Ich wäre ja nicht ich, wenn ich nicht ein wenig widersprechen würde und zunächst ein typisch Deutsches: “Doch”, vom Stapel lasse. Oder: “Doch. Tut man wohl.” Oder nur ich und alle anderen sind so schlau und schweigen in der Öffentlichkeit. Vielleicht, um nicht als undankbar zu gelten, oder als ewige Nörgler, denen man nie was Recht machen kann. Nun denn erzähle ich kurz vom Hüttenwochenende am Meer …
Klingt gut, so eine kostenlose Unterkunft und dann noch am Meer. Ein Nachteil für mich als Frau, wenn ich auch nur für zwei Tage packen muss, sind all die Pflegemittel und Make-up Produkte, die ein Mann überhaupt nicht besitzt, einpacken zu müssen und die Menge bleibt immer gleich. Ob ich zwei Nächte wegfahre oder drei Wochen – tut sich nix. Nervt mich aber. Dann die Kleidung für alle Eventualitäten – zwar nichts umwerfend Tolles, eher was Praktisches, aber man kennt auch das … Wetter am Meer und besonders im Herbst ist ein wenig unberechenbar, zwar hatten wir warme und sonnige Tage, aber am Abend kühlt es dann schnell ab. Ich hasse frieren! Nicht zu vergessen diverse Vitaminprodukte auf Anraten meiner Ärztin und meine einzig richtigen Tabletten, die auch noch im Kühlschrank aufbewahrt werden müssen. Wenn ich die so oft ungekühlt hin- und herschleppe, frage ich mich auch, ob die überhaupt noch eine Wirkung haben.
Wir sind nach Lakes Entrance (auf der Seite gibt es auch ein Promovideo von der Gegend) gefahren. Drei Stunden von uns entfernt, waren wir früher auch wenigstens 2x, hätte ich nicht unbedingt wieder hinfahren müssen, aber meine Schwiegermutter und ihr Mann haben diese Cabin auf einem Campingplatz gekauft. Zwei Schlafzimmer, Bad, Küche, Wohnraum, niedliche Veranda. Wenn wir innerhalb Australiens wegfahren, bleiben wir entweder in einem Motel oder in einer Cabin auf einem Campingplatz. Preislich tut sich da kaum etwas, schon mal gar nicht während der Ferienzeit. Beides ist unglaublich teuer pro Nacht (für das, was es ist: Selbstversorgung und die Motelzimmer sehen auch irgendwie alle gleich aus).
Den Strand erreicht man nur über eine lange Brücke, was im Hochsommer sicherlich lästig ist, wenn man Stunden am Strand verbringen möchte und einige Sachen mitnehmen muss, aber an diesem Wochenende hat es mich nicht gestört, wollte ich ohnehin mehr Bewegung. Der Strand ist wirklich schön – ob du links oder rechts guckst, du siehst nichts anderes als Strand und Dünen. Jaime hatte seinen Freund Ben mitgenommen, die beiden sind tatsächlich ins Wasser gegangen, ich habe gar keine Badesachen mitgenommen. Ich sagte ja bereits, dass ich frieren hasse wie die Pest. Und steh da mal klatschnass im Wind!
Selbstverständlich habe ich mir vorgestellt, wie ich mich demnächst dort alleine zum Schreiben zurückziehen werde, im Winter am Kaminfeuer, dessen Schein mich jünger, schöner und sogar erfolgreich aussehen lässt – wenn nicht gar mysteriös, die letzten Sätze eines Kapitels schreibe (ist gar kein Kamin vorhanden), sich ein gesundes und herzhaftes Sandwich zum Lunch auf wundersame Weise auf einem Teller mit ästhetisch angerichteter Garnierung, materialisiert und ich mich überhaupt nicht Frage, ob das Gemüse auch wohl gut abgespült worden ist, bevor ich es zum Mund führe. Mein Surfyhaar liegt abends wunderbar. Ich binde mir ein Hippietuch farblich passend zu meiner Augenfarbe und dem Sweatshirt (ich besitze nicht ein einziges Sweatshirt oder Hippietuch) ins Haar und nippe tief in Gedanken versunken in einem urgemütlichem Restaurant mit Meeresblick an einem Glas Rotwein und knabbere mich durch einen Berg Meeresfrüchte, die ich geschickt aus diversen Schalen pule und mich vor gar nix ekel. Zum krönenden Abschluss des Tages sitze ich nach Sonnenuntergang bei Kerzenschein auf der rustikalen Veranda, höre das Meeresrauschen und rauche einen Joint. Oder trinke ein Glas besten Whisky. Auf keinen Fall schnöden Tee, heißen Kakao und grünen Tee schon mal gar nicht. Den können die Chinesen behalten! Selbstverständlich habe ich kurz darauf die besten Ideen seit Autorengedenken und tippe bis zur Erschöpfung und zum Morgengrauen, den ich mit Yogaübungen begrüße. Schlaf brauche ich nicht.
Yeah. Right!
… to be continued …