Kürzlich habe ich den Dorn im Auge vermessen – eine Nische im Wohnzimmer, in der ein recht kleines Bücherregal stand, das schon aus den Nähten zu platzen drohte. Da die Wand dahinter nur eine drittel Wand ist, war es immer schwierig ein passendes Regal zu bekommen. Ich habe immer nur gedacht: Um Himmels Willen hoffentlich schlägt mein Mann nicht vor eins zu bauen. Dazu muss man wissen, dass mein Mann zwar viele Reparaturen selbst ausführt – und auch kann – er ist aber weder Tischler, noch Schreiner und das – hier spreche ich aus bitterer (heimlicher) Erfahrung – merkt man auch.
So sind wir gestern nach Ikea gefahren, haben nach langem Suchen ein schönes Regal gefunden, welches man auch horizontal stellen kann – eben genau so, wie wir es für diese Nische brauchen – nur gab es das nicht in 180 cm Länge. Und welch ein Glück aber auch, stellte ich nach dem Aufbau fest, dass ich nicht richtig gemessen habe und jetzt nur wenige Zentimeter rechts und links frei sind. Es gehört ja nun zu den einfachsten Dingen im Leben irgendwo ne Länge zu messen … vielleicht habe ich während des Messens mit jemanden gequatscht oder war wie üblich mit meinen Gedanken nicht da, wo ich hätte sein sollen …
… genauso wie bei der Entscheidung diese entzückende Deckenlampe für über den Esstisch zu kaufen – passt vorzüglich zur Einrichtung, gibt aber kaum Licht ab und sowieso sind die Kabel nicht mittig überm Tisch angebracht. Das war mir ein Jahrzehnt lang ein Dorn im Auge, aber herrje, wann schaut man schon mal zur Decke? Die Antwort lautet: Immer, wenn man die alte Lampe betrachtet hat! Heute hat mein Mann sich erbarmt und hat den Kabelanschluss verlegt. Jetzt ist ein blöder Fleck dort, wo vorher die Kabel hingen, das muss vernünftig verspachtelt und geglättet werden. Irgendwann mal … wie gesagt: Wann guckt man schon mal zur Decke und überhaupt ist es jetzt trotz Lampe viel zu dunkel überm Tisch.
Heute klingelte ein Cold-Call-Klingler an der Haustür. Ich hatte nur ne Leuchtweste aus dem Wohnzimmerfenster heraus gesehen und dachte es sei Postman Pat - ich warte auf eine wichtige Lieferung aus Hongkong. Das schreibe ich jetzt nur, weil sich das total schick anhört. Wooaah … wichtige Lieferung aus HONGKONG! Ich hätte diese wichtige Lieferung auch hier kaufen können, aber hätte ich dann 4 Dollar gespart oder was?
Der Cold-Call-Klingler stellte sich als Gärtner und Baumbeschneider vor und fragte, ob wir Bedarf hätten. Mönsch, sagte ich zu ihm, wir haben grad vorgestern unseren Aprikosenbaum beschnitten, konnten aber nicht die Krone erreichen und überhaupt … an dieser Stelle starrte und zeigte ich auf den Aprikosenbaum, der direkt hinterm Tor links steht – und fragte, wieviel es denn kosten würde. 150 Dollar und ich nehm den Abfall mit. Soll man auch erwarten dürfen, finde ich, für so viel Geld. Mmmh, sagte ich, mmmh, näää das ist mir doch etwas zu teuer. Für dich 100, sprach der Cold-Call-Klingler. Okaaay, sagte ich und zeigte auf den Wildwuchsbaum im Vorgarten (endlich die Gelegenheit das Ding weg zu bekommen), kannste mir den auch wegsägen? Klar und den Ast der über der Auffahrt hängt, schneide ich dir auch weg. So einigten wir uns für die Arbeit auf 150 $, ich musste weg, mein Mann war Zuhause und als ich wiederkam, war alles erledigt.
Or was it?
Der Aprikosenbaum ist dermaßen begnabbelt, dass wir von Glück sagen können, wenn wir jemals wieder auch nur eine einzige Aprikose werden ernten können, die letzten ca. 20 plus Zentimeter Äste vom Wildwuchsbaum im Vorgarten werden uns immer daran erinnern, dass dort ein Baum war. What the fuck? Ich hab doch gesagt, er soll ganz nach unten schneiden und wieso hat mein Mann nix gesagt? Wäre ich Zuhause gewesen wäre ich dem davon fahrenden Trio aber hinterher gespurtet – scheißegal, ob ich dabei Abgase eingeatmet hätte. Jetzt müssen wir die noch selbst absägen – aber gut, die Überschrift lautet ja zu Recht Halbes und Ganzes. Immerhin mussten wir das Grünzeug nicht selbst entsorgen – die Anhängerladung (klein) zu 40 $ – thanks!
Gesehen hatte ich nur den Chef, erzählt hat mir mein Mann, dass er mit seinem kleinen Truck, den er in einer anderen Straße geparkt hatte (wir wissen: Cold-Call-Klingler ziehen von Haus zu Haus, von Straße zu Straße) und zwei Männern gekommen ist. Die beiden Männer waren nicht die sharpest tools in the shed, so viel war klar. Klopfte wenig später einer von ihnen an die Haustür und fragte, ob er etwas zu trinken bekommen könnte. Klar, meinte John und brachte drei Gläser und eine 2-Liter-Flasche Pepsi nach Draußen. Die Flasche war zu Zweidrittel voll.
Die haben sie hinterher frech mitgenommen, empörte sich John und ich hab gelacht.
Gar nicht gelacht habe ich heute Nachmittag nach dem Besuch beim Zahnorthopäden wegen Jaime. Ich befürchte auch, ich werde die nächsten Jahre nicht mehr lachen. John auch nicht. Im Gegenteil. Wir haben jetzt beide Mundwinkel. Urlaub können wir uns möglicherweise abschminken – ich winke dann der Zahnorthopädin hinterher, wenn sie in ihren Porsche steigt und dem Horizont entgegenfährt und wische mir verstohlen eine Verzweiflungsträne vom Pausbäckchen, wenn unser Hauszahnarzt Elias dem Kind zwei Backenzähne zieht und uns seine Rechnung präsentiert.
Habe ich heute morgen noch ausgiebig nach neuen Vorhängen geschaut, ich kann die alten Vorhänge nicht mehr sehen – the truth is … I never liked them much … bin ich einfach nur froh, dass ich nicht spontan im Shop gesagt habe: Yep, einmal nach Hause kommen, Muster bringen, ausmessen und Vertrag unterschreiben.
Ich sag ja … vorgestern, gestern und heute war alles irgendwie Halb und nicht Ganz – abgesehen von der Zahnarztrechnung in ganzen Tausender!
So. Jetzt mache ich Mundwinkelübungen, damit ich nicht Gefahr laufe, dass sie permanent unten bleiben.