Ich versuche mich kurz zu fassen, wenngleich ich merke wie mich vieles noch nachhaltig beschäftigt und mir immer wieder Kleinigkeiten einfallen, die mich beeindruckt, geekelt, geärgert, gefreut und sehr nachdenklich gestimmt haben.
Der erste Teil der Tour ins Mekong Delta war fantastisch. Nur zwei Stunden bis zur ersten Schiffstour und ab ging’s ins Boot. Nur das Gleichgewicht musste stimmen und hier war es das erste Mal, dass ich Angst um Jaime hatte. Das shit thing drohte tatsächlich zu kentern, wenn die Anzahl der Passagiere nicht gleichmäßig auf beide Seiten des Bootes verteilt worden wäre. Bitte?
Der Mekong River ist riesig. Riesig. Und braun. Erwähnte ich, dass er auch stellenweise verschmutzt ist? Kein Wunder, habe ich ständig Menschen ihren Müll ins Wasser werfen sehen. Zack. Wir hatten diese Minibananen bekommen, ich legte meine Schale zunächst auf die Reling, weil kein Mülleimer vorhanden war. Mein Mann hat gesehen wie der Tour Guide seine Schale – zack – über Bord geworfen hat. Der Müll, der an der Uferböschung angeschwemmt wird ist unglaublich. Eine Frau tritt an die Hintertür ihrer Hütte und zack, wirft Müll in den Fluß. Etwas weiter angelt ein alter Mann den Müll, der sich vor seiner Hütte festgesetzt hat und zack schleudert ihn wieder ins Wasser.
Aus den Augen aus dem Sinn. Mmmh. Als umweltbewusste Tusse hat es mich schlicht geärgert, wie die Menschen mit ihrer Umgebung umgehen. Ah well … das sind eben diese Dinge, die mich angesprungen haben, Verhaltensweisen, die wir ewig lange hinter uns gelassen haben. Auch unsere Städte waren einmal total verdreckt, erinnere ich mich. Wäsche wird im Fluß gewaschen, Lebensmittel, Körperhygiene, Abwasch mit Flußwasser erledigt. Auf einem Steg, der schräg ins Wasser führte saß eine Frau und schnippelte Fleisch ohne Unterlage – lecker.
Wir sind dann mit kleinen Ruderbooten – die einen Namen haben – aber ich ignorante Tante merke mir gar nix – in schmale Flußzweige gerudert worden, Kokospalmen dicht am Ufer, im Wasser schwimmen Blätter und Zweige, weniger Müll und dieses Grün im Kontrast zum braunen Wasser – Wahnsinn. Und ruhig. Friedlich. Schön. Einmal sind wir mit Mopeds transportiert worden, die hinten eine Ladefläche montiert hatten. Da passten so 6 Schlanke oder 4 moppelige Personen drauf. Über enge huckelige Straßen gejuckelt – toll. Hätte noch ganz lange so weitergehen können.
Der Nachmittag bestand darin wieder in den Bus zu steigen und drei Stunden in ein grottiges Hotel transportiert zu werden, das fensterlose – richtig gelesen – fensterlose grottige Räume hatte. And don’t get me started on the fieses und völlig mengen- und geschmacksmäßig mangelhafte Frühstücksbuffet. Ich habe ein Stück Baguette mit Butter und eine ekelige Tasse Tee runtergewürgt. Schlechten Hotelkaffee konnte ich nach den vielen Tagen nicht mehr vertragen. Aber auch von Tee kann einem schlecht werden.
Ich bin mit einem dröhnenden Schädel dort angekommen – der fürchterliche Motorenlärm auf den Booten, die Wärme, die Busfahrt, dehydriert und zittrig überhungert. Die Ansicht der Stadt hoffnungslos runtergekommen – läßt sich nicht beschönigen. Ich war so was von fertig und wünschte mich überall hin – nur nicht dort wo ich war.
Mir hätte es gereicht, wenn wir nach dem ersten Teil wieder nach Saigon gefahren wären, aber nein, ich musste ja noch unbedingt den floating market sehen. Der so schön bunt in Reiseführer und dergleichen angepriesen wird. Das einzige Interessante daran war das gekonnte manövern der vielen Boote und die Stangen an denen die eine (1) Ware hoch oben hing, damit man sehen konnte, was die Bootsbesitzer verkaufen. Wassermelone zum Beispiel.
Nee ehrlich, beinahe hat dieses scheiß Hotel und der zweite Tag das Schöne, das Fantastische, das Friedliche, das Fröhliche zerstört. Wenn ich die Augen schließe bleiben die engen Seitenarme bei mir. Gut so.
Ich bin dermaßen fertig in Saigon angekommen, dass ich das erste Mal gedacht habe, wenn mich jetzt die 6. Bücherfrau im Restaurant anquatscht – obwohl ich Augenkontakt vermeide, da ich ohnehin kaum aus den Augen gucken konnte – dann werde ich aggressiv. Und will es doch gar nicht werden. Mit Mühe habe ich einige Bissen Essen heruntergewürgt, viel Wasser getrunken, auch weiter im Hotel und langsam ging es besser. War ja so: Dauernd auf Boote und im Bus, da kann man nicht viel trinken, wenn keine Toilette vorhanden ist.
Der Angestellte an der Hotelrezeption hat mich dermaßen genervt, dass ich zwar nicht laut, aber sehr bestimmt auftreten musste. Do I look stupid? Der wollte glatt eine Kopie von unserer Kreditkarte machen, da hab ich mich nicht nur geweigert, sondern mich auch leicht aufgeregt, zumal wir genau in dem Hotel zwei Nächte davor waren, ohnehin schon alles im Voraus bezahlt worden war und unser großes Gepäck auch dort gelassen hatten – aber auschecken mussten.
Der hat keine Kopie meiner Kreditkarte bekommen. Was mich eben auch an dieser Angelegenheit gestört hat, ist dass diese Menschen zwar unheimlich freundlich und so sind, aber sich – ich glaube hier wiederhole ich mich – fuffzig mal im Kreis drehen, bevor die was gebacken kriegen. Und dann wird noch ein Kollege gefragt. Eine dritte Kollegin kommt dazu, sagt aber nix, sondern hört nur zu und geht dann wieder.
Ich behaupte es liegt am Kommunismus. Wer nie für sich selbst denken muss führt halt ein Muppet-Leben. Und die Spitzen-Muppets haben eh keine Probleme, die buchen alles was rein kommt an Hosentasche, offshore Konten und Familienangehörige bis zum dritten Grad. Guckt euch nur mal den fetten Nichtsnutz von Sohn an, den der kleine Kim Jong-il aus Nordkorea verbrochen hat. Ich schweife ab …
Der Schwede, der auch mit auf dieser Tour war, erzählte mir, dass er auch mit dem Nachtzug gefahren war. Nur die Eier, die angeboten wurden hat er nicht essen wollen. Die sind nämlich mit Küken (also angebrütet) gefüllt und werden gekocht. Muss ne Delikatesse sein.
Wohl bekommt’s!
Wenn ihr das nächste Mal ein Reisgericht kocht, dann nehmt doch einfach weniger Reis, damit nicht so viel weggeworfen werden muss – das sieht ganz schön knochenhart aus, wie die Menschen gebückt täglich in den Reisfeldern arbeiten.
Reisen macht Spaß. Ich habe ganz wunderbare Menschen aus aller Welt getroffen – wie schön. Irgendwann möchte ich nach Angkor Wat in Kambotscha – fly in-fly out und auf eine schöne Insel irgendwo in Asien. Brasilien und Mittelamerika steht auch noch auf meiner Liste.
Und damit beende ich das mich seit Wochen beherrschende Thema Vietnam.