Kopfschmerzlos ins neue Jahr

Hört sich an wie eine Ratgeberüberschrift … 10 kg weniger in drei Tagen … werd reich in einer Woche … das geheime Geheimnis einen Bestseller zu schreiben …  oder so.

Bei Temperaturen über 30 Grad schmeckt der Alkohol – Silvester hin oder her – eben nicht wirklich und so blieb es bei mir bei einem halben Glas Rotwein, an dem ich ca. 2 Stunden genuckelt habe und einer 0.33 Flasche Bier, mein Mann hat gar keinen Alkohol getrunken. Haben wir mit Freunden in ihrem Haus – gefeiert kann man gar nicht sagen – zusammen gesessen. Draußen, was sehr angenehm war. Im Dezember draußen essen zu können ist ein Luxuslotterleben. Heute verkriecht man sich wegen der Wärme eher im Haus und schade, dass Hausarbeiten sich nicht von alleine erledigen und der Kühlschrank schon wieder verdächtig leer ist.

Marco fliegt in drei Tagen auf eine thailändische Insel – Koh Samui – und später weiter nach Kambodscha, wir machen erstmal einige Tagesausflüge (Bäume klettern, Segeln, Parasailing (ich nicht, ich hab Angst an einem Seil und einem Stück Stoff hinter einem Boot hergezogen zu werden), bis es irgendwann nach dem 10. ein paar Tage ans Meer geht und hoffentlich fragen wir uns nicht alle zwei Stunden gegenseitig: Tee? Kaffee? – weil wir Campingplätze arschlangweilig finden. Nun haben wir aber ein Angebot bekommen uns umsonst dort aufzuhalten, was hoffentlich wenigstens Jaime begeistern wird. Ich wäre ja nicht ich, wenn ich nicht trotzdem Flüge in diverse Urlaubsgegenden angesehen hätte, aber wenn ich auch hier und da mal Anflüge von Verschwenderitis habe, kann ich doch auch manchmal geizig sein. Ich möchte nicht für nur 10 Tage zigtausend Dollar ausgeben, wenn ich zu einem späteren Zeitpunkt viel länger Urlaub machen kann. Sowieso ist mir grade mal nicht nach Flugzeug.

Vor drei Tagen hat Jaime ein elektronisches Schlagzeug gekauft, das steht jetzt in seinem alten Kinderzimmer und ich bin begeistert davon, was technisch alles möglich ist. Die Nachbarn vermutlich auch. Obwohl er zwischendurch doch noch das andere Schlagzeug spielt und ich das ganz gerne höre, kann er so länger spielen, ohne sich immer gleich Blasen an den Fingern zu holen.

Unser Aprikosenbaum hing voller Früchte, mit denen wir nichts anfangen konnten, nicht nur, weil sämtliche Papageien der Nachbarschaft ein Fest im Baum feierten, sondern auch, weil wir vergessen hatten zu spritzen – sind alle lecker lecker Aprikosen mit einer blöden Obstbaumkrankheit überzogen. Die Pfirsiche und Nektarien sind noch nicht reif, sehen wunderbar glatt und rund aus und heute Morgen habe ich schon einen Vogel als Späher im Pfirsichbaum gesichtet und stelle mich schon darauf ein, dass die blöden Federviecher eher bemerken, wenn MEIN Obst reif ist, als ich.

Mein Großer ist groß und will 2013 heiraten, mein Kleiner wird auch immer unabhängiger und plant schon seinen Auszug. Mein Mann ist gestern total schlecht gelaunt von der Arbeit gekommen und musste heute auch wieder hin. Als ich ihn anrief, war er gerade bei Ikea. Anschließend musste er zum Casino. Der wird ne Saulaune haben, wenn er nach Hause kommt. Die können doch mal wieder rückwärts gehen und an Feiertagen die Geschäfte geschlossen lassen. Rennen die Leute um 10 Uhr schon nach Ikea. Was wollen die da? Anyway, da heute Sonntag ist, ist der Neujahrsfeiertag kurzerhand auf morgen verschoben worden. Was mal wieder bedeutet, dass diejenigen, die heute arbeiten weniger Zulagen bekommen, als diejenigen, die morgen (2.5 x Stundenlohn) arbeiten. Da ich noch dringend ein paar Lebensmittel besorgen muss, ändere ich gleich wieder meine Meinung und sage: Wie gut, dass die Geschäfte auch an Feiertagen geöffnet sind.

Ein angenehmes 2012 wünsche ich euch.

Sunday
Mostly sunny
Min: 19°C Max: 35°C
UV: Extreme

Mostly sunny Monday
Mostly sunny
Min: 22°C Max: 40°C
UV: Extreme
Mostly sunny Tuesday
Mostly sunny
Min: 23°C Max: 35°C
UV: Extreme

Clearing shower Wednesday
Clearing shower
Min: 20°C Max: 24°C
UV: Extreme

Ewige Nörgeleien

der immer gleichen Einzelhändler in good old Oz. Erst versuchten die drei-fünf großen Namen in diesem wunderbaren Land mit den bescheidenen Konsumenten (überall die gleichen Geschäfte – egal in welchem Bundesland, in welcher Stadt du dich befindest) den Staat dazu zu bewegen auf online Einkäufe Mehrwertsteuer zu erheben, bzw. den Einkaufswert herabzusetzen haha, weil sie meinten, sie wären durch den Internetwettbewerb benachteiligt. Unser Dollar war lange Zeit gleich bzw. einen Cent oder so höher, als der US-Dollar, was mündige Konsumenten ins Internet getrieben hat, weil sie es Leid waren 3x so viel für die gleiche Ware hier in Oz zu zahlen, als Menschen anderswo. Dafür nahmen sie oder nehmen sie hohe Lieferkosten in Kauf, denn selbst diese eingerechnet, ist es immer noch wesentlich preisgünstiger, als bei den Dicks und Meyers und Harveys und Jones.

Das hat nicht funktioniert.

Dann haben sie auch das Internet entdeckt und schauen mal, wie weit sie damit kommen. Gleichzeitig nörgeln sie über ein schleppendes Jahr, einen schleppenden Schlussverkauf, der gestern eingeläutet worden ist – zwei in den Köpfen der ersten Siedler hier große Einzelhändler – öffnen ihre Türen am 2. Weihnachtstag um 5 Uhr morgens. Die Schlangen der Wartenden hielt sich dieses Jahr in Grenzen. Für manche Aussies ist es einfach immer noch Weihnachtstradition die Nacht auf dem Bürgersteig vor einem geschlossenen Geschäft zu verbringen. Naja – vielleicht wollen sie unbedingt einmal ins Fernsehen, vielleicht glauben sie wirklich ein Schnäppchen zu ergattern. Mir ja egal, um 5 Uhr morgens drehe ich mich noch mal auf die andere Seite und schlafe mindestens noch drei weitere Stunden.

Wenn jahrzehntelang ein Volk dermaßen preislich über den Tisch gezogen wird, dann nehme ich einem Volk nicht übel endlich das Konsumenten-Weite zu suchen. Auch hier verdient niemand sein Geld im Schlaf und nachdem man jahrelang auf “Made in Australia” getrimmt wurde, sich jetzt aber (mal wieder) herausgestellt hat, dass dieses Label auch dann gilt, wenn Zutaten gar nicht aus Australien kommen, Waren ins Ausland verschifft werden, dort ein- oder umgepackt werden, um nach Australien re-importiert zu werden, dann scheiße ich persönlich auf die heimische Industrie und entscheide mich demnächst wieder nach Preis für eine Ware im Supermarkt.

Vor allem auch, weil unser Dick (Dick Smith – proudly Australian – mittlerweile Firma verkauft) – zwar immer auf die Aussie-Drüse gedrückt hat, jetzt aber herausgekommen ist, dass dieser u. a. Elektronikhändler – gebrauchte Ware als Neuware verkauft hat. Und wie ist das herausgekommen? Ein Filmproduzent hatte eine externe Festplatte gekauft und dort einige Filme gespeichert vorgefunden. Nebenbei hat dieses nicht als second hand deklarierte Produkt seinen Laptop, den er für ein Filmprojekt benutzt (und nie damit im Internet gewesen war) auch noch lahmgelegt. Offensichtlich ist diese Praxis auch bei anderen Firmen nicht unüblich – so kann es sein, dass jemand ein Produkt einfach wieder umtauscht und schwupp wird es neu verpackt und als neu verkauft. Normalerweise werden diese Produkte überprüft, scheinbar hat das Prüfungsverfahren dieses Mal aber versagt. Gut so. Jetzt wissen wir alle, wie man als Konsument verarscht wird. Was mich angeht, wenn neu drauf steht, will ich auch neu, besonders wenn ich zwar mit alten Scheinen, aber vollem Wert bezahlen soll.

Unverschämtheit. Meinetwegen können sie alle pleite gehen.

Ach ja … war ich heute im Einkaufszentrum, weil ich a) dringend aus dem Haus musste und b) Geld zu verbraten hatte – und habe einen Badeanzug anprobiert. Normalerweise trage ich Badeshorts mit passendem Oberteil, wollte aber endlich mal seit Jahren nur fürs Schwimmbad einen Badeanzug. Gefunden, auf dem Weg zur Umkleidekabine noch ein Negligé gesehen – 130 $, welch Zufall, haben die nen Arsch offen für so wenig Stoff? – Badeanzug anprobiert, saß oben nicht so doll … mmmh … keine Verkäuferin weit und breit, wo die sonst nach dreißig Sekunden in der Umkleidekabine fragen: Everything all right? Nö. Ich mich also wieder komplett angezogen, Badeanzug wurde mir auf halben Weg zur “Stange” abgenommen, die Türen waren schon geschlossen. Aha! Daher wehte der Wind, die wollten Feierabend haben. Jetzt habe ich zwar keinen neuen Badeanzug, der Inhaber aber auch nicht meine 130 $ für das schöne Stück.

So macht man keine Geschäfte mit mir. Oder anderen Leuten.

Streiche ich noch ein wenig durch die Geschäfte – unmöglich hässliche Mode, unmögliche Farben. Könnt ihr alle behalten, ist mir scheißpiep ob 40 % reduziert oder hinterher geworfen. War ich im Elektronikladen, weil ich ein Ladegerät für meinen Sony E-Reader kaufen wollte, nö, die hatten nur einen hässlichen Kindle – können sie auch behalten und sowieso kein Verkäufer weit und breit.

Megakohle einfahren wollen, aber kaum etwas dafür tun.

So laufe ich weiterhin in Sack und Asche herum – mein Geld schmiegt sich immer noch an die Portemonnaiewand und ich erfreue mich an dem Anblick.

Madam war heute

ganz schön im neuen Rock und sonstigem Outfit und auch die Haare lagen mal so, wie ich es von ihnen kenne, wenn sie wieder wachsen. Endlich mal nicht 2x täglich umziehen (Sportkleidung) 27 Grad – was will man mehr? Fünf Bücher zu lesen, eins zu schreiben, Telefonate führen, Finanzen jonglieren plus Eurokurs überwachen. Halbherzig Unkraut gezupft – weil wächst bei den Temperaturen wie *ehem Unkraut. Neidisch gewesen auf den beruflichen Aufenthalt im Forensischen Institut – gleich neben der alten city morgue (Leichenschauhaus) – Anweisung per SMS gegeben: Fotos machen unbedingt! SMS zurück: Fotografieren strengstens verboten, richtig unheimlich hier, besonders mit den uralten Zeitungsausschnitten. SMS zurück: Scheiß auf Verbote, mach einfach.Musste deshalb an Schwester denken, die immer schon einen Hang zum Morbiden hatte – kam bei mir erst Jahre später. Nämlich, als ich begriffen habe, dass das Leben nicht höflich, nicht nett und freundlich ist und vor allem nicht in La-La-Land stattfindet, sondern hier und jetzt und ganz schön morbide sein kann.

Man sollte Tier sein – ohne Bewusstsein – aber was machen wir mit Bewusstsein? Fressen oder gefressen werden. Auch nicht schön und auch gleich der Tierwelt. Cowboys und Aliens gesehen. Naaajaaa – Daniel Craig hat sehr blaue Augen – hat mein Mann auch, wenn die Sonne ihm ins Gesicht scheint und wenn er abgespannt ist, sind sie dunkler. Meine übrigens auch. Erstaunlich, wie die Befindlichkeit die Augenfarbe verändern kann – aber wir wollen hier nicht ins Esoterische abdriften und uns Befindlichkeiten einreden, die so nicht vorhanden sind. Obwohl es ja Leute geben soll, die dir einmal in die Augen schauen und sehen können, was  du vor drei Tagen gegessen hast und wissen, warum du heute unpässlich bist.

Der Film hat wenige comical Momente, kann man sehen, muss man aber nicht. Genauso wie man sich über Verlags- und Bücherwelten Gedanken machen kann, aber nicht muss. Ich denke ja auch nicht über die Erdnuss in der Schokolade nach, die ich mir vielleicht morgen zu Gemüte führe – so lese ich, um unterhalten zu werden, nicht, um mir einen Kopf über Literatur oder die Branche schlechthin zu machen. Es ist gut, dass bei uns Frühling und bald Sommer ist. So leicht, so angenehm, so lebenslustig. Sollen sich andere Leute um die Branche Gedanken machen – immer die selben – sich im Kreis drehen, mit anderen Worten zwar, ist dennoch ein Kreis. Egal wie groß.

Während ich Gewichte stemme, laufe, Trimrad fahre (11 km – ein Klacks) – könnte noch mehr, wenn ich nicht Gefahr laufen würde einen Pavianhintern zu bekommen – myohmy ist der Sattel hart – denke ich nicht nach. Gut so. Erholsam. Keine Sorgen, keine Lösungsversuche. Keine Sorgen haben will, auch keine Lösungen suchen will. Leben. Will. Ich.

Munter bleiben!

Kurzes Gedächtnis

muss ich wohl haben, wie sonst erkläre ich mir, dass ich im Einkaufszentrum in den Thaimassage-Tempel geschlendert bin. Gut, kann auch was mit meinem halbsteifen Nacken, der Muskelverspannung in Schultern und Rücken zu tun gehabt haben … Gymnastik und Hanteltraining gehen eben nicht spurlos an meinem Körper vorbei. In Asien hat man mich ja schon mal mit so einer Thaimassage gequält – ich hatte scheinbar vergessen, wie weh das getan hat. Man fühlt sich beinahe verhauen. Da werden die Daumen auf verspannte Muskeln gedrückt, dass man ächzt, stöhnt, jammert und fast weint, was zur Folge hat, dass man Lülle, Lippenstift, Mascara und vermutlich Make-up auf dem Papiertuch lässt, das übers Kissen gelegt wird. Entspannend finde ich das nicht. Eigentlich hätte deren Name Kung fu massage Alarmglocken schrillen lassen müssen.

“Hier ist ein Knoten”, meinte der Masseur und bohrte den Daumen noch tiefer. Das tat besonders weh im unteren Rückenbereich – also oberhalb des Steißbeins. Ach, eigentlich überall. Ich habe auch nicht gewusst, dass man Arschbacken zum Rücken zählt – war aber bis auf den Daumen an eine wehe Stelle bohren – am schönsten. Ich finde, er hätte mir ruhig länger den Hintern massieren können – immerhin habe ich dort Muskeln aufgebaut, dat lohnt doch, sach ich mal, statt sich mit meinem Rücken entlang der Wirbelsäule so lange aufzuhalten.

Man muss sich auch gar nicht ausziehen – praktisch irgendwie – nur den Gürtel abnehmen. Dann wird einem ein Handtuch auf die zu massierenden Stellen gelegt und los geht’s.

Bei all der Quälerei muss ich doch sagen: meinem Nacken geht es tatsächlich wieder gut. Erstaunlich, wo der gar nicht lange massiert worden ist – aber genauso kräftig. Halbe Stunde 35 $ – da kann man nicht meckern.