Handwerkerleben, das mein Mann hin und wieder führt. Gestern musste er zum Victorian Institute of Forensic Medicine – hach ich wäre ja gerne auch mal gucken gegangen. Letzte Woche waren sie beim Gründer des Multimilliondollar Mobile Phone Business - Crazy John’s - dessen Fahrstuhl Probleme machte. Ja. Fahrstuhl im dreistöckigen Einfamilienhaus, wobei der einzige Zugang zum Dachterrassenpool der Lift ist. Macht jetzt nix, dass der Poolbereich wesentlich größer ist, als unser Haus. Denn mein Mann lebt noch, Crazy John ist im letzten Jahr (oder war es schon davor?) mit Anfang Vierzig tot auf der Straße zusammen gebrochen. Massiver Herzinfarkt.
Neulich mal wieder in die Nationalbibliothek – in deren Kellergewölben es spukt. Wenn ihr mal in Melbourne seit, unbedingt die Bibliothek ansehen, sie ist wunderschön.
Eine andere reiche Nudel lebt in einem Mehrfamilienhaus, besitzt und bewohnt die gesamte obere Etage oder sowieso das gesamte Haus. Nun wollte die Nudel nicht mehr mit fremden Menschen im Fahrstuhl stehen müssen und hat sämtlichen technischen Schnickschnack ausgenutzt der geht. Wenn er also jetzt auf seiner Etage steht und den Fahrstuhlknopf drückt oder seinen key fob benutzt, dann hält der Fahrstuhl nicht mehr auf einer anderen Etage an, falls jemand im anderen Stockwerk ebenfalls auf den Knopf gedrückt hat. Und umgekehrt. Wenn schon jemand drin ist, kommt der Fahrstuhl erst zu ihm, wenn er wieder leer ist. Hähä. Nun bin ich auch für Schnickschnack zu haben, frage mich jedoch, kriegt man Phobien, wenn man nicht mehr weiß wohin mit seiner Kohle?
Manchmal müssen sie auch in Altenheime, was ihn deprimiert. Kann ich verstehen. Mich hat es auch immer gegruselt in Altenheimen. In einem bestimmten Heim scheint ein Italiener zu leben, der jedes Mal, wenn John mit seinem Kollegen Enzo dort auftaucht sehr laut und mit nettem italienischen Akzent: Marrrco, ruft. Was wiederum Enzo total nervt, weil der nun mal nicht Marrrco heißt. Ich kenne Enzo nur aus Erzählungen, finde den Mann aber schlicht unsympathisch. Zum einen finde ich, kann man durchaus darüber hinwegsehen, dass man mal bei einem fremden Namen genannt wird – wir reden hier von sehr alten Menschen! – und zum anderen höre ich die Tage, das besagter Enzo sich darüber aufregt, dass manche Einwanderer gar nicht bis schlecht Englisch sprechen.
Das ist an sich nicht weiter tragisch, ich kann mich auch schon mal darüber aufhalten, weil ich eben in keiner Parallelwelt im Ausland leben möchte und Sprache ist der Schlüssel zum Verständnis, zur Integration, manchmal sogar zu Leben und Tod. Der Witz ist, dass Enzos Mutter aus Italien eingewandert ist, bereits über 30 Jahre hier lebt und kaum Englisch spricht.
Ehem, sage ich zu John, ich hätte mich ja nicht zurückhalten können, den blöden Enzo in seiner Tirade zu unterbrechen und ihn auf seine eigene Mutter anzusprechen. Sagt John, das lohnt sich bei dem nicht. Mag sein, kann ich schwer beurteilen. Seltsam nur, wie wenig manche Menschen über ihre Spaghettitellerränder blicken.
Alles Schlampen, außer Mutti?









