Im Meer der Eitelkeiten

könnte der nächste Thursday Next Roman von Jasper Fjorde heißen, denn eins hat der Mann ja richtig gut drauf – den Literaturbetrieb aufs satirische Korn zu nehmen.

Ich finde leider im Moment wenig Perlen, die sich nicht häufig selbst beweihräuchern, weswegen das Surfen gar keinen Spaß mehr macht. Ich schwimme jetzt mal ans Ufer, da bleibe ich und ruhe mich aus. Vielleicht lerne ich irgendwann das Schwimmen im Meer der Eitelkeiten, vielleicht paddel ich lieber auf einem ruhigen See. Wüsten sollen aber auch sehr schön sein.

Eilmeldung ++++ Erdnussplantage zerstört +++ Täter auf der Flucht

Fassungslos steht Erdnussplantagenbesitzerin R.C.N. (Name v. d. Redaktion geändert) am Tatort und blickt auf das Ausmaß der Zerstörung. Dass geplante Nussimperium, in das sie ihre gesamten Ersparnisse investiert hat und ihr in zehn Jahren ermöglichen sollte frühzeitig und wohlhabend in den Vorruhestand zu gehen, ist an einem einzigen Tag zunichte gemacht worden (Bild1).

Sicherheitsspezialistin Ellie Pirelli, die seit 15 Jahren für das Unternehmen tätig ist, wurde von Kamera 1 beim Dösen während der Arbeitszeit gefilmt (Bild 2) und fristlos entlassen. Auf unsere Frage, ob das nicht Altersdiskriminierung sei und Ellie Pirelli möglicherweise Klage beim Arbeitsgericht einreichen wird, antwortete Plantagenbesitzerin R.C.N.: “Das ist hier weder ein Altersheim, noch ein Selbstbedienungsladen!! Plantagen müssen 24/7 bewacht werden, das steht eindeutig in Frau Pirellis Arbeitsvertrag. Vögel, Possums, Schnecken, Raupen, Läuse, Würmer fressen sich durch meinen Besitz. Papageien, Kakadus, das ganze Gesocks fliegt kreischend über die Farm – kreeechkreeechkreeech – und lässt sich in Schwärmen in den Obstbäumen nieder. Den ganzen Tag lang geht das so. Ich hör das noch im Schlaf!”

“Kreeechkreech”, kommt es noch einmal aus dem Mund der Plantagenbesitzerin.

Sicherheitskamera 3 ist es gelungen den Täter auf der Flucht übers Anwesen zu fotografieren (Bild 3). Es ist der gefürchtete Bugsy Melone – hier in grau-brauner Verkleidung, der schon früher das Anwesen heimgesucht hat. Bugsy tritt in der Öffentlichkeit charmant und auf leisen Pfoten auf, die Polizei warnt jedoch davor, dass Bugsy scharfzahnig bewaffnet ist.

Der Schutz (Bild 4) der Plantage könnte zu spät kommen, Besitzerin R.C.N. hat die Hoffnung jedoch noch nicht gänzlich aufgegeben in 18 Monaten eine Erdnuss zu ernten. Gerüchte, dass sie den Assassinator – Urban-Nerfgunspezialist J.L. (Satellitenfoto urban-warfare-jungle-camp Bild 5) – kontaktiert hat, will R.C.N. nicht bestätigen.

Wide Canvas Country

Broken Hill Australia – No artificial additives (keine künstlichen Zusatzstoffe)- heißt es in einer der schönen Broschüren und leicht verschämt rechts unten das Logo der australischen Regierung mit dem Zusatz: An Australian Government Initiative. Dass Broken Hill immer wieder als Künstlerhochburg erwähnt wird (neben der Minenfunktion) rechtfertigt die Canvas (Leinwand) Erwähnung, in der Tat finde ich das sehr clever.
Irgendwo soll ich später auch im Nirgendwo ein anderes Schild sehen: Die größte Leinwand mmmh war es der Welt oder war es doch nur Australien – was für manche sicher gleichbedeutend ist … es ist nicht ganz so wichtig. Nichts ist so wichtig, wenn du da draußen bist, wie es Zuhause wichtig wäre. Als würde die Zeit still stehen und wenn sie das nicht tut, dann vergeht sie langsamer, als gewohnt. Es kann einem durchaus der Gedanke kommen, sie ginge rückwärts, aber das ist ein Irrtum.

Die ausgedruckte Google Map und mein Mann auf der Rückbank lotsen mich am Rande von Broken Hill durch leere, weite Straßen, es geht eine steile Anhöhe hinauf, kurz danach sind wir an unserem Motel, das eine ehemalige Familienresidenz, später eine Arztpraxis war. Irgendwann Mitte 18 Hundert noch wat erbaut und der Anblick stimmt mich – wenn nicht direkt fröhlich – so doch gnädig. Ich liebe alte Häuser. Ich liebe Giebel und Verzierungen und die Geschichte von Häusern. Leider ist unser Familienzimmer im Haus und hat keinen direkten Zugang zur Veranda. Was mich deswegen etwas stört, weil man sich nur auf ein Zimmer beschränkt fühlt – was man ja auch ist – ohne mal eben draußen einen Kaffee am frühen Morgen in Schlafanzughose zu trinken oder am Abend noch die laue Luft genießen kann – jedenfalls nicht halb ausgezogen. Der Holzfußboden sieht original aus, aber sicher bei der Renovierung poliert. Im Gang liegt ein bunter Läufer – ein Perser wird’s nicht gerade sein – an der Decke hängen zwei überhaupt nicht kitschige Kristalllüster. Das Türschloss ist sehr hoch angebracht, die Türklinke auch – typisch alt, wobei ich mich immer frage, warum sie so hoch angebracht worden sind, wenn die Menschen doch im Schnitt viel kleiner waren, als heute. Das Zimmer ist liebevoll eingerichtet – einer Lodge eher angemessen, als einem Motel, unser Bett ist groß und hoch – man muss beinahe hinauf kriechen. Zwei Einzelbetten – auf eines laden wir unser gesamtes Gepäck ab. Der Deckenventilator ist auf alt getrimmt – Lampen hat er auch – nur die Sparglühlampen darin stören das yesterday Gefühl. Die stuckverzierte hohe Decke reißt mich von den Sparlampen los – mintgrün ist sie – der ehemalige Kamin als Einbauschränkchen umfunktioniert – aaah da steckt das Bügeleisen – nicht das ich den Drang verspüre zu bügeln. Die Küchenzeile mit Mikrowelle, sogar ein coffee plunger, da kann ich meinen albernen Filter gleich im Koffer lassen. Ich kann zur Not ein warmes Frühstück einnehmen, ich kann zur Not auf Frühstück verzichten. Was ich nicht kann, ist Instantkaffee trinken, der mit Tee- und Zuckerbeutel in Motels samt Wasserkocher umsonst angeboten wird. Den letzten Instantkaffee habe ich auf einem rural trip vor sieben Jahren an einer schäbigen Bude getrunken – als Cappuccino verkleidet. Einfach aufgeschäumte Milch drauf – schon wird Stroh zu Gold. Den Geschmack habe ich heute noch auf der Zunge.

Ich komme später mit der Lodgelady ins Gespräch – auf der Veranda – ich kann ihr Alter nicht schätzen. Sie ist entweder wirklich wesentlich älter, als ich – irgendwo im Rentenalter – oder hat gut gelebt. Die Stimme so tief, wie ihre Falten, ihr Rock so lang wie ihre Haare. Sie erzählt mir, dass sie als 8-Jährige mit ihren Eltern nach Neuseeland gezogen ist und vor sechs Jahren mit ihrem Sohn zurück nach Australien gegangen ist. Sie war stellvertretende Rektorin an einer Schule – was sie mir am zweiten Tag erzählt. Natürlich fragt auch sie mich, woher ich komme und so kommen wir ins Gespräch übers Reisen. Sie ist nach der Rückkehr an mehreren Orten ins Australien gewesen, hat festgestellt, dass sie sich niemals ein Haus in Sydney leisten kann und hat ihren erwachsenen Sohn und dessen Kind geschnappt und ist drei Wochen lang durch Europa gereist – inkl. Deutschland. Was ich viel lieber tun würde, als dieses Familienprojekt (sie haben die Lodge mit mehreren Familienmitgliedern zusammen gekauft) – ist reisen, sagt sie irgendwann. Ich auch. I-C-H A-U-C-H. Die Frau ist mir sympathisch. Und da haben wir es wieder, das typisch australische Phänomen, dass nichts so ist, wie es zu sein scheint. Menschen, die im eigenen Land herumziehen, für kurze oder längere Zeit sesshaft werden – das ist typisch für dieses Land.

Wir machen uns zu Fuß zur Hauptstraße auf, das lange autofahren rechtfertigt einen Spaziergang. Sehr weit ist es nicht, sehr heiß auch nicht. Angenehm warm. Broken Hill ist eine ehemalige booming miningtown und so lesen sich auch die Straßennamen im Ortskern … Chlor, Schwefel, Kobalt, Wolfram, Silber, Kristall … unterwegs sehe ich mindestens zwei historische Pubgebäude – hier grundsätzlich Hotel genannt (don’t ask) – die geschlossen wirken. So gar nicht einladend, kein Schild vor der Tür, alle Fenster geschlossen – vielleicht sind sie wirklich mittags geschlossen – vielleicht einfach dicht oder als Hotel – das, was wir darunter verstehen, umfunktioniert, so wie der (das?) alte Pub gegenüber unseres Domizils. Für uns gestaltet sich Essen gehen immer etwas schwierig, besonders, wenn es sich um einen schnellen Lunch handelt – mein Mann muss glutenfrei leben, das Kind mag nur zwei Lebensmittel und Madam möchte weder Pommes ohne wat, noch ein überteuerten Cafelunch. Ein richtiges Restaurant muss also her und wir finden uns an der Ecke einer Kreuzung wieder. Die großen Pferde wiehern ungeduldig an der roten Ampel, eins stößt eine stinkige schwarze Wolke aus. Aber irgendwie reiten fahren alle gemütlich. Die Bürgersteige sind doppelt so hoch wie normal – in früheren Zeiten war die Hauptstraße bei längeren Regenfällen gerne mal überflutet. Was sie natürlich immer noch sein wird, nur kann man wenigstens trockenen Fußes auf dem Bürgersteig flanieren. Schwer vorzustellen in dieser rual community, das es auch mal regnet. Auch typisch für Australien sind die mangelnden Abflüsse – das viele Regenwasser kann nicht abfließen und staut sich in den Straßen – Melbourne kann ein Lied davon singen.

Es dauert eine halbe Stunde, bis wir unser Essen bekommen – okay drinnen sitzen ein paar Gäste – draußen weniger, eine halbe Stunde kommt mir eher länger hier in der Ödnis vor oder ich habe erst nach zehn Minuten warten auf die Turmuhr am Ende der Hauptstraße gesehen. Ich habe mir Spinat-Ricotta-Canelloni bestellt, Pommes können sie eigentlich behalten, aber hier geht nix ohne Kartoffelgold. Das Gericht kommt auf einem rechteckigen geschwungenem Teller mit Salatbeilage – es sieht appetitlich aus, es schmeckt ausgezeichnet – nur ist es schwierig das Essen beim essen nicht vom Teller zu schaufeln. So esse ich geziert, auch wenn mein Magen mir etwas anderes vorschreibt. Lächeln darf ich jetzt nicht – der Spinat! Jaime isst nur die Pommes, nicht das Hühnerschnitzel und obwohl ich satt bin, kann ich es nicht ausstehen so viel Essen zu verschwenden – schließlich steht unser Hund als Resteverwerter nicht zur Verfügung. Ich säbel quer über dem Tisch am Schnitzel herum, quetsche rein, was geht und muss mehr als die Hälfte zurücklassen. Wenn man, so wie wir, spontan auf Reisen geht, muss man essen, was man kriegen kann, was wiederum idealer Weise fünf Tage den Magen füllt – bei den Preisen. Oder es liegt mit daran, dass wir für drei Personen bezahlen müssen – so oder so – es ist nicht billig.

Wir laden unseren Sohn in der Lodge ab – freies Wi-Fi – und fahren durch die Straßen. Zufällig kommen wir an der Pro Hart Galerie (Fotogalerie von neulich) vorbei. Ich gehe nicht hinein, kann mir Pro Hart Preise eh nicht leisten und schieße aus dem Autofenster heraus das Foto. Im vorbeifahren sehe ich drei Luxusautos, zwei davon Rolls Royce, einer bunt bemalt – ein Pro Hart Markenzeichen  – in der Galerieeinfahrt. Wir fahren ein Stück ins Outback, sehen Emus, Kängurus, Pferde – die zwar keine Wildpferde sind – aber in der uneingezäunten Prärie grasen. Das Schild mit der Trophäenunterhose – links vom Trek und rechts vom ausgetrocknetem Flussbett kommt ins Blickfeld – ich habe Lust in dieser wunderschönen Landschaft, in dieser Wärme und Einöde im Auto zu tun, was unsere Vorbesucher scheinbar unter Alkoholeinfluss getan haben. Ich weiß nicht, wie einsam der Trek wirklich ist … oder ich bin zu lange Mutter, statt Frau (was sollen wir morgen bloß essen?) oder verdammt verwöhnt und bequem. Mein Mann kann keine Gedanken lesen – vermutlich auch zu lange Vater. Die untergehende Sonne färbt Wolken und Himmel rosarot.

To be continued …

Weite Stille, stille Weite

Knappe 1900 km in fünf Tagen gefahren, statt wie ursprünglich geplant ein paar Tage ans Meer. In einem kleinen, alten Wohnwagen umsonst zu übernachten war für uns schon nicht der Kracher (umsonst schon, klein nicht), die Wettervorhersage hatte uns die Entscheidung dann zum Glück abgenommen. Regen und knappe 21 Grad und das im Sommer? Nö. Wären wir in dieser Enge zum Kindermörder geworden oder hätten uns hinterher scheiden lassen. „Broken Hill“, habe ich also gesagt. „Outback“, hinzugefügt, just in case he doesn’t know his country. “I always wanted to go there and see Silverton.” “Outback it is”, meinte mein Mann und fuhr den Hund noch am Abend eine Stunde lang zu seiner Schwester, während ich uns Motels gebucht habe. Am nächsten Morgen einige Sachen in den Koffer geworfen, Hasenfütterer organisiert und off we went.

Um die fünf Stunden Fahrt nach Mildura (Inland Victoria, Richtung NSW Grenze, Wein-, Obst- und Gemüseanbaugebiet), dort zwei Übernachtungen gebucht, weil klar war (wir waren schon mindestens 2x vorher dort), dass es dort noch einiges an Unterhaltung für Jaime geben würde. Mildura ist eine absolut geplante Stadt mit weiten Schachbrettmusterstraßen, am Murray River.

Das Motelzimmer war wie alle Motelzimmer – irgendwie grad genug, man will ja nicht auf Dauer einziehen. Keine Mikrowelle, aber der übliche Wasserkocher, bescheidene Anzahl an Tassen, freies Wi-Fi, Flachbildschirm und ein eingesprühter Teppich, der die Nase zwischendurch laufen ließ und/oder uns Niesanfälle bescherte. Das Zimmer direkt am Pool, schade nur, dass der nicht geheizt war. Absolutes Highlight waren natürlich die Sanddünen in Wenthworth – dieses Örtchen liegt gleich hinter der Grenze zu New South Wales und sieht noch genau so aus, wie vor sieben Jahren. Wie man in der Fotogalerie sehen kann, ist der Knastbesuch dort unglaublich deprimierend gewesen, wenngleich ich historische Gebäude liebe. Der Baum, mit den abgesägten Ästen – weil er zu dicht an der Gefängnismauer steht – sagt eigentlich alles, was man über den Aufenthalt dort wissen muss. Man kann nur ahnen, wie grausam die Menschen in der Hitze in den Zellen zusammengepfercht worden sind – auf hauchdünnen Matten auf dem Boden geschlafen haben – für irgendwelche Vergehen ausgepeitscht oder an den Stein im Innenhof unter sengender Sonne am Hals angekettet worden sind. Nix wie weg! Aber vorher noch das Mördermagazin kaufen, das muss sein.

Weiter geht’s. Die erste Raststätte, die wir nach 1.5 Stunden ansteuern, hat ein Blechtoilettenhäuschen. Ein Blick hinein, die Toilette ist viel zu hoch angebracht – nee danke – im Stehen ging‘s grad noch, doch dafür fehlt mir etwas Entscheidenes, ich verzichte. Die Frau, die mit ihrem Mann auch dort angehalten hat, benutzt sie scheinbar – später soll ich sie wiedersehen, obwohl ich sie in ihrem Kleinwagen überhole, sie kurz darauf nicht mehr im Rückspiegel sehe. Wir fahren ohne Klimaanlage, mindestens zwei Fenster sind geöffnet, der warme Wind rauscht durchs Auto, mein Haar ist per Haarband gesichert, sonst würde mir eine Haarsträhne glatt das Auge auspeitschen. Mir geht das deutsche Zug-Gejammer (es ziiiieht, mach mal das Fenster zu völlig ab). Das Leben ist warm, das Leben ist weit und es ist vor allem unglaublich entspannend dort draußen zu sein und an nichts zu denken, als das Auto zu lenken und selbst das funktioniert auf Autopilot. Schon erstaunlich, was das Hirn alles so gleichzeitig leisten kann und Hunger meldet es auch. „Gib mal Chips!”, nur um kurz danach zu sagen: „Gib mal Wasserflasche.“ „Jetzt gib mal Lippenbalsam!“

Irgendwann kommt die einzige Outbacktankstelle in Sicht, 25 $ Maximum und das per Barzahlung, mehr Sprit wird nicht pro Auto ausgegeben. Wirklich brauchen würden wir den nicht für die letzen knappen zwei Stunden, aber Jaime besteht drauf, er hat Angst, dass wir in der Öde mit leerem Tank liegen bleiben. Was auf keinen Fall fatal wäre, nur ärgerlich. Die Strecke ist nicht überlaufen, aber es fahren regelmäßig Autos und Trucks, ich fahre ab der Tankstelle weiter, habe zuvor der Frau von der anderen Raststätte den Toilettenschlüssel gereicht, weil, was soll man sagen, wenn dir jemand sagt und gleichzeitig die Hand ausstreckt: I‘ll take that, luv und man eigentlich weiß, dass der Tankwart total angepisst ist, wenn die nix kaufen. Hängt ja ein Schild dort: Nix kaufen, nix Toilettenbenutzung. Klar steuert er direkt auf mich zu, als ich ins Auto steigen will und fragt mich nach dem gehüteten Schatz … ehm Schlüssel.

Ich genieße nicht nur die Geschwindigkeitsbegrenzung von 110 km/h frech zu überschreiten, sondern vor allem, kein Auto vor oder hinter mir zu haben. Das ist ein Gefühl von Weite. Hin und wieder taucht eine Einfahrt zu einer Farm auf, die man von der Straße aus nicht sieht, trotz niedriger Vegetation – Himmel diese Leute wohnen so einsam, sie müssen per Auto zum Briefkasten fahren. Der grundsätzlich groß genug ist, dass ein kleiner Kühlschrank drin Platz finden könnte. Später lese ich, das der Farmer durchaus eine Stunde Auto oder Motorradfahrt benötigt, um die Post einzusammeln. Was mich gleich an eine Doku erinnert hat, die ich mal im TV gesehen habe, da fuhr der Postbote täglich 500 km. What a job! Warum ich nicht schneller, als 130 fahre, liegt daran, dass Kühe, Schafe und Ziegen streckenweise nicht hinterm Zaun grasen, sondern gar kein Zaun vorhanden ist. So möchte ich nicht Gefahr laufen wegen eines Nutztieres mein Leben und das meiner Lieben zu riskieren. Außerdem – aber das bleibt jetzt unter uns – habe ich total Schiss einen Strafzettel zu bekommen, der würde ungefähr so hoch sein, wie unsere fünf Tage Motel kosten und so frage ich meinen Mann, ob er denkt, dass auch hier im Outback hinter einem höheren Busch ein Cop mit Radarpistole lauert? Früher, meint er, haben sie tatsächlich Temposünder aus der Luft heraus erwischt. Kein Wunder denke ich, dass die Strafen so enorm sind, bei den Flugbenzinpreisen! Man kann es aber auch übertreiben. Meine Güte, die Straße ist überschaubar – von hier nach Melbourne – und völlig frei, nun hört doch mal auf mit diesen blöden 110 km/h, man fühlt sich ja verarscht.

Ein Fuchs rennt wenige Meter vor meinem Wagen über die Straße und ich bin froh, dass er es geschafft hat. Die vielen toten Kängurus am Straßenrand reichen mir als Anblick und einer meiner Albträume wäre ein Tier anzufahren, was dann doch noch nicht tot ist. Mir ist das zum Glück nie passiert und sollte mir ein Känguru ans Auto springen, wäre mein Auto vermutlich hinüber. Tagsüber sieht man eher keine Roos, die kommen nur in der Morgen- oder Abenddämmerung hervor. Wir sehen Adler kreisen. Wo sieht man die heutzutage noch? Genau!

Ich fahre uns nach Broken Hill rein und sehe kleine, alte Häuschen, einen riesigen Schutthaufen – ausgehobene Erde aus den Minen – vor mir fährt ein Auto 38 km/h, obwohl 60 erlaubt sind und ich denke und sage gleichzeitig laut: „Ach du Scheiße, wo sind wir denn hier gelandet?“ Ich bin so enttäuscht, wie schon lange nicht mehr und schaue mich nervös nach rechts und nach links um, während ich das Auto in einer Schiebgeschwindigkeit fahre. „Are they going to shoot at us?“, frage ich nervös …

to be continued …

Jubelbücher

Ich habe mich gerade durch einige Jubelrezensionen von Erwachsenen, Kinder- und Jugendbücher betreffend, gelesen und mich beinahe fremdgeschämt. Vielleicht bin es nur ich, die keine Kinder-Jugendbücher liest, weil sie sich wahrlich nicht zur Zielgruppe zählt und weil ich eine Erwachsene-Schreibe mit Wendungen und bösen Wörtern vorziehe. Komplexe Themen. Zwar waren wir alle mal junge Leser, aber kann ich wirklich ein Buch beurteilen und lesen, das dem Intellekt eines Kindes entspricht, entsprechen soll? Stellvertretend für meine Kinder – vorablesen und für gut oder schlecht befinden? Vorsortieren, aussortieren, zensieren?

Was treibt Erwachsene dazu solche Bücher zu lesen? Freundschaftsdienste? Schreib ich dir eine gute Rezension, schreibst du mir irgendwann einmal eine, die nicht minder jubelig daher kommt?

Geht es mich überhaupt etwas an, wenn meine fellow adults nach Kinder-Jugendbücher greifen und unbedingt darüber schreiben müssen, was für ein orgastisches Leseerlebnis das gewesen ist? Lesen diese Leute sonst nur Frau Erika im Glück Geschichten? Hinterlassen diese Lektüren bleibende Schäden? Habe ich heute zu viel Zeit? Was aber viel wichtiger ist: Warum interessiert mich das überhaupt, wo es doch gar keine Buchstaben-Geschmackspolizei gibt?

Fragen über Fragen …

Baumabenteuer

bei 37 Grad (und steigend) – roter Kopf inklusive. Jochen musste vom Seil gerettet werden, konnte die Plattform per flying fox nicht erreichen, baumelte in 10 oder 12 Meter Höhe und hatte scheinbar keine Kraft sich voran zu hangeln. Jochens Frau gab hinterher gute Ratschläge, ich habe mir Jochens Rettung aus einer Hängematte aus angesehen – unverhohlen – weil ich eh wissen wollte, wie jemand dort oben gerettet werden kann. Danke Jochen!

Ich stellte fest, dass ich immer noch eine ekelige Höhenangst habe, das ständige Karabiner ein- und aushaken nervte auch ein wenig, wenn ich aber gewusst hätte, dass die das brilliante German Bornack locking system benutzen, wäre das alles ein Klacks gewesen. Ich habe nicht viel Vertrauen zu Drahtseilen und an Baumstämmen angeschlagene Treppen, die auf mich wirkten, als hätte ich sie selbst mit einem (1) Nagel eingeschlagen.

Trees Adventure Belgrave – The ultimate eco-adventure – 2010 Victorian Tourism Awards.

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