Kinders

Ich brauche einen Rat – nicht zu verwechseln mit Schlag :-)

Meine Toleranzgrenze, was Niederlagen angeht ist ziemlich hoch, seitdem ich diese comfortable numb Einstellung vor einigen Wochen an mir bemerkt habe. Ich hoffe, dass die Einstellung anhält, weil ich das Gefühl habe, dass ich dadurch Abstand gewinne und deshalb auch meine eigene Arbeit kritischer beleuchten kann. Nur wie das mit eigenen Arbeiten so ist, ist man trotzdem noch zu nahe dran, um zu wissen, was muss aus welchen Gründen raus aus meinem Manuskript. In Miniaturkritik ist es mir jetzt gesagt worden – ein wenig schwammig – den direkten Fingerzeig auf die bemängelten Stellen hätte ich mir da eher gewünscht – but time is money. Auch damit kann ich leben.

Ich habe mir bei allem, was ich geschrieben habe, etwas gedacht – das ist nicht nur so runter geschrieben. Gleichzeitig gehöre ich nicht zu den Menschen, die Krallen ausfahren und sich einbilden alles wäre perfekt. Denn nur, weil ich mir bei allem etwas gedacht habe, bedeutet das schließlich nicht, dass es auch sinnvoll ist. Da lasse ich mir gerne etwas sagen.

Den Fehler, den  ich begangen habe – etwas rüberzubringen (nämlich auswandern) im Skript, woraus sich dann wiederum einige Textstellen ergeben, kann ich aus Sicht eines Verlages erkennen. Ich stelle mir jetzt nur die Frage, ob ich noch einmal straffe und damit diese Elemente verliere oder ob ich zwar straffe, aber den Ursprungsgedanken weswegen ich diesen Text geschrieben habe, trotzdem drin lasse. Und was, wenn ich dann immer noch zu viel im Text schwafel? Woran erkenne ich mein eigenes schwafeln und einen genialen Satz?

Man kann sich ja halb tot analysieren, wobei mir Textarbeit Spaß macht und mich fordert. Wie viel im Text ist mein Kind, wie viel im Text ist Können oder Nichtkönnen. Und was genau? Und wieso schwafel ich schon wieder?

Und will ich den Weg des Selbstverlegens gehen – an dem ich übrigens parallel arbeite? Das Buchcover ist bereits von einer Künstlerin gestaltet worden und sieht klasse aus – even if I say so myself. FrauD stand mir auch mit Rat und Tat zur Seite und hat u. a. für mich formatiert – fettes öffentliches Danke dafür an dieser Stelle. Ich habe jetzt auch enorm viele Kommata, Groß- und Kleinschreibungswörter plus und das macht das Ganze richtig rund – Zusammen-Getrennt-Wörter in meiner Sammlung. Also wenn sich daraus nicht demnächst eine neue Story schreiben lässt …

Ich weiß, dass ich mit einem selbst verlegten Buch weder Blumentöpfe gewinnen werde, noch überhaupt auch nur einen Cent verdienen würde – was auch gar nicht mein Anliegen dabei wäre. Auch habe ich gar nicht die Möglichkeit groß für mein Buch Werbung zu machen und ganz ehrlich? Will ich auch gar nicht. Nicht jeder, der ein Haus gebaut hat, ladet sich permanent Gäste ein. Es wäre für mich ein Projekt, das ich zu einem Abschluss bringen würde, statt in die Tonne zu treten. Having said that … selbstverständlich würde ich mir Leser für mein Buch wünschen und wenn ich auch sonst nicht durch Bescheidenheit glänze, in diesem Fall bin ich ganz bescheiden und würde mich über eine kleine Leserschaft freuen.

Als ich anfing parallel an einer Selbstveröffentlichung zu arbeiten, war auch der Gedanke dabei, es pünktlich zu meinem Geburtstag zu schaffen. In genau drei Wochen – ist das jetzt geschickt eingeflochten oder was? Wenn ich nämlich schon keinen Grund zum jubeln habe, weil ich wegen meines Alters Mundwinkel bekomme, statt eine euphorische Feierlaune, wollte ich mich selbst beschenken.

Was also tun? Zum 1000. Mal straffen, gnadenlos straffen, in die Tonne treten, mich schämen, mich ärgern, mich unterkriegen lassen, mir noch mehr Gelassenheit wünschen, einen Liebhaber nehmen, Schreiben aufgeben, Schreiben nicht aufgeben, in den Urlaub nach A statt nach B zu fahren/fliegen, mich einer Lobotomie unterziehen und anschließend bei McDonald’s arbeiten. May I take your order, please? – ist ja auch ein schöner Satz, den man kreativ interpretieren kann. Vielleicht sogar mit kurzen Tanzeinlagen?

Männer bei der Arbeit

Tja, was soll man mit recht unmusikalischem Gehör zum Plagiatsvorwurf vom Men At Work Song Down Under sagen?

Sing mal das Kinderlied, John. John singt die erste Zeile – mind you – genauso gut, wie ich singen kann, wenngleich er ein viel besseres musikalisches Gehör besitzt als ich. Ich höre nix, sage ich. Du? Nah, meint er, nicht wirklich.

Wenn ich das also richtig verstanden habe, geht es um zwei Tunes. Sich von der Arbeit eines anderen Menschen zu bedienen ist eben nicht angesagt und das ist auch gut so. Für mich ändert aber daran nicht, dass ich den Song damals schon beim ersten Mal hören im Radio geliebt habe und immer noch liebe. Eines dieser Lieder, die ich auch mit 80 noch hören mag. Ein gute Laune Song.

Gestern habe ich viel gelesen. Im Netz und auch echtes Papier in den Händen gehalten. Ich glaube bei Heinrich im Blog war es, wo mich das Wort Pygmäe ansprang. Und heute sehe ich auch eine Pygmäen-Überschrift im Spiegel.

Und damit ich kleines Licht am Arsch der Welt nicht bezichtigt werde, ich hab die Pygmäen geklaut, die  schon lange in meinem Text stehen, möchte ich euch den Ausschnitt (die Szene geht noch weiter) nicht vorenthalten. Aber vermutlich ist es einfach so, wie mit dem Autokauf. Fängt man an sich für ein bestimmtes Automodell zu interessieren, sieht man es plötzlich überall, obwohl man davon überzeugt ist, dass dieses Modell gestern noch nicht auf den Straßen unterwegs war.

Here goes:

»Ich hab einen Cousin, der in Deutschland lebt«, sagte Sahim, kaum dass wir zwei Kilometer gefahren waren. In Zentralafrika roden sie den Pygmäen den Regenwald unter den nackten Fußsohlen weg. Mit beiden Informationen konnte ich nicht ganz so viel anfangen. Ich kannte weder Sahims Cousin, noch einen einzigen Pygmäe, für den ich mich hätte einsetzen können. Manchmal hasste ich Small Talk.