in Melbourne, in denen man in Minicafes sitzen kann – besser aber noch draußen, was hier viele Monate im Jahr möglich ist, an einen der vielen Tische, die manche Gassen noch enger machen. Man fühlt sich glatt in die Vergangenheit versetzt, auch wenn die Überschrift zu den Fotos vom modernen Melbourne spricht. Einfach nur schön.
Archiv der Kategorie: Mein Melbourne
Aufgedreht
Spontanität kann man sich über viele Jahre abgewöhnen, wenn man Kinder hat. Weshalb ich gestern dankbar war, dass sich kurzfristig – von Freitag auf Samstag – ein Babysitter für Jaime gefunden hatte. Mein großer Sohn rief mich von der Arbeit aus an und fragte, ob ich Interesse an Konzertkarten für Lenny Kravitz (Wolfmother und die Cranberries waren Vorbands) für Samstagabend hätte. Klar, meinte ich, her damit. A concert beats tv anytime. Dass die Karten umsonst waren, war ein netter Bonus. Mit freien Eintrittskarten geht das so: Man arbeite in einer Agentur in der regelmäßig Kunden beschenkt werden und wenn die Kunden keine Zeit haben, geben sie die Karten zurück. Die werden dann im Büro herum gereicht, bis sich ein Abnehmer findet. Man glaubt gar nicht, wie viele tolle Tickets an Kunden verschenkt werden – aber halt – man kann es sich denken, wenn man die vielen Werbespots im Fernsehen sieht. Kunden, die Werbezeit bei Fernsehsender buchen, wollen nicht nur Geld ausgeben, sie wollen auch etwas zusätzlich dafür bekommen, dass sie Geld ausgeben.
Wenn ich mich in einem kleinen Rahmen schon darüber freue, dass ich mal etwas umsonst bekomme, kann man sich sicher gut vorstellen, wie es reichen und/oder einflussreichen Menschen geht – die dann nicht immer Nein sagen können, wenn ein Nein angemessen wäre. Liegt wohl in der Natur des Menschen.
Zehn Minuten nach meiner Zusage, schicke ich Marco eine SMS: Du, wir gehen spontan morgen zu einem Konzert und brauchen einen Babysitter.
Das hat aber nicht funktioniert haha. Ich hätte es sehr betrüblich gefunden, wenn wir nicht hätten gehen können. Irgendwann hat man nämlich genug von einem unspontanen Leben. Ich habe keine Lust immer alles Wochen im voraus zu planen – wie langweilig. Vielleicht noch ca. 1.5 Jahre und das Kind kann auch über mehrere Stunden auch abends alleine Zuhause bleiben. Wollte er schon, aber ab 17 Uhr bis gegen Mitternacht, ist uns beiden zu lange für einen 12-jährigen. Manchmal fühle ich mich für diese Einschränkungen einfach zu alt. Ich habe das Gefühl, dass ich genug gegeben habe.
Die Sidney Myer Music Bowl ist in den Kings Domain Gardens in Melbourne. Im Sommer spielt dort das Melbourne Symphony Orchestra einige Konzerte umsonst. Als wir durch den Park liefen hörten wir von irgendwo links die Formel 1 Rennwagen fahren, ein paar Schritte weiter und der Motorenlärm wurde von Musik übertönt. Einige Leute hatten es sich mit Campingstühlen und Picknickkorb auf dem Rasen vor dem abgesperrten Gelände gemütlich gemacht. Sie konnten zwar die Musiker nicht sehen, aber ungemein gut hören. Ich habe gar nicht gewusst, dass das möglich ist -weiß jetzt aber, wo ich hingehe, sollte ich mal keine Tickets für ein open air concert bekommen
Schade war, dass wir Jaime nicht mitnehmen konnten, Einlass erst ab 18 Jahre, weil dort auch eine mobile Bar aufgebaut worden war. Da sind die hier sehr komisch. Was ich noch einigermaßen verstehen könnte, wenn es keine Bierwerbung im Fernsehen geben würde …
Sobald die Sonne untergegangen war, wurde es auch ziemlich kühl. Lenny Krevitz fing erst um 21 Uhr an zu spielen und zwar etliche Dezibel lauter, als die Vorgruppen. Wow. Einen Künstler live zu erleben hat wirklich was. Ein Mann und seine Band begeistern die Zuhörer, vielleicht sollte ich auch sagen: Zuschauer, denn zuschauen muss man einfach, wenn jemand selbstbewusst auf der Bühne steht und Spaß an seiner Arbeit hat. Mit seinem Talent Geld zu verdienen muss ein sehr befriedigendes Gefühl sein.
Um uns herum immer mal wieder Leute, die einen Joint rauchen, Besucher, die sich eine halbe Stunde lang in die Warteschlange an der Bar einreihen. Wir nicht, wir haben keine Lust auf kaltes Bier, uns ist auch schon so kalt genug. Die Ess- und Kaffeebuden sind zu weit weg, noch haben wir weder Hunger, noch Durst. Der obligatorische Polizeihubschrauber fliegt über uns hinweg, vielleicht 15 Minuten später kreist er etwas außerhalb des Gelände mit eingeschaltetem Suchscheinwerfer, ein zweiter Helikopter ist in der Ferne zu sehen, der erste geht plötzlich im Sturzflug nach unten, scheinbar hat er entdeckt, wonach gesucht worden war. Mich nerven Polizeihelikopter oft – ich kann dieses 1984 Gefühl dann so schlecht abschütteln.
Während der dritten Zugabe gehen wir Richtung Ausgang. Uns ist kalt, wir sind müde, das Kind muss noch vom Babysitter abgeholt werden. Wir kaufen uns warme Getränke, die Bratwurst zu 9 $ das Stück können sie behalten und gehen durch den dunklen Park zurück zum Auto. Ein fettes Possum springt an einen Baumstamm, hält inne, weil wir auch innehalten und gucken. Wenige Schritte weiter sitzt ein ebenso fettes Possum auf dem Rasen. Am Ausgang des Parks hören wir Vögel lärmen. Alexandra Ave ist nicht mehr ganz so zugeparkt, wie einige Stunden vorher, hinter uns sind gleich vier Parkplätze frei. Wir sehen erst als wir im Auto sitzen, dass die Heckscheibe eingeschlagen worden ist. Mein Mann sieht nach, öffnet den Kofferraum und so sicher wie das Amen in der Kirche ist seine Werkzeugtasche mit teilweise Spezialwerkzeug geklaut worden. Vermutlich dachte der Fucker, der das getan hat, es sei ein Laptop oder ähnlich Wertvolles, das sich leicht verscherbeln lässt. Das Werkzeug war in einem Werkzeugrucksack – noch nicht lange direkt in Amerika bestellt, aus eigener Tasche bezahlt, versteht sich.
Ich hab ja gleich gesagt, wir sollten unseren eigenen Wagen nehmen und nicht den Firmenwagen, but nö. Das dämpfte gleich unser musikalisches Erlebnis und hinterließ einen schalen Geschmack. Dennoch war ich Stunden später noch so aufgedreht, dass ich erst gegen 3 Uhr morgens mit Kopfschmerzen ins Bett gegangen bin und ungern mit Kopfschmerzen aufgestanden bin.
Yeeeaah – Nacktscanner an Ozflughäfen
Da freut sich das Volk – kriegen wir doch die Strichmännchen-Version, die wo nix mit nackten Konturen zu sehen ist. Irgendwann später in diesem Jahr. Can’t wait to be scanned everytime I wanna fly. Da fühlt man sich doch gleich weniger bedroht – ach was sage ich – da fühle ich mich so sicher, als würd ich täglich ein OB tragen.
Da soll es jetzt aber endlich mal den ganzen Waffenschmuggler und potentiellen Flugzeugentführern und Flugzeug-in-die-Luft-Sprengern mit all den Infidels an Bord tüchtig an den Kragen gehen.
Es lebe politische Augenwischerei und Volksverdummung.
Zwischen den Zeilen
Bibliotherapie, wie auch immer es genannt wird … in Großbritanien verschreiben laut Artikel immer mehr Ärzte Lese- und Diskussionsrunden für psychisch kranke Menschen. Nun hat man das auch hier ausprobiert, mit scheinbar guten Ergebnissen für die Patienten. Natürlich geht es mal wieder um Finanzierungen für diese Projekte – ist ja immer einfacher Millionen von Steuergeldern für den größten Kiki aller Zeiten (Nacktscanner und dergleichen an Flughäfen) auszugeben, als psychisch angeschlagenen Menschen eine Therapie anzubieten, die keinen Psychiater oder Doktortitel generell benötigt.
Anyway hier der englische Artikel - und wer nicht so sicher im englischen ist, möge sich die Mühe machen mit einem Übersetzungstool zu arbeiten. Gut, kommen manchmal komisch klingende Sätze bei raus, aber man versteht schon, worum es geht.
Almanya
Willkommen in Deutschland. Auf den Film freut sich Ms N. (that would be me) wirklich. Wer gerade in Melbourne oder einer anderen Großstadt in Ozland ist kann sich ab dem 7. April auf 11 Tage deutschen Film freuen. Almanya ist für mich schon fest eingeplant. Schade nur, dass dieses Mal in Citykinos vorgeführt wird und nicht am Federation Square – wäre ein wenig bequemer hin zu kommen.
Ich erwarte ein Comedy-Drama mit wohldosierten Wahrheiten über uns, über frühe Gastarbeiter Einwanderer und irgendwie Wahrheit in der Mitte.
Jürgen Vogel ist auch mit einer Komödie dabei, nur hat das Goethe Institut sämtliche Filme mit englischen Titeln gelistet, da hab ich grad mal keine Zeit mich durch die Filmliste zu klicken, die dann den deutschen Titel offenbaren würde. Ich mag den Vogel ja, ich finde er ist ein klasse Schauspieler.
Das Problem für mich bei so einer Marathonfilmwoche ist, dass ich nicht täglich in die City fahren möchte und auch die Spielzeiten sind nicht immer ideal. Ach ja und einen Goldesel hab ich ja auch nicht.
Dat Madam war auch in Melbourne
Oprah habe ich nicht mitbekommen, die hat sich ein paar Minuten am Federation Square aufgehalten. Wie spät weiß ich nicht. Und sie war doch im Kasino. Scheiß Kasino! Federation Square ist gleich gegenüber von Flinders Street Station und obwohl ich oft dort aussteige, sind wir heute bis Central gefahren – wo wir auch hin wollten.
Ich muss ja sagen, die historische Block Arcade (virtuelle Tour bzw. Touren – lohnt sich zu gucken! Wenn man dann noch auf Home klickt bekommt man ein paar Touren vom Outback, u. a. vom Todd River in Alice Springs- durch den Mathilda im letzten Drittel des Buches läuft ) war ganz entzückend weihnachtlich geschmückt. Zum Charme hat natürlich das *Alter der Arkade beigetragen, diese eckigen Schaufenster – so ganz anders als bei uns in Dland. Ein Genuss durch zu laufen. Das Gewimmel generell in der Stadt ging noch so – vielleicht waren sie auch alle grad bei Oprah.
Bei Meyer’s hat Marco zwei Anzüge gekauft und zwei Paar Schuhe. Jetzt kann er betteln gehen. Ich weiß nicht, ob es eine Voraussetzung ist schwul zu sein, um bei denen in der Herrenabteilung arbeiten zu dürfen oder dort einzukaufen. Es gab Interessantes zu beobachten.
*Block Arcade is a heritage shopping arcade experience in the centre of Melbourne but going back a hundred years it was the “place to be seen”.
The arcade which was erected between 1891 and 1893 was designed by architect David C. Askew whose brief was to produce something similar to the Galleria Vittoria in Milan. The result was one of Melbourne’s most richly decorated interior spaces, replete with mosaic tiled flooring, glass canopy, wrought iron and carved stone finishings. The exterior façade of the six storey office has near identical facades on Collins and Elizabeth Streets and is one of Australia’s best surviving examples of the Victorian Mannerist style.
The arcade was formerly known as “Carpenter’s Lane”, however the precinct was widely known as “The Block”. Once the works were complete, local shopkeepers successfully petitioned to have it changed to its present name.
Quelle: onlymelbourne.com.au
Dat Oprah ist hier
Gestern gelandet versucht die Frau Australien in 8 Tagen zu sehen. Well – good luck to you Miss Winfrey. Freitag kommt dat Oprah nach Melbourne. Was sie dort machen wird, ist mir nicht bekannt und irgendwie auch egal. Halt! Bitte nicht ins Kasino. Alles, nur nicht das Kasino.