Oder: “Doch. Tut man wohl.” Oder nur ich und alle anderen sind so schlau und schweigen in der Öffentlichkeit. Vielleicht, um nicht als undankbar zu gelten, oder als ewige Nörgler, denen man nie was Recht machen kann. Nun denn erzähle ich kurz vom Hüttenwochenende am Meer …

Klingt gut, so eine kostenlose Unterkunft und dann noch am Meer. Ein Nachteil für mich als Frau, wenn ich auch nur für zwei Tage packen muss, sind all die Pflegemittel und Make-up Produkte, die ein Mann überhaupt nicht besitzt, einpacken zu müssen und die Menge bleibt immer gleich. Ob ich zwei Nächte wegfahre oder drei Wochen – tut sich nix. Nervt mich aber. Dann die Kleidung für alle Eventualitäten – zwar nichts umwerfend Tolles, eher was Praktisches, aber man kennt auch das … Wetter am Meer und besonders im Herbst ist ein wenig unberechenbar, zwar hatten wir warme und sonnige Tage, aber am Abend kühlt es dann schnell ab. Ich hasse frieren! Nicht zu vergessen diverse Vitaminprodukte auf Anraten meiner Ärztin und meine einzig richtigen Tabletten, die auch noch im Kühlschrank aufbewahrt werden müssen. Wenn ich die so oft ungekühlt hin- und herschleppe, frage ich mich auch, ob die überhaupt noch eine Wirkung haben.

Wir sind nach Lakes Entrance (auf der Seite gibt es auch ein Promovideo von der Gegend) gefahren. Drei Stunden von uns entfernt, waren wir früher auch wenigstens 2x, hätte ich nicht unbedingt wieder hinfahren müssen, aber meine Schwiegermutter und ihr Mann haben diese Cabin auf einem Campingplatz gekauft. Zwei Schlafzimmer, Bad, Küche, Wohnraum, niedliche Veranda. Wenn wir innerhalb Australiens wegfahren, bleiben wir entweder in einem Motel oder in einer Cabin auf einem Campingplatz. Preislich tut sich da kaum etwas, schon mal gar nicht während der Ferienzeit. Beides ist unglaublich teuer pro Nacht (für das, was es ist: Selbstversorgung und die Motelzimmer sehen auch irgendwie alle gleich aus).

Den Strand erreicht man nur über eine lange Brücke, was im Hochsommer sicherlich lästig ist, wenn man Stunden am Strand verbringen möchte und einige Sachen mitnehmen muss, aber an diesem Wochenende hat es mich nicht gestört, wollte ich ohnehin mehr Bewegung. Der Strand ist wirklich schön – ob du links oder rechts guckst, du siehst nichts anderes als Strand und Dünen. Jaime hatte seinen Freund Ben mitgenommen, die beiden sind tatsächlich ins Wasser gegangen, ich habe gar keine Badesachen mitgenommen. Ich sagte ja bereits, dass ich frieren hasse wie die Pest. Und steh da mal klatschnass im Wind!

Selbstverständlich habe ich mir vorgestellt, wie ich mich demnächst dort alleine zum Schreiben zurückziehen werde, im Winter am Kaminfeuer, dessen Schein mich jünger, schöner und sogar erfolgreich aussehen lässt – wenn nicht gar mysteriös, die letzten Sätze eines Kapitels schreibe (ist gar kein Kamin vorhanden), sich ein gesundes und herzhaftes Sandwich zum Lunch auf wundersame Weise auf einem Teller mit ästhetisch angerichteter Garnierung, materialisiert und ich mich überhaupt nicht Frage, ob das Gemüse auch wohl gut abgespült worden ist, bevor ich es zum Mund führe. Mein Surfyhaar liegt abends wunderbar. Ich binde mir ein Hippietuch farblich passend zu meiner Augenfarbe und dem Sweatshirt (ich besitze nicht ein einziges Sweatshirt oder Hippietuch) ins Haar und nippe tief in Gedanken versunken in einem urgemütlichem Restaurant mit Meeresblick an einem Glas Rotwein und knabbere mich durch einen Berg Meeresfrüchte, die ich geschickt aus diversen Schalen pule und mich vor gar nix ekel. Zum krönenden Abschluss des Tages sitze ich nach Sonnenuntergang bei Kerzenschein auf der rustikalen Veranda, höre das Meeresrauschen und rauche einen Joint. Oder trinke ein Glas besten Whisky. Auf keinen Fall schnöden Tee, heißen Kakao und grünen Tee schon mal gar nicht. Den können die Chinesen behalten! Selbstverständlich habe ich kurz darauf die besten Ideen seit Autorengedenken und tippe bis zur Erschöpfung und zum Morgengrauen, den ich mit Yogaübungen begrüße. Schlaf brauche ich nicht.

Yeah. Right!

… to be continued …

Verpflichtungen

habe ich seit Montag keine, Jaime ist im Schulcamp, wir waren gestern zum Lunch im Irish Pub, heute im Pfannekuchenhaus, die Sonne scheint, es muss nicht gekocht werden und aufgeräumt auch nicht.

Da kann man nachmittags gemütlich auf der Liege liegen, die letzten Sonnenstrahlen erhaschen bei windigen 27 Grad im Halbschatten. Nur das vertrocknete Herbstlaub wirbelt im Garten herum und will so gar nicht zur Temperatur passen. Über mir bereits leicht kahle Äste vom einzigen Laubbaum im Garten. Alt, hier und da mal ein abgestorbener Ast. Mir wird doch wohl keiner auf den Kopf fallen?

Beide Hasen lümmeln durch den Garten, der Weiße ist so viel größer, als Bugsy Melone und hat ein Doppelkinn. Wochen saß er brav im Gehege, nur Bugsy machte es sich im Garten bequem, fraß auch schon mal vertrocknetes Laub. Nun denn, das Futter schleppe ich ihnen nicht hinterher, das stelle ich brav ins Gehege, ich esse schließlich auch manierlich am Tisch – vielleicht mal auf dem Sofa. Müssen sie sich den Weg ins Gehege suchen, wer raus kommt, kann auch wieder reinkommen. So niedlich es ist, wenn sie im Garten liegen, die Beine dabei ausgestreckt wie man es vom Cartooncharakter Bugs Bunny kennt, so nervig ist es, dass man das Tor zur Auffahrt immer schließen muss, wenn man auch nur für fünf Minuten mit dem Auto wegfährt.

Morgen werde ich wohl meine tank tops im Schrank lassen müssen – man kennt das hier ja mit den wechselhaften Temperaturen. Wenn die Temperatur in einer Stunde weiter gesunken ist, hüpfe ich aufs Laufband – kann ja auch nicht schaden. Andererseits müsste ich bis Ende der Woche draufbleiben, wollte ich wirklich mal abnehmen. Spaß macht es trotzdem draußen auf dem Laufband zu laufen und über iPod laute Musik dabei zu hören. Besonders, wenn der Wind dir dabei sanft über die nackten Arme streicht und man seinen inneren Schweinehund überwunden hat.

Komplett zugesabbelt

und das, wo ich etwas über … über … verdammt noch mal, was war noch mal das Thema über das ich schreiben wollte? Komme gerade vom einkaufen – Kühlschrank hat gestern ja nichts hergegeben und erwische eine mitteilungsbedürftige junge Kassiererin, die gerade erst aus dem ländlichen Gebiet (keine Arbeit dort) in unsere Gegend gezogen ist. Sie wird mal Sozialarbeiterin werden, wenn sie alle Kurse absolviert hat, hat einen riesigen Hundemischling Zuhause bei den Eltern, die gerade 11 Hundewelpen bekommen hat und den weißen mit dem schwarzen Fleck über dem blauen Auge wird sie behalten und was freut sie sich aufs Wochenende, wenn sie ihn endlich sehen kann und der alte Hund von den Eltern hat ein riesiges Geschwür an der Brust, eine Operation würde der Hund nicht überleben und sie wird auch Tätowiererin und übt schon und mit den Linien hat sie noch Schwierigkeiten und ihr Bruder ist auch Tätowierer und man übt an Schweinehaut und man muss so und so viel Schweinehäute tätowieren, bis man dies und jenes darf und … und … auch … freuen … blablabla und das alles in einem Tempo, dass mir 20 Minuten nach dem auspacken meines Einkaufs immer noch schwindelig ist.

Ist es da ein Wunder, dass ich mein Thema vergessen habe? Hat mich das jetzt sonderlich gestört, dass sie so gesabbelt hat? Ach nö im Grunde gar nicht mal. War nicht viel los im Supermarkt und mir ist immer schon aufgefallen, dass manche jungen Leute einfach schnäbbeln, wenn sie gerade neu sind oder sich etwas tolles in ihrem Leben ereignet hat, so wie das Mädel, dass uns mal erzählte, sie hätte sich gerade von ihren Ersparnissen ein Pferd gekauft und das sieht so und so aus und reitet sich ganz prima und frisst blablabla …. immer schon … dafür arbeite ich hier …. 134,23 $, wiehert zur Begrüßung und ist das check, savings or credit (beim durchziehen der Plastikkarte) and have a nice day.

Jetzt habe ich sämtliche unds für den Rest der Woche verbraucht.

Bei Ebay bin ich als Käuferin mit einem blauen Stern bedacht worden. Nach zehn Jahren sporadisch was kaufen habe ich jetzt so und so viel Feedbacksterne, was ebay eine extra Email wert war.  Goldmünzen *klingklingkling wären mir lieber gewesen, da ich mir bei der Nachricht eh schon vorkam wie im Super Mario Spiel.

Fremdgeküsst

Dass ich das noch erleben darf – geküsst zu werden von einem völlig Fremden. Auf die Wange, um gleich die aufkommende Empörung meiner Leser im Keim zu ersticken, die wissen, dass ich seit 94 Jahren verheiratet bin, von knackigen Männern mit durchtrainiertem Oberkörper träume, was ja immer noch besser ist, als nach einem Sahnetortenstück zu lechzen. Warum muss ich mich auch zwingend von Männern unterscheiden?

Ich guck manchmal Männer, na und?

Hatte ich an diesem Abend aber gar nicht. Ich sitze alleine in einer outdoor-smoking area in einem atmosphärischem Pub in Richmond, hinter mir die Herrentoiletten. Kommt ein Mann nach dem zweiten Mal pinkeln zu mir auf die Bank und macht smalltalk. Nett, nicht aufdringlich. Kurz darauf kommt ein Bekannter von ihm auf uns zu, fragt ihn wie es ihm geht, streckt mir seine Hand entgegen, sagt: “How you doing?” und küsst mich zur Begrüßung auf die Wange. Was ich deshalb witzig fand, weil er scheinbar dachte, ich gehöre zu seinem Bekannten.

Friendly bunch of people these Aussies – even when slightly pissed.

Quark mit Soße mehrfach gequirlt

schmeckt nicht besser, als simpel gerührt oder geschüttelt. Wer seinen Verstand nicht im Hintern sitzen hat, der weiß ja längst, dass mehrfach gequirlte – also wiederholte Behauptungen in verschiedenen Medien nicht deshalb wahr werden, weil sie häufig wiederholt werden, viele Leute empfehlen, als Link setzen oder neu verpacken. Und wer das noch nicht wusste, der weiß es jetzt. Oft gekaut bleibt bei mir meist unverdaut und trägt zur Wahrheitsfindung nix bei.

Genauso wenig wird Daniel Craig plötzlich schön, nur weil er im ersten James Bond Film im Badehöschen und trainiertem Oberkörper im Gegenlicht gefilmt worden ist, als er aus dem Meer stieg, Wasser von seinem trainiertem Oberkörper perlte und meine Finger nervös zuckten. Merkste? Hab ich schon mal als Beispiel gebracht, ist also was hängen geblieben – allerdings brauchte ich dafür nur einen (1) Film. Eine unterschwellige Botschaft: Mehr Filme mit Daniel Craig gucken! wird freiwillig nicht ignoriert, weil mir das meine eigenen zuckenden Finger sagen.

Werbung ist ein gutes Beispiel für zermürbendes Wiederkäuen. Oft schalte ich ab, auch online, ich mag keine Botschaften shoved down my throat. Werde ich trotzig wie ein kleines Kind. Brauch ich nicht, will ich nicht, glaub ich schon mal gar nicht, wird auch nicht besser, wenn ich (täglich) erinnert werde. Einer unserer Fernsehsender blendet bei Wiederholungen neuerdings das Wort encore (Zugabe) ein. Da fühlt man sich doch gleich wie im Konzertsaal und gar nicht veräppelt. Neue Verpackung mit altem Inhalt. Wer sich das ausgedacht hat, hat Kommunikation studiert.

Wenn mir bei den Amazonen zu einer Inhaltsangabe eines Buchs 23 blurbs aufs Auge gedrückt werden und ich Mühe habe überhaupt eine Inhaltsangabe zu finden bei der ganzen Scrollerei, dann habe ich schon keine Lust mehr, das Buch überhaupt näher zu betrachten. Mich interessiert nicht die Bohne, was für Zeitungen oder Fernsehen arbeitende alte Frauen und noch ältere Männer zum Buch zu sagen haben. Zu viel gepushed und ich bin weg. So geht es mir aber auch grundsätzlich mit gebetsmühlenartiger (Eigen)werbung für mittelmäßige Produkte. Im Englischen nennt man das BLP – blatant self-promotion.

Munter bleiben!